Supplement
Kava-Kava
Kräuter · Piper methysticum, Rauschpfeffer, Kawa, Kava, Kavalactone, Kavain
Kava ist die Wurzel eines Pfefferstrauchs aus dem Südpazifik, wo das Getränk daraus seit Generationen zum gesellschaftlichen Leben gehört. In Europa war Kava einige Jahre ein pflanzliches Mittel gegen Angst, bis Berichte über Leberschäden es in mehreren Ländern vom Markt brachten. Heute ist es in Deutschland verschreibungspflichtig.
Kurz gesagt
Kava ist bei Angst in mehreren kontrollierten Studien untersucht: Eine Cochrane-Übersicht über 11 doppelblinde Studien fand weniger Angst als unter Placebo, und eine Studie von 2013 bestätigte das bei generalisierter Angststörung mit einem mittleren Effekt. Die größte und längste Studie mit 171 Menschen über 16 Wochen fand 2020 aber keinen Vorteil, dafür häufiger auffällige Leberwerte. Die EMA sieht wegen gemeldeter Leberschäden bis zu Transplantationen und Todesfällen ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis. In Deutschland sind Kava-Wurzelstock, seine Zubereitungen und Kavain verschreibungspflichtig, eine Freigabe als Lebensmittel gibt es nicht.
Was Kava ist und wie es wirkt
Kava ist der Wurzelstock von Piper methysticum, einem Pfeffergewächs. In vielen Ländern des Südpazifiks ist das Getränk daraus Teil von Zeremonien und Alltag und ein wichtiges Handelsgut. Als Wirkstoffe gelten die Kavalactone, darunter Kavain. Die Wirkung wird als entspannend und angstlösend beschrieben.
Wie Kava im Gehirn wirkt, ist nur in Teilen gemessen. In einer Bildgebungsstudie mit 37 Menschen mit generalisierter Angststörung sank der Botenstoff GABA im vorderen Gyrus cinguli nach 8 Wochen Kava stärker als unter Placebo. Mit der Stärke der Angst hing diese Veränderung nicht zusammen. Wer pflanzliche Alternativen vergleicht, findet ähnliche Fragen bei Ashwagandha, L-Theanin oder GABA.
Was gut belegt ist
- Weniger Angst in der Cochrane-Übersicht. 11 doppelblinde, placebokontrollierte Studien mit 645 Teilnehmenden; in 6 Studien mit 345 Teilnehmenden sank die Hamilton-Angstskala um 5,0 Punkte mehr als unter Placebo. Die Nebenwirkungen in diesen Studien waren mild, vorübergehend und selten.
- Ein positiver Befund bei generalisierter Angststörung. In einer 6-wöchigen Studie mit 75 Menschen sank die Angst stärker als unter Placebo (d = 0,62), bei mittelschwerer bis schwerer Störung noch deutlicher (d = 0,82). 26 Prozent waren am Ende in Remission, unter Placebo 6 Prozent.
- Lange Anwendung. Kava wird im Südpazifik seit Generationen getrunken und hat dort eine feste soziale und wirtschaftliche Rolle.
Was die Studien zeigen
Cochrane 2003: Kava gegen Placebo bei Angst
Die Übersicht suchte alle doppelblinden, placebokontrollierten Studien mit reinem Kava-Extrakt und fand 11 mit 645 Teilnehmenden, Studiendauer 1 bis 24 Wochen. Sechs Studien nutzten dieselbe Angstskala, gepoolt ergab sich ein Vorteil von 5,0 Punkten (1,1 bis 8,8). Die Autoren hielten Kava für eine wirksame Behandlung der Angstsymptome und kurzfristig für relativ sicher, verlangten aber mehr Daten zur Langzeitsicherheit.
Sarris 2013: generalisierte Angststörung über 6 Wochen
75 Menschen mit generalisierter Angststörung ohne begleitende affektive Störung erhielten einen wässrigen Kava-Extrakt oder Placebo, ausgewertet wurden 58. Die Angst sank mit Kava stärker (p = 0,046, d = 0,62). Außer etwas mehr Kopfschmerzen gab es keine Unterschiede bei Nebenwirkungen oder Leberwerten.
Sarris 2020: die große Studie über 16 Wochen
171 Menschen mit generalisierter Angststörung, die keine Medikamente nahmen, erhielten 16 Wochen lang Kava-Extrakt oder Placebo. Die Angst sank unter Placebo sogar etwas stärker, um 1,37 Punkte (nicht signifikant); in Remission waren 17,4 Prozent mit Kava und 23,8 Prozent mit Placebo. Mit Kava traten häufiger Zittern und Gedächtnisprobleme auf, auffällige Leberwerte waren häufiger, ein pflanzlich verursachter Leberschaden lag bei niemandem vor. Die Autoren vermuten, dass Kava eher bei vorübergehender Anspannung hilft als bei einer diagnostizierten Angststörung.
Meta-Übersicht 2021: Pflanzenmittel in der Psychiatrie
Eine Übersicht über 9 Meta-Analysen mit Daten von 5.927 Menschen stufte Johanniskraut, Curcumin, Safran und Ginkgo für bestimmte Anwendungen als unterstützt ein. Für Kava kam sie zu dem Schluss, dass es bei diagnostizierten Angststörungen nicht wirksam ist.
Wo die Daten aufhören
- Diagnostizierte Angststörung. Die größte und längste Studie fand keinen Vorteil, und die Meta-Übersicht von 2021 stuft Kava dafür als nicht wirksam ein. Die positiven Daten stammen überwiegend aus älteren, kürzeren Studien.
- Langzeitsicherheit. Die Studien dauerten höchstens 24 Wochen. Für längere Einnahme gibt es keine kontrollierten Daten.
- Ursache der Leberschäden. Ob die Kavalactone selbst, bestimmte Extraktionsverfahren oder verunreinigte Rohware verantwortlich sind, ist nicht geklärt. Auch traditionelle wässrige Zubereitungen wurden mit Leberschäden in Verbindung gebracht.
- Mechanismus. Die GABA-Veränderung im Gehirn hing nicht mit der Angst zusammen; wie Kava wirkt, bleibt offen.
Status, Zulassung und Recht
In Deutschland stehen Kava-Kava-Wurzelstock und seine Zubereitungen sowie Kavain in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung und sind damit verschreibungspflichtig; ausgenommen sind nur bestimmte homöopathische Zubereitungen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur lehnte 2017 eine EU-Monografie für pflanzliche Arzneimittel aus Kava ab: Die Anforderungen an eine traditionelle oder allgemein anerkannte Anwendung seien nicht erfüllt, das Nutzen-Risiko-Verhältnis sei ungünstig.
Als Lebensmittel ist Kava in der EU nicht freigegeben: Der Novel-Food-Katalog der EU-Kommission enthält keinen Eintrag zu Piper methysticum (Abfrage 07.10.2026). Wenn dir Kava-Pulver oder Kava-Getränke als Lebensmittel angeboten werden, fehlt dafür eine Freigabe auf EU-Ebene.
Sicherheit
Die EMA verweist auf spontan gemeldete Leberschäden einschließlich Leberversagen mit Lebertransplantationen und Todesfällen, auf die Rücknahme von Präparaten in mehreren EU-Ländern und auf Hinweise auf ein krebserregendes Potenzial im Tierversuch. Eine Auswertung von 2012 zeigt, dass auch traditionelle wässrige Zubereitungen mit Leberschäden in Verbindung gebracht wurden, und diskutiert schlechte Rohware, etwa durch Schimmelpilzgifte, als mögliche Ursache.
In den kontrollierten Studien waren die Nebenwirkungen meist mild. In der 16-Wochen-Studie traten aber häufiger auffällige Leberwerte, Zittern und Gedächtnisprobleme auf. Im BK-Score steht die Sicherheit bei 5 von 10: Die Risiken sind beschrieben, ihre Ursache und Häufigkeit aber nicht sicher geklärt. Dieser Text ist Information und ersetzt keine medizinische Beratung.
BK-Score Belegt, mit Einschränkungen
| Human-Evidenz | 6 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 4 | |
| Sicherheits-Datenlage | 5 | |
| Hype-Abstand | 5 | |
| Anwendungserfahrung | 8 |
Evidenz 6, weil eine Cochrane-Übersicht über 11 doppelblinde Studien mit 645 Teilnehmenden weniger Angst als unter Placebo findet (Pittler und Ernst 2003) und eine Studie mit 75 Menschen mit generalisierter Angststörung das bestätigt (Sarris 2013), die größte und längste Studie mit 171 Menschen über 16 Wochen aber keinen Vorteil zeigt (Sarris 2020) und eine Meta-Übersicht Kava bei diagnostizierten Angststörungen als nicht wirksam einstuft (Sarris 2021). Mechanismus 4, weil die Kavalactone als Wirkstoffe benannt sind und am Menschen eine Veränderung des GABA im Gehirn gemessen ist (Savage 2023), ohne dass sie mit der Angst zusammenhing. Sicherheit 5, weil Studien über bis zu 24 Wochen überwiegend milde Nebenwirkungen zeigen, die 16-Wochen-Studie aber häufiger auffällige Leberwerte fand und die EMA auf gemeldete Leberschäden bis zu Transplantationen und Todesfällen verweist, deren Ursache nicht sicher geklärt ist (Teschke 2012). Hype 5, weil Kava als natürliches Mittel gegen Angst gilt, was zu den frühen Studien passt, bei diagnostizierter Angststörung aber nicht mehr trägt. Anwendung 8, weil Kava im Südpazifik seit Generationen getrunken wird und in Europa jahrelang als Arzneimittel im Handel war. Richtung gemischt: positive kurze Studien und eine Cochrane-Übersicht stehen einer negativen großen Studie und ungeklärten Leberrisiken gegenüber.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Kava-Kava
Hilft Kava gegen Angst?
In kurzen Studien ja: Eine Cochrane-Übersicht über 11 Studien fand weniger Angst als unter Placebo, und eine Studie mit 75 Menschen mit generalisierter Angststörung bestätigte das. Die größte Studie mit 171 Menschen über 16 Wochen fand aber keinen Vorteil. Bei diagnostizierter Angststörung ist der Nutzen damit nicht gesichert.
Ist Kava schädlich für die Leber?
Es gibt gemeldete Leberschäden bis hin zu Lebertransplantationen und Todesfällen, auf die sich die EMA beruft. In der 16-Wochen-Studie waren auffällige Leberwerte unter Kava häufiger, ein Leberschaden trat nicht auf. Wie häufig schwere Schäden sind und woran sie liegen, ist nicht geklärt.
Ist Kava in Deutschland erlaubt?
Kava-Wurzelstock, seine Zubereitungen und Kavain sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Als Lebensmittel ist Kava in der EU nicht freigegeben, der Novel-Food-Katalog enthält keinen Eintrag dazu.
Warum widersprechen sich die Studien?
Die positiven Daten stammen überwiegend aus kürzeren Studien, die große negative Studie lief 16 Wochen bei Menschen mit diagnostizierter generalisierter Angststörung. Die Autoren vermuten, dass Kava eher bei vorübergehender Anspannung hilft als bei einer Angststörung. Auch unterschiedliche Extrakte können eine Rolle spielen.
Wie wirkt Kava?
Als Wirkstoffe gelten die Kavalactone. In einer Studie sank nach 8 Wochen der Botenstoff GABA in einer Hirnregion, die bei Angst eine Rolle spielt. Mit der Stärke der Angst hing das aber nicht zusammen, der genaue Wirkweg ist offen.
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Quellen
- Pittler MH, Ernst E, Cochrane Database Syst Rev 2003 – Kava-Extrakt bei Angst, 11 Studien, 645 Teilnehmende
- Sarris J et al., J Clin Psychopharmacol 2013 – Kava bei generalisierter Angststörung, 6 Wochen, 75 Teilnehmende
- Sarris J et al., Aust N Z J Psychiatry 2020 – Kava bei generalisierter Angststörung, 16 Wochen, 171 Teilnehmende
- Sarris J et al., Can J Psychiatry 2021 – Meta-Übersicht zu Pflanzenpräparaten bei psychischen Erkrankungen
- Savage K et al., Nutrients 2023 – Kava und GABA im vorderen Gyrus cinguli bei generalisierter Angststörung
- Teschke R et al., Br J Clin Pharmacol 2012 – Lebertoxizität von Kava in traditioneller und moderner Anwendung
- Economidis G et al., Drug Alcohol Rev 2025 – systematische Übersicht zu Gesundheit, Kultur und Wirtschaft rund um Kava
- EMA/HMPC, Public statement on Piper methysticum G. Forst., rhizoma, 21.11.2017
- Arzneimittelverschreibungsverordnung, Anlage 1 – Kava-Kava-Wurzelstock und seine Zubereitungen, Kavain
- EU-Kommission, Novel-Food-Katalog (Suche, kein Eintrag zu Piper methysticum, Abfrage 07.10.2026)
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.