Biohacking Kompakt

Supplement

Pentadecansäure (C15:0)

Fettsäure · C15:0, C15, Pentadecanoic acid, Fatty15

Pentadecansäure, kurz C15:0, ist eine gesättigte Fettsäure aus Milchfett, die als neue „essenzielle“ Fettsäure und Langlebigkeitsstoff vermarktet wird. Dahinter stehen ernst zu nehmende Beobachtungsdaten: Wer mehr C15:0 im Blut hat, erkrankt seltener an Typ-2-Diabetes. Als Supplement ist sie aber erst in zwei kleinen Studien über zwölf Wochen geprüft, und eine genetische Analyse spricht gegen einen ursächlichen Effekt auf den Blutdruck.

Was Pentadecansäure ist

Pentadecansäure ist eine gesättigte Fettsäure mit 15 Kohlenstoffatomen, also mit ungerader Kettenlänge. Sie kommt in Spuren in Milchfett sowie in einigen Fischen und Pflanzen vor (Venn-Watson 2020). Im Blut gilt sie als Marker dafür, wie viel Milchfett jemand isst (Trieu 2021). Als Supplement wird sie unter anderem unter dem Markennamen Fatty15 angeboten.

Die Idee, C15:0 als essenzielle Fettsäure einzustufen, stammt von der Forscherin Stephanie Venn-Watson. Sie ist laut Interessenerklärung in ihren Arbeiten Mitgründerin von Seraphina Therapeutics, das die exklusiven Lizenzrechte der US-Marine zur Vermarktung ungeradzahliger gesättigter Fettsäuren hält.

Im BK-Score stehen 3 von 10 Punkten bei der Human-Evidenz. Diese Achse bewertet den Wissensstand, nicht die Substanz. Die Langlebigkeitsversprechen beruhen auf Zellversuchen, Tierversuchen und Beobachtungsdaten, nicht auf Interventionsstudien am Menschen.

Wie es wirkt

In menschlichen Zellsystemen zeigte C15:0 in 10 von 12 Systemen dosisabhängige Aktivitäten, darunter entzündungshemmende und antifibrotische; bei 17 µM teilte es 24 Aktivitäten mit Rapamycin. Die Autoren beschreiben, dass C15:0 das Enzym AMPK aktiviert und mTOR hemmt, zwei zentrale Schalter des Stoffwechsels, die mit Langlebigkeit in Verbindung gebracht werden (Venn-Watson 2023). Bei übergewichtigen Mäusen mit fettreicher Kost und bei Kaninchen mit fett- und cholesterinreicher Kost dämpfte C15:0 Entzündung, Blutarmut, Fettstoffwechselstörung und Fibrose (Venn-Watson 2020).

Ein plausibler Mechanismus in Zellen und Tieren ist noch kein Nutzen am Menschen. Beide Arbeiten stammen von Mitgründern des Herstellers; eine unabhängige Bestätigung der Zellbefunde gibt es in den hier ausgewerteten Quellen nicht.

Was gut belegt ist

  • Beobachtungsdaten zu Diabetes mit moderater Sicherheit. In einer Meta-Analyse prospektiver Kohortenstudien ging ein um 0,1 Prozentpunkte höherer C15:0-Anteil in Plasmaphospholipiden und roten Blutkörperchen mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes einher (relatives Risiko 0,68), bei moderater Evidenzsicherheit (Schaefer 2026).
  • Weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Kohorten. Über 18 Beobachtungsstudien lag das Risiko im höchsten gegenüber dem niedrigsten Drittel des C15:0-Spiegels bei 0,88 (Trieu 2021).
  • Der Blutspiegel lässt sich anheben. 12 Wochen Supplement erhöhten den C15:0-Spiegel gegenüber Placebo um 1,88 µg/ml, ohne bedeutsame unerwünschte Ereignisse (Robinson 2024).
  • Ein LDL-Effekt in einer randomisierten Studie. In der TANGO-Studie senkte C15:0 zusätzlich zu einer Diät das LDL-Cholesterin stärker als die Diät allein (Chooi 2024).

Was die Studien zeigen

Erste randomisierte Studie: Robinson 2024

In einer doppelblinden Studie erhielten 30 junge Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas, im Mittel 20 Jahre alt, 12 Wochen lang 200 mg C15:0 (20 Personen) oder Placebo (10 Personen). Der primäre Endpunkt, der Anstieg des Blutspiegels, wurde erreicht: 1,88 µg/ml mehr als unter Placebo. Die Hälfte der Behandelten kam auf über 5 µg/ml; bei ihnen sanken die Leberwerte ALT um 29 und AST um 6 U/l stärker, und das Hämoglobin stieg stärker als bei den Behandelten unter diesem Wert. Das ist ein Vergleich innerhalb der Behandlungsgruppe, kein Vergleich mit Placebo. Der Hersteller unterstützte die Studie und stellte Prüfpräparat und Placebo.

Fettleber: die TANGO-Studie

Chooi 2024 teilten 88 chinesische Frauen mit nichtalkoholischer Fettleber doppelblind auf drei Gruppen auf: eine an die asiatische Küche angepasste, mediterran angelegte Kost mit C15:0, dieselbe Kost ohne C15:0 oder gewohnte Ernährung, je 12 Wochen. Beide Diätgruppen verloren mehr Gewicht und Leberfett als die Kontrollgruppe: 4,0 kg und 33 Prozent Leberfett mit C15:0, 3,4 kg und 30 Prozent ohne. C15:0 senkte zusätzlich das LDL-Cholesterin und erhöhte den Anteil von Bifidobacterium adolescentis im Darm.

Kohortenstudien: Diabetes und Herz

Schaefer 2026 werteten 27 Veröffentlichungen prospektiver Kohortenstudien zu Fettsäure-Biomarkern aus. Für C15:0 in Plasmaphospholipiden und roten Blutkörperchen ergab sich für Typ-2-Diabetes ein relatives Risiko von 0,68 (0,56 bis 0,81) je 0,1 Prozentpunkte höherem Anteil, bei moderater Evidenzsicherheit. Trieu 2021 fanden in einer schwedischen Kohorte mit 4.150 Erwachsenen über im Median 16,6 Jahre ein geringeres Herz-Kreislauf-Risiko bei höherem C15:0 (Hazard Ratio 0,75), in der Meta-Analyse über 18 Studien 0,88. Mit der Gesamtsterblichkeit gab es in der Meta-Analyse keinen Zusammenhang.

Ursache oder Begleiter: Steffen 2026

Steffen und Kollegen prüften die Zusammenhänge in den US-Kohorten CARDIA mit 3.196 und ARIC mit 3.889 Personen. Höheres C15:0 ging mit etwas niedrigerem Blutdruck und seltenerem Bluthochdruck einher (Hazard Ratio 0,86), nicht aber mit neuen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder der Herzfunktion im Ultraschall. Eine Mendelsche Randomisierung, die genetische Unterschiede als natürliches Experiment nutzt, fand keinen Hinweis auf einen ursächlichen Effekt auf Blutdruck, Ruhepuls oder Bluthochdruck. Die Autoren halten die Gesamtdaten für nicht vereinbar mit einem ursächlichen Herz-Kreislauf-Nutzen.

Wo die Daten aufhören

  • Langlebigkeit und Altern. Der Vergleich mit Rapamycin und Metformin stammt aus Zellkulturen. Am Menschen ist kein Alterungs- oder Lebensdauer-Endpunkt untersucht.
  • Ursächlicher Nutzen. Die Kohortendaten können nicht trennen, ob C15:0 selbst wirkt oder Milchfettverzehr und Lebensstil anzeigt. Die genetische Analyse spricht beim Blutdruck gegen eine Ursache.
  • Harte Endpunkte. Keine Interventionsstudie hat Diabetes, Herzinfarkt oder Sterblichkeit gemessen. Die beiden randomisierten Studien dauerten 12 Wochen und maßen Blutspiegel, Leberwerte und Blutfette.
  • Unabhängige Studien. Die Zell- und Tierversuche stammen von Mitgründern des Herstellers. Eine Studie zu roten Blutkörperchen und biologischem Altern bei 93 älteren Erwachsenen ist registriert, soll laut Register aber erst 2027 beginnen (NCT07812792).

Status, Zulassung und Recht

Pentadecansäure ist ein natürlicher Bestandteil von Milchfett. Als isolierter Stoff steht sie nicht in der Unionsliste der zugelassenen neuartigen Lebensmittel der EU (Durchführungsverordnung 2017/2470, konsolidierte Fassung vom 10. August 2026). Eine Zulassung oder einen Eintrag im Novel-Food-Katalog der EU haben wir für isolierte Pentadecansäure nicht gefunden. Ob ein Präparat in Deutschland verkehrsfähig ist, hängt damit davon ab, ob der Stoff vor Mai 1997 in nennenswertem Umfang als Lebensmittel verzehrt wurde; einen Nachweis dafür haben wir für isolierte C15:0 nicht gefunden.

Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben gibt es für Pentadecansäure nicht; die EU-Liste nach Verordnung 432/2012 enthält keinen Eintrag dazu.

Sicherheit

In der Studie von Robinson 2024 traten über 12 Wochen keine bedeutsamen unerwünschten Ereignisse auf. Längere Daten am Menschen gibt es nicht, ebenso keine Daten zu Schwangerschaft, Stillzeit und Kindern. Die TANGO-Studie berichtet im Abstract keine Sicherheitsdaten. Im BK-Score steht die Sicherheit bei 2 von 10 Punkten; diese Achse misst, wie gut die Sicherheit untersucht ist, nicht wie sicher die Substanz ist. Dieser Text ist Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

BK-Score Hype weit vor Evidenz

Human-Evidenz3
Mechanismus4
Sicherheits-Datenlage2
Hype-Abstand2
Anwendungserfahrung2

Evidenz 3, weil es nur zwei kleine randomisierte Studien über 12 Wochen gibt: Bei Robinson 2024 (30 Teilnehmende) war der gestiegene Blutspiegel der primäre Endpunkt, bessere Leberwerte zeigten sich nur innerhalb der Behandlungsgruppe; in der TANGO-Studie (88 Frauen mit Fettleber) senkte C15:0 zusätzlich zur Diät das LDL. Die günstigen Zusammenhänge mit Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen stammen aus Beobachtungsstudien (Schaefer 2026, Trieu 2021), und eine Mendelsche Randomisierung fand keinen ursächlichen Effekt auf den Blutdruck (Steffen 2026). Mechanismus 4, weil AMPK-Aktivierung, mTOR-Hemmung und entzündungshemmende Effekte in menschlichen Zellsystemen sowie bei Mäusen und Kaninchen gezeigt sind, überwiegend von Mitgründern des Herstellers. Sicherheit 2, weil Humandaten nur aus zwei Studien über 12 Wochen vorliegen. Hype 2, weil C15:0 als essenzielle Fettsäure und Langlebigkeitsstoff auf einer Stufe mit Rapamycin vermarktet wird, während kein harter Endpunkt am Menschen untersucht ist. Anwendung 2, weil isolierte Pentadecansäure erst seit wenigen Jahren als Supplement verkauft wird. Richtung offen: zu wenige Interventionsdaten für ein Urteil.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Pentadecansäure (C15:0)

Was ist Pentadecansäure (C15:0)?

Eine gesättigte Fettsäure mit 15 Kohlenstoffatomen, die in Spuren in Milchfett sowie in einigen Fischen und Pflanzen vorkommt. Im Blut gilt sie als Marker für den Verzehr von Milchfett. Als Supplement wird sie als neue essenzielle Fettsäure vermarktet.

Ist C15:0 eine essenzielle Fettsäure?

Das ist ein Vorschlag der Forscherin Stephanie Venn-Watson, Mitgründerin des Herstellers, gestützt auf Zell- und Tierversuche sowie Beobachtungsdaten. Belegt ist am Menschen bisher, dass Supplemente den Blutspiegel anheben. Ob ein niedriger Spiegel Krankheiten verursacht, ist offen; eine genetische Analyse fand keinen ursächlichen Effekt auf den Blutdruck.

Senkt C15:0 das Diabetes-Risiko?

In Beobachtungsstudien hatten Menschen mit höheren C15:0-Werten seltener Typ-2-Diabetes, bei moderater Evidenzsicherheit. Ob ein Supplement das Risiko senkt, hat keine Studie geprüft. Die höheren Werte können auch für mehr Milchfett und einen anderen Lebensstil stehen.

Was zeigen die Studien mit C15:0-Kapseln?

Es gibt zwei randomisierte Studien über 12 Wochen. Bei 30 jungen Erwachsenen stieg der Blutspiegel, bessere Leberwerte zeigten sich nur bei den Behandelten mit hohem Spiegel. Bei 88 Frauen mit Fettleber senkte C15:0 zusätzlich zur Diät das LDL-Cholesterin.

Ist C15:0 in Deutschland erlaubt?

Pentadecansäure steht nicht in der Unionsliste der zugelassenen neuartigen Lebensmittel der EU. Eine Zulassung oder einen Eintrag im Novel-Food-Katalog haben wir für den isolierten Stoff nicht gefunden. Zugelassene Gesundheitsangaben gibt es nicht.

Ist C15:0 sicher?

In der Studie mit 30 Teilnehmenden traten über 12 Wochen keine bedeutsamen unerwünschten Ereignisse auf. Längere Daten am Menschen fehlen, ebenso Daten zu Schwangerschaft, Stillzeit und Kindern. Im BK-Score steht die Sicherheits-Datenlage deshalb bei 2 von 10 Punkten.

Ähnliche Themen

Quellen

Diese Studien mit Studientyp und Jahr in der Studien-Datenbank ansehen

In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich

Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.