Biohacking Kompakt

Supplement

DGL-Süßholz (deglycyrrhiziniert)

Kräuter · Deglycyrrhizinated Licorice, DGL, Glycyrrhiza glabra, Lakritzwurzel ohne Glycyrrhizin, GutGard

DGL ist Süßholzwurzel, aus der das Glycyrrhizin weitgehend entfernt wurde, also genau der Stoff, der bei Lakritz den Blutdruck steigen und Kalium sinken lässt. Beworben wird DGL gegen Sodbrennen, Reizmagen und Magengeschwüre. Die älteren placebokontrollierten Studien bei Geschwüren fanden keinen Nutzen, neuere doppelblinde Studien mit einem einzigen Spezialextrakt zeigen bessere Werte bei Dyspepsie und Reflux.

Was DGL-Süßholz ist

Süßholz, Glycyrrhiza glabra, ist die Wurzel, aus der auch Lakritz hergestellt wird. Ihr bekanntester Inhaltsstoff ist Glycyrrhizin. DGL steht für deglycyrrhizinated licorice, also Süßholz, aus dem dieser Stoff weitgehend entfernt wurde. Wie viel übrig bleibt, hängt vom Produkt ab; der in neueren Studien geprüfte Extrakt GutGard enthält höchstens 3 Prozent Glycyrrhizin und ist auf Flavonoide wie Glabridin standardisiert.

Im BK-Score stehen 4 von 10 Punkten bei der Human-Evidenz. Diese Achse bewertet den Wissensstand, nicht die Substanz: Es gibt etliche Studien, aber die älteren sind negativ und die neueren hängen an einem einzigen Extrakt.

Glycyrrhizin: warum es entfernt wird

Glycyrrhizin führt in größeren Mengen dazu, dass der Körper Natrium zurückhält und Kalium verliert. Die Folgen können Bluthochdruck, Wassereinlagerungen und Muskelschwäche sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb, weniger als 100 mg Glycyrrhizin pro Tag aufzunehmen, und hält Lakritz mit mehr als 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g für den regelmäßigen Verzehr für problematisch. Die Pflanzenliste von Bund und Ländern führt Süßholzwurzel deshalb in Liste B, also mit empfohlener Mengenbegrenzung.

DGL soll dieses Problem umgehen. Das gelingt nur, wenn der Restgehalt tatsächlich niedrig ist. Bei Nahrungsergänzungen ist er nicht einheitlich geregelt und nicht immer angegeben.

Wie es wirken soll

Beworben wird DGL als Schutz für die Magen- und Speiseröhrenschleimhaut und als Mittel gegen Helicobacter pylori. Diese Wirkungen stammen überwiegend aus Labor- und Tierversuchen. Am Menschen ist vor allem gesichert, was DGL nicht mehr tun soll: über Glycyrrhizin den Mineralhaushalt verschieben.

Was gut belegt ist

  • Weniger Refluxbeschwerden mit einem Spezialextrakt. In einer doppelblinden Studie mit 200 Teilnehmenden besserte sich die Lebensqualität unter GutGard nach 28 Tagen stärker als unter Placebo (p = 0,014), Sodbrennen und Aufstoßen gingen schneller zurück.
  • Weniger Reizmagen-Beschwerden mit demselben Extrakt. Bei funktioneller Dyspepsie sanken die Beschwerde-Scores an Tag 15 und 30 stärker als unter Placebo.
  • Glycyrrhizin ist der Risikostoff, nicht die Wurzel an sich. Die Gefahren von Lakritz für Blutdruck und Kalium sind gut beschrieben und an Glycyrrhizin gebunden. Das BfR nennt eine klare Grenze.

Was die Studien zeigen

Magengeschwüre: drei negative Studien aus den 1970er-Jahren

Bardhan und Kollegen teilten 96 Patientinnen und Patienten mit Magengeschwür zufällig auf DGL oder Placebo auf. Nach vier Wochen gab es keinen Unterschied bei der vollständigen Abheilung, bei der Verkleinerung des Geschwürs oder bei den Beschwerden. Engqvist und Kollegen prüften das DGL-Präparat Caved-S doppelblind im Crossover bei 38 Patienten mit 47 Geschwüren und fanden keine schnellere Heilung. Feldman und Gilat fanden bei 47 Patienten mit Zwölffingerdarmgeschwür nach einem Monat keinen Vorteil gegenüber Placebo.

Funktionelle Dyspepsie: GutGard

Raveendra und Kollegen gaben Patientinnen und Patienten mit funktioneller Dyspepsie doppelblind 75 mg GutGard zweimal täglich oder Placebo über 30 Tage. Die Gesamtbeschwerden und der Lebensqualitäts-Index sanken an Tag 15 und 30 signifikant stärker als unter Placebo.

Refluxbeschwerden: GutGard

Raj und Kollegen schlossen in Mumbai 200 Menschen mit Refluxbeschwerden in eine doppelblinde Phase-III-Studie über 28 Tage ein. Unter GutGard war die Lebensqualität am Ende besser (p = 0,014), Sodbrennen und Aufstoßen gingen früher zurück, beim Sodbrennen ab Tag 14.

Helicobacter pylori: GutGard

Puram und Kollegen gaben 107 Infizierten 150 mg GutGard oder Placebo über 60 Tage. Danach war der Stuhl-Antigentest bei 56 Prozent unter GutGard und bei 4 Prozent unter Placebo negativ, der Atemtest bei 48 Prozent unter GutGard. Eine Standard-Eradikationstherapie war nicht Teil des Vergleichs, ob der Keim dauerhaft verschwunden war, blieb offen.

Wo die Daten aufhören

  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Die placebokontrollierten Studien fanden keinen Nutzen. Geschwüre gehören in ärztliche Behandlung.
  • Übertragbarkeit. Alle positiven neueren Studien liefen mit GutGard. Ob andere DGL-Produkte genauso wirken, ist nicht untersucht.
  • Helicobacter. Eine einzelne Studie mit Stuhl- und Atemtest ersetzt keinen Vergleich mit der Standardtherapie.
  • Dauer. Die Studien liefen vier bis acht Wochen. Daten zu langfristiger Einnahme fehlen.

Status, Zulassung und Recht

DGL ist in Deutschland als Nahrungsergänzung im Handel. Süßholzwurzel steht in der Pflanzenliste von Bund und Ländern als Lebensmittel, auch in Nahrungsergänzungen, und zugleich als Arzneistoff in Liste B: Wegen des Glycyrrhizins ist eine Mengenbegrenzung angezeigt. Die EMA hat eine EU-Monografie zur Süßholzwurzel mit traditioneller Anwendung bei Verdauungsbeschwerden mit Brennen und als schleimlösendes Mittel bei Husten; sie betrifft Zubereitungen der normalen Wurzel, nicht DGL. Nahrungsergänzungen dürfen nicht mit der Behandlung von Krankheiten wie Reflux oder Magengeschwüren beworben werden.

Sicherheit

In den Studien mit GutGard wurde der Extrakt gut vertragen. Das Hauptrisiko von Süßholz, der Effekt von Glycyrrhizin auf Blutdruck und Kalium, ist bei DGL weitgehend ausgeschaltet, aber nur, wenn der Restgehalt niedrig ist. Wer Bluthochdruck, eine Herz- oder Nierenerkrankung oder niedrige Kaliumwerte hat oder Entwässerungsmittel nimmt, sollte den Glycyrrhizingehalt eines Produkts mit Ärztin, Arzt oder Apotheke klären. Das BfR rät zu weniger als 100 mg Glycyrrhizin pro Tag aus allen Quellen, Lakritz eingerechnet.

Anhaltendes Sodbrennen, Schluckbeschwerden, Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl gehören ärztlich abgeklärt, bevor man selbst behandelt. Im BK-Score steht die Sicherheit bei 4 von 10 Punkten; diese Achse misst, wie gut die Sicherheit untersucht ist, nicht wie sicher der Extrakt ist. Bei Magenbeschwerden gibt es eigene Seiten zu Mastix und Betain-HCl. Dieser Text ist Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

BK-Score Dünne Humanevidenz

Human-Evidenz4
Mechanismus3
Sicherheits-Datenlage4
Hype-Abstand4
Anwendungserfahrung6

Evidenz 4, weil die älteren placebokontrollierten Studien bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren keinen Nutzen fanden (Feldman 1971 mit 47, Bardhan 1978 mit 96 Patienten, Engqvist 1973), während drei neuere doppelblinde Studien mit einem einzigen Spezialextrakt bessere Werte bei Dyspepsie (Raveendra 2012), Refluxbeschwerden (Raj 2025, 200 Teilnehmende) und im Helicobacter-Test zeigen (Puram 2013); unabhängige Wiederholungen mit anderen DGL-Produkten fehlen. Mechanismus 3, weil die beworbene Schleimhautwirkung und die Wirkung gegen Helicobacter vor allem aus Labor- und Tierversuchen stammen; klar verstanden ist nur, was DGL nicht mehr tut, nämlich über Glycyrrhizin den Mineralhaushalt zu verschieben. Sicherheit 4, weil die Studien nur 4 bis 8 Wochen dauerten und der Restgehalt an Glycyrrhizin bei Nahrungsergänzungen nicht einheitlich geregelt ist; zum Glycyrrhizin selbst gibt es eine klare Grenze des BfR von weniger als 100 mg pro Tag. Hype 4, weil DGL breit gegen Sodbrennen, Reizmagen und Magengeschwüre beworben wird, die Geschwürstudien aber negativ waren und die positiven Daten an einem Extrakt hängen. Anwendung 6, weil DGL-Präparate seit Jahrzehnten bei Magenbeschwerden verwendet werden, mit klinischen Studien seit den 1970er-Jahren. Richtung gemischt: negativ bei Geschwüren, positiv in den neueren Studien zu Dyspepsie und Reflux.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu DGL-Süßholz (deglycyrrhiziniert)

Was ist der Unterschied zwischen DGL und normalem Süßholz?

Bei DGL wurde das Glycyrrhizin weitgehend entfernt. Glycyrrhizin lässt in größeren Mengen Natrium im Körper zurückhalten, Kalium ausscheiden und den Blutdruck steigen. Normales Süßholz und Lakritz enthalten es, DGL nur noch in Resten; der Studienextrakt GutGard höchstens 3 Prozent.

Hilft DGL gegen Sodbrennen?

In einer doppelblinden Studie mit 200 Teilnehmenden gingen Sodbrennen und Aufstoßen unter dem Spezialextrakt GutGard schneller zurück als unter Placebo, die Lebensqualität war nach 28 Tagen besser. Das ist eine Studie mit einem Extrakt. Ob andere DGL-Produkte genauso wirken, ist nicht geprüft.

Heilt DGL Magengeschwüre?

Die placebokontrollierten Studien aus den 1970er-Jahren fanden das nicht. Bei 96 Patienten mit Magengeschwür und bei 47 Patienten mit Zwölffingerdarmgeschwür heilte unter DGL nicht mehr ab als unter Placebo. Geschwüre gehören in ärztliche Behandlung.

Kann DGL den Blutdruck erhöhen?

Der blutdrucksteigernde Stoff im Süßholz ist Glycyrrhizin, und der wird bei DGL weitgehend entfernt. Wie viel übrig bleibt, ist bei Nahrungsergänzungen aber nicht einheitlich geregelt. Das BfR rät zu weniger als 100 mg Glycyrrhizin pro Tag aus allen Quellen. Bei Bluthochdruck oder Herzmedikamenten den Gehalt vorher klären.

Hilft DGL gegen Helicobacter pylori?

In einer Studie mit 107 Infizierten war der Stuhl-Antigentest nach 60 Tagen bei 56 Prozent unter GutGard und bei 4 Prozent unter Placebo negativ. Mit der üblichen Eradikationstherapie wurde DGL nicht verglichen. Eine nachgewiesene Infektion wird ärztlich behandelt.

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Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.