Supplement
Mastix (Mastixharz)
Kräuter · Pistacia lentiscus var. Chia, Mastic Gum, Chios Mastic, Mastiha
Mastix ist das Harz des Mastixstrauchs von der griechischen Insel Chios und wird seit Langem bei Magenbeschwerden genutzt. Bei funktioneller Dyspepsie, dem sogenannten Reizmagen, gibt es eine positive placebokontrollierte Studie. Gegen Helicobacter pylori, das meistbeworbene Einsatzgebiet, reicht Mastix allein in den kleinen Studien am Menschen nicht aus. Die EMA erkennt nur eine traditionelle Anwendung bei leichten Verdauungsbeschwerden an.
Was Mastix ist
Mastix ist das getrocknete Harz von Pistacia lentiscus var. Chia, einem Strauch aus der Familie der Sumachgewächse. Eingenommen wird es als Pulver oder in Kapseln, äußerlich als Salbe. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat 2016 eine EU-Monografie veröffentlicht, die Mastix als traditionelles pflanzliches Arzneimittel einordnet: innerlich bei leichten Verdauungsbeschwerden, äußerlich bei leichten Hautentzündungen und kleinen Wunden.
Im BK-Score stehen 4 von 10 Punkten bei der Human-Evidenz. Diese Achse bewertet den Wissensstand, nicht die Substanz: Es gibt einzelne kontrollierte Studien, aber sie sind klein und stammen überwiegend aus Griechenland. Bei der Anwendungserfahrung stehen 7 von 10, weil das Harz seit Langem genutzt wird.
Wie es wirken soll
Beworben wird Mastix vor allem als natürliches Mittel gegen Helicobacter pylori, das Bakterium, das Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre verursachen kann. Im Labor wirkt das Harz gegen den Keim. Am Menschen bestätigte sich das bisher nicht: In zwei kleinen Studien blieb der Keim bei den meisten Behandelten nachweisbar.
Daneben werden entzündungshemmende und antioxidative Effekte beschrieben, vor allem aus Labor- und Tierversuchen. Wie Mastix Beschwerden des Reizmagens lindern könnte, ist nicht geklärt.
Was gut belegt ist
- Weniger Reizmagen-Beschwerden in einer doppelblinden Studie. Bei 148 Menschen mit funktioneller Dyspepsie besserten sich die Beschwerden nach drei Wochen bei 77 Prozent unter Mastix und bei 40 Prozent unter Placebo.
- Ein ähnlicher Befund in einer zweiten Studie. In einer Crossover-Studie aus Athen linderten Mastix-Kapseln Blähgefühl im Oberbauch, Brennen in der Magengegend und Sodbrennen gegenüber einer Phase ohne Behandlung, allerdings ohne Placebo.
- Amtlich als traditionelle Anwendung anerkannt. Die EMA erkennt Mastix bei leichten Verdauungsbeschwerden an, auf Grundlage langjähriger Verwendung. Bei der Überprüfung 2024 sah sie keinen Anlass, die Monografie zu ändern.
Was die Studien zeigen
Funktionelle Dyspepsie: die Studie aus Chios
Dabos und Kollegen teilten 148 Patientinnen und Patienten mit funktioneller Dyspepsie nach den Rom-II-Kriterien zufällig auf Mastix, 350 mg dreimal täglich, oder Placebo auf. Nach drei Wochen lag der Symptom-Score unter Mastix bei 14,78, unter Placebo bei 19,96. Eine deutliche Besserung gaben 77 Prozent unter Mastix und 40 Prozent unter Placebo an. Signifikant besser waren Magenschmerzen allgemein, Magenschmerzen bei Anspannung, dumpfer Oberbauchschmerz und Sodbrennen.
Funktionelle Dyspepsie: Crossover-Studie 2025
Kleftaki und Kollegen verglichen in Athen drei Phasen von je vier Wochen: Mastix-Kapseln mit 1,4 g pro Tag, Mastix-Wasser und keine Behandlung. Beide Mastix-Formen besserten die Beschwerden gegenüber der Phase ohne Behandlung. Weil es keine Placebo-Phase gab, lässt sich ein Erwartungseffekt nicht abgrenzen.
Helicobacter pylori: Mastix allein
In einer randomisierten Pilotstudie mit 52 Infizierten verschwand der Keim nach 14 Tagen Mastix bei 4 von 13 Behandelten mit 350 mg und bei 5 von 13 mit 1,05 g dreimal täglich, mit Mastix plus Pantoprazol bei keinem. Die Standardtherapie mit zwei Antibiotika erreichte 10 von 13. In einer weiteren kleinen Studie blieben alle 8 Behandelten nach 14 Tagen mit 1 g Mastix viermal täglich positiv.
Helicobacter pylori: Mastix als Zusatz
In einer einfach verblindeten Pilotstudie aus Indien mit 64 Infizierten wurde die übliche Vierfachtherapie mit Bismut mit oder ohne Mastix gegeben. Die Eradikation lag bei 85 gegenüber 67 Prozent, der Unterschied war nicht signifikant (p = 0,19). Die Dyspepsie-Beschwerden besserten sich mit Mastix stärker.
Wo die Daten aufhören
- Helicobacter beseitigen. Mastix allein erreichte in kleinen Studien deutlich weniger als die Standardtherapie oder gar nichts. Als Ersatz für eine Eradikationstherapie taugt es nach diesen Daten nicht.
- Magengeschwüre heilen. Dazu gibt es eine Arbeit aus den 1980er-Jahren, neuere kontrollierte Studien fehlen.
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Eine systematische Übersicht über 8 Arbeiten, sieben davon aus Griechenland, sieht günstige Effekte auf Entzündungswerte, verlangt aber ausdrücklich bessere Studien.
- Wiederholung durch unabhängige Gruppen. Die positive Dyspepsie-Studie ist nicht von einer anderen Arbeitsgruppe mit Placebo bestätigt worden.
- Dauer. Die Studien liefen zwei bis vier Wochen. Zu längerer Einnahme gibt es keine kontrollierten Daten.
Status, Zulassung und Recht
Die EMA führt Mastix in einer EU-Monografie von 2016 als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. Traditionell heißt: Die Anwendung beruht auf langjähriger Verwendung, nicht auf einem Wirksamkeitsnachweis aus Studien. Bei der periodischen Überprüfung 2024 sichtete die EMA neue Arbeiten aus den Jahren 2019 bis 2024 und fand keine, die eine Änderung der Monografie begründet hätte. Als Nahrungsergänzung ist Mastix in Deutschland im Handel und darf dort nicht mit der Behandlung von Krankheiten wie einer Helicobacter-Infektion beworben werden.
Sicherheit
In den Studien wurde Mastix gut vertragen, schwere Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. Die einzige Gegenanzeige der EU-Monografie ist eine Überempfindlichkeit gegen das Harz. Allergien kommen vor: In einer Untersuchung reagierten 13 von 18 Menschen, die gegen einen mastixhaltigen medizinischen Hautkleber allergisch waren, auch auf Mastix. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird die innerliche Anwendung mangels Daten nicht empfohlen. Halten die Beschwerden länger als zwei Wochen an, ist ärztlicher Rat angezeigt.
Wiederkehrende Oberbauchbeschwerden, Schluckbeschwerden, Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl gehören ärztlich abgeklärt. Eine nachgewiesene Helicobacter-Infektion wird mit einer Eradikationstherapie behandelt. Im BK-Score steht die Sicherheit bei 4 von 10 Punkten; diese Achse misst, wie gut die Sicherheit untersucht ist, nicht wie sicher das Harz ist. Wer bei Magenbeschwerden andere Ansätze vergleicht, findet Seiten zu DGL-Süßholz, Betain-HCl und Probiotika. Dieser Text ist Information und ersetzt keine medizinische Beratung.
BK-Score Dünne Humanevidenz
| Human-Evidenz | 4 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 3 | |
| Sicherheits-Datenlage | 4 | |
| Hype-Abstand | 4 | |
| Anwendungserfahrung | 7 |
Evidenz 4, weil es zur funktionellen Dyspepsie eine doppelblinde Studie mit 148 Patienten gibt (77 gegenüber 40 Prozent mit deutlicher Besserung, Dabos 2010) und eine Crossover-Studie ohne Placebo (Kleftaki 2025), zu Helicobacter pylori aber nur sehr kleine Studien, in denen Mastix allein den Keim bei 4 bis 5 von 13 (Dabos 2010) und bei 0 von 8 Behandelten beseitigte (Bebb 2003); als Zusatz zur Standardtherapie verfehlte es die Signifikanz (Tulsian 2026). Mechanismus 3, weil die Wirkung gegen Helicobacter und die entzündungshemmenden Effekte vor allem aus Labor- und Tierversuchen stammen und sich der Keimbefund am Menschen nicht bestätigte. Sicherheit 4, weil nur Studien über 2 bis 4 Wochen an kleinen Gruppen vorliegen; die EMA fand bei der Überprüfung 2024 kein Sicherheitssignal, beschreibt aber Kontaktallergien. Hype 4, weil Mastix als natürliches Mittel gegen Helicobacter und Magengeschwüre beworben wird, während genau dieser Effekt am Menschen nicht belegt ist. Anwendung 7, weil das Harz seit Langem im Mittelmeerraum genutzt wird und die EMA eine traditionelle Anwendung bei leichten Verdauungsbeschwerden anerkennt. Richtung gemischt: positiv bei Dyspepsie-Beschwerden, nicht bestätigt bei Helicobacter pylori.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Mastix (Mastixharz)
Hilft Mastix gegen Helicobacter pylori?
Am Menschen kaum. In einer Pilotstudie verschwand der Keim mit Mastix allein bei 4 bis 5 von 13 Behandelten, mit der Standardtherapie bei 10 von 13. In einer weiteren Studie blieben alle 8 Behandelten positiv. Als Zusatz zur Vierfachtherapie stieg die Eradikationsrate von 67 auf 85 Prozent, der Unterschied war aber nicht signifikant.
Hilft Mastix bei Reizmagen?
In einer doppelblinden Studie mit 148 Menschen mit funktioneller Dyspepsie besserten sich die Beschwerden nach drei Wochen bei 77 Prozent unter Mastix und bei 40 Prozent unter Placebo. Eine zweite Studie aus Griechenland kam zu einem ähnlichen Ergebnis, allerdings ohne Placebogruppe. Das ist ein ermutigender, aber schmaler Befund.
Ist Mastix ein Arzneimittel?
Die EMA hat eine EU-Monografie, die Mastix als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichten Verdauungsbeschwerden und äußerlich bei leichten Hautentzündungen und kleinen Wunden einordnet. Traditionell bedeutet, dass die Anwendung auf langjähriger Verwendung beruht, nicht auf einem Wirksamkeitsnachweis.
Hat Mastix Nebenwirkungen?
In den Studien wurde es gut vertragen. Allergische Reaktionen sind möglich, besonders bei Menschen mit Allergie gegen mastixhaltige Hautkleber. Für unter 18-Jährige ist die innerliche Anwendung mangels Daten nicht vorgesehen. Bei Beschwerden über zwei Wochen ist ärztlicher Rat angezeigt.
Hilft Mastix bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa?
Eine systematische Übersicht über 8 Arbeiten, überwiegend aus Griechenland, sieht günstige Effekte auf Entzündungswerte, verlangt aber bessere Studien. Mastix ist keine Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen und ersetzt keine ärztlich verordnete Therapie.
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Quellen
- Dabos 2010, Journal of Ethnopharmacology – doppelblinde RCT, funktionelle Dyspepsie, 148 Patienten (PMID 19961914)
- Dabos 2010, Phytomedicine – randomisierte Pilotstudie, Helicobacter pylori, 52 Patienten (PMID 19879118)
- Bebb 2003, Journal of Antimicrobial Chemotherapy – Mastix ohne Effekt auf Helicobacter pylori, 9 Patienten (PMID 12888582)
- Tulsian 2026, Indian Journal of Gastroenterology – Mastix als Zusatz zur Bismut-Vierfachtherapie, Pilot-RCT, 64 Patienten (PMID 41832367)
- Kleftaki 2025, Pharmacological Research – randomisierte Crossover-Studie, funktionelle Dyspepsie (PMID 41197785)
- Huwez 1986, Gastroenterologia Japonica – Mastix bei gutartigen Magengeschwüren (PMID 3732760)
- Mavroudi 2023, Journal of Medicinal Food – systematische Übersicht, Mastix bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (PMID 37001176)
- EMA – EU-Monografie Pistacia lentiscus L., resina (Mastix), 2016
- EMA – Addendum zum Bewertungsbericht Mastix, periodische Überprüfung 2024
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.