Behandlung & Verfahren
INUSpherese® (Blut-Apherese)
Extern
Die INUSpherese ist eine Blutwäsche, die Umweltgifte, Mikroplastik und Entzündungsstoffe aus dem Blut filtern soll. Technisch beruht sie auf einer etablierten Klinikmethode, der Doppelfiltrations-Apherese. Was sie darüber hinaus verspricht, ist bisher nicht in kontrollierten Studien geprüft.
Kurz gesagt
Die INUSpherese ist eine Doppelfiltrations-Apherese: Blut wird aus der Vene in eine Maschine geleitet, das Plasma von den Zellen getrennt, über einen zweiten, feineren Filter gereinigt und zurückgegeben. Eine Dresdner Arbeit von 2025 fand im Filterrückstand von 21 Patienten mit ME/CFS 14 Substanzen mit kunststoffähnlicher Signatur, ohne die Menge messen zu können. Randomisierte Studien mit klinischen Endpunkten gibt es nicht, die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie lehnt die Apherese bei Long- und Post-COVID außerhalb von Studien ab. Die Behandlung kostet nach Anbieterangaben mehrere tausend Euro pro Sitzung und wird selbst bezahlt.
Der seriöse Kern: Apherese ist Klinikroutine
Blut außerhalb des Körpers zu reinigen ist keine Esoterik. Die therapeutische Apherese gibt es seit Jahrzehnten, die amerikanische Fachgesellschaft ASFA bewertet in ihren Leitlinien von 2026 in 93 Faktenblättern 183 Einsatzgebiete nach der Qualität der Belege. Bei der Lipid-Apherese etwa wird Menschen mit schwerer familiärer Hypercholesterinämie regelmäßig LDL aus dem Blut gefiltert, bei bestimmten Autoimmun- und Nervenerkrankungen hilft der Plasmaaustausch. Das sind klar definierte Diagnosen mit messbarem Ziel.
Die INUSpherese ist technisch eine Variante davon. Ein erster Filter trennt das Plasma von den Blutzellen, ein zweiter, feinerer Filter soll unerwünschte Stoffe zurückhalten, dann fließt das gereinigte Plasma mit den Zellen zurück. Eine Sitzung dauert nach Anbieterangaben 2 bis 3 Stunden, empfohlen werden meist 2 Sitzungen an aufeinanderfolgenden Tagen. Angeboten wird das Verfahren von einem Netzwerk privater Zentren, der Markenname ist seit 2016 geschützt.
Was versprochen wird
Die Liste ist lang: Schwermetalle, Pestizide, Mikroplastik, PFAS, Entzündungsstoffe und Autoantikörper sollen entfernt werden. Beworben wird das Verfahren bei chronischer Erschöpfung, Long Covid, ME/CFS, Autoimmunerkrankungen, Umweltkrankheiten und als Anti-Aging-Detox für Gesunde. Der Boom hat zwei Gründe. Seit Studien Plastikpartikel in Blut, Plazenta und Hirngewebe nachweisen, wächst der Wunsch nach einem Ausleitungsknopf. Und in der Longevity-Szene gilt Blutverjüngung gerade als eines der heißesten Themen.
Aus Patientenkreisen mit Long Covid, ME/CFS und Umweltbelastung gibt es zahlreiche, teils sehr detaillierte Berichte über deutliche Besserung nach mehreren Behandlungen, ebenso über Rückfälle nach einigen Wochen. Das sind Erfahrungsberichte von Menschen, die viel Geld investiert haben, und sie lassen sich nicht von Erwartungseffekten und dem natürlichen Verlauf trennen. Ernst zu nehmen sind sie trotzdem, denn sie zeigen, wo kontrollierte Studien am dringendsten fehlen.
Was im Filter landet
Die interessanteste Forschung kommt von der Arbeitsgruppe um den Endokrinologen Stefan Bornstein an der Uniklinik Dresden. In einer Arbeit von 2025 wurde der Filterrückstand, das Eluat, nach mindestens 2 Behandlungszyklen per Infrarotspektroskopie untersucht. Gefunden wurden 14 Substanzen oder Substanzgemische mit Ähnlichkeit zu Kunststoffen wie Polyamid und Polyurethan, die in den Proben der Filter-Vorspülung nicht vorkamen. Eine Fallserie aus einem Zentrum in Abu Dhabi, das mit dem INUS-System arbeitet, maß zudem, dass sich fettlösliche, eiweißgebundene Schadstoffe wie PCB im Filter anreichern, manche Stoffe aber aus dem Gewebe ins Blut nachströmen.
Die Alternative im Alltag
Der Körper betreibt seine eigene Reinigung rund um die Uhr, über Leber, Nieren und Darm. Der stärkste Hebel gegen Mikroplastik und Ewigkeitschemikalien ist dabei banaler als jede Maschine: weniger aufnehmen. Wasser aus Glas statt aus Plastik, Essen nicht in Kunststoff erhitzen, regelmäßig Staub wischen und lüften, Pfannen und Regenjacken ohne PFAS. Das kostet wenig und wirkt jeden Tag, nicht nur an zwei Nachmittagen im Jahr.
Was gut belegt ist
Gut belegt ist die Technik selbst. Doppelfiltrations-Apherese ist ein etabliertes Verfahren, das hochmolekulare Stoffe aus dem Plasma entfernt, und für klar definierte Erkrankungen gibt es Leitlinien. Belegt ist auch, dass im Filter tatsächlich Material hängen bleibt, darunter Stoffe mit kunststoffähnlicher Signatur und fettlösliche Umweltschadstoffe. In einer unkontrollierten Auswertung bei Long Covid sanken bei Patienten, die sich nach 2 Zyklen deutlich besser fühlten, Autoantikörper, Blutfette und Entzündungsmarker, das Fibrinogen um 70 Prozent. Dass ein Filter etwas aus dem Blut holt, ist damit plausibel und teils messbar.
Was die Studien zeigen
Mikroplastik-ähnliche Partikel im Eluat, Brain Medicine 2025
Bornstein und Kollegen untersuchten das Eluat von 21 Patienten mit postinfektiösem ME/CFS nach mindestens 2 Zyklen INUSpherese. Die Infrarotspektroskopie fand 14 Substanzen oder Gemische mit kunststoffähnlicher Signatur. Die Autoren schreiben selbst, dass die Methode keine Mengen misst, nur das Vorhandensein, und dass die Polyamid-Signale teils auch von Eiweißen stammen könnten. Mehrere Koautoren arbeiten für das INUS Medical Center. Klinische Endpunkte wurden nicht erhoben.
Biomarker bei Long Covid, Molecular Psychiatry 2023
Achleitner und Kollegen analysierten Biomarker vor und nach therapeutischer Apherese in verschiedenen Long-Covid-Kohorten. Bei Patienten, die nach 2 Zyklen eine deutliche Besserung angaben, sanken Neurotransmitter-Autoantikörper, Blutfette und Entzündungsmarker, das Fibrinogen um 70 Prozent. Eine Kontrollgruppe mit Scheinbehandlung gab es nicht, die Besserung beruht auf den Angaben der Patienten.
Wo die Daten aufhören
Dass etwas im Filter landet, beweist noch keinen Nutzen. Dafür bräuchte es randomisierte Studien mit klinischen Endpunkten, am besten gegen eine Schein-Apherese, und die gibt es für die beworbenen Anwendungen nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie hielt 2022 fest, dass es viele Fallberichte, aber keine randomisierten Studien gibt, und lehnt den Einsatz bei Long- und Post-COVID außerhalb von Studien ab. Zur Lipid-Apherese bei Long COVID schrieb sie, es gebe weder eine plausible Begründung noch wissenschaftliche Evidenz. Scheinkontrollierte Studien, etwa zur verwandten Immunadsorption bei ME/CFS mit 66 geplanten Teilnehmern, sind erst angelaufen.
Dazu kommen zwei Denkfehler. Erstens ist die beworbene Entfernung von Umweltgiften eine andere Behauptung als die untersuchte Senkung von Autoantikörpern. Dass diese Stoffe die Beschwerden verursacht haben und ihre Entfernung sie beendet, ist ungeprüft. Zweitens kommen Mikroplastik und PFAS mit der nächsten Mahlzeit wieder herein, und manche Stoffe strömen laut der Abu-Dhabi-Fallserie aus dem Gewebe nach. Ohne weniger Belastung im Alltag wäscht man ein Auto, das im Regen steht.
Status, Zulassung und Recht
Die INUSpherese ist ein ärztliches Verfahren, kein Arzneimittel, und wird in Deutschland von privaten Zentren angeboten. Die gesetzlichen Kassen zahlen sie für die beworbenen Anwendungen nicht, sie ist Selbstzahlerleistung. Nach Anbieter-Preislisten kostet eine Sitzung 2.000 bis 3.000 Euro, mit Diagnostik liegt ein Behandlungswochenende schnell bei 5.000 bis 7.000 Euro. Für Leistungssportler ist das Verfahren heikel: Die WADA-Verbotsliste 2026 verbietet unter M1 die Entnahme von Blutbestandteilen einschließlich Apherese außer zu Analyse- oder Spendezwecken sowie jede physikalische Manipulation des Blutes im Kreislauf, und zwar jederzeit.
Sicherheit
Die Apherese ist ein invasiver Eingriff mit Maschinenkreislauf. Man liegt 2 bis 3 Stunden mit einem oder zwei venösen Zugängen, das Blut zirkuliert kontinuierlich durch die Maschine. Viele fühlen sich danach vor allem müde. Möglich sind Blutdruckabfall, Kribbeln durch das Gerinnungsmittel Citrat, blaue Flecken und Reizungen an den Zugängen. Der Filter hält nicht nur Unerwünschtes zurück, sondern auch Gerinnungsfaktoren wie Fibrinogen, Eiweiße und Botenstoffe. Bei einer medizinisch begründeten Apherese ist das ein kalkulierter Preis, bei einer Wellness-Anwendung an Gesunden eine offene Rechnung. Die Sicherheitsdaten stammen aus der etablierten Apherese bei anderen Indikationen, nicht aus dieser Anwendung. Ernste Komplikationen sind bei erfahrenen Teams selten, das Verfahren gehört dennoch in geübte ärztliche Hände.
BK-Score Hype weit vor Evidenz
| Human-Evidenz | 2 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 4 | |
| Sicherheits-Datenlage | 4 | |
| Hype-Abstand | 1 | |
| Anwendungserfahrung | 4 |
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie hat 2022 ausdrücklich Stellung bezogen: Es gibt viele Fallberichte, aber keine randomisierten kontrollierten Studien; sie fordert solche Studien und lehnt den Einsatz bei Long- und Post-COVID außerhalb von Studien ab. Zur Lipidapherese bei Long-COVID schrieb sie, es gebe weder eine plausible Begründung noch wissenschaftliche Evidenz. Eine Dresdner Arbeit von 2025 fand im Filterrückstand von 21 ME/CFS-Patienten 14 kunststoffähnliche Substanzen, qualitativ und mit Koautoren aus dem Anbieterumfeld. Die beworbene Entfernung von Umweltgiften ist zudem eine andere Behauptung als die untersuchte Entfernung von Autoantikörpern: Dass ein Filter etwas aus dem Blut holt, ist plausibel und teils messbar; dass dies die Beschwerden verursacht hat und ihre Entfernung sie beendet, ist der ungeprüfte Teil. Der Wirkstoff ist ein Verfahren, kein Molekül – Sicherheitsdaten stammen aus der etablierten Apherese bei anderen Indikationen, nicht aus dieser Anwendung.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu INUSpherese® (Blut-Apherese)
Was ist die INUSpherese?
Die INUSpherese ist eine Doppelfiltrations-Apherese, also eine Blutwäsche mit zwei Filtern. Das Plasma wird von den Blutzellen getrennt, gefiltert und zurückgegeben. Sie soll Umweltgifte, Mikroplastik und Entzündungsstoffe entfernen.
Entfernt die INUSpherese Mikroplastik?
Eine Dresdner Arbeit fand im Filterrückstand von 21 Patienten Substanzen mit kunststoffähnlicher Signatur. Wie viel entfernt wurde, konnte die Methode nicht messen, und ein Teil der Signale könnte von Eiweißen stammen. Ob das der Gesundheit nützt, ist nicht untersucht.
Hilft die INUSpherese bei Long Covid oder ME/CFS?
Es gibt viele Berichte über Besserung, aber keine randomisierten Studien. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie lehnt den Einsatz außerhalb von Studien ab. Scheinkontrollierte Studien zu verwandten Verfahren laufen erst an.
Was kostet eine INUSpherese?
Nach Anbieter-Preislisten etwa 2.000 bis 3.000 Euro pro Sitzung, meist werden 2 Sitzungen empfohlen. Mit Diagnostik kommen schnell 5.000 bis 7.000 Euro zusammen. Die gesetzlichen Kassen zahlen die beworbenen Anwendungen nicht.
Ist eine Blutwäsche gefährlich?
Es ist ein invasiver Eingriff mit Maschinenkreislauf. Möglich sind Müdigkeit, Blutdruckabfall, Kribbeln durch das Gerinnungsmittel und blaue Flecken, zudem gehen Gerinnungsfaktoren und Eiweiße verloren. Ernste Komplikationen sind bei erfahrenen Teams selten.
Welche Fragen sollte ich einem Anbieter stellen?
Welche konkrete Indikation und welches messbare Ziel gibt es? Welche Laborwerte werden vorher und nachher bestimmt, und wie werden Gerinnung und Eiweißverlust überwacht? Gibt es die Behandlung im Rahmen einer Studie, und was ist der Plan gegen die erneute Aufnahme der Stoffe?
Die Podcast-Folge dazu
Folge 68
INUSpherese: Die Blutwäsche im Faktencheck
Der Podcast von Paul Höser (Folge 68) · mit Paul & Paula. Der seriöse Kern zuerst: Therapeutische Apherese ist seit Jahrzehnten Klinikroutine – Lipid-Apherese bei familiärer Hypercholesterinämie ist kassenfinanziert und leitliniengerecht. Die Folge zieht die Grenze zwischen dieser etablierten Medizin und dem, was die INUSpherese darüber hinaus verspricht. Reine Information, keine Anwendungsempfehlung.
Quellen
- Bornstein SR et al., Brain Medicine 2025 — Mikroplastik-ähnliche Partikel im Eluat nach INUSpherese
- Achleitner M et al., Molecular Psychiatry 2023 — Biomarker nach Apherese bei Long Covid
- Castillo-Aleman YM et al., Journal of Clinical Apheresis 2025 — Schadstoffentfernung mit dem INUS-System, Fallserie
- Deutsche Gesellschaft für Nephrologie, Stellungnahme vom 11.08.2022 — Apheresetherapie bei Long-/Post-COVID
- Deutsche Gesellschaft für Nephrologie, Pressemeldung vom 07.10.2022 — Post-COVID und Apherese
- Deutsche Gesellschaft für Nephrologie, Stellungnahme vom 03.01.2022 — Lipidapherese bei Long- oder Post-COVID
- Zantek ND et al., Journal of Clinical Apheresis 2026 — ASFA-Leitlinien, zehnte Ausgabe
- Preßler H et al., Trials 2024 — Protokoll einer scheinkontrollierten Studie zur Immunadsorption bei ME/CFS
- WADA-Verbotsliste 2026, amtlich veröffentlicht im österreichischen Bundesgesetzblatt III Nr. 219/2025
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-26.