Biohacking Kompakt

Behandlung & Verfahren

VO2max-Test (Spiroergometrie)

Biohacking

Bei der Spiroergometrie läufst oder radelst du bis zur Ausbelastung, während eine Atemmaske jeden Atemzug analysiert. Heraus kommt die maximale Sauerstoffaufnahme, die VO2max, und damit eine Zahl, die in großen Studien die Sterblichkeit so stark vorhersagt wie Rauchen oder Diabetes. Sportmedizinische Ambulanzen, Leistungsdiagnostiker und Longevity-Praxen bieten den Test deshalb zunehmend auch Gesunden an. Die Aussagekraft der Messung ist gut belegt; ob das Messen allein jemanden fitter macht, ist eine andere Frage.

Kurz gesagt

Je höher die kardiorespiratorische Fitness, desto niedriger die Sterblichkeit, und zwar ohne erkennbare Obergrenze: Unter 750.302 US-Veteranen hatten die am wenigsten Fitten ein rund vierfach höheres Sterberisiko als die extrem Fitten, in 122.007 Belastungstests einer US-Klinik war es fünffach. Diese großen Kohorten haben die Fitness allerdings aus der Laufbandleistung geschätzt; mit echter Atemgasmessung zeigt eine Kohorte mit 4.137 gesunden Erwachsenen über im Mittel 24 Jahre dasselbe Muster. Die American Heart Association empfiehlt seit 2016, Fitness wie ein Vitalzeichen zu erfassen. Smartwatches schätzen die VO2max für Gruppen brauchbar, für den Einzelnen mit großen Fehlern. In einer randomisierten Studie machte ein zusätzlicher Fitnesstest beim Gesundheitscheck die Teilnehmenden nach einem Jahr nicht fitter. Als Wunschuntersuchung ohne Beschwerden ist die Spiroergometrie in Deutschland in der Regel eine Selbstzahlerleistung.

Was es ist und was es verspricht

Die Spiroergometrie, international Cardiopulmonary Exercise Testing (CPET), verbindet einen Belastungstest auf Laufband oder Fahrradergometer mit einer Atemgasanalyse. Die Last steigt stufenweise, eine Maske misst atemzugweise, wie viel Sauerstoff du aufnimmst und wie viel Kohlendioxid du abgibst; EKG und Blutdruck laufen mit. Der höchste erreichte Wert der Sauerstoffaufnahme, bezogen auf das Körpergewicht in Millilitern pro Kilogramm und Minute, ist die VO2max, in Studien oft VO2peak genannt. Ein MET, die Einheit vieler Kohortenstudien, entspricht 3,5 ml/kg/min.

Das Versprechen ist einleuchtend: eine einzige, objektiv gemessene Zahl, die zusammenfasst, wie gut Herz, Lunge, Blut und Muskulatur zusammenarbeiten, und die über die Lebenserwartung mehr aussagt als viele Laborwerte. Dazu liefert der Test Schwellenwerte, mit denen sich Trainingsbereiche festlegen lassen, und eine Ausgangsgröße, an der sich Fortschritte ablesen lassen. Wie man die VO2max trainiert, steht auf der Seite Zone 2 & VO2max-Training; hier geht es um die Messung. Verwandte Marker sind die Griffkraft und die Herzratenvariabilität.

Was gut belegt ist

Dass niedrige Fitness mit höherer Sterblichkeit einhergeht, gehört zu den robustesten Befunden der Präventionsmedizin. Eine Meta-Analyse aus 33 Kohortenstudien mit 102.980 gesunden Menschen fand je 1 MET mehr Leistungsfähigkeit ein relatives Sterberisiko von 0,87 und ein relatives Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse von 0,85 (Kodama 2009). Unter 750.302 US-Veteranen zwischen 30 und 95 Jahren galt der Zusammenhang für Männer und Frauen, alle untersuchten Herkunftsgruppen und bis ins neunte Lebensjahrzehnt; ein erhöhtes Risiko bei extrem hoher Fitness fand sich nicht (Kokkinos 2022).

Belegt ist auch, dass die Messung per Atemgasanalyse dasselbe Bild zeigt wie die Schätzung: In der Ball-State-Kohorte mit 4.137 gesunden Erwachsenen, die eine Spiroergometrie gemacht hatten, war niedrige gegenüber hoher Fitness mit einem um 73 Prozent höheren Sterberisiko verbunden (Imboden 2018). Die Spiroergometrie ist die Referenzmethode, an der Uhren und Formeln gemessen werden.

Die American Heart Association hat daraus 2016 die Empfehlung abgeleitet, kardiorespiratorische Fitness als klinisches Vitalzeichen zu erfassen. Sie sei womöglich ein stärkerer Vorhersagewert als Rauchen, Bluthochdruck, hohes Cholesterin oder Typ-2-Diabetes und verbessere zusätzlich zu den klassischen Risikofaktoren die Einordnung des Risikos (Ross 2016).

Was die Studien zeigen

Mandsager 2018 – 122.007 Belastungstests

Retrospektive Kohorte einer US-Universitätsklinik: 122.007 Patientinnen und Patienten, die zwischen 1991 und 2014 zu einem Laufband-Belastungstest überwiesen wurden, median 8,4 Jahre beobachtet, 13.637 Todesfälle. Gegenüber niedriger Fitness war Elite-Fitness mit einer adjustierten Hazard Ratio von 0,20 verbunden (95 % KI 0,16 bis 0,24). Unterdurchschnittliche gegenüber überdurchschnittlicher Fitness wog mit 1,41 so schwer wie Rauchen (1,41) und schwerer als Diabetes (1,40) oder eine koronare Herzkrankheit (1,29). Gemessen wurde die Fitness nicht per Atemgas, sondern als geschätzte MET aus der Laufbandleistung.

Kokkinos 2022 – 750.302 Veteranen

Die bisher größte Auswertung: 750.302 US-Veteranen zwischen 30 und 95 Jahren, darunter 45.232 Frauen und 26.989 Menschen in ihren Achtzigern, median 10,2 Jahre beobachtet, 174.807 Todesfälle. Das niedrigste Risiko lag bei etwa 14 MET, mit einer Hazard Ratio von 0,24 bei Männern und 0,23 bei Frauen. Die am wenigsten Fitten hatten ein rund vierfach höheres Risiko als die extrem Fitten (Hazard Ratio 4,09; 95 % KI 3,90 bis 4,20). Auch hier stammt die Fitness aus der erreichten Laufbandleistung.

Imboden 2018 – direkt gemessen

Die Ball-State-Kohorte schließt die Lücke zur echten Spiroergometrie: 4.137 gesunde Erwachsene, die sich selbst zum Test angemeldet hatten, im Mittel 42,8 Jahre alt, über im Mittel 24,2 Jahre beobachtet, 727 Todesfälle. Niedrige gegenüber hoher gemessener Fitness war mit einer Hazard Ratio von 1,73 für die Gesamtsterblichkeit verbunden (95 % KI 1,20 bis 3,50), von 2,27 für Herz-Kreislauf-Tod und von 2,07 für Krebstod. Je MET mehr lagen die Raten um 11,6, 16,1 und 14,0 Prozent niedriger.

Molina-Garcia 2022 – Uhren gegen Labor

Meta-Analyse aus 14 Validierungsstudien zu Wearables, die die VO2max schätzen. Geräte, die mit Ruhedaten rechnen, überschätzten im Mittel um 2,17 ml/kg/min, mit Übereinstimmungsgrenzen von minus 13,07 bis plus 17,41. Geräte, die Daten aus der Belastung nutzen, lagen im Mittel fast richtig (minus 0,09), aber mit Grenzen von minus 9,92 bis plus 9,74 ml/kg/min. Fazit der Autoren: für Bevölkerungsdaten brauchbar, für den Einzelnen ist der Fehler groß.

Lambe 2026 – Apple Watch Series 10

40 gesunde Erwachsene machten eine Laufband-Spiroergometrie und ließen die Uhr anschließend ihre eigene Schätzung erzeugen. Die Uhr unterschätzte im Mittel um 6,25 ml/kg/min, mit Übereinstimmungsgrenzen von minus 18,23 bis plus 5,73; der mittlere absolute Fehler lag bei 13,2 Prozent. In die richtige Fitness-Perzentile der US-Referenzdatenbank FRIEND ordnete sie nur 14 Prozent der Teilnehmenden ein, weitere 34 Prozent lagen eine Stufe daneben.

Høj 2018 – macht der Test fitter?

Randomisierte Studie in Dänemark: 2.201 Erwachsene mittleren Alters erhielten einen Gesundheitscheck mit oder ohne Fitnesstest. Nach einem Jahr war die Fitness in der Testgruppe nicht höher, der Unterschied lag bei minus 0,7 ml/kg/min (95 % KI minus 2,0 bis plus 0,6). Einschränkend: Gemessen wurde mit einem submaximalen Fahrradtest, nicht per Spiroergometrie, und nur 901 Teilnehmende kamen zur Nachuntersuchung.

Wo die Daten aufhören

Die eindrucksvollsten Zahlen stammen aus Kohorten, die die Fitness nicht gemessen, sondern aus der Laufbandleistung geschätzt haben, überwiegend an Menschen, die aus medizinischen Gründen zum Belastungstest überwiesen wurden. Mit Atemgasanalyse gemessen ist der Zusammenhang in deutlich kleineren Gruppen bestätigt, mit Tausenden statt Hunderttausenden Teilnehmenden, dort aber in die gleiche Richtung.

Es sind Beobachtungsdaten. Fitte Menschen unterscheiden sich auch in vielem anderen, und dass eine gesteigerte VO2max das Risiko im selben Umfang senkt, zeigen diese Studien nicht; was Interventionsstudien dazu sagen, steht auf der Seite Zone 2 & VO2max-Training. Eine Studie, die prüft, ob eine Spiroergometrie bei Gesunden Erkrankungen oder Todesfälle verhindert, gibt es in den geprüften Quellen nicht; die einzige randomisierte Studie zum Fitnesstest im Gesundheitscheck fand nach einem Jahr keinen Fitnessgewinn.

Für die Uhr am Handgelenk gilt: brauchbar, um einen Trend über Monate zu verfolgen oder Gruppen zu vergleichen, aber kein Ersatz für die Messung, wenn die eigene Zahl eine Entscheidung tragen soll.

Status, Zulassung und Recht

Die Spiroergometrie ist ein etabliertes ärztliches Untersuchungsverfahren, kein Produkt mit eigener Zulassung. Bei medizinischem Anlass, etwa unklarer Atemnot oder bekannter Herz- oder Lungenerkrankung, wird sie ärztlich veranlasst. Als Fitness- oder Longevity-Check ohne Beschwerden gehört sie nicht zu den Früherkennungsuntersuchungen der gesetzlichen Krankenkassen und wird privat nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. Ob die eigene Krankenkasse über Zusatzleistungen etwas dazugibt, erfährst du dort.

In der GOÄ ist die spiroergometrische Untersuchung die Nummer 606 mit 379 Punkten. Das ergibt beim einfachen Satz 22,09 Euro und beim üblichen 2,3-fachen Satz 50,81 Euro, nur für diese eine Leistung. Beratung, körperliche Untersuchung und weitere Messungen werden gesondert berechnet, die Gesamtrechnung liegt deshalb höher.

Die American Heart Association empfiehlt seit 2016, kardiorespiratorische Fitness in der Praxis wie ein Vitalzeichen zu erfassen (Ross 2016). Die VO2max-Anzeige einer Uhr ist eine Schätzung des Herstellers und keine ärztliche Messung.

Sicherheit

Ein Test bis zur Ausbelastung ist anstrengend, aber gut untersucht. In einer Klinikauswertung von 5.060 Spiroergometrien bei Patientinnen und Patienten mit schweren Herzerkrankungen, darunter Herzschwäche, hypertrophe Kardiomyopathie, Lungenhochdruck und Aortenklappenstenose, kam es zu 8 schwerwiegenden Zwischenfällen, 0,16 Prozent, meist anhaltenden Kammertachykardien; niemand starb (Skalski 2012). Für gesunde Erwachsene liefern die hier geprüften Quellen keine eigene Komplikationsrate. Strahlung entsteht keine.

Die Untersuchung läuft unter ärztlicher Aufsicht mit EKG und Blutdruckkontrolle. Wer akut krank ist oder Brustschmerzen, Herzstolpern oder Atemnot unter Belastung kennt, spricht das vorher an. Das häufigere Risiko liegt in der Deutung: Eine einzelne Zahl, zumal aus einer Uhr, ist eine Momentaufnahme und keine Diagnose.

BK-Score Belegt, mit Einschränkungen

Human-Evidenz7
Mechanismus7
Sicherheits-Datenlage7
Hype-Abstand5
Anwendungserfahrung9

Evidenz 7, weil der Vorhersagewert in sehr großen Kohorten belegt ist (Kodama 2009 mit 33 Studien und 102.980 Gesunden, Kokkinos 2022 mit 750.302 Veteranen), mit direkt per Atemgas gemessener VO2max aber nur in kleineren Kohorten wie Ball State mit 4.137 Erwachsenen, und weil die einzige randomisierte Studie zum Fitnesstest im Gesundheitscheck nach einem Jahr keinen Fitnessgewinn fand (Høj 2018). Mechanismus 7, weil physiologisch klar ist, was gemessen wird – die Sauerstoffaufnahme bündelt Herz, Lunge und Muskulatur –, warum der Wert so eng mit der Sterblichkeit verknüpft ist, aber nur teilweise. Sicherheit 7, weil selbst bei Hochrisikopatienten in 5.060 Tests 0,16 Prozent schwerwiegende Zwischenfälle auftraten, keiner tödlich, eigene Zahlen für Gesunde in den geprüften Quellen aber fehlen. Hype 5, weil der Kern des Versprechens stimmt, überhöht wird aber, dass das Messen selbst etwas bewirke und die Uhr am Handgelenk dasselbe liefere, obwohl sie im Einzelfall im Mittel um 13 Prozent danebenliegt. Anwendung 9, weil die Spiroergometrie seit Jahrzehnten Routine in Kardiologie, Pneumologie und Sportmedizin ist. Richtung positiv.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zum VO2max-Test

Wie aussagekräftig ist die VO2max für die Lebenserwartung?

Als Vorhersagewert sehr. In einer Meta-Analyse aus 33 Kohorten sank das relative Sterberisiko je MET mehr Leistungsfähigkeit auf 0,87, und unter 750.302 US-Veteranen hatten die am wenigsten Fitten ein rund vierfach höheres Risiko als die extrem Fitten. Das sind Beobachtungsdaten: Sie sagen Risiko vorher, beweisen aber keine Ursache.

Ist die VO2max meiner Smartwatch genau genug?

Für Trends und Gruppenvergleiche brauchbar, für den Einzelwert nur grob. In einer Meta-Analyse aus 14 Studien lagen auch die besseren, belastungsbasierten Schätzungen im Einzelfall bis etwa 10 ml/kg/min daneben. Die Apple Watch Series 10 unterschätzte in einer Studie mit 40 Erwachsenen im Mittel um 6,25 ml/kg/min.

Was ist der Unterschied zum normalen Belastungs-EKG?

Das Belastungs-EKG schätzt die Fitness aus der erreichten Leistung, die Spiroergometrie misst die Sauerstoffaufnahme direkt über die Atemluft. Die größten Kohorten zur Sterblichkeit beruhen auf der Schätzung; die direkt gemessene VO2max zeigt in kleineren Kohorten denselben Zusammenhang.

Was kostet eine Spiroergometrie und zahlt die Krankenkasse?

Bei medizinischem Anlass wird sie ärztlich veranlasst. Als Fitness- oder Longevity-Check ohne Beschwerden ist sie in der Regel Selbstzahlerleistung. Nach der GOÄ bringt allein die Nummer 606 beim üblichen 2,3-fachen Satz 50,81 Euro; Beratung, Untersuchung und weitere Messungen kommen hinzu.

Ist der Test gefährlich?

Er ist anstrengend, aber gut untersucht. Selbst bei Menschen mit schweren Herzerkrankungen traten in 5.060 Tests 0,16 Prozent schwerwiegende Zwischenfälle auf, keiner davon tödlich. Der Test läuft unter ärztlicher Aufsicht mit EKG; Beschwerden unter Belastung gehören vorher angesprochen.

Macht mich das Messen fitter?

Allein nicht. In einer randomisierten Studie mit 2.201 Erwachsenen war die Fitness ein Jahr nach einem Gesundheitscheck mit Fitnesstest nicht höher als ohne. Der Nutzen der Zahl hängt davon ab, was danach passiert, also vom Training.

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-15.