Biohacking Kompakt

Tipp · Longevity

Monatlicher Senolytikum-Puls

Fisetin hochdosiert an 2 aufeinanderfolgenden Tagen pro Monat. Die placebokontrollierte Studie, die genau dieses Schema prüft, läuft seit dem 6.2.2018 an 40 Frauen – und hat bis heute kein Ergebnis berichtet.

Das Schema klingt bestechend einfach: an 2 aufeinanderfolgenden Tagen im Monat eine hohe Dosis Fisetin, den Rest der Zeit nichts. So steht es in einem Studienprotokoll der Mayo Clinic. Was aus dieser Studie wurde, ist die eigentliche Geschichte.

Kurz gesagt

Der monatliche Puls ist kein Ergebnis, sondern ein Studiendesign. Die Mayo Clinic prüft seit dem 6.2.2018 an 40 gebrechlichen Frauen ab 70 Jahren genau dieses Schema gegen Placebo und hat nichts berichtet; im Register steht der 1.11.2026 als geschätzter Abschluss. Der Mechanismus darunter hat den wichtigsten Prüfstein nicht bestanden: Im unabhängigen Interventions-Testprogramm verlängerte Fisetin 2023 in keinem Geschlecht und bei keinem der beiden Schemata die Lebenszeit, und die Seneszenzmarker sanken nicht, weder in Leber noch Niere noch Gehirn. Quercetin wurde am Menschen nie allein als Senolytikum untersucht, sondern immer im Paar mit dem verschreibungspflichtigen Dasatinib. Apigenin gehört überhaupt in eine andere Wirkklasse. Es bleibt ein plausibles Protokoll ohne berichteten Humanbeleg.

Woher das Pulsschema kommt

Die Idee hinter dem Puls: Seneszente Zellen sollen sich nicht dauerhaft unterdrücken, sondern in kurzen Stößen entfernen lassen. Selten und hoch statt täglich und niedrig.

Das Schema stammt aus der AFFIRM-Studie an der Mayo Clinic: 40 gebrechliche Frauen ab 70 Jahren, Fisetin an 2 aufeinanderfolgenden Tagen in 2 aufeinanderfolgenden Monaten, gegen Placebo, Hauptendpunkt 6-Minuten-Gehstrecke und Ganggeschwindigkeit nach 1 Monat. Genau die richtige Studie.

Sie hat am 6.2.2018 begonnen. Der Registereintrag nennt als geschätzten Abschluss den 1.11.2026, der Status lautet Aufnahme auf Einladung. Das sind 8,5 Jahre für 40 Teilnehmerinnen ohne einen berichteten Wert. Kleine Studien mit gebrechlichen alten Menschen sind langsam, und die Pandemie liegt mittendrin. Die Faktenlage bleibt: Die meistzitierte Humanstudie zu Fisetin läuft seit über 8 Jahren ohne Ergebnis. Das Schema ist damit gut begründet, aber unbelegt.

Fisetin: eine sehr gute Erststudie

Dass Fisetin überhaupt im Regal steht, liegt an einer Arbeit von 2018 in EBioMedicine. Eine Gruppe hatte Pflanzenstoffe im Reagenzglas darauf durchsucht, welche seneszente Zellen abtöten. Fisetin war der beste Treffer.

Dann ging es in alte Wildtyp-Mäuse ab über 20 Monaten, also spät im Leben und nicht lebenslang. Fisetin verlängerte gegenüber Kontrollfutter die mittlere und die maximale Lebenszeit, in mehreren Geweben sanken die Seneszenzmarker, und menschliches Fettgewebe im Reagenzglas zeigte denselben Effekt. Späte Gabe, Lebenszeitgewinn, passender Mechanismus: Mehr kann man von einer Erststudie kaum verlangen.

Was das unabhängige Testprogramm fand

Das Interventions-Testprogramm ist der einzige Ort, an dem Mausdaten wirklich repliziert werden: 3 unabhängige Standorte, genetisch gemischte Mäuse, Veröffentlichung unabhängig vom Ausgang. 2023 kam Fisetin an die Reihe, 600 ppm im Futter ab 20 Monaten, in zwei Schemata: durchgehend oder 3 Tage alle 2 Wochen.

Das Ergebnis: keine signifikante Lebenszeitverlängerung, in keinem Geschlecht, bei keinem der beiden Schemata. Der zweite Befund wiegt schwerer. Das Programm hat nachgesehen, ob Fisetin überhaupt tut, wofür es bekannt ist, und fand keine Senkung der Seneszenzmarker: nicht in der Leber, nicht in der Niere, nicht im Gehirn. Die eigentliche Frage konnten die Autoren deshalb gar nicht beantworten.

Es gibt reale Unterschiede zur Erststudie: anderer Mausstamm, andere Dosis, andere Aufbereitung, andere Standorte, und die Autoren schränken ausdrücklich auf die hier verwendeten Dosen und Verabreichungswege ein. Widerlegt ist die Behauptung damit nicht. Unzuverlässig ist sie schon, und für jemanden, der Kapseln kauft, ist das dasselbe.

Die Lücke zwischen Studie und Kapsel

Die Mayo-Studie prüft 20 Milligramm Fisetin je Kilogramm Körpergewicht, für einen 80 Kilogramm schweren Menschen also 1.600 Milligramm am Tag. Handelsübliche Kapseln enthalten typischerweise 100 bis 500 Milligramm, je nach Produkt wären 3 bis 16 Kapseln an einem Pulstag nötig.

Das ist keine Einnahmeempfehlung, sondern eine Einordnung: Die meisten Anwender nehmen einen Bruchteil dessen, was überhaupt geprüft wird. Der Puls im Regal und der Puls im Protokoll sind nicht dasselbe.

Quercetin und Apigenin gehören nicht in dieses Protokoll

Quercetin taucht in Kombipräparaten auf, als gehöre es zum Puls. In den Humanstudien zu Senolytika war es jedoch immer zusammen mit Dasatinib dabei, nie allein. Die Kombination existiert nicht aus Bequemlichkeit: Verschiedene seneszente Zelltypen hängen an verschiedenen Überlebenswegen, und beide Substanzen decken unterschiedliche ab. Quercetin einzeln zu verkaufen, ist so sinnvoll wie von einer Schere ein Blatt zu kaufen.

Dazu kommt die Aufnahme. Eine pharmakologische Übersichtsarbeit fasst zusammen: Die orale Aufnahme reichte von 0 bis über 50 Prozent der Dosis, die Halbwertszeiten von 0,7 bis 2,4 Stunden, und die Daten reichten nicht aus, um Quercetin die beobachteten Wirkungen zuzuschreiben.

Apigenin wird meist in denselben Topf geworfen, macht aber etwas anderes: Es gilt als senomorph, nicht als senolytisch. Senolytisch heißt, die alten Zellen sterben; senomorph heißt, sie bleiben und geben weniger Entzündungsstoffe ab. Das kann verträglicher sein, ist aber ein anderes Ziel. Es gibt Mausarbeiten dazu und keine bekannten Humandaten mit klinischen Endpunkten.

Was gut belegt ist

Sauber belegt ist die Vorgeschichte. Fisetin war im Zellkultur-Screening der beste Treffer, und in derselben Arbeit verlängerte späte Gabe bei alten Mäusen mittlere und maximale Lebenszeit bei sinkenden Seneszenzmarkern. Belegt ist auch, dass Dasatinib und Quercetin aus biologischen Gründen als Paar geprüft werden. Und in Lebensmittelmengen aus Erdbeeren, Zwiebeln und Petersilie sind alle drei Stoffe unproblematischer Teil einer guten Ernährung.

Was die Studien zeigen

EBioMedicine 2018, Screening und Mausstudie

Zellkultur-Screening von Pflanzenstoffen, Fisetin als bester Treffer. In alten Wildtyp-Mäusen ab über 20 Monaten verlängerte Fisetin mittlere und maximale Lebenszeit, mit weniger Seneszenzmarkern in mehreren Geweben.

Interventions-Testprogramm 2023

3 unabhängige Standorte, genetisch gemischte Mäuse, 600 ppm Fisetin im Futter ab 20 Monaten, zwei Schemata. Keine signifikante Lebenszeitverlängerung, in keinem Geschlecht und bei keinem Schema, und keine Senkung der Seneszenzmarker in Leber, Niere und Gehirn.

AFFIRM, Mayo Clinic

40 Frauen ab 70 Jahren mit Gebrechlichkeit, Fisetin an 2 aufeinanderfolgenden Tagen in 2 aufeinanderfolgenden Monaten gegen Placebo, Hauptendpunkt 6-Minuten-Gehstrecke nach 1 Monat. Beginn 6.2.2018, im Register genannter Abschluss 1.11.2026, Status Aufnahme auf Einladung. Kein berichtetes Ergebnis.

Übersichtsarbeit zur Aufnahme von Quercetin

Die orale Aufnahme reichte über die Studien hinweg von 0 bis über 50 Prozent der Dosis, die Halbwertszeiten lagen zwischen 0,7 und 2,4 Stunden. Die Daten reichten nicht aus, um zu klären, ob Quercetin für die beobachteten Wirkungen verantwortlich zu machen ist.

Wo die Daten fehlen

Für das Pulsschema gibt es beim Menschen keinen berichteten Endpunkt. Die einzige Studie, die es gegen Placebo prüft, läuft seit über 8 Jahren und hat weder Wirksamkeit noch Verträglichkeit veröffentlicht. Alles, was als Beleg zirkuliert, stammt aus der Maus oder aus offenen Pilotstudien mit der verschreibungspflichtigen Kombination bei Erkrankten.

Schwerer wiegt, dass auch der Mechanismus wackelt. Im standardisierten Replikationsprogramm ließ sich nicht einmal zeigen, dass Fisetin seneszente Zellen entfernt. Damit fehlt nicht nur der Nutzenbeleg, sondern der Zwischenschritt, auf den sich die Produktversprechen berufen.

So machst du es

Das verbreitete Protokoll stammt aus der Mayo-Studie AFFIRM und sieht Fisetin allein vor, an 2 aufeinanderfolgenden Tagen in 2 aufeinanderfolgenden Monaten, geprüft mit 20 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht, bei 80 Kilogramm also 1.600 Milligramm am Tag. Rechnest du das auf handelsübliche Kapseln mit 100 bis 500 Milligramm um, kämst du je nach Produkt auf 3 bis 16 Kapseln an einem Pulstag. Quercetin gehört nicht in dieses Schema, sondern in die getrennte Kombination mit dem verschreibungspflichtigen Dasatinib, und Apigenin ist mit senomorpher statt senolytischer Wirkung eine andere Wirkklasse ohne bekannte Humandaten mit klinischen Endpunkten; für die oft genannte Einnahme morgens mit Fett gibt es keinen Beleg.

Das ist eine Beschreibung und keine Empfehlung, denn ein Wirksamkeitsbeleg liegt für dieses Schema nicht vor. AFFIRM prüft es seit dem 6.2.2018 gegen Placebo und hat bis heute nichts berichtet, weder zu Wirkung noch zu Verträglichkeit; im Register steht der 1.11.2026 als geschätzter Abschluss. Im unabhängigen Interventions-Testprogramm verlängerte Fisetin 2023 die Lebenszeit nicht, in keinem Geschlecht und bei keinem der beiden Schemata, und die Seneszenzmarker sanken weder in Leber noch Niere noch Gehirn. Damit fehlt nicht nur der Nutzenbeleg, sondern der Zwischenschritt darunter.

Sicherheit

Eine belastbare Sicherheitsdatenlage für hoch dosierte Pulse gibt es nicht, weil die einzige placebokontrollierte Studie dazu nichts berichtet hat. In Lebensmittelmengen sind alle drei Stoffe unproblematisch. Bei Quercetin ist eine Wechselwirkung mit Blutverdünnern und einigen Antibiotika bekannt: Wer regelmäßig Medikamente nimmt, klärt hohe Dosen besser vorher ärztlich ab. Der größere Preis fällt ohnehin nicht in Euro an: Wer die eigene Zellerneuerung mit einer Kapsel für erledigt hält, trainiert womöglich eine Einheit weniger.

BK-Score Nicht am Menschen untersucht

Human-Evidenz1
Mechanismus3
Sicherheits-Datenlage2
Hype-Abstand2
Anwendungserfahrung4

Evidenz 1: Zum Pulsschema gibt es keine berichteten Humandaten – die einzige placebokontrollierte Studie dazu (AFFIRM, 40 Frauen ab 70 Jahren) läuft seit dem 6.2.2018 und hat nichts veröffentlicht, im Register steht der 1.11.2026. Mechanismus 3: Zellkultur-Screening und die Mausarbeit von 2018 stützen den Pfad, aber das Interventions-Testprogramm fand 2023 keine Senkung der Seneszenzmarker in Leber, Niere und Gehirn, sodass der Mechanismus über die Erstbeschreibung hinaus unbestätigt ist. Sicherheit 2: Ohne berichtete Humanstudie gibt es keine systematisch erhobene Sicherheitsdatenlage für hohe Pulse, bekannt sind nur Wechselwirkungen von Quercetin mit Blutverdünnern und einigen Antibiotika. Hype 2 bleibt, weil Packungen Zellerneuerung versprechen, während der Mechanismus in der besten Replikation nicht auffindbar war, und Anwendung 4 bleibt, weil Fisetin breit und ohne regulatorischen Rahmen im Regal steht; die Richtung wird von offen auf negativ gesetzt, da mit dem Testprogramm Daten vorliegen, die gegen die Wirkung sprechen.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Wirkung. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Monatlicher Senolytikum-Puls

Woher stammt das Schema mit 2 Tagen im Monat?

Aus dem Protokoll der AFFIRM-Studie an der Mayo Clinic. Dort bekommen 40 gebrechliche Frauen ab 70 Jahren Fisetin an 2 aufeinanderfolgenden Tagen in 2 aufeinanderfolgenden Monaten, gegen Placebo. Das Schema ist also ein Studiendesign und kein Ergebnis.

Gibt es inzwischen Resultate dieser Studie?

Nein. Die Studie hat am 6.2.2018 begonnen, der Registereintrag nennt den 1.11.2026 als geschätzten Abschluss des Hauptendpunkts, und der Status lautet Aufnahme auf Einladung. Das sind 8,5 Jahre für 40 Teilnehmerinnen ohne berichteten Wert. Kleine Studien mit gebrechlichen alten Menschen sind langsam, aber verwertbar ist bisher nichts.

Ist die Fisetin-Mausstudie nicht Beweis genug?

Sie war sehr gut, aber sie wurde nicht repliziert. Im unabhängigen Interventions-Testprogramm verlängerte Fisetin 2023 die Lebenszeit nicht, in keinem Geschlecht und bei keinem der beiden Schemata. Wichtiger noch: Die Seneszenzmarker sanken nicht, weder in Leber noch Niere noch Gehirn. Der Mechanismus zeigte sich also gar nicht.

Reicht die Dosis in üblichen Kapseln?

Die Studie arbeitet mit 20 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht, für einen 80 Kilogramm schweren Menschen also 1.600 Milligramm am Tag. Kapseln enthalten typischerweise 100 bis 500 Milligramm. Wer die geprüfte Menge erreichen wollte, käme je nach Produkt auf 3 bis 16 Kapseln. Das ist eine Einordnung, keine Einnahmeempfehlung.

Gehört Quercetin in den Puls?

Nach den Humandaten nicht. Quercetin wurde am Menschen nie allein als Senolytikum untersucht, sondern immer zusammen mit dem verschreibungspflichtigen Dasatinib, weil beide Substanzen unterschiedliche Überlebenswege seneszenter Zellen abdecken. Dazu schwankt die orale Aufnahme über die Studien hinweg von 0 bis über 50 Prozent der Dosis.

Ist Apigenin eine Alternative?

Es ist keine Alternative, sondern etwas anderes. Apigenin gilt als senomorph: Die alten Zellen bleiben und geben weniger Entzündungsstoffe ab, statt zu sterben. Das kann verträglicher sein, ist aber ein anderes Ziel. Humandaten mit klinischen Endpunkten sind nicht bekannt.

Passt dazu

Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungsempfehlung. Bei Vorerkrankungen und vor größeren Umstellungen ärztlich abklären. Stand: 2026-09-19.