Vergleich
Semax vs. Selank
Semax oder Selank – was ist an den russischen Peptiden wirklich belegt?
Die kurze Antwort
Mehr Humandaten hat Selank: Drei russische Studien mit 62, 60 und 70 Patienten fanden bei Angststörungen eine ähnliche angstlösende Wirkung wie unter Benzodiazepinen, und als Zusatz zu Phenazepam gingen dessen Nebenwirkungen zurück. Die Stärke von Semax ist der Mechanismus: Der Anstieg von BDNF und NGF ist vorklinisch in mehreren Einrichtungen gezeigt. Seine klinischen Arbeiten zu Schlaganfall und Minderdurchblutung des Gehirns waren aber weder randomisiert noch placebokontrolliert, und zum meist verkauften NA-Semax Amidat gibt es keine Humanstudien. Bei beiden fehlen eine placebokontrollierte Patientenstudie und eine unabhängige Wiederholung außerhalb Russlands. Einen direkten Vergleich gibt es nicht, man kann nur die Studien nebeneinanderlegen. In Deutschland ist keines der beiden zugelassen – die Entscheidung gehört in ärztliche Hand.
Die Zahlen nebeneinander
| Achse | Semax | Selank | Unterschied |
|---|---|---|---|
| Human-EvidenzWie viel und wie gute Daten am Menschen | 3 | 4 | Selank besser untersucht |
| MechanismusWie gut die Wirkkette verstanden ist | 4 | 4 | gleichauf |
| Sicherheits-DatenlageWie gut die Sicherheit untersucht ist – nicht, wie sicher es ist | 2 | 3 | Selank besser untersucht |
| Hype-Abstand10 heißt: die Werbung bleibt auf Höhe der Daten | 2 | 2 | gleichauf |
| AnwendungserfahrungWie viel dokumentierte Anwendung am Menschen vorliegt – misst nicht, ob es wirkt | 5 | 4 | Semax länger im Einsatz |
| Einordnung | Hype weit vor Evidenz · Dünne Humanevidenz | ||
„Anwendungserfahrung" misst, wie lange und wie breit etwas am Menschen angewendet wird – nicht, ob es wirkt. Der BK-Score ist eine subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln. Er ist keine wissenschaftliche Bewertung, kein Konsens einer Fachgesellschaft und keine medizinische Empfehlung.
Warum diese Zahlen
Semax
In Russland als Arzneimittel registriert, im Westen nicht – und die Evidenz erklärt, warum: Die auffindbaren klinischen Studien, etwa Gusev et al. 1997 mit 30 Patienten nach ischämischem Schlaganfall gegen 80 Kontrollen und 2005 mit 187 Patienten mit chronischer Minderdurchblutung des Gehirns, sind fast ausschließlich russischsprachig und stammen im Wesentlichen aus denselben zwei Arbeitsgruppen. Eine unabhängige Doppelblind-Replikation in einem internationalen Journal wurde nicht gefunden. Die BDNF-Erhöhung als Wirkmechanismus ist vorklinisch gezeigt und am Menschen nur in einer nicht randomisierten Studie gemessen (Gusev 2018, BDNF im Blut), der klinische Nutzen daraus nicht. Keine westliche Pharmakovigilanz. Und die Studienlage gilt für Semax, nicht für das im Handel übliche NA-Semax Amidat. Einzige gefundene placebokontrollierte Humanarbeit: Lebedeva 2018 (24 Gesunde, 14 Semax/10 Placebo, fMRT nach 5 und 20 min, Veränderung im Default-Mode-Netzwerk; Surrogat, Entwickler als Koautor). FDA-Briefing 2026: ischämiebezogene Literatur nur auf Russisch, unkontrollierte Migränestudie, „insufficient evidence of effectiveness“, keine Akut- oder Wiederholungstoxizitätsstudien vorgelegt.
Selank
Für ein Szene-Peptid ungewöhnlich viele Humandaten, aber klein und fast vollständig aus russischsprachigen Fachzeitschriften: Zozulia et al. 2008 verglich bei 62 Patienten mit Angststörung Selank mit Medazepam, Medvedev et al. 2014 bei 60 Patienten mit Phenazepam, Medvedev et al. 2015 bei 70 Patienten Phenazepam allein gegen Phenazepam plus Selank. Die angstlösende Wirkung war vergleichbar, als Zusatz sanken Benzodiazepin-Nebenwirkungen. Verglichen wurde stets gegen ein Benzodiazepin, nicht gegen Placebo – ein Design, das Wirksamkeit nicht sicher beweisen kann. Eine unabhängige westliche Replikation wurde nicht gefunden. Die GABA-Modulation und die BDNF-Beteiligung stammen aus Tiermodellen. Die Verträglichkeit ist nur kurzzeitig in diesen Patientenstudien erfasst; in Deutschland kein zugelassenes Arzneimittel.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Semax und Selank?
Beide sind Peptide aus sieben Aminosäuren, entwickelt im selben Moskauer Forschungsumfeld und für die Aufnahme über die Nase gebaut. Semax ist ein Fragment des Hormons ACTH ohne den hormonell wirksamen Teil und soll BDNF und NGF anheben; in Russland ist es seit 1994 für Durchblutungsstörungen des Gehirns registriert. Selank ist ein Nachbau des Immunpeptids Tuftsin und in Russland als Mittel gegen Angst zugelassen. In der Szene gilt Semax als wach machend, Selank als beruhigend.
Welches Peptid ist besser untersucht, Semax oder Selank?
Am Menschen Selank. Es wurde in drei russischen Studien bei Angstpatienten mit Benzodiazepinen verglichen und wirkte ähnlich angstlösend. Die klinischen Semax-Arbeiten waren nicht randomisiert und ohne Placebo; die einzige gefundene placebokontrollierte Humanarbeit ist eine Bildgebungsstudie an 24 Gesunden. Im BK-Score steht die Human-Evidenz bei Selank auf 4, bei Semax auf 3. Gegen Placebo wurde in Patientenstudien keines der beiden geprüft, und eine unabhängige Replikation außerhalb Russlands fehlt bei beiden.
Kann man Semax und Selank kombinieren?
In der Szene ist die Kombination verbreitet, Semax für den Fokus und Selank für die Ruhe. Das ist Community-Praxis: Studien zur Kombination gibt es nicht, und schon zu den Einzelstoffen fehlen placebokontrollierte Patientenstudien. Bei Selank kommt hinzu, dass es im Labor an der GABA-Bindung von Diazepam mitwirkt – eine Kombination mit Beruhigungsmitteln gehört deshalb in ärztliche Hände. Beide Peptide sind in Deutschland nicht zugelassen.
Helfen Semax oder Selank Gesunden bei Konzentration und Stress?
Dafür gibt es bei keinem der beiden belastbare Daten. Die klinischen Semax-Arbeiten stammen von Patienten nach Schlaganfall oder mit chronischer Minderdurchblutung des Gehirns; die einzige Arbeit an Gesunden misst nach einer einzigen Gabe Veränderungen im Hirnbild, keine Leistung. Die Selank-Daten stammen von Menschen mit Angststörungen, zu Gesunden unter Stress gibt es keine Studien. Der Nutzen für Gesunde ist bei beiden bisher Spekulation.
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände.