Supplement
Rotschimmelreis
Pilz · Red Yeast Rice, Monascus purpureus, Hongqu, Beni-koji, Monacolin K, Xuezhikang
Rotschimmelreis ist gewöhnlicher Reis, der mit dem Schimmelpilz Monascus purpureus vergoren wurde. Dabei entsteht Monacolin K, und das ist chemisch dasselbe Molekül wie der verschreibungspflichtige Cholesterinsenker Lovastatin. Deshalb wirkt Rotschimmelreis nachweislich, und deshalb bringt er auch die Risiken eines Statins mit.
Kurz gesagt
Rotschimmelreis senkt das LDL-Cholesterin, in Meta-Analysen im direkten Vergleich etwa so stark wie Statine, und in einer großen chinesischen Studie mit 4.870 Herzinfarkt-Patienten sanken über 4,5 Jahre auch Herzinfarkte und Sterblichkeit. Der Grund ist einfach: Der Hauptwirkstoff Monacolin K ist identisch mit Lovastatin. Genau das ist auch der Haken. Die EU erlaubt seit 2022 nur noch weniger als 3 mg Monacoline pro Tagesportion, für diese Menge gibt es kaum Wirksamkeitsdaten, und die EFSA konnte keine sichere Tagesmenge festlegen. Ein vollständiges Verbot in Lebensmitteln ist von den Mitgliedstaaten 2026 beschlossen und soll noch veröffentlicht werden.
Was es ist
Rotschimmelreis, auf Englisch Red Yeast Rice, entsteht, wenn gekochter Reis mit Pilzstämmen der Gattung Monascus fermentiert wird. Der Reis färbt sich dabei tiefrot. In Ostasien wird er seit mehr als tausend Jahren zum Färben und Würzen von Speisen und in der traditionellen Medizin genutzt. In Europa spielt er in normalen Lebensmitteln keine Rolle, als Lebensmittelfarbstoff ist er in der EU nicht zugelassen. Hier kennt man ihn fast nur als Kapsel gegen hohes Cholesterin.
Während der Fermentation bildet der Pilz eine Reihe von Stoffen, die Monacoline heißen. Das häufigste ist Monacolin K. In seiner Lacton-Form ist es mit Lovastatin identisch, einem Statin, das in Deutschland als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zugelassen ist. Rotschimmelreis ist also kein sanfter Pflanzenstoff mit cholesterinsenkender Nebenwirkung, sondern im Kern ein natürlich entstandenes Statin in wechselnder Menge, zusammen mit weiteren Monacolinen und Farbstoffen, deren Wirkung weniger gut untersucht ist.
Wie es wirkt
Der Mechanismus ist so gut verstanden wie bei kaum einem anderen Supplement. Monacolin K hemmt in der Leber das Enzym HMG-CoA-Reduktase, den Engpass der körpereigenen Cholesterinbildung. Die Leberzellen bilden daraufhin mehr LDL-Rezeptoren und holen mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut. Das ist exakt der Weg, über den alle Statine wirken, und für Statine ist gut belegt, dass sie Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern.
Abgebaut wird Monacolin K wie Lovastatin vor allem über das Leberenzym CYP3A4. Das erklärt, warum bestimmte Medikamente den Spiegel stark anheben können, und warum die Nebenwirkungen denen von Statinen gleichen.
Was Anwender suchen
Die meisten greifen zu Rotschimmelreis, weil ihr Cholesterin leicht erhöht ist und sie kein Medikament nehmen wollen, oder weil sie Statine wegen Muskelschmerzen abgesetzt haben. Viele berichten, dass ihre Laborwerte nach einigen Wochen deutlich gesunken sind. Das passt zur Studienlage und ist kein Placebo-Effekt. Wichtig ist nur, was dahinter steckt: Wer Rotschimmelreis nimmt, nimmt ein Statin ohne ärztliche Begleitung und ohne standardisierte Dosis.
Was gut belegt ist
Gut belegt ist die Senkung des LDL-Cholesterins. Eine Meta-Analyse von 20 randomisierten Studien mit bekanntem Monacolin-Gehalt fand gegenüber Placebo 1,02 mmol/l weniger LDL, im direkten Vergleich mit Statinen gab es keinen Unterschied. Eine neuere Auswertung von 14 doppelblinden Studien über 4 bis 24 Wochen kam auf 35,82 mg/dl weniger LDL. Schon die erste große westliche Studie 1999 zeigte den Effekt: Bei 83 Erwachsenen sank das Gesamtcholesterin unter 2,4 g Rotschimmelreis pro Tag innerhalb von 8 Wochen von 254 auf 208 mg/dl.
Seltener für ein Supplement: Es gibt Daten zu harten Endpunkten. In der chinesischen Sekundärpräventionsstudie CCSPS senkte der standardisierte Extrakt Xuezhikang bei Patienten nach Herzinfarkt die Rate schwerer koronarer Ereignisse von 10,4 auf 5,7 Prozent. Eine Meta-Analyse von 7 Studien mit 10.699 Herzinfarkt-Patienten bestätigte weniger erneute Herzinfarkte. Für Menschen, die Statine wegen Muskelschmerzen nicht vertragen, gibt es eine kleine Studie, in der Rotschimmelreis ähnlich gut vertragen wurde wie Pravastatin und das LDL ähnlich stark senkte.
Was die Studien zeigen
Die CCSPS-Studie
4.870 Patienten nach Herzinfarkt erhielten doppelblind zweimal täglich 0,6 g Xuezhikang oder Placebo, im Mittel 4,5 Jahre lang. Nach Einschätzung der deutschen Expertenkommission von BVL und BfArM entspricht diese Menge 10 mg Lovastatin. Der primäre Endpunkt aus nicht tödlichem Herzinfarkt und koronarem Tod trat bei 5,7 Prozent gegenüber 10,4 Prozent auf, die Gesamtsterblichkeit lag um 33 Prozent niedriger. Die Studie ist groß und sauber angelegt, betrifft aber ein einziges chinesisches Präparat in einer Dosis, die in der EU heute nicht erlaubt ist.
Die Meta-Analyse von Gerards
Die Autoren werteten 20 randomisierte Studien aus, in denen der Monacolin-K-Gehalt bekannt war. Rotschimmelreis senkte das LDL um 1,02 mmol/l gegenüber Placebo und wirkte so stark wie Statine. Leber- und Nierenschäden traten in 0 bis 5 Prozent auf, nicht häufiger als in den Kontrollgruppen. Die Autoren betonen aber, dass die Sicherheit in den meisten Studien methodisch schwach erfasst wurde.
Die Studie bei Statin-Unverträglichkeit
43 Erwachsene, die Statine wegen Muskelschmerzen abgesetzt hatten, bekamen 12 Wochen lang 2.400 mg Rotschimmelreis oder 20 mg Pravastatin, jeweils zweimal täglich. Wegen Muskelschmerzen brachen 5 Prozent gegenüber 9 Prozent ab, das LDL sank um 30 gegenüber 27 Prozent. Die Studie ist klein, zeigt aber, dass Rotschimmelreis hier nicht besser verträglich war als ein mildes Statin, sondern ähnlich.
Wo die Daten aufhören
Die starken Daten stammen aus Studien mit Monacolin-Mengen, die heute in der EU nicht mehr verkauft werden dürfen. Seit 2022 müssen Tagesportionen weniger als 3 mg Monacoline enthalten. Für diese Menge gibt es kaum eigenständige Wirksamkeitsdaten, meist nur kleine, offene Studien mit Kombinationspräparaten, etwa eine mit 40 Personen über 8 Wochen, in der das LDL um 14,8 Prozent sank, allerdings zusammen mit Berberin und ohne Vergleichsgruppe. Welchen Anteil der Rotschimmelreis daran hatte, lässt sich so nicht sagen.
Auch die beruhigenden Sicherheitsdaten haben Grenzen. Eine Meta-Analyse von 53 Studien mit 8.535 Teilnehmenden fand kein erhöhtes Risiko für Muskelbeschwerden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält diese Arbeit aber wegen wesentlicher Limitationen für ungeeignet, die Bedenken auszuräumen, und die EU-Kommission hält fest, dass kleine Studien seltene schwere Nebenwirkungen nicht erfassen können. Dazu kommt, dass der Gehalt an Monacolinen und Nebenprodukten zwischen Produkten schwankt.
Status, Zulassung und Recht
In Deutschland ist Rotschimmelreis derzeit als Nahrungsergänzungsmittel erlaubt, aber streng begrenzt. Nach der EU-Verordnung 2022/860 muss eine Tagesportion weniger als 3 mg Monacoline enthalten, die Verpackung muss den Gehalt nennen und vor der Einnahme in Schwangerschaft und Stillzeit, unter 18 und über 70 Jahren, zusammen mit Cholesterinsenkern und zusammen mit anderen Rotschimmelreisprodukten warnen. Ab 5 mg Monacolin K pro Tag stuft die Expertenkommission von BVL und BfArM ein Produkt als Arzneimittel ein. Die gesundheitsbezogene Angabe zur Cholesterinsenkung wurde 2024 gestrichen, damit darf nicht mehr mit der Wirkung geworben werden. Seit 2026 ist mehr in Bewegung: Die Mitgliedstaaten haben am 13. Mai 2026 einem Entwurf zugestimmt, Monacoline aus Rotschimmelreis in Lebensmitteln ganz zu verbieten. Die Veröffentlichung wird für Ende 2026 erwartet, danach dürfen vorhandene Produkte noch 12 Monate verkauft werden. Auf der WADA-Verbotsliste 2026 steht Rotschimmelreis nicht.
Sicherheit
Die Nebenwirkungen entsprechen denen von Lovastatin: Muskelschmerzen bis hin zur seltenen, gefährlichen Rhabdomyolyse, Leberschäden, außerdem Beschwerden an Nerven, Magen-Darm-Trakt und Haut. Die EFSA beschreibt Einzelfälle schwerer Nebenwirkungen schon ab 3 mg Monacolinen pro Tag und konnte 2018 und erneut 2025 keine sichere Tagesmenge festlegen. Das BfR rät deshalb vom Verzehr ab oder nur nach ärztlicher Rücksprache. Wechselwirkungen drohen mit Mitteln, die das Enzym CYP3A4 hemmen, etwa bestimmten Pilzmitteln, HIV-Medikamenten und Ciclosporin, sowie mit Fibraten und hoch dosiertem Niacin. Ein eigenes Risiko sind Verunreinigungen: Das Pilzgift Citrinin kann die Niere schädigen, sein Höchstgehalt wurde 2020 auf 100 µg/kg gesenkt. In Japan führten 2024 verunreinigte Chargen eines Rotschimmelreis-Präparats zu Nierenschäden, 2.628 Menschen suchten ärztliche Hilfe, gemeldet wurden 76 möglicherweise zusammenhängende Todesfälle. Ursache war dort eine Verunreinigung mit einem anderen Schimmelpilz, nicht das Monacolin.
BK-Score Belegt, mit Einschränkungen
| Human-Evidenz | 7 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 8 | |
| Sicherheits-Datenlage | 7 | |
| Hype-Abstand | 5 | |
| Anwendungserfahrung | 7 |
Evidenz 7, weil die LDL-Senkung in Meta-Analysen konsistent ist (Gerards 2015: 20 randomisierte Studien, -1,02 mmol/l; Trogkanis 2024: 14 doppelblinde Studien) und die CCSPS mit 4.870 Herzinfarkt-Patienten über 4,5 Jahre sogar harte Endpunkte senkte (10,4 auf 5,7 Prozent), diese Daten aber aus einem chinesischen Präparat in einer Dosis stammen, die in der EU nicht mehr erlaubt ist, und für weniger als 3 mg Monacoline pro Tag nur kleine offene Studien mit Kombinationspräparaten vorliegen. Mechanismus 8, weil Monacolin K mit Lovastatin identisch ist und die Hemmung der HMG-CoA-Reduktase mit Senkung des LDL am Menschen belegt ist; die Wirkung der übrigen Monacoline und Inhaltsstoffe ist dagegen wenig untersucht. Sicherheit 7, weil kontrollierte Daten aus 53 RCTs mit 8.535 Teilnehmenden (Fogacci 2019) und einer 4,5-Jahres-Studie vorliegen und zusätzlich Meldesysteme und die Lovastatin-Daten ausgewertet wurden – mit dem Ergebnis, dass EFSA 2018 und 2025 keine sichere Tagesmenge festlegen konnte und Einzelfälle schwerer Nebenwirkungen schon ab 3 mg pro Tag beschreibt. Hype 5, weil Rotschimmelreis oft als natürliche Alternative zu Statinen beworben wird, obwohl er selbst ein Statin enthält, und die in der EU verkaufte Menge weit unter den Studiendosen liegt. Anwendung 7, weil er in Ostasien seit mehr als tausend Jahren genutzt und in Europa seit Jahren reguliert als Nahrungsergänzung verkauft wird. Richtung positiv: Die Daten zur Cholesterinsenkung zeigen klar in eine Richtung; die Einschränkungen betreffen Sicherheit, Dosis und Rechtslage.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Rotschimmelreis
Senkt Rotschimmelreis wirklich das Cholesterin?
Ja. In Meta-Analysen sank das LDL-Cholesterin deutlich gegenüber Placebo und etwa so stark wie unter Statinen. Der Grund ist Monacolin K, das mit dem Arzneistoff Lovastatin identisch ist. Diese Daten stammen aber meist aus Studien mit höheren Mengen, als heute in der EU erlaubt sind.
Ist Rotschimmelreis ein natürliches Statin?
Im Kern ja. Monacolin K ist in seiner Lacton-Form chemisch dasselbe Molekül wie Lovastatin. Deshalb wirkt Rotschimmelreis wie ein Statin und kann auch dieselben Nebenwirkungen auslösen, vor allem an Muskeln und Leber.
Kann ich Rotschimmelreis statt Statinen nehmen?
Das sollte nur ärztlich entschieden werden. In einer kleinen Studie bei Statin-Unverträglichkeit wurde Rotschimmelreis ähnlich vertragen wie Pravastatin. Die Dosis in Nahrungsergänzungsmitteln ist aber nicht standardisiert und in der EU stark begrenzt, und das BfR rät von der Einnahme ohne ärztliche Rücksprache ab.
Darf man Rotschimmelreis mit Cholesterinsenkern kombinieren?
Nein. Der vorgeschriebene Warnhinweis sagt ausdrücklich, dass Rotschimmelreis nicht zusammen mit cholesterinsenkenden Mitteln oder anderen Rotschimmelreisprodukten eingenommen werden soll. Auch bestimmte Pilzmittel, HIV-Medikamente, Ciclosporin, Fibrate und hoch dosiertes Niacin erhöhen das Risiko für Muskelschäden.
Wird Rotschimmelreis in der EU verboten?
Es sieht danach aus. Die Mitgliedstaaten haben im Mai 2026 einem Entwurf zugestimmt, Monacoline aus Rotschimmelreis in Lebensmitteln ganz zu verbieten. Die Veröffentlichung wird für Ende 2026 erwartet, danach gilt eine Abverkaufsfrist von 12 Monaten. Bis dahin sind Produkte mit weniger als 3 mg Monacolinen pro Tag erlaubt.
Was war der Rotschimmelreis-Skandal in Japan?
2024 verursachten bestimmte Chargen eines japanischen Rotschimmelreis-Präparats Nierenschäden bei vielen Menschen, gemeldet wurden auch Todesfälle. In den betroffenen Chargen fand man Puberulinsäure, ein Gift aus einer Verunreinigung mit einem anderen Schimmelpilz. Der Fall zeigt vor allem, wie wichtig die Herstellungsqualität bei Fermentationsprodukten ist.
Quellen
- Verordnung (EU) 2022/860 der Kommission – Monacoline aus Rotschimmelreis
- EFSA ANS Panel, EFSA Journal 2018 – Sicherheit von Monacolinen in Rotschimmelreis
- EFSA NDA Panel, EFSA Journal 2025 – zusätzliche Daten zur Sicherheit von Monacolinen
- BfR-Stellungnahme Nr. 003/2020 – Nahrungsergänzungsmittel mit Rotschimmelreis
- Gemeinsame Expertenkommission BVL/BfArM – Einstufung von Rotschimmelreisprodukten
- Gerards et al., Atherosclerosis 2015 – Meta-Analyse zu LDL und Sicherheit
- Lu et al., Am J Cardiol 2008 – Xuezhikang nach Herzinfarkt (CCSPS)
- Fogacci et al., Pharmacol Res 2019 – Meta-Analyse zur Sicherheit
- Halbert et al., Am J Cardiol 2010 – Rotschimmelreis gegen Pravastatin bei Statin-Unverträglichkeit
- Chikasue et al., Am J Kidney Dis 2025 – Nierenschäden durch ein japanisches Rotschimmelreis-Präparat
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-27.