Biohacking Kompakt

Vergleich

Resveratrol vs. Pterostilben

Resveratrol oder Pterostilben – ist der Verwandte das bessere Resveratrol?

Die kurze Antwort

Beide sind Stilbene, und für beide stammt die Sirtuin-Erzählung aus Zell- und Tierversuchen. Resveratrol ist am Menschen gut untersucht, ein Nutzen aber nicht gezeigt: Ein Umbrella-Review über zehn Metaanalysen fand außer bei der LDL-Senkung keine signifikanten Effekte, und in einer Trainingsstudie fiel der VO2max-Anstieg unter Placebo 45 Prozent größer aus. Pterostilben wurde an Ratten zu etwa 80 Prozent aufgenommen, Resveratrol zu etwa 20 Prozent. Am Menschen gibt es eine randomisierte Studie mit 80 Erwachsenen: Der Blutdruck sank unter der hohen Dosis, das LDL-Cholesterin stieg. Einen direkten Vergleich am Menschen gibt es nicht. Hochreines Pterostilben ist in der EU ein nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel.

Die Zahlen nebeneinander

BK-Score im direkten Vergleich – jede Achse bewertet den Wissensstand, nicht die Substanz.
AchseResveratrolPterostilbenUnterschied
Human-EvidenzWie viel und wie gute Daten am Menschen 4 4 gleichauf
MechanismusWie gut die Wirkkette verstanden ist 5 4 Resveratrol besser untersucht
Sicherheits-DatenlageWie gut die Sicherheit untersucht ist – nicht, wie sicher es ist 7 4 Resveratrol besser untersucht
Hype-Abstand10 heißt: die Werbung bleibt auf Höhe der Daten 1 2 Pterostilben näher an den Daten
AnwendungserfahrungWie viel dokumentierte Anwendung am Menschen vorliegt – misst nicht, ob es wirkt 7 4 Resveratrol länger im Einsatz
EinordnungUntersucht – Nutzen nicht gezeigt  ·  Dünne Humanevidenz

„Anwendungserfahrung" misst, wie lange und wie breit etwas am Menschen angewendet wird – nicht, ob es wirkt. Der BK-Score ist eine subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln. Er ist keine wissenschaftliche Bewertung, kein Konsens einer Fachgesellschaft und keine medizinische Empfehlung.

Warum diese Zahlen

Resveratrol

Das Lehrstück der Longevity-Szene: zwanzig Jahre Schlagzeilen, ein Milliardendeal – und am Menschen bis heute keine belastbaren Wirknachweise, dazu Zweifel an zentralen Sirtuin-Arbeiten. Untersucht ist Resveratrol am Menschen durchaus: Allein zu Typ-2-Diabetes gibt es zehn Metaanalysen, und ein Umbrella-Review darüber fand außer bei der LDL-Senkung keine signifikanten Effekte (Ghalichi 2026). Bioverfügbarkeit gering. Der größte Hype-Abstand im ganzen Bestand.

Vollständiger Eintrag zu Resveratrol

Pterostilben

Evidenz 4 statt 2, weil eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 80 Erwachsenen über 6 bis 8 Wochen Surrogatmarker misst (Riche 2014: LDL +17,1 mg/dl, Blutdruck −7,8/−7,3 mmHg in hoher Dosis) und kleine Studien hinzukommen (Otsuka 2025: 30 Männer, 12 Wochen, microRNA; Senguttuvan 2025: 44 Patientinnen, primärer Endpunkt Ki-67 ohne Unterschied); klinische Endpunkte fehlen, und die größeren Studien (Dellinger 2017, 120 Ältere; Dellinger 2023, 111 Patienten mit Fettleber, Hauptendpunkt verfehlt) testen nur die Kombination mit Nicotinamid-Ribosid. Mechanismus bleibt 4: Sirtuin- und AMPK-Aktivierung aus Zell- und Tierversuchen, der Bioverfügbarkeitsvorteil (etwa 80 % gegenüber 20 %) nur an Ratten (Kapetanovic 2011). Sicherheit 4 statt 3: kontrollierte Kurzzeitdaten bis 12 Wochen ohne Auffälligkeiten bei Leber, Niere und Zucker (Riche 2013), aber LDL-Anstieg, Plättchenhemmung in vitro (Huang 2021) und CYP2C9-Hemmung in Lebermikrosomen (Albassam 2021). Richtung gemischt statt offen, weil der Blutdruck sank, das LDL aber stieg – das Gegenteil des kardiovaskulären Werbeversprechens. In der EU nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel.

Vollständiger Eintrag zu Pterostilben

Häufige Fragen

Ist Pterostilben besser als Resveratrol?

Das ist nicht gezeigt. Der Vorteil, mit dem Pterostilben beworben wird, ist die Aufnahme: An Ratten lag die orale Bioverfügbarkeit bei etwa 80 Prozent gegenüber etwa 20 Prozent bei Resveratrol (Kapetanovic 2011). Ob das beim Menschen genauso ist und ob daraus eine bessere Wirkung folgt, wurde nicht untersucht. Direkte Vergleichsstudien am Menschen gibt es nicht, man kann die Einzelstudien nur nebeneinanderlegen.

Aktivieren Resveratrol und Pterostilben Sirtuine?

Im Zellversuch ja, am Menschen ist das für keines von beiden belegt. Bei Resveratrol blieben in zwei randomisierten Studien SIRT1, AMPK und PPARGC1A unverändert; eine kleine Studie an elf übergewichtigen Männern fand dagegen im Muskel mehr SIRT1-Protein (Timmers 2011). Für Pterostilben hat keine Humanstudie eine Sirtuin- oder AMPK-Aktivierung direkt gemessen. Studien mit Lebensdauer- oder klinischen Endpunkten gibt es für beide nicht.

Was bewirken Resveratrol und Pterostilben bei Blutdruck und Cholesterin?

Resveratrol zeigte bei Typ-2-Diabetes über zehn Metaanalysen keinen konsistenten Effekt auf Blutfette, nur eine einzelne Analyse fand eine LDL-Senkung. Bei älteren inaktiven Männern hob es die positiven Trainingseffekte auf Blutdruck und Blutfette auf. Unter Pterostilben allein sank in einer Studie mit 80 Erwachsenen der Blutdruck unter der hohen Dosis um 7,8 zu 7,3 mmHg, das LDL-Cholesterin stieg dagegen um 17,1 Milligramm pro Deziliter, mit Traubenextrakt nicht.

Was ist bei der Sicherheit von Resveratrol und Pterostilben zu beachten?

Für Resveratrol berichten die geprüften Studien keine unerwünschten Wirkungen, dokumentiert ist aber der abgeschwächte Trainingseffekt; genannt werden zudem Vorsicht bei Blutverdünnern und eine östrogenische Wirkung. Pterostilben wurde kurzfristig gut vertragen, Langzeitdaten fehlen. Es hemmte im Reagenzglas Blutplättchen und das Enzym CYP2C9, deshalb ist mit Gerinnungshemmern Vorsicht geboten. Hochreines Pterostilben ist in der EU ein nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel.

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände.