Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Alarelin

GnRH-Agonist (synthetisches Nonapeptid), in DE, EU und USA nicht zugelassen · Alarelinacetat, Alarelin Acetate, GnRH-Agonist

Alarelin ist ein synthetischer GnRH-Agonist, verwandt mit Triptorelin und Leuprorelin. In China wird es klinisch genutzt, etwa bei Endometriose und in der künstlichen Befruchtung, in der EU und den USA ist es nicht zugelassen. Im Peptidhandel wird es rund um LH und Testosteron angeboten. Dafür gibt es keine Studie, und das Wirkprinzip der Klasse spricht eher dagegen.

Was Alarelin ist

Alarelin, meist als Alarelinacetat, ist ein synthetisches Nonapeptid, ein Abkömmling des Gonadotropin-Releasing-Hormons GnRH. GnRH ist das Startsignal der Hormonachse: Es sagt der Hypophyse, LH und FSH auszuschütten, die beim Mann Testosteron- und Spermienbildung, bei der Frau den Zyklus steuern.

Klinisch wird Alarelin wie andere GnRH-Agonisten eingesetzt, um diese Achse vorübergehend abzuschalten: bei Endometriose und hormonabhängigen Tumoren, und in der künstlichen Befruchtung, um einen vorzeitigen Eisprung zu verhindern. Die von uns gefundenen Arbeiten zur Anwendung am Menschen stammen aus China. Mit dem körpereigenen GnRH-Nachbau Gonadorelin hat es den Rezeptor gemeinsam, nicht das Ziel.

Wie es wirkt

Alarelin bindet am GnRH-Rezeptor der Hypophyse. Für alle GnRH-Agonisten gilt dasselbe Muster: Nach der ersten Gabe steigen LH, FSH und die Sexualhormone kurz an. Bei anhaltender Gabe wird die Hypophyse unempfindlich, LH und FSH sinken, die Bildung von Testosteron und Östrogen wird unterdrückt. Für das zugelassene Triptorelin ist das in der Fachinformation genau beschrieben. Für Alarelin selbst nennen die Autoren eines Fallberichts genau diesen Effekt: einen umkehrbaren Hypogonadismus durch Desensibilisierung der Hypophyse.

Daraus folgt der wichtigste Punkt für die Einordnung. Anregend wirkt nur GnRH, das in kurzen Pulsen gegeben wird, wie bei Gonadorelin in der Pumpentherapie. Anhaltende Stimulation des Rezeptors hemmt die Achse dagegen. Eigene veröffentlichte Daten zu Rezeptorbindung und Pharmakokinetik von Alarelin am Menschen haben wir kaum gefunden.

Was gut belegt ist

  • Das Wirkprinzip der Klasse. Kurzer Anstieg, dann Abschalten der Achse bei Dauergabe ist für GnRH-Agonisten am Menschen gut beschrieben.
  • Herunterregulierung in der künstlichen Befruchtung. In einer Vergleichsstudie mit 122 Frauen erreichte Alarelin eine ähnliche Unterdrückung der Hypophyse und ähnliche Schwangerschaftsraten wie Triptorelin.
  • Klinischer Einsatz in China. Alarelinacetat wird dort bei Endometriose und hormonabhängigen Tumoren verwendet.

Was die Studien zeigen

Duan 2010: Alarelin gegen Triptorelin

Die Studie verglich bei 122 Frauen zwischen 24 und 39 Jahren in der künstlichen Befruchtung die beiden Agonisten im langen Protokoll, 78 Frauen erhielten Alarelin, 44 Triptorelin. In keiner Gruppe kam es zu einem vorzeitigen LH-Anstieg, einem vorzeitigen Eisprung oder einem schweren Überstimulationssyndrom. Eizellzahl, Embryoqualität, Einnistungs-, Schwangerschafts- und Fehlgeburtsraten unterschieden sich nicht; abgebrochene Zyklen waren unter Triptorelin häufiger. Die Gruppen waren ungleich groß, eine zufällige Zuteilung beschreibt der Abstract nicht.

Yuan 2025: ein Fall von Leberschädigung

Eine gesunde 37-jährige Teilnehmerin einer Phase-I-Studie in China entwickelte nach Alarelinacetat unter die Haut eine akute Leberzellschädigung. Die Kausalität wurde nach dem RUCAM-Score mit 6 Punkten bewertet, was als wahrscheinlich gilt; die Autoren schreiben „highly probable“. Die Leberwerte normalisierten sich innerhalb von 18 Tagen nach dem Absetzen. Die Autoren fanden genetische Varianten, die eine Rolle spielen könnten, und bezeichnen den Fall als ersten dokumentierten dieser Art. Ein Einzelfall belegt kein Risiko in einer bestimmten Häufigkeit.

Wo die Daten aufhören

  • Keine Studie an Männern zu Testosteron oder Fruchtbarkeit. Für den im Handel nahegelegten Einsatz rund um LH und Testosteron haben wir keine einzige Untersuchung gefunden.
  • Kaum eigene Daten. Rezeptorbindung, Pharmakokinetik und Verträglichkeit von Alarelin am Menschen sind kaum veröffentlicht; Phase-I-Ergebnisse liegen nicht vor. In ClinicalTrials.gov fanden wir keinen Eintrag.
  • Schwache Vergleichsstudie. Die einzige gefundene vergleichende Humanstudie hat ungleich große Gruppen und beschreibt keine Randomisierung.
  • Ware vom Graumarkt. Was als Forschungspeptid verkauft wird, ist nicht das in China verwendete Arzneimittel; Gehalt und Reinheit sind nicht unabhängig geprüft.

Status, Zulassung und Recht

Alarelin ist in Deutschland, der EU und den USA nicht zugelassen. Es steht weder in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung noch in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes namentlich; dort sind unter den Releasingfaktoren von LH unter anderem Gonadorelin, Leuprorelin und Triptorelin aufgeführt.

Im Sport ist die Lage dennoch klar: Die WADA-Liste 2026 verbietet unter S2.2.1 bei Männern GnRH und seine agonistischen Analoga, ausdrücklich nicht auf die genannten Beispiele beschränkt. Alarelin fällt als GnRH-Agonist darunter, im Wettkampf und außerhalb.

Sicherheit

Systematisch veröffentlichte Sicherheitsdaten zu Alarelin gibt es nicht. Erwartbar sind die Klasseneffekte der GnRH-Agonisten: Bei Dauergabe sinken die Sexualhormone, mit Hitzewallungen, Libidoverlust und Abnahme der Knochendichte; die Fachinformation des verwandten Triptorelin nennt zusätzlich ein erhöhtes Risiko für Depressionen.

Für Alarelin selbst steht ein schwerer Leberschaden bei einer gesunden Studienteilnehmerin, der sich nach dem Absetzen zurückbildete. Wer es bei Männern zur Anregung von LH oder Testosteron einsetzt, riskiert nach dem Klassenprinzip das Gegenteil: eine Unterdrückung der eigenen Hormonbildung. Hormonprotokolle gehören in ärztliche Begleitung.

BK-Score Hype weit vor Evidenz

Human-Evidenz2
Mechanismus7
Sicherheits-Datenlage2
Hype-Abstand2
Anwendungserfahrung4

Evidenz 2: Veröffentlicht sind am Menschen vor allem eine chinesische Vergleichsstudie zur künstlichen Befruchtung mit 122 Frauen, in der Alarelin die Hypophyse ähnlich zuverlässig herunterregelte wie Triptorelin (Duan 2010; Gruppen ungleich groß, Zuteilung nicht als randomisiert beschrieben), und ein Fallbericht; Phase-I-Daten sind nicht publiziert. Mechanismus 7: Das Klassenprinzip der GnRH-Agonisten – kurzer Anstieg, dann Abschalten der Achse bei Dauergabe – ist gut verstanden, eigene Daten zu Rezeptorbindung und Pharmakokinetik von Alarelin am Menschen fehlen weitgehend. Sicherheit 2: Neben den bekannten Klasseneffekten steht mit einer schweren Leberschädigung bei einer gesunden Studienteilnehmerin ein Einzelsignal (Yuan 2025), systematisch veröffentlichte Sicherheitsdaten gibt es nicht. Hype 2, weil das Peptid im Handel rund um LH und Testosteron platziert wird, obwohl kein Datensatz zu Männern existiert und anhaltende Gabe die Achse hemmt. Anwendung 4: klinisch in China verwendet, außerhalb nicht zugelassen. Richtung offen, weil für den beworbenen Einsatz keine Daten vorliegen.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Alarelin

Was ist Alarelin?

Alarelin ist ein synthetischer GnRH-Agonist, ein Nonapeptid, das am selben Rezeptor wirkt wie das körpereigene GnRH. In China wird es klinisch bei Endometriose, hormonabhängigen Tumoren und in der künstlichen Befruchtung genutzt. In Deutschland, der EU und den USA ist es nicht zugelassen.

Steigert Alarelin Testosteron?

Dafür gibt es keine Studie. Nach dem Wirkprinzip der GnRH-Agonisten steigen LH und Testosteron nach der ersten Gabe kurz an, bei anhaltender Gabe schaltet die Achse aber ab und Testosteron sinkt. Genau dafür wird die Wirkstoffklasse klinisch eingesetzt.

Was ist der Unterschied zwischen Alarelin und Gonadorelin?

Gonadorelin ist strukturgleich mit dem körpereigenen GnRH, wirkt nur kurz und regt die Hormonachse im Pulsrhythmus an. Alarelin ist ein veränderter Agonist, der klinisch genutzt wird, um die Achse abzuschalten. Beide binden am selben Rezeptor, verfolgen aber gegensätzliche Ziele.

Ist Alarelin in Deutschland erlaubt?

Es ist nicht zugelassen und weder in der Arzneimittelverschreibungsverordnung noch im Anti-Doping-Gesetz namentlich genannt. Im Sport ist es nach WADA-Liste 2026 (S2.2.1) als GnRH-Agonist bei Männern jederzeit verboten.

Welche Nebenwirkungen hat Alarelin?

Systematische Sicherheitsdaten sind nicht veröffentlicht. Zu erwarten sind die Klasseneffekte der GnRH-Agonisten wie sinkende Sexualhormone, Hitzewallungen, Libidoverlust und Knochendichteverlust. Dokumentiert ist zudem ein Fall einer schweren, nach dem Absetzen rückläufigen Leberschädigung bei einer gesunden Studienteilnehmerin.

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Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.