Supplement
AAKG (Arginin-Alpha-Ketoglutarat)
Aminosäure · L-Arginin-Alpha-Ketoglutarat, Arginin-AKG, A-AKG
AAKG ist ein Salz aus der Aminosäure Arginin und Alpha-Ketoglutarat und steckt in vielen Trainingsboostern, die mehr Stickstoffmonoxid und einen stärkeren „Pump“ versprechen. Belegt ist, dass AAKG den Arginin-Spiegel im Blut hebt. Mehr Durchblutung als unter Placebo zeigte sich aber nicht, und die wenigen kleinen Leistungsstudien widersprechen sich.
Was AAKG ist
AAKG verbindet L-Arginin mit Alpha-Ketoglutarat, einem Zwischenprodukt des Citratzyklus, das auch als Ca-AKG verkauft wird. 1.000 mg AAKG enthalten rund 544 mg Arginin und 450 mg Alpha-Ketoglutarat (VKM 2016). Pro Gramm liefert AAKG also nur gut halb so viel Arginin wie reines Arginin.
Im BK-Score steht AAKG bei 3 von 10 Punkten für die Human-Evidenz. Zu Arginin selbst ist die Datenlage deutlich breiter, etwa beim Blutdruck; diese Ergebnisse lassen sich aber nicht ohne Weiteres auf AAKG und schon gar nicht auf den „Pump“ im Training übertragen.
Wie es wirken soll
Arginin ist Substrat der NO-Synthase, die Stickstoffmonoxid bildet, und Stickstoffmonoxid erweitert Blutgefäße. Daraus leitet die Werbung ab: mehr Arginin, mehr Stickoxid, mehr Blutfluss im Muskel, bessere Nährstoffversorgung und mehr Leistung.
Der erste Schritt ist am Menschen gezeigt, der Arginin-Spiegel im Blut steigt. Die folgenden Schritte nicht: In der einzigen Studie, die Blutfluss und Stickoxid-Abbauprodukte nach dem Training gemessen hat, stiegen beide mit AAKG nicht stärker als mit Placebo.
Was gut belegt ist
- Mehr Arginin im Blut. Nach Einzelgaben von 4 g (Campbell 2006) und nach 7 Tagen mit 12 g pro Tag (Willoughby 2011) lag das Plasma-Arginin höher als ohne AAKG.
- Eine positive 8-Wochen-Studie. Bei 35 krafttrainierenden Männern zwischen 30 und 50 Jahren berichteten die Autoren bessere Werte beim Bankdrücken und bei der Spitzenleistung im Wingate-Test, nicht aber bei Körperzusammensetzung und Ausdauer (Campbell 2006).
- Keine schweren Nebenwirkungen in kontrollierten Studien. In den Studien über bis zu 8 Wochen an gesunden Männern wurden keine schweren Nebenwirkungen berichtet (Campbell 2006; VKM 2016).
Was die Studien zeigen
Durchblutung: kein Unterschied zu Placebo
Willoughby 2011 gaben 24 körperlich aktiven Männern 7 Tage lang 12 g AAKG pro Tag oder Placebo. Danach stiegen Herzfrequenz, Blutdruck, Blutfluss in der Armarterie und Stickoxid-Abbauprodukte nach einem Armtraining in beiden Gruppen gleich stark an. Nur das Plasma-Arginin war unter AAKG höher. Die Autoren schreiben die Veränderungen allein dem Training zu.
Akute Kraftleistung: kein Effekt
Wax 2012 testeten 8 trainierte und 8 untrainierte Männer doppelblind im Crossover: 3 g AAKG oder Placebo, 45 Minuten vor dem Training. Maximalkraft und Wiederholungen bis zur Erschöpfung bei Bankdrücken und Beinpresse unterschieden sich nicht, unabhängig vom Trainingsstand.
Acht Wochen Krafttraining: einzelne positive Werte
Campbell 2006 teilten 35 Trainierte auf 12 g AAKG pro Tag oder Placebo auf, über 8 Wochen Krafttraining. Die Autoren berichten in der AAKG-Gruppe signifikante Verbesserungen beim Bankdrücken und bei der Spitzenleistung im Wingate-Test sowie Veränderungen beim Blutzucker und beim Plasma-Arginin. Körperzusammensetzung, Körperwasser, Beinmuskel-Ausdauer und aerobe Kapazität unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen. Eine Bestätigung durch eine zweite Studie dieser Länge fehlt.
Fallberichte aus der Notaufnahme
Prosser 2009 beschrieben drei junge Männer, die nach AAKG-haltigen Präparaten mit Herzrasen, Schwindel, Erbrechen und Beinahe-Ohnmacht in die Notaufnahme kamen; zwei wurden zur Beobachtung aufgenommen. EKG und Laborwerte waren unauffällig. Die Autoren halten eine Gefäßerweiterung für möglich, andere Ursachen ließen sich nicht ausschließen.
Wo die Daten aufhören
- Der „Pump“. Mehr Durchblutung im Muskel ist das zentrale Werbeversprechen, und in der einzigen Studie dazu zeigte sich kein Unterschied zu Placebo (Willoughby 2011).
- Kombinationsprodukte. Viele Booster enthalten AAKG zusammen mit Kreatin und anderen Stoffen. In einer solchen Studie steigerte die Mischung die Spitzenleistung, welchen Anteil AAKG daran hat, lässt sich nicht sagen (Little 2008).
- Frauen, Ältere, lange Anwendung. Die Studien wurden fast ausschließlich an Männern und über höchstens 8 Wochen gemacht.
- Sichere Mengen. Die norwegische Lebensmittelbehörde VKM konnte 2016 mangels Daten keine AAKG-Menge in Nahrungsergänzungen bewerten.
Status, Zulassung und Recht
AAKG wird in Deutschland als Zutat in Nahrungsergänzungsmitteln und Trainingsboostern angeboten. Eine amtliche Höchstmenge von EFSA oder BfR gibt es weder für AAKG noch für Arginin. Die norwegische Lebensmittelbehörde VKM fand 2016 in Nahrungsergänzungen 1.000 bis 2.000 mg AAKG pro Tag und konnte keine dieser Mengen bewerten, weil die Studien zu AAKG zu spärlich sind. Gesundheitsbezogene Angaben zu Durchblutung oder Leistung sind für AAKG in der EU nicht zugelassen. Arginin steht nicht auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur.
Sicherheit
In den kontrollierten Studien an gesunden Männern über bis zu 8 Wochen traten keine schweren Nebenwirkungen auf. Daneben stehen drei Fallberichte mit Herzrasen und Schwindel nach AAKG-haltigen Präparaten, bei denen der Zusammenhang offen bleibt. Weil AAKG Arginin liefert, gelten die Hinweise zu L-Arginin mit: Es kann die Wirkung von Blutdrucksenkern verstärken, und nach einem akuten Herzinfarkt ist Arginin nicht angezeigt. Im BK-Score steht die Sicherheits-Datenlage bei 3 von 10. Dieser Text ist Information und ersetzt keine medizinische Beratung.
BK-Score Hype weit vor Evidenz
| Human-Evidenz | 3 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 5 | |
| Sicherheits-Datenlage | 3 | |
| Hype-Abstand | 2 | |
| Anwendungserfahrung | 5 |
Evidenz 3, weil es nur wenige kleine Studien zu AAKG selbst gibt, fast nur an Männern und über höchstens 8 Wochen: positive Kraft- und Wingate-Werte bei 35 Trainierten (Campbell 2006), keine akute Leistungssteigerung bei 16 Männern (Wax 2012), kein Mehr an Blutfluss bei 24 Männern (Willoughby 2011). Mechanismus 5, weil der Anstieg des Plasma-Arginins am Menschen gemessen ist, der beworbene Schritt zu mehr Stickoxid und Durchblutung im Muskel sich aber nicht zeigte. Sicherheit 3, weil die norwegische Behörde VKM 2016 mangels Daten keine AAKG-Menge bewerten konnte und neben kurzen Studien nur drei Fallberichte aus der Notaufnahme vorliegen (Prosser 2009). Hype 2, weil AAKG als Stickoxid-Booster für den Pump vermarktet wird, die einzige Studie zur Durchblutung aber keinen Unterschied zu Placebo fand. Anwendung 5, weil AAKG seit Jahren in Trainingsboostern verbreitet ist, ohne dass Daten über längere Anwendung vorliegen. Richtung gemischt: eine positive 8-Wochen-Studie steht Nullbefunden bei Durchblutung und akuter Leistung gegenüber.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu AAKG (Arginin-Alpha-Ketoglutarat)
Was ist AAKG?
AAKG ist ein Salz aus der Aminosäure L-Arginin und Alpha-Ketoglutarat. 1.000 mg enthalten rund 544 mg Arginin. Es wird vor allem in Trainingsboostern verkauft, die mehr Stickstoffmonoxid und eine stärkere Durchblutung der Muskeln versprechen.
Sorgt AAKG für mehr Pump im Training?
Das ist nicht belegt. In der einzigen Studie dazu stiegen nach 7 Tagen mit 12 g AAKG pro Tag zwar die Argininwerte im Blut, Blutfluss, Blutdruck und Stickoxid-Abbauprodukte nach dem Training aber nicht stärker als unter Placebo.
Steigert AAKG die Kraft?
Die Daten widersprechen sich. Eine 8-Wochen-Studie mit 35 Trainierten berichtete bessere Werte beim Bankdrücken und im Wingate-Test. Eine Einzelgabe von 3 g vor dem Training änderte dagegen weder Maximalkraft noch Wiederholungszahl. Mehr Studien gibt es zu AAKG allein kaum.
Ist AAKG besser als L-Arginin?
Dafür gibt es keinen Beleg. AAKG liefert pro Gramm nur gut halb so viel Arginin, und direkte Vergleichsstudien fehlen. Zu L-Arginin selbst gibt es deutlich mehr Studien, etwa zum Blutdruck.
Ist AAKG sicher?
In kurzen Studien an gesunden Männern traten keine schweren Nebenwirkungen auf, daneben gibt es drei Fallberichte mit Herzrasen und Schwindel. Die norwegische Behörde VKM konnte mangels Daten keine sichere Menge festlegen. Wer Blutdruckmittel nimmt oder herzkrank ist, klärt das ärztlich.
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Quellen
- Campbell B et al., Nutrition 2006 – Pharmakokinetik, Sicherheit und Leistung, 8 Wochen, 35 Trainierte (PMID 16928472)
- Willoughby DS et al., Int J Sport Nutr Exerc Metab 2011 – 7 Tage AAKG, Blutfluss und Stickoxid (PMID 21813912)
- Wax B et al., J Int Soc Sports Nutr 2012 – akute AAKG-Gabe, Kraft bei Trainierten und Untrainierten (PMID 22510253)
- Little JP et al., Int J Sport Nutr Exerc Metab 2008 – Kreatin mit AAKG und weiteren Zutaten (PMID 19033611)
- Prosser JM et al., Hum Exp Toxicol 2009 – Fallberichte zu AAKG-haltigen Präparaten (PMID 19755457)
- VKM 2016 – Risikobewertung von L-Arginin und Arginin-Alpha-Ketoglutarat in Nahrungsergänzungen (Norwegen)
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.