Supplement
Mangan
Mineral · Mn, Manganese
Mangan ist ein Spurenelement, ohne das mehrere Enzyme nicht arbeiten, darunter ein Schutzenzym in den Mitochondrien. Die normale Ernährung liefert in Deutschland im Mittel etwa die empfohlene Menge, zum Beispiel aus Vollkorn, Nüssen und Tee. Zu viel Mangan schadet dem Nervensystem; für Präparate empfiehlt das BfR deshalb eine sehr niedrige Höchstmenge.
Was Mangan ist
Mangan ist ein essenzielles Spurenelement. Es ist Bestandteil von Enzymen wie der Arginase, der Pyruvatcarboxylase und der manganabhängigen Superoxiddismutase, die in den Mitochondrien Sauerstoffradikale abbaut. Reich an Mangan sind Nüsse, Teeblätter, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide und einige Früchte wie Ananas, Bananen und Beeren; eine Tasse Tee enthält 300 bis 1.000 Mikrogramm. Milchprodukte, Fleisch, Fisch und Eier enthalten wenig.
Die EFSA nennt als angemessene Zufuhr für Erwachsene 3 mg pro Tag, die D-A-CH-Gesellschaften 2 bis 5 mg. In Deutschland liegt die mediane Zufuhr bei 2,7 bis 3,0 mg, bei Vegetariern bei 3,0 bis 3,3 mg. Im BK-Score stehen 3 von 10 Punkten bei der Human-Evidenz: Dass Mangan unentbehrlich ist, steht fest, ob zusätzliches Mangan etwas bringt, ist kaum untersucht. Ähnlich liegt der Fall bei anderen Spurenelementen wie Kupfer.
Wie es wirkt
Aus Lebensmitteln wird Mangan nur zu einem kleinen Teil aufgenommen, in der Regel zu weniger als 10 Prozent. Was ins Blut gelangt, nimmt die Leber weitgehend auf und gibt es mit der Galle wieder ab, sodass nur wenig im Kreislauf ankommt. Bei Menschen mit Leber- und Gallenwegsschwäche und unter langer künstlicher Ernährung über die Vene sind Manganablagerungen im Gehirn beschrieben.
Im Überschuss reichert sich Mangan in den Basalganglien an, einer Hirnregion für die Steuerung von Bewegungen. Das Krankheitsbild heißt Manganismus und ähnelt der Parkinson-Krankheit.
Was gut belegt ist
- Unentbehrlich als Enzymbaustein. Arginase, Pyruvatcarboxylase und die manganabhängige Superoxiddismutase brauchen Mangan.
- Ein Mangelversuch am Menschen. Bei 7 jungen Männern führte eine Kost mit nur 0,11 mg Mangan pro Tag über 39 Tage bei 5 von ihnen zu einer flüchtigen Hautveränderung, das Cholesterin sank. Mit wieder mehr Mangan verschwand die Hautveränderung.
- Zugelassene Angaben. Die EU erlaubt die Angaben, dass Mangan zu einem normalen Energiestoffwechsel, zur Erhaltung normaler Knochen, zu einer normalen Bindegewebsbildung und zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress beiträgt.
- Versorgung über die Ernährung. Die mediane Zufuhr in Deutschland entspricht etwa der angemessenen Zufuhr der EFSA.
Was die Studien zeigen
Mangelversuch: Friedman 1987
Sieben Männer zwischen 19 und 22 Jahren aßen 3 Wochen lang normale Kost mit 2,59 mg Mangan pro Tag, dann 39 Tage eine gereinigte Kost mit 0,11 mg. Das Cholesterin im Plasma sank in der Ausgangsphase von 170 auf 152 mg/dl und am Ende der Mangelphase weiter auf 142 mg/dl. Fünf von sieben entwickelten eine flüchtige Hautveränderung, die mit erneuter Manganzufuhr verschwand. Den Mindestbedarf berechneten die Autoren auf 0,74 mg pro Tag, unter ungünstigen Annahmen auf 2,11 mg.
Knochen: Strause 1994
In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie über 2 Jahre erhielten 59 gesunde Frauen nach den Wechseljahren, im Mittel 66 Jahre alt, Placebo, Spurenelemente allein (15 mg Zink, 5 mg Mangan, 2,5 mg Kupfer), Calcium allein oder Calcium plus Spurenelemente. Die Knochendichte der Lendenwirbelsäule sank unter Placebo um 3,53 Prozent und stieg unter Calcium plus Spurenelementen um 1,48 Prozent; nur dieser Unterschied war signifikant. Welchen Anteil das Mangan daran hat, lässt sich aus der Studie nicht ablesen.
Sichere Aufnahmemenge: EFSA 2023
Im Auftrag der EU-Kommission prüfte die EFSA systematisch Studien an Menschen und Tieren zu Nervenschäden durch Mangan. Die Daten reichten nicht, um eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zu beschreiben. Statt einer Obergrenze legte die EFSA deshalb eine sichere Aufnahmemenge von 8 mg pro Tag für Erwachsene fest, abgeleitet aus der Zufuhr von Menschen, die über normale Lebensmittel besonders viel Mangan aufnehmen. Ab welcher Menge das Risiko steigt, ist damit nicht bestimmt.
Nervenschäden: Stepens 2008
In Lettland untersuchten Ärzte 23 Erwachsene, die über Jahre selbst hergestelltes Methcathinon gespritzt hatten; bei der Herstellung mit Kaliumpermanganat blieb Mangan in der Lösung. Alle hatten Gangstörungen, 21 eine leise, schwer verständliche Sprache. Im MRT zeigten sich Veränderungen in den Basalganglien, das Mangan im Blut war erhöht. Die Ausfälle bildeten sich nach dem Absetzen nicht zurück. Der Weg in die Vene ist mit Mangan aus der Nahrung nicht vergleichbar, der Befund zeigt aber, wie empfindlich das Nervensystem reagiert.
Wo die Daten aufhören
- Nutzen zusätzlichen Mangans. Eine kontrollierte Studie mit Mangan als Einzelstoff zu Knochen, Gelenken oder Stoffwechsel gibt es in den ausgewerteten Quellen nicht.
- Wer einen Mangel hat. Ein Mangel ist beim Menschen nur aus einem Versuch mit extrem manganarmer Kost beschrieben; die normale Ernährung liefert im Mittel etwa die empfohlene Menge.
- Wo die Schadensgrenze liegt. Die EFSA konnte sie nicht bestimmen; die 8 mg pro Tag sind eine Menge mit vernünftiger Sicherheit, keine Schwelle.
Status, Zulassung und Recht
Mehrere Mangansalze sind in der EU für die Anreicherung von Lebensmitteln und für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 0,5 mg Mangan pro Tagesverzehrempfehlung und rät, normale Lebensmittel nicht mit Mangan anzureichern. Den Wert leitete es aus einem britischen Orientierungswert für ältere Menschen ab; eine Anpassung an die EFSA-Bewertung von 2023 hat das BfR angekündigt. Die Werte des BfR sind Empfehlungen, keine Rechtsvorschrift.
Für Mangan hat die EU vier gesundheitsbezogene Angaben zugelassen: Energiestoffwechsel, Knochen, Bindegewebe und Schutz der Zellen vor oxidativem Stress.
Sicherheit
Das zentrale Risiko sind Nervenschäden. Bekannt sind sie vor allem nach Einatmen von Mangan im Bergbau und beim Schweißen. Über die Nahrung beschreibt die EFSA unter anderem einen Einzelfall mit rund 26 mg Mangan pro Tag aus etwa 3 Litern Schwarztee über mehr als 10 Jahre; nach einer Chelattherapie besserten sich die meisten Beschwerden.
Weil zwischen der üblichen Zufuhr und den Mengen, bei denen Effekte beobachtet wurden, wenig Abstand liegt, hält das BfR in Präparaten nur 0,5 mg für vertretbar; damit bleibt kein Spielraum für ein zweites manganhaltiges Präparat. Im BK-Score steht die Sicherheit bei 5 von 10 Punkten; diese Achse misst, wie gut die Sicherheit untersucht ist, nicht wie sicher die Substanz ist. Dieser Text ist Information und ersetzt keine medizinische Beratung.
BK-Score Lange angewendet, kaum untersucht
| Human-Evidenz | 3 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 8 | |
| Sicherheits-Datenlage | 5 | |
| Hype-Abstand | 6 | |
| Anwendungserfahrung | 6 |
Evidenz 3, weil es zum Nutzen einer Mangan-Supplementierung keine eigenständige kontrollierte Studie gibt: In der einzigen Knochenstudie war Mangan Teil einer Mischung mit Calcium, Zink und Kupfer (Strause 1994, 59 Frauen), und ein Mangel ist beim Menschen nur aus einem Depletionsversuch mit 7 Männern beschrieben (Friedman 1987). Mechanismus 8, weil Mangan als Bestandteil von Arginase, Pyruvatcarboxylase und mitochondrialer Superoxiddismutase biochemisch gut verstanden ist. Sicherheit 5, weil die EFSA 2023 Human- und Tierdaten zu Nervenschäden systematisch geprüft hat, daraus aber keine Dosis-Wirkungs-Beziehung ableiten konnte und nur eine sichere Aufnahmemenge von 8 mg pro Tag festlegte; die Belege für Schäden stammen aus Arbeitsplatz, verunreinigten Drogen (Stepens 2008) und Einzelfällen. Hype 6, weil Mangan kaum als Einzelstoff vermarktet wird und die zugelassenen Angaben zu Knochen, Bindegewebe und Energiestoffwechsel nah an der Biochemie bleiben. Anwendung 6, weil Mangan seit Jahrzehnten in Multimineralpräparaten steckt, ohne dass sein eigener Beitrag untersucht wäre. Richtung offen: Unentbehrlich ist es, ob zusätzliches Mangan bei normaler Ernährung etwas bringt, ist nicht untersucht.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Mangan
Wofür braucht der Körper Mangan?
Mangan ist Bestandteil von Enzymen wie Arginase, Pyruvatcarboxylase und der manganabhängigen Superoxiddismutase. Die EU erlaubt Angaben zu Energiestoffwechsel, Knochen, Bindegewebe und zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress. Diese Angaben beschreiben die Rolle des Nährstoffs, nicht den Nutzen zusätzlicher Präparate.
Wie viel Mangan braucht man am Tag?
Die EFSA nennt als angemessene Zufuhr für Erwachsene 3 mg pro Tag, die D-A-CH-Gesellschaften 2 bis 5 mg. In Deutschland liegt die mediane Zufuhr über die Nahrung bei 2,7 bis 3,0 mg. Viel Mangan liefern Nüsse, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide und Tee.
Gibt es Manganmangel?
Ein Mangel ist beim Menschen kaum beschrieben. In einem Versuch mit nur 0,11 mg Mangan pro Tag über 39 Tage entwickelten 5 von 7 jungen Männern eine flüchtige Hautveränderung, das Cholesterin sank. Die normale Ernährung liegt weit über dieser Menge.
Ist zu viel Mangan gefährlich?
Mangan kann im Überschuss das Nervensystem schädigen, mit Parkinson-ähnlichen Beschwerden. Die Belege stammen vor allem vom Einatmen am Arbeitsplatz und aus Einzelfällen. Die EFSA hält eine Gesamtaufnahme von 8 mg pro Tag für Erwachsene für sicher, eine Schwelle für Schäden konnte sie nicht bestimmen.
Wie viel Mangan darf in Nahrungsergänzungsmitteln sein?
Das BfR empfiehlt höchstens 0,5 mg Mangan pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts und rät von angereicherten Lebensmitteln ab. Damit bleibt laut BfR kein Spielraum für ein zweites manganhaltiges Präparat. Das ist eine Empfehlung an Hersteller, keine Verzehrempfehlung.
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Quellen
- EFSA NDA Panel, EFSA Journal 2023 – Tolerable upper intake level for manganese, sichere Aufnahmemenge 8 mg pro Tag
- BfR – Höchstmengenvorschläge für Mangan in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln (2021)
- Friedman BJ et al., J Nutr 1987 – Mangelversuch, 7 junge Männer, 39 Tage
- Strause L et al., J Nutr 1994 – placebokontrollierte Studie, 59 Frauen nach den Wechseljahren, Calcium und Spurenelemente über 2 Jahre
- Stepens A et al., N Engl J Med 2008 – Parkinson-Syndrom bei 23 Methcathinon-Konsumenten und die Rolle von Mangan
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – Liste der zulässigen gesundheitsbezogenen Angaben über Lebensmittel
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.