Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

HMG (humanes Menopausen-Gonadotropin)

Gonadotropin-Präparat aus menschlichem Urin, mit FSH- und LH-Wirkung · Humanes Menopausengonadotropin, Menotropin, hMG, Menopausen-Gonadotropin

HMG ist ein Hormonpräparat, das aus dem Urin von Frauen nach den Wechseljahren gewonnen wird. Es bringt FSH- und LH-Wirkung in einer Ampulle mit und ist seit 1961 in der Klinik. In der Szene taucht es nach Steroidkuren auf, wenn die eigene Hormonachse wieder anlaufen soll.

Kurz gesagt

HMG ist ein zugelassenes Arzneimittel, das seit über 60 Jahren eingesetzt wird und zwei Signale gleichzeitig liefert: FSH, das Eibläschen reifen lässt und beim Mann die Spermienbildung anstößt, und LH-Wirkung, die die Hormonproduktion antreibt. Genau das unterscheidet es von HCG, das nur das LH-Signal nachahmt. In der Kinderwunschmedizin ist die Anwendung klar umrissen und gut etabliert, und auch die Überlegung hinter dem Einsatz nach einer Steroidkur ist pharmakologisch schlüssig: In der Andrologie wird mit Kombinationen aus HCG und FSH-haltigen Präparaten gearbeitet, um die Fruchtbarkeit wiederherzustellen. Der Haken liegt nicht im Wirkstoff, sondern in den Umständen: medizinisch läuft das mit Spermiogramm, Hormonwerten und Verlaufskontrolle über Monate, auf dem Graumarkt ohne ärztliche Kontrolle. Und die Rückkehr der eigenen Achse ist weder garantiert noch schnell.

Was HMG ist

Der Name erklärt die Herkunft. Humanes Menopausen-Gonadotropin wird aus dem Urin von Frauen nach den Wechseljahren gewonnen. Nach der Menopause fällt die Rückmeldung aus den Eierstöcken weg. Die Hirnanhangsdrüse antwortet darauf mit einer sehr hohen Ausschüttung von FSH und LH, den beiden Hormonen, die Eierstöcke und Hoden steuern. Ein Teil davon wird ausgeschieden, und daraus wird das Präparat aufbereitet.

Das Verfahren ist alt. Die Gewinnungsmethode stammt aus dem Jahr 1949, in die Klinik kam HMG 1961. Damit gehört es zu den ältesten Hormonpräparaten, die heute noch im Einsatz sind. In den gängigen Präparaten stecken 75 Einheiten FSH und 75 Einheiten LH-Wirkung; die LH-Wirkung stammt überwiegend aus HCG, das laut Fachinformation bei Bedarf aus dem Urin Schwangerer zugesetzt wird. Diese Zusammensetzung ist der ganze Punkt der Substanz.

Der Unterschied zu HCG

HCG ähnelt dem LH. Es sagt dem Hoden: Produziere Testosteron. Was es nicht sagt, ist das zweite Signal — FSH, das für die Spermienbildung zuständig ist. HMG liefert beides aus einer Quelle; rekombinantes FSH und LH gibt es auch einzeln oder als feste Kombination. Deshalb steht es in der Kinderwunschmedizin da, wo eine reine LH-Wirkung nicht reicht: bei Frauen, um Eibläschen heranreifen zu lassen, und bei Männern mit Hormonmangel, um die Spermienbildung anzuregen. Wer HMG und HCG als austauschbar behandelt, hat den Unterschied nicht verstanden, auf den es ankommt.

Wie die medizinische Anwendung tatsächlich aussieht

Die Anwendungsgebiete sind echt und sinnvoll. Entscheidend sind aber die Umstände, unter denen das medizinisch passiert: tägliche Injektion, etwa 10 Tage lang, unter engmaschiger Überwachung, mit laufender Anpassung von Dosis und Dauer. Das ist keine Formulierung aus einem Beipackzettel, die man wegblättert. Das ist der Kern der Behandlung.

Der Grund für die enge Führung ist die Gegenrichtung: Die Eierstöcke können überschießen. Das Überstimulationssyndrom ist die gefürchtete Komplikation der Kinderwunschbehandlung, in schweren Fällen mit Flüssigkeit im Bauchraum, Thrombosen und Krankenhausaufenthalt. Deshalb wird während der Behandlung per Ultraschall und Blutwerten kontrolliert, wie viele Follikel heranwachsen. Man dosiert nicht nach Schema, man dosiert nach dem, was man sieht. Ein fixes Protokoll ist bei dieser Substanz nicht die einfache Version der Behandlung, sondern eine andere Sache.

Warum HMG nach einer Steroidkur auftaucht

Benutzt wird es in der Szene von Männern nach einer Kur. Die Logik dahinter ist nachvollziehbar. Wer von außen Testosteron oder Nandrolon zuführt, schaltet die eigene Achse ab. Die Hoden schrumpfen, die Spermienbildung kommt zum Erliegen. HCG bringt das Testosteronsignal zurück, aber nicht das Spermiensignal. HMG bringt beide.

Pharmakologisch stimmt diese Überlegung, und das gehört ausdrücklich gesagt, weil es bei Graumarktsubstanzen selten vorkommt. In der Andrologie wird tatsächlich mit Kombinationen aus HCG und FSH-haltigen Präparaten gearbeitet, um die Fruchtbarkeit wiederherzustellen. Das ist etabliert. Die Frage ist nicht, ob der Ansatz sinnvoll ist, sondern unter welchen Bedingungen er durchgeführt wird.

Was gut belegt ist

Belastbar ist alles, was mit der zugelassenen Anwendung zu tun hat. HMG ist ein seit über 60 Jahren eingesetztes Arzneimittel mit klaren Anwendungsgebieten, bekannter Zusammensetzung und bekannter Hauptkomplikation. Die Wirkkette ist am Menschen nicht nur plausibel, sondern messbar: Wie viele Follikel heranwachsen, sieht man im Ultraschall, und was die Hormonwerte machen, steht im Labor. Auch der Einsatz in der Andrologie zur Wiederherstellung der Fruchtbarkeit ist kein Szenegerücht, sondern gängige Praxis. Nichts an dieser Substanz ist zweifelhaft, solange sie dort eingesetzt wird, wofür sie gedacht ist.

Was die Studien zeigen

Sechs Jahrzehnte klinischer Einsatz

HMG wird seit 1961 klinisch verwendet, das Gewinnungsverfahren stammt von 1949. Die Behandlung in der Kinderwunschmedizin läuft mit täglicher Injektion über etwa 10 Tage, unter Ultraschall- und Blutwertkontrolle und mit laufender Anpassung von Dosis und Dauer. Präparate mit 75 Einheiten FSH und 75 Einheiten LH-Wirkung sind der Standard. Diese Erfahrungsbasis ist der eigentliche Beleg der Substanz — sie stammt aus der Versorgung, nicht aus einer einzelnen Studie.

Kombination aus HCG und FSH-haltigen Präparaten in der Andrologie

Zur Wiederherstellung der Fruchtbarkeit nach Abschaltung der eigenen Achse wird in der Andrologie mit solchen Kombinationen gearbeitet. Begleitet wird das mit Spermiogramm, Hormonwerten und Verlaufskontrolle über Monate. Bei Männern mit Gonadotropinmangel fand eine Metaanalyse aus 41 Studien mit 1.673 Patienten nach median 18 Monaten bei 78 % wieder Spermien, mit HCG plus FSH besser als HCG allein (Muir 2025). Nach einer Steroidkur gibt es einen Fallbericht mit HCG und HMG (Menon 2003) und eine retrospektive Kohorte zur Nachbehandlung (İbis 2026), aber keine kontrollierte Studie zu HMG.

Übertragungsrisiko durch den Urinursprung

Weil das Präparat aus Urin gewonnen wird, wurde theoretisch über die Übertragung von Krankheitserregern diskutiert. Nachgewiesen wurde nie etwas, die Präparate sind hochgereinigt. Das Thema bleibt eine Fußnote und ist kein Argument gegen die Substanz.

Wo die Daten aufhören

Die erste Lücke ist die Kontrolle. In der Andrologie läuft die Anwendung mit Laborwerten über Monate, auf dem Graumarkt ohne ärztliche Kontrolle, und die Ware ist ungewiss: In beschlagnahmten Mitteln zur Nachbehandlung fehlte in 34,9 % der deklarierte Wirkstoff. Was dort gemacht wird, teilt mit der etablierten Behandlung den Wirkstoff, aber nicht das Verfahren. Die zweite Lücke ist die Erwartung: Die Wiederherstellung der eigenen Achse ist weder garantiert noch schnell. Nach Androgenmissbrauch dauert die Erholung meist 6 bis 18 Monate, die Spermienbildung braucht im Mittel gut 14 Monate; ein eigener Beleg für Nandrolon allein wurde nicht gefunden. Wer meint, sich das mit ein paar Wochen HMG zuverlässig zurückholen zu können, hat eine Sicherheit, die die Datenlage nicht hergibt.

Status, Zulassung und Recht

HMG ist in Deutschland ein zugelassenes, verschreibungspflichtiges Arzneimittel mit klar umrissenen Anwendungsgebieten in der Fortpflanzungsmedizin. Der Einsatz nach einer Steroidkur ist davon nicht abgedeckt und findet entsprechend außerhalb des zugelassenen Rahmens statt — entweder ärztlich begleitet oder, deutlich häufiger, über den Graumarkt. Verfügbar ist die Substanz damit auf zwei sehr verschiedenen Wegen, mit sehr verschiedenen Sicherheiten dahinter. Wer im organisierten Sport startet, muss zusätzlich die dort geltenden Dopingbestimmungen beachten; sie gelten unabhängig vom Arzneimittelrecht. Stoffe mit LH- oder HCG-Wirkung sind bei Männern nach der WADA-Liste jederzeit verboten.

Sicherheit

Die bekannteste Komplikation der Behandlung ist das Überstimulationssyndrom mit Flüssigkeit im Bauchraum, Thrombosen und im schweren Fall Krankenhausaufenthalt. Es ist der Grund für die engmaschige Kontrolle und zugleich der Grund, warum ein Vorgehen ohne Kontrolle nicht dieselbe Behandlung ist. Die theoretisch diskutierte Übertragung von Krankheitserregern über den Urinursprung wurde nie nachgewiesen und bleibt eine Fußnote. Die eigentliche Sicherheitsfrage außerhalb der Versorgung ist die Qualität: HMG ist ein biologisches Extrakt und kein einzelnes Molekül, das man einfach nachbauen kann. Bei einem Vielstoffgemisch ist die Prüfung deutlich schwieriger. Ob eine Ampulle wirklich 75 Einheiten FSH-Wirkung entfaltet, ist eine ganz andere Messung als die Frage, ob ein bestimmtes Peptid in der angegebenen Menge vorliegt.

BK-Score Belegt, mit Einschränkungen

Human-Evidenz6
Mechanismus9
Sicherheits-Datenlage9
Hype-Abstand6
Anwendungserfahrung9

Evidenz 6: Für die zugelassene Anwendung in der Fortpflanzungsmedizin ist die Datenlage erstklassig; bei Männern mit Gonadotropinmangel fand eine Metaanalyse aus 41 Studien mit 1.673 Patienten nach median 18 Monaten bei 78 % wieder Spermien, mit HCG plus FSH besser als HCG allein (Muir 2025). Für die eigentliche Szeneanwendung nach einer Steroidkur gibt es dagegen nur etablierte andrologische Praxis, einen Fallbericht (Menon 2003) und eine retrospektive Kohorte zur Nachbehandlung (İbis 2026), aber keine kontrollierte Studie zu HMG. Mechanismus 9: Die Wirkkette ist am Menschen nicht nur bestätigt, sondern quantifiziert — wie viele Follikel heranwachsen, wird im Ultraschall gemessen, die Hormonantwort im Labor. Sicherheit 9: Seit 1961 in der Versorgung, mit dem Überstimulationssyndrom als gut charakterisierter Hauptkomplikation; das theoretisch diskutierte Übertragungsrisiko aus dem Urinursprung wurde nie nachgewiesen. Hype 6: Die medizinischen Aussagen bleiben auf Höhe der Daten, überdehnt wird nur die Erwartung, ein paar Wochen HMG holten die Achse zuverlässig zurück. Anwendung 9: über 60 Jahre unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu HMG (humanes Menopausen-Gonadotropin)

Was ist der Unterschied zwischen HMG und HCG?

HCG ähnelt dem LH und stößt damit vor allem die Testosteronproduktion an. HMG bringt zusätzlich FSH-Wirkung mit, also das Signal für die Spermienbildung. Deshalb wird HMG dort eingesetzt, wo es auf die Reifung von Eibläschen oder auf die Spermienbildung ankommt. Austauschbar sind die beiden Präparate nicht.

Woraus wird HMG gewonnen?

Aus dem Urin von Frauen nach den Wechseljahren. Nach der Menopause schüttet die Hirnanhangsdrüse sehr viel FSH und LH aus, weil die Rückmeldung aus den Eierstöcken fehlt. Ein Teil davon wird ausgeschieden und zum Präparat aufbereitet. Das Verfahren stammt aus dem Jahr 1949.

Ist HMG in Deutschland zugelassen?

Ja, HMG ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel mit klaren Anwendungsgebieten in der Fortpflanzungsmedizin. Der Einsatz nach einer Steroidkur gehört nicht dazu und liegt außerhalb des zugelassenen Rahmens. In der Klinik ist die Substanz seit 1961.

Bringt HMG die eigene Hormonachse nach einer Kur zuverlässig zurück?

Zuverlässig ist das falsche Wort. Die pharmakologische Überlegung ist schlüssig und die Kombination aus HCG und FSH-haltigen Präparaten in der Andrologie etabliert. Die Wiederherstellung ist aber weder garantiert noch schnell. Nach Androgenmissbrauch dauert die Erholung meist 6 bis 18 Monate, die Spermienbildung im Mittel gut 14 Monate.

Warum wird die Behandlung medizinisch so eng überwacht?

Weil die Eierstöcke überschießen können. Das Überstimulationssyndrom kann mit Flüssigkeit im Bauchraum, Thrombosen und Krankenhausaufenthalt einhergehen. Deshalb wird per Ultraschall und Blutwerten verfolgt, wie viele Follikel heranwachsen, und die Dosis danach angepasst. Dosiert wird nach Befund und nicht nach Schema.

Warum ist die Qualität von Graumarktware hier besonders schwer zu prüfen?

HMG ist ein biologisches Extrakt und kein einzelnes Molekül. Bei einem Vielstoffgemisch ist die analytische Prüfung deutlich schwieriger als bei einem einzelnen Peptid. Ob eine Ampulle wirklich 75 Einheiten FSH-Wirkung entfaltet, ist eine ganz andere Messung als die Bestimmung einer Substanzmenge.

Quellen

In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich

Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-24.