Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

LSD-Microdosing

Serotonerges Psychedelikum in sehr niedriger, nicht berauschender Menge; Betäubungsmittel nach Anlage I BtMG · LSD, Lysergid, Lysergsäurediethylamid, Microdosing, Mikrodosierung, MM120, DT120

Microdosing heißt: LSD wiederholt in so kleinen Mengen nehmen, dass kein Rausch entsteht. Versprochen werden mehr Kreativität, mehr Fokus, bessere Stimmung. Inzwischen gibt es dazu mehrere placebokontrollierte Studien, darunter eine, in der die Teilnehmenden sich selbst verblindet haben. Sie zeichnen ein klares Bild, nur nicht das, das der Trend verspricht.

Was LSD-Microdosing ist und wie es wirken soll

LSD bindet vor allem an den Serotoninrezeptor 5-HT2A in der Großhirnrinde. In voller Dosis verändert das über Stunden Wahrnehmung und Denken. Beim Microdosing soll eine Menge unterhalb dieser Schwelle die Stimmung und das Denken über Tage anheben, ohne dass man etwas Ungewöhnliches erlebt.

Dass auch sehr kleine Mengen etwas auslösen, ist gemessen: In einer doppelblinden Laborstudie spürten Gesunde dosisabhängige Effekte. Ein Weg von diesem leichten Akuteffekt zu einer anhaltenden Verbesserung ist am Menschen dagegen nicht gezeigt. Die meisten Daten zu Psychedelika in hoher Dosis findest du auf der Seite zu Psilocybin.

Was gut belegt ist

Belegt ist ein kleiner, kurzer Akuteffekt: An Einnahmetagen bewerten Teilnehmende Stimmung, Energie und Kreativität etwas besser als an anderen Tagen, und sie spüren die Substanz. Ebenso gut belegt ist, was ausbleibt. In keiner placebokontrollierten Studie verbesserten sich Stimmung, Kreativität, Kognition oder ADHS-Symptome dauerhaft stärker als unter Placebo.

Was die Studien zeigen

Szigeti 2021: die selbstverblindete Studie

191 Menschen, die ohnehin Microdosing betrieben, mischten nach einer Anleitung ihre eigenen Kapseln mit leeren, ohne zu wissen, welche sie nahmen. Nach 4 Wochen hatten sich alle psychologischen Werte gebessert, in der Placebogruppe aber genauso. Kleine Unterschiede am Einnahmetag ließen sich dadurch erklären, dass Teilnehmende erkannten, was sie genommen hatten. Die Studie umfasste LSD und Psilocybin.

Bershad 2019: einzelne Gaben im Labor

20 junge Gesunde bekamen in vier Sitzungen doppelblind Placebo oder eine von drei niedrigen Mengen. Sie spürten dosisabhängig etwas, bei der höchsten Stufe stieg die Tatkraft, und positive Bilder wirkten etwas weniger positiv. Andere Stimmungsmaße, Kognition, Puls und Blutdruck blieben unverändert.

Murphy 2023 und 2025: sechs Wochen zu Hause

80 gesunde Männer bekamen über 6 Wochen wiederholt LSD oder Placebo, die meisten Gaben nahmen sie zu Hause. An Einnahmetagen lagen Kreativität, Verbundenheit, Energie, Glück und Wohlbefinden höher, ebenso die Gereiztheit. Zwischen Studienbeginn und Woche 6 änderte sich aber kein Fragebogen und kein kognitiver Test. In der Auswertung von 2025 fanden vier verschiedene Kreativitätstests weder akut noch nach 6 Wochen einen Unterschied, obwohl sich die Teilnehmenden kreativer fühlten.

MindMed, ADHS-Studie: Hauptendpunkt verfehlt

Der Hersteller, heute Definium Therapeutics, prüfte niedrig dosiertes LSD bei 53 Erwachsenen mit ADHS über 6 Wochen, dreifach verblindet. Die ADHS-Skala fiel in beiden Gruppen fast gleich, von 37,4 auf 29,6 unter LSD und von 37,3 auf 29,0 unter Placebo. Kein Unterschied.

Daldegan-Bueno 2026: offene Studie bei Depression

19 Menschen mit Depression nahmen über 8 Wochen wiederholt kleine Mengen LSD und berichteten im Mittel 60 Prozent weniger Symptome. Eine Kontrollgruppe gab es nicht. An Einnahmetagen war die Stimmung besser, der tägliche Depressionswert aber nicht. Die Autoren selbst fordern eine kontrollierte Bestätigung.

Wo die Daten aufhören — und wo sie dagegen sprechen

Für den Kern des Versprechens, dauerhaft bessere Stimmung, mehr Kreativität und Fokus, sprechen die kontrollierten Daten dagegen. Was bleibt, ist ein leichter Effekt am Einnahmetag, den die Teilnehmenden spüren und der deshalb kaum von Erwartung zu trennen ist. Die Studien sind klein, liefen höchstens 8 Wochen und meist an Gesunden. Ob Menschen mit Depression anders reagieren, ist offen; die einzige Studie dazu hatte keine Kontrollgruppe.

Nicht verwechseln: Die positiven Studien des Herstellers Definium (früher MindMed) zur generalisierten Angststörung prüfen eine einmalige volle Dosis mit Rausch, kein Microdosing. In der Phase-2b-Studie mit 198 Erwachsenen wirkten nur die beiden höheren von vier Dosisstufen, die beiden niedrigsten unterschieden sich nicht von Placebo.

Status, Zulassung und Recht

In Deutschland steht Lysergid, also LSD, in Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes: nicht verkehrsfähig und nicht verschreibbar, schon der Besitz ist strafbar. Ein zugelassenes LSD-Präparat gibt es weder in der EU noch in den USA, und für Microdosing läuft kein Zulassungsverfahren.

Am weitesten ist eine LSD-Schmelztablette von Definium Therapeutics (MM120, jetzt DT120) gegen generalisierte Angststörung, als einmalige volle Dosis. Nach Herstellerangaben verliefen 2026 zwei Phase-3-Studien positiv, in Panorama mit 245 Teilnehmenden 5,1 Punkte Unterschied auf der Angstskala nach 12 Wochen. Diese Zahlen liegen bisher nur als Pressemitteilung vor; ein Zulassungsantrag in den USA ist für das erste Halbjahr 2027 geplant.

Sicherheit

In den kontrollierten Studien war die häufigste ernstzunehmende Nebenwirkung Angst: 4 von 40 Männern in der LSD-Gruppe brachen deshalb ab. In der ADHS-Studie traten in keiner Gruppe schwerwiegende Ereignisse auf. Alle diese Studien liefen aber höchstens 8 Wochen.

Offen ist die Frage nach dem Herzen. LSD aktiviert auch den Serotoninrezeptor 5-HT2B, über den andere Wirkstoffe bei Dauereinnahme Herzklappen geschädigt haben. Eine Übersicht von 2023 sieht die Sicherheitsabstände beim Microdosing größer als bei diesen Wirkstoffen, aber nicht ohne Risiko, und fand keine einzige Studie, die das am Menschen geeignet untersucht hätte. Außerhalb von Studien kommen ein unbekannter Gehalt und die strafrechtliche Seite hinzu.

BK-Score Untersucht – Nutzen nicht gezeigt

Human-Evidenz5
Mechanismus4
Sicherheits-Datenlage3
Hype-Abstand2
Anwendungserfahrung3

Evidenz 5, weil mehrere kleine placebokontrollierte Studien vorliegen – die selbstverblindete Studie mit 191 Teilnehmenden, eine sechswöchige Studie mit 80 gesunden Männern und eine ADHS-Studie mit 53 Erwachsenen – und keine davon eine anhaltende Verbesserung von Stimmung, Kreativität oder Symptomen gegenüber Placebo fand. Mechanismus 4, weil die Bindung an den Serotoninrezeptor 5-HT2A und spürbare Akuteffekte auch bei kleinen Mengen gezeigt sind, ein Weg zu dauerhaften Verbesserungen am Menschen aber nicht. Sicherheit 3, weil nur Kurzzeitdaten über höchstens 8 Wochen existieren und die Frage nach Herzklappenschäden über den Rezeptor 5-HT2B nie in einer geeigneten Studie geprüft wurde. Hype 2, weil Microdosing als Leistungs- und Kreativitätshilfe verbreitet beworben wird, während die verblindeten Studien den Effekt durch Erwartung erklären. Anwendung 3, weil der Gebrauch zwar verbreitet ist, aber ohne regulierten Rahmen, mit unbekanntem Gehalt und ohne Langzeitbeobachtung.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu LSD-Microdosing

Macht LSD-Microdosing kreativer?

Gemessen nicht. In einer Studie mit 80 gesunden Männern fanden vier Kreativitätstests weder akut noch nach 6 Wochen einen Unterschied zu Placebo, obwohl sich die Teilnehmenden an Einnahmetagen kreativer fühlten. Auch die selbstverblindete Studie mit 191 Menschen fand keinen Unterschied zwischen Microdosis und Placebo.

Verbessert LSD-Microdosing die Stimmung?

Nur am Einnahmetag und nur leicht. Teilnehmende bewerteten Stimmung, Energie und Wohlbefinden an Einnahmetagen besser, nach 6 Wochen war aber kein dauerhafter Unterschied zu Placebo messbar. Weil man die Substanz spürt, ist dieser Akuteffekt kaum von Erwartung zu trennen.

Hilft LSD-Microdosing bei ADHS?

In der einzigen placebokontrollierten Studie nicht. Bei 53 Erwachsenen sank die ADHS-Skala unter LSD und unter Placebo fast gleich stark, von 37,4 auf 29,6 und von 37,3 auf 29,0.

Ist LSD in Deutschland legal?

Nein. LSD steht in Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes, ist weder verkehrsfähig noch verschreibbar, und schon der Besitz ist strafbar. Zugelassen ist kein LSD-Präparat, weder in der EU noch in den USA.

Was hat es mit den MindMed-Studien auf sich?

Der Hersteller, heute Definium Therapeutics, entwickelt LSD als einmalige volle Dosis gegen generalisierte Angststörung, nicht als Microdosing. Nach Herstellerangaben waren 2026 zwei Phase-3-Studien positiv, ein Zulassungsantrag in den USA ist für 2027 geplant. Eine Microdosing-Studie desselben Herstellers bei ADHS verfehlte ihren Hauptendpunkt.

Ist regelmäßiges Microdosing auf Dauer riskant?

Das ist nicht untersucht. Die Studien liefen höchstens 8 Wochen. LSD aktiviert den Serotoninrezeptor 5-HT2B, über den andere Wirkstoffe bei Dauereinnahme Herzklappen geschädigt haben; eine Übersicht von 2023 fand keine Studie, die dieses Risiko geeignet geprüft hätte.

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Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.