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Löwenzahnwurzel

Kräuter · Taraxacum officinale, Taraxaci radix, Löwenzahnwurzel mit Kraut, Dandelion Root

Löwenzahnwurzel gehört zu den klassischen Bittermitteln Europas: bei Völlegefühl, Blähungen, Appetitlosigkeit und um die Harnwege durchzuspülen. Die EU erkennt Löwenzahnwurzel mit Kraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel an, auf Grundlage langer Anwendung. Klinische Studien gibt es dazu nicht, und die einzige Studie mit reinem Wurzelpulver fand keine harntreibende Wirkung.

Was Löwenzahnwurzel ist

Der Gemeine Löwenzahn (Taraxacum officinale) gehört zu den Korbblütlern. Arzneilich verwendet werden die Wurzel, oft zusammen mit dem Kraut, und die Blätter. Die Wurzel enthält Bitterstoffe aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone, etwa ein Glucosid der Taraxinsäure, und je nach Erntezeit 2 Prozent (Frühjahr) bis 40 Prozent (Herbst) Inulin, einen Ballaststoff, der auch als Präbiotikum verkauft wird.

In der deutschen Volksmedizin ist Löwenzahn seit dem 16. Jahrhundert belegt, Präparate aus Löwenzahnwurzel mit Kraut sind seit 1976 im Handel, als Dragees mit Trockenextrakt, als Tropfen und als Presssaft. Im BK-Score stehen 2 von 10 Punkten bei der Human-Evidenz und 8 bei der Anwendungserfahrung. Das ist der typische Fall einer Pflanze, die lange genutzt, aber kaum untersucht ist.

Wie es wirkt

Das HMPC, der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der EMA, erklärt die Verdauungswirkung mit den Bitterstoffen: Sie sollen über die Bitterrezeptoren reflektorisch Speichel und Magensaft anregen und den Gallenfluss fördern. Im Tierversuch stieg der Gallenfluss bei Ratten nach einer Abkochung aus Löwenzahnblättern um bis zu 40 Prozent.

Die harntreibende Wirkung führt das HMPC auf den hohen Kaliumgehalt und bestimmte Flavonoide zurück, hält aber fest, dass keine Studie diese Annahme bestätigt.

Was gut belegt ist

  • Lange, dokumentierte Anwendung. Die EU erkennt Löwenzahnwurzel mit Kraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichten Verdauungsbeschwerden, vorübergehender Appetitlosigkeit und zur Erhöhung der Harnmenge an.
  • Keine ernsten Nebenwirkungen in der Tradition. In der Dokumentation der traditionellen Anwendung in der EU wurden keine ernsten Nebenwirkungen berichtet.
  • Ein positives Signal beim Blatt. Ein frischer Blattextrakt erhöhte bei 17 Freiwilligen die Häufigkeit des Wasserlassens und das Verhältnis von Urin zu Trinkmenge.
  • Bekannte Inhaltsstoffe. Bitterstoffe und Inulin sind beschrieben und mengenmäßig erfasst.

Was die Studien zeigen

Blattextrakt und Harnmenge: Clare 2009

In dieser Pilotstudie nahmen 17 Freiwillige an einem Tag dreimal 8 ml eines frischen alkoholischen Auszugs aus Löwenzahnblättern; verglichen wurde mit ihren eigenen Werten der beiden Vortage. In den 5 Stunden nach der ersten Gabe stieg die Häufigkeit des Wasserlassens, nach der zweiten Gabe das Verhältnis von Urinmenge zu Trinkmenge. Die dritte Gabe änderte nichts mehr. Untersucht wurde das Blatt, nicht die Wurzel, und es gab keine Placebogruppe.

Wurzelpulver und Harnmenge: Gavin 2026

In einer offenen Crossover-Studie tranken 14 körperlich aktive junge Erwachsene an zwei Terminen 1 Liter Wasser, einmal mit vier Kapseln eines handelsüblichen Wurzelpulvers, zusammen rund 2,1 g. Über 4 Stunden schieden sie mit Löwenzahn im Mittel 1.268 g Urin aus, ohne 1.164 g; der Unterschied von 105 g war nicht signifikant. Die Autoren sehen damit keine Bestätigung der harntreibenden Wirkung, halten aber andere Dosierungen, Zeiträume und Zubereitungen für prüfenswert.

Bewertung der EU: HMPC 2009 und 2019

Das HMPC prüfte 2009 die Literatur und fand keine klinischen Studien mit Zubereitungen aus Löwenzahnwurzel mit Kraut. Eine Anerkennung als Arzneimittel mit belegter Wirksamkeit war deshalb nicht möglich, wohl aber als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. Bei der Überprüfung 2019 kamen 39 neue Arbeiten hinzu, aber keine klinische Studie und keine neuen Sicherheitsbedenken. Für eine erneute Überprüfung hat das HMPC von März bis Juni 2026 wissenschaftliche Daten angefordert.

Wo die Daten aufhören

  • Wirksamkeit bei Verdauungsbeschwerden. Dafür gibt es keine klinische Studie, die Anerkennung beruht allein auf langer Anwendung.
  • Entwässerung mit der Wurzel. Die einzige Studie mit Wurzelpulver fand keine signifikante Wirkung; der positive Befund stammt vom Blatt und kam ohne Placebogruppe zustande.
  • Leberentlastung. Bei Lebererkrankungen nennt die EU-Monographie sogar eine Gegenanzeige; Daten zu einer Entlastung oder Entgiftung der Leber gibt es nicht.
  • Langzeitsicherheit. Untersuchungen zu Erbgutschäden, Fortpflanzung und Krebsrisiko fehlen.

Status, Zulassung und Recht

Für Löwenzahnwurzel mit Kraut gibt es seit 2009 eine EU-Monographie des HMPC. Sie erlaubt die Registrierung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichten Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und träger Verdauung, bei vorübergehender Appetitlosigkeit und zur Erhöhung der Harnmenge, um bei leichten Harnwegsbeschwerden die Harnwege durchzuspülen. Grundlage ist ausschließlich die lange Anwendung. Für Kinder unter 12 Jahren ist die Anwendung mangels Daten nicht vorgesehen.

Löwenzahnwurzel wird außerdem als Tee und in Nahrungsergänzungsmitteln angeboten. In der EU-Liste zugelassener gesundheitsbezogener Angaben steht Löwenzahn nicht.

Sicherheit

Die Monographie nennt als Gegenanzeigen eine Allergie gegen Korbblütler, Verschluss oder Entzündung der Gallenwege, Lebererkrankungen, Gallensteine, ein aktives Magengeschwür und andere Erkrankungen der Gallenwege. Bei Nierenschwäche, Diabetes oder Herzschwäche soll Löwenzahn wegen eines möglichen Kaliumüberschusses gemieden werden. Als Nebenwirkungen beschrieben sind Magenschmerzen, Übersäuerung und allergische Reaktionen, ihre Häufigkeit ist unbekannt.

Für Schwangerschaft und Stillzeit fehlen Daten, ebenso Untersuchungen zu Erbgut, Fortpflanzung und Krebsrisiko. Im BK-Score steht die Sicherheit bei 3 von 10 Punkten; diese Achse misst, wie gut die Sicherheit untersucht ist, nicht wie sicher die Substanz ist. Dieser Text ist Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

BK-Score Lange angewendet, kaum untersucht

Human-Evidenz2
Mechanismus3
Sicherheits-Datenlage3
Hype-Abstand4
Anwendungserfahrung8

Evidenz 2, weil das HMPC 2009 und 2019 keine klinischen Studien zu Löwenzahnwurzel mit Kraut fand und am Menschen nur zwei kleine Messungen zur Harnmenge vorliegen: ein Anstieg mit einem Blattextrakt ohne Placebogruppe (Clare 2009, 17 Personen) und kein signifikanter Effekt mit Wurzelpulver (Gavin 2026, 14 Personen). Mechanismus 3, weil Bitterstoffe und Kalium als Erklärung plausibel sind, das HMPC aber festhält, dass keine Studie die Annahme zur Harnwirkung bestätigt; der vermehrte Gallenfluss stammt aus alten Tierversuchen. Sicherheit 3, weil es keine klinischen Sicherheitsdaten und keine Untersuchungen zu Erbgut, Fortpflanzung und Krebs gibt, die lange Anwendung in Europa aber keine ernsten Nebenwirkungen dokumentiert. Hype 4, weil Löwenzahnwurzel zur Entwässerung und Leberentlastung beworben wird, während die einzige Studie mit der Wurzel keine harntreibende Wirkung fand. Anwendung 8, weil Präparate in Deutschland seit 1976 im Handel sind und die EU die traditionelle Anwendung anerkennt. Richtung offen: lange Erfahrung, aber kaum Studien.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Löwenzahnwurzel

Wofür wird Löwenzahnwurzel verwendet?

Traditionell bei leichten Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen, bei vorübergehender Appetitlosigkeit und um die Harnmenge bei leichten Harnwegsbeschwerden zu erhöhen. Die EU erkennt Löwenzahnwurzel mit Kraut dafür als traditionelles pflanzliches Arzneimittel an. Grundlage ist die lange Anwendung, nicht klinische Studien.

Wirkt Löwenzahnwurzel harntreibend?

Für die Wurzel ist das nicht gezeigt. In einer Studie mit 14 jungen Erwachsenen änderten rund 2,1 g Wurzelpulver mit 1 Liter Wasser die Urinmenge über 4 Stunden nicht signifikant. Ein Blattextrakt erhöhte bei 17 Freiwilligen die Häufigkeit des Wasserlassens, allerdings ohne Placebogruppe.

Hilft Löwenzahnwurzel der Leber?

Dazu gibt es keine Studien am Menschen. Die EU-Monographie nennt Lebererkrankungen, Gallensteine und Erkrankungen der Gallenwege sogar als Gegenanzeigen. Der vermehrte Gallenfluss, auf den sich die Tradition beruft, stammt aus alten Tierversuchen.

Wer sollte Löwenzahnwurzel meiden?

Laut EU-Monographie Menschen mit Allergie gegen Korbblütler, mit Gallensteinen, Gallenwegs- oder Lebererkrankungen und mit aktivem Magengeschwür. Bei Nierenschwäche, Diabetes oder Herzschwäche wird wegen eines möglichen Kaliumüberschusses abgeraten. Für Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder unter 12 Jahren fehlen Daten.

Ist Löwenzahnwurzel ein Arzneimittel?

Das kommt auf das Produkt an. Löwenzahnwurzel mit Kraut kann in der EU als traditionelles pflanzliches Arzneimittel registriert werden, in Deutschland sind solche Präparate seit 1976 im Handel. Daneben wird Löwenzahnwurzel als Tee und Nahrungsergänzungsmittel verkauft, ohne zugelassene gesundheitsbezogene Angaben.

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.