Biohacking Kompakt

Podcast-Folge 68

INUSpherese: Die Blutwäsche im Faktencheck

6. September 2026

Blut filtern ist etablierte Medizin, und trotzdem ist die Blutwäsche für Gesunde einer der umstrittensten Trends der Szene. Die Folge sucht die Grenze zwischen echter Medizin, ernsthafter Forschung und einem braunen Röhrchen als Verkaufsargument.

Worum es geht

Die therapeutische Apherese gibt es seit Jahrzehnten: Bei schwerer familiärer Hypercholesterinämie wird regelmäßig LDL aus dem Blut gefiltert, die Plasmapherese hilft bei bestimmten Autoimmun- und Nervenerkrankungen. Die INUSpherese ist technisch eine Doppelmembran-Filtration aus dieser Familie — ein erster Filter trennt das Plasma von den Blutzellen, ein zweiter soll unerwünschte Stoffe zurückhalten. Die Folge prüft, was davon belegt ist: Eine Dresdner Arbeit hat analysiert, was der Filter zurückhält, und darin kunststoffähnliche Signaturen gefunden. Danach kommt die Kritik vollständig auf den Tisch — fehlende kontrollierte Wirksamkeitsstudien, der Verlust auch nützlicher Bestandteile, die Wiederaufnahme der Stoffe danach und die Preise.

Die Kernaussagen

  • Eine Sitzung dauert 2 bis 3 Stunden, empfohlen werden meist 2 Sitzungen an aufeinanderfolgenden Tagen; der Markenname wurde 2016 geschützt.
  • In einer 2025 im Journal Brain Medicine erschienenen Arbeit wurde bei 21 Probanden das Eluat nach den Zyklen per Infrarot-Spektroskopie analysiert.
  • Gefunden wurden 14 Substanzklassen, deren Signaturen Kunststoffen wie Polyamid und Polyurethan ähneln — ein Hinweis, dass die Filter tatsächlich etwas herausholen.
  • Die Messung war qualitativ: Wie viel herausgefiltert wurde, konnte die Methode nicht beziffern, und die Zuordnung zu Kunststoff ist spektroskopisch nicht restlos sicher.
  • Eine Sitzung kostet nach Anbieter-Preislisten grob 2000 bis 3000 Euro; ein Detox-Wochenende landet damit schnell bei 5000 bis 7000 Euro.
  • Zum Vergleich zieht die Folge das Blutwerte-Panel der Serie heran: Dafür ließe sich rund 20 Jahre lang jährlich messen.
  • Der Filter hält auch Nützliches zurück — Gerinnungsfaktoren wie Fibrinogen, Botenstoffe, Vitalstoffe; am Gesunden ist das eine offene Rechnung.

Wo die Daten aufhören

Der entscheidende Satz der Folge stammt aus der Dresdner Arbeit selbst: Dass etwas im Filter landet, beweist noch keinen gesundheitlichen Nutzen. Dafür bräuchte es randomisierte Studien mit klinischen Endpunkten, im Idealfall gegen eine Schein-Apherese verglichen — und genau die existieren bislang nicht; die Forscher fordern sie selbst ein. Für keine der beworbenen Lifestyle-Indikationen gibt es einen kontrollierten Wirksamkeitsnachweis, weshalb auch keine gesetzliche Kasse zahlt.

Dazu kommt die Logik-Falle: Mikroplastik und PFAS kommen mit der nächsten Mahlzeit und dem nächsten Schluck aus der Plastikflasche wieder herein — ohne Expositions-Stopp wäscht man ein Auto, das im Regen steht. Und es bleibt ein invasiver Eingriff mit Maschinenkreislauf. Blutdruckabfälle, Kribbeln durch das Gerinnungsmittel Citrat und Reizungen an den Zugängen sind möglich; ernste Komplikationen sind bei erfahrenen Teams selten, gehören aber in ärztliche Hände.

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Veröffentlicht am 6. September 2026.

Das Thema in der Datenbank

  • Therapeutische Blutwäsche, die Umweltgifte (Schwermetalle, Pestizide, Mikroplastik, PFAS) und Entzündungsmediatoren aus dem Blut filtert.INUSpherese® (Blut-Apherese)

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-19.