Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Aspirin zur Vorbeugung (Primärprävention)

Thrombozytenaggregationshemmer (COX-1-Hemmer), niedrig dosiert · ASS 100, Acetylsalicylsäure niedrig dosiert

Nach Herzinfarkt oder Schlaganfall ist der Nutzen von niedrig dosiertem Aspirin belegt und unstrittig, dafür gilt diese Seite ausdrücklich nicht. Für die Vorbeugung bei Gesunden ist die Frage ebenso gründlich untersucht und beantwortet: Die größte Studie an Menschen ab siebzig fand keinen Nutzen beim Hauptziel, dafür mehr schwere Blutungen und eine höhere Gesamtsterblichkeit als unter Placebo.

Was Aspirin zur Vorbeugung ist

Gemeint ist die tägliche Einnahme niedrig dosierter Acetylsalicylsäure durch Menschen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung, also vorsorglich, bevor etwas passiert ist. Fachlich heißt das Primärprävention. Davon zu trennen ist die Sekundärprävention nach Herzinfarkt oder Schlaganfall: Dort ist der Nutzen belegt, und daran ändert diese Seite nichts.

Bewertet wird der Wissensstand. Aspirin ist billig, überall verfügbar und seit Jahrzehnten in Gebrauch. Für die Vorbeugung bei Gesunden liegt eine große randomisierte Studie vor. Deshalb ist auch der negative Befund belastbar: Hier fehlen nicht die Daten, hier fallen sie gegen die Anwendung aus.

Wie es wirkt

Acetylsalicylsäure hemmt das Enzym COX-1 in den Blutplättchen irreversibel und senkt damit die Bildung von Thromboxan A2. Die Blutplättchen verklumpen weniger leicht, die Gerinnungsneigung sinkt. Aus demselben Mechanismus folgt der wichtigste Schaden: Das Blutungsrisiko steigt.

Der Mechanismus erklärt, warum Aspirin nach einem Gefäßverschluss schützen kann. Ob der Schutz bei Gesunden den Preis durch Blutungen überwiegt, beantwortet er nicht. Das musste eine Studie klären.

Was gut belegt ist

  • Nach Infarkt oder Schlaganfall ist der Nutzen belegt. In der Sekundärprävention ist Aspirin zugelassen und etabliert. Wer es aus diesem Grund nimmt, ist von dieser Seite nicht gemeint.
  • Die Frage der Vorbeugung ist sauber untersucht. ASPREE randomisierte 19.114 Menschen ab 70 Jahren (Schwarze und Hispanics in den USA ab 65) ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung, Demenz oder körperliche Behinderung auf täglich 100 mg magensaftresistentes Aspirin oder Placebo. Das Medianalter lag bei 74 Jahren, 56,4 Prozent waren Frauen, beobachtet wurde im Median 4,7 Jahre.
  • Das Ergebnis beim Hauptziel ist eindeutig. Der primäre Endpunkt aus Tod, Demenz und dauerhafter Behinderung trat mit 21,5 gegenüber 21,2 Ereignissen je 1.000 Personenjahre auf, HR 1,01 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,92 bis 1,11), p = 0,79. Die Studie wurde vorzeitig beendet, weil bei Fortsetzung kein Nutzen mehr zu erwarten war.
  • Lange Erfahrung, bekanntes Risikoprofil. Aspirin wird seit Jahrzehnten angewendet. Die Blutungsneigung ist der bekannteste und wichtigste Schaden der Substanz und in ASPREE erneut präzise gemessen.

Was die Studien zeigen

ASPREE: kein Gewinn an gesunden Lebensjahren

McNeil 2018 (NEJM) berichtet das Hauptergebnis. Bei 19.114 Personen lag die Rate aus Tod, Demenz und dauerhafter Behinderung unter Aspirin bei 21,5, unter Placebo bei 21,2 Ereignissen je 1.000 Personenjahre, Hazard Ratio 1,01 (0,92 bis 1,11), p = 0,79. Schwere Blutungen traten bei 3,8 gegenüber 2,8 Prozent auf, Hazard Ratio 1,38 (1,18 bis 1,62), p<0,001. Im letzten Studienjahr nahmen 62,1 Prozent der Aspiringruppe und 64,1 Prozent der Placebogruppe die Tabletten wie vorgesehen ein.

Gesamtsterblichkeit: höher statt niedriger

Die zweite Auswertung (McNeil 2018, NEJM) betrachtet die 1.052 Todesfälle. Unter Aspirin starben 12,7 Personen je 1.000 Personenjahre, unter Placebo 11,1, Hazard Ratio 1,14 (1,01 bis 1,29). Den größten Anteil am Unterschied hatten Krebstodesfälle mit 1,6 zusätzlichen Todesfällen je 1.000 Personenjahre: 3,1 gegenüber 2,3 Prozent, Hazard Ratio 1,31 (1,10 bis 1,56). Die Aufschlüsselung nach Todesursachen war nachträglich und explorativ, die Autoren nennen das Ergebnis selbst unerwartet und mit Vorsicht zu lesen.

Herz-Kreislauf und Blutungen

Die dritte Auswertung (McNeil 2018, NEJM) prüfte, wofür Aspirin vorbeugend genommen wird. Herz-Kreislauf-Erkrankungen traten mit 10,7 gegenüber 11,3 Ereignissen je 1.000 Personenjahre auf, Hazard Ratio 0,95 (0,83 bis 1,08), also ohne klaren Unterschied. Schwere Blutungen lagen bei 8,6 gegenüber 6,2 Ereignissen je 1.000 Personenjahre, Hazard Ratio 1,38 (1,18 bis 1,62), p<0,001.

Was die Zahlen absolut bedeuten

Absolut ergeben sich aus diesen Raten rund 2,4 zusätzliche schwere Blutungen und 1,6 zusätzliche Todesfälle je 1.000 Personenjahre unter Aspirin. Die Differenzen wurden aus den Ereignisraten berechnet, zum Unterschied von relativer und absoluter Wirkung siehe Glossar. Einen Gewinn, der diesen Preis aufwiegt, zeigt keiner der drei Endpunkte.

Wo die Daten aufhören

  • Das Krebssignal. Die höhere Krebssterblichkeit stammt aus einer nachträglichen, nicht geplanten Auswertung der Todesursachen. Die Autoren werten sie als unerwartet und mit Vorsicht zu lesen. Dass Aspirin Krebstodesfälle verursacht, ist damit nicht gezeigt. Der geplante Blutungsbefund und das fehlende Plus beim Hauptziel stehen davon unabhängig.
  • Jüngere Gesunde. ASPREE schloss Menschen ab 70 Jahren ein, in einzelnen Gruppen ab 65. Für jüngere Gesunde trifft die Studie keine direkte Aussage.
  • Die volle Einnahme. Im letzten Studienjahr nahmen nur gut sechs von zehn Teilnehmenden ihre Tabletten wie vorgesehen. Die Auswertung bildet damit den Alltag einer Studie ab, nicht die lückenlose Einnahme.
  • Die lange Frist. Die Studie wurde nach im Median 4,7 Jahren vorzeitig beendet. Was über deutlich längere Zeiträume geschieht, beschreiben diese drei Auswertungen nicht.

Status, Zulassung und Recht

Aspirin ist in der Sekundärprävention nach Herzinfarkt oder Schlaganfall zugelassen und etabliert. Für die Primärprävention bei Gesunden raten die Leitlinien seit ASPREE (NEJM 2018) überwiegend ab.

In ASPREE geprüft wurden täglich 100 mg magensaftresistente Acetylsalicylsäure. Das ist die Studiendosis, keine Empfehlung. Ob Aspirin im Einzelfall sinnvoll ist, gehört ärztlich entschieden.

Sicherheit

Blutungen sind der bekannteste und wichtigste Schaden. In ASPREE lag die Rate schwerer Blutungen unter Aspirin bei 8,6 gegenüber 6,2 Ereignissen je 1.000 Personenjahre, Hazard Ratio 1,38, p<0,001. Dazu kam die höhere Gesamtsterblichkeit mit einer Hazard Ratio von 1,14.

Der Sicherheitswert im BK-Score bezieht sich ausdrücklich auf die Anwendung bei Gesunden. Nach Infarkt oder Schlaganfall gilt das Gegenteil, dort überwiegt der belegte Nutzen.

Nicht anfangen ist etwas anderes als aufhören. Wer Aspirin nach einem Ereignis oder auf ärztliche Anweisung nimmt, setzt es nicht eigenmächtig ab, sondern bespricht das vorher mit der Ärztin oder dem Arzt.

BK-Score Gut untersucht – Wirkung nicht bestätigt

Human-Evidenz10
Mechanismus9
Sicherheits-Datenlage4
Hype-Abstand5
Anwendungserfahrung10

Für die Vorbeugung bei Gesunden ist die Frage beantwortet, und zwar mit Nein. ASPREE (NEJM 2018) randomisierte 19.114 Menschen ab siebzig ohne Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz oder Behinderung auf 100 mg magensaftresistentes Aspirin oder Placebo; Medianalter 74, Median 4,7 Jahre, vorzeitig beendet. Beim primären Endpunkt aus Tod, Demenz und dauerhafter Behinderung standen 21,5 gegen 21,2 Ereignisse je tausend Personenjahre (HR 1,01; p = 0,79). Die Gesamtsterblichkeit lag unter Aspirin höher (HR 1,14), dazu kamen mehr schwere Blutungen. Der Sicherheitswert bezieht sich ausdrücklich auf diese Anwendung bei Gesunden. Nach Infarkt oder Schlaganfall gilt das Gegenteil – dort ist der Nutzen belegt und dieser Eintrag nicht zuständig.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Aspirin zur Vorbeugung (Primärprävention)

Schützt tägliches Aspirin Gesunde vor Herzinfarkt und Schlaganfall?

In der ASPREE-Studie an 19.114 gesunden Menschen ab 70 Jahren nicht nachweisbar. Herz-Kreislauf-Erkrankungen traten mit 10,7 gegenüber 11,3 Ereignissen je 1.000 Personenjahre auf, Hazard Ratio 0,95, ohne klaren Unterschied. Schwere Blutungen lagen dagegen bei 8,6 gegenüber 6,2 Ereignissen je 1.000 Personenjahre.

Stimmt es, dass unter Aspirin mehr Menschen gestorben sind?

Ja. In ASPREE starben unter Aspirin 12,7 Personen je 1.000 Personenjahre, unter Placebo 11,1, Hazard Ratio 1,14. Den größten Anteil hatten Krebstodesfälle. Diese Aufschlüsselung war nachträglich und explorativ, die Autoren nennen das Ergebnis unerwartet und mit Vorsicht zu lesen.

Gilt das auch nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall?

Nein. Nach Herzinfarkt oder Schlaganfall ist der Nutzen von Aspirin belegt und unstrittig. Wer es aus diesem Grund oder auf ärztliche Anweisung nimmt, setzt es nicht eigenmächtig ab, sondern bespricht das vorher mit der Ärztin oder dem Arzt.

Welche Nebenwirkungen hat Aspirin zur Vorbeugung?

Der wichtigste Schaden sind Blutungen. In ASPREE traten schwere Blutungen bei 3,8 Prozent unter Aspirin und 2,8 Prozent unter Placebo auf, Hazard Ratio 1,38. Dazu kam eine höhere Gesamtsterblichkeit mit einer Hazard Ratio von 1,14.

Was empfehlen die Leitlinien?

Aspirin ist in der Sekundärprävention nach Infarkt oder Schlaganfall zugelassen und etabliert. Für die Vorbeugung bei Gesunden raten die Leitlinien seit der ASPREE-Studie von 2018 überwiegend ab. Ob es im Einzelfall sinnvoll ist, gehört ärztlich entschieden.

Was ist die ASPREE-Studie?

ASPREE ist die größte randomisierte Studie zu Aspirin bei gesunden älteren Menschen. Sie teilte 19.114 Personen ab 70 Jahren ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung, Demenz oder Behinderung auf täglich 100 mg Aspirin oder Placebo auf. Nach im Median 4,7 Jahren wurde sie vorzeitig beendet, weil kein Nutzen beim Hauptziel mehr zu erwarten war.

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Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.