Biohacking Kompakt

Tipp · Sauerstoff

EWOT – Exercise With Oxygen Therapy

Training mit Sauerstoffmaske. Beim gesunden Menschen auf Meereshöhe ist das Blut bereits fast vollständig gesättigt – Humandaten fehlen.

EWOT ist Training mit Sauerstoffmaske: Cardio, während du stark angereicherte Luft einatmest. Die Idee setzt voraus, dass Sauerstoff beim Training der begrenzende Faktor ist. Genau das ist inzwischen gemessen worden.

Kurz gesagt

Zu EWOT als Verfahren gibt es keine Studie. Zur Nachbarfrage — Training unter erhöhtem Sauerstoffanteil bei Gesunden — gibt es eine randomisierte Studie, und sie fiel negativ aus: Nach sechs Wochen HIIT unter FiO2 0,30 veränderte sich die VO2max um +1,1 ± 3,8 % gegenüber 0,0 ± 3,7 % (p = 0,55). Auch Hämoglobinmasse, Blutvolumen und mitochondriale Kapazität unterschieden sich nicht. Selbst bei COPD-Patienten mit nachgewiesener Entsättigung brachte Sauerstoff während des Trainings keinen Vorteil gegenüber Luft. Einen gepoolten positiven Befund gibt es nur für Sauerstoff nach der Belastung.

Wann Sauerstoff der begrenzende Faktor ist

Die Sauerstofftransportkapazität des Bluts besteht fast vollständig aus dem an Hämoglobin gebundenen Anteil; der physikalisch im Plasma gelöste Anteil ist bei Normaldruck klein. Wer auf Meereshöhe gesund ist, hat schon unter Raumluft eine Sättigung nahe am Maximum. Mehr Sauerstoff im Atemgas kann sie kaum anheben — das ist der Unterschied zur Druckkammer, wo erst der Überdruck große Mengen gelösten Sauerstoff erzeugt.

Es gibt Situationen mit echter Unterversorgung, etwa bei hochtrainierten Ausdauersportlern nahe der Maximalbelastung: In einer Untersuchung mit 20 gut trainierten Personen entwickelten alle eine belastungsinduzierte arterielle Hypoxämie, die SpO2 fiel am Ende eines steilen Zeitfahrens auf 89 ± 4 % bei den Männern und 90 ± 3 % bei den Frauen. Das ist etwas anderes als lockeres Radfahren.

Was gemessen wurde

Die einzige randomisierte Studie, die prüft, was EWOT behauptet, lief mit 23 trainierten Radfahrern über sechs Wochen, randomisiert auf FiO2 0,30 oder 0,21 während der HIIT-Einheiten. Gemessen wurden mitochondriale Atmung, Sauerstoffaufnahme, hämatologische Parameter und eine Ausdauerleistung. Kein Endpunkt unterschied sich signifikant.

Die Gegenprobe bei Menschen mit echter Unterversorgung fiel ebenso aus. 111 Personen mit mittelschwerer bis schwerer COPD und belastungsinduzierter Entsättigung trainierten acht Wochen lang dreimal pro Woche, beide Gruppen mit Gas aus baugleichen Konzentratoren — Sauerstoff oder Luft. Beide verbesserten sich signifikant, zwischen ihnen lag kein Unterschied. Das Training wirkte, der Sauerstoff nicht.

Wo Sauerstoff etwas bringt

Eine Verschiebung um wenige Minuten macht den Unterschied: Sauerstoff in der Erholungsphase nach der Belastung hat einen kleinen bis mittleren Effekt auf die nachfolgende Leistung. Eine Meta-Analyse über 19 Berichte fand aus 16 Studieneinträgen eine standardisierte Mittelwertdifferenz von 0,42 (95 % KI 0,22–0,63; I² = 0 %). Die begleitenden Marker blieben unauffällig.

Bei Lungenerkrankung gibt es ein weiteres Signal, allerdings für einzelne Anpassungen: In einer doppelblinden Studie mit 28 Personen mit nicht-hypoxämischer COPD stieg die maximale Leistung unter Sauerstoff stärker (+0,20 ± 0,03 gegenüber +0,12 ± 0,03 W/kg; p = 0,047), und eine Zunahme der Quadrizeps-Querschnittsfläche (+3,9 ± 1,3 cm²; p = 0,013) zeigte sich nur dort.

Was gut belegt ist

Belastbar ist hier vor allem ein negativer Befund, und der ist gut gemacht. Die COPD-Studie war multizentrisch, randomisiert, mit verblindeter Endpunkterhebung, echter Scheinbehandlung aus baugleichen Konzentratoren und zwei vordefinierten primären Endpunkten: 111 Rekrutierte, 97 Beendende. Zwischen den Gruppen gab es keinen Unterschied (Endurance Shuttle Walk Test 15 s; 95 % KI −106 bis 136 s; CRQ-Gesamtscore 0,0 Punkte; 95 % KI −0,3 bis 0,3) — und das in der günstigsten denkbaren Ausgangslage für die EWOT-Hypothese. Positiv belegt ist dagegen die hyperoxische Erholung nach der Belastung mit SMD 0,42 (95 % KI 0,22–0,63).

Was die Studien zeigen

Sechs Wochen HIIT unter Hyperoxie (Cardinale et al. 2019)

23 trainierte Radfahrer (35,3 ± 6,4 Jahre, VO2max 4,5 ± 0,7 l/min), sechs Wochen, randomisiert auf FiO2 0,30 (n = 12) oder 0,21 (n = 11) während der HIIT-Einheiten. VO2max +1,1 ± 3,8 % gegenüber 0,0 ± 3,7 % (p = 0,55; Effektstärke 0,08), keine Unterschiede bei Blutvolumen, Hämoglobinmasse und mitochondrialer Kapazität. Nur bei der Ausdauerleistung ein kleiner, nicht signifikanter Vorteil (+6,0 ± 3,7 % gegenüber +2,4 ± 5,0 %; p = 0,073).

Sauerstoff beim Training mit nachgewiesener Entsättigung (Alison et al. 2019)

111 Personen mit COPD und belastungsinduzierter Entsättigung (60 Männer, 69 ± 7 Jahre), 97 Beendende. Beide Gruppen erhielten ihr Gas mit 5 l/min über Nasenbrille, dreimal pro Woche über acht Wochen. Primäre Endpunkte waren die Zeit im Endurance Shuttle Walk Test und der CRQ-Gesamtscore. Innerhalb beider Gruppen besserten sich beide Endpunkte signifikant (p < 0,01), zwischen den Gruppen nicht.

Hyperoxie in der Erholung (Liu et al. 2026)

Systematische Übersicht mit Meta-Analyse, 19 Berichte, 21 Studieneinträge. Für die nachfolgende Leistung ergab sich aus 16 Einträgen eine SMD von 0,42 (95 % KI 0,22–0,63; I² = 0 %). Blutlaktat ohne klaren Effekt (SMD 0,14), Herzfrequenz ebenfalls nicht, die SpO2-Ergebnisse so heterogen (I² = 90,0 %), dass eine gepoolte Auswertung entfiel.

Wo die Daten aufhören — und wo sie null sagen

Zu „exercise with oxygen therapy“ als Verfahren liefert eine Suche in Europe PMC Treffer zu Heimsauerstoff, Lungenrehabilitation und Intensivmedizin, aber keine einzige Arbeit zum beworbenen Protokoll aus 15 Minuten moderatem Cardio unter 90 bis 95 % Sauerstoff. Der Begriff stammt aus dem Anbietermarkt, nicht aus der Literatur. Auch die randomisierte Studie bei Gesunden arbeitete mit FiO2 0,30 und damit unter den beworbenen Werten.

Drei Zielgrößen werden genannt: VO2max, Sauerstoffsättigung im Gewebe und Energie. Die erste wurde gemessen und blieb unverändert, ebenso Hämoglobinmasse, Blutvolumen und Mitochondriendichte — kein fehlender Nachweis, sondern ein gemessener Nulleffekt. Die zweite wurde bei Gesunden nie als Endpunkt erhoben. Die positiven Einzelbefunde stammen aus Populationen mit echter Unterversorgung: fünf Probanden auf 1.600 m Höhe ohne Kontrollgruppe und 28 Personen mit COPD.

So machst du es

Was tatsächlich untersucht wurde, sieht anders aus als das Angebot. Bei Gesunden: sechs Wochen, drei HIIT-Einheiten pro Woche plus zwei mit niedriger Intensität, FiO2 0,30 während der harten Einheiten — ohne Unterschied bei VO2max, Hämoglobinmasse und Mitochondrien. Bei COPD: 5 l/min über Nasenbrille, dreimal pro Woche, acht Wochen — ohne Unterschied zur Luftgruppe. Auf 1.600 m Höhe: sechs Wochen bei 95 % der Maximalleistung unter mindestens 70 % Sauerstoff, fünf Probanden ohne Kontrollgruppe; dort stieg die Ausdauerzeit von 6,2 auf 8,2 min (p = 0,012). Die einzige Variante mit positivem gepooltem Befund ist Sauerstoff nach der Belastung.

Sicherheit

Für das Verfahren selbst gibt es keine Sicherheitsdaten, weil es keine Studien dazu gibt. Aus der angrenzenden Literatur lässt sich zweierlei sagen. Hyperoxie verengt Gefäße: Bei zehn gesunden Freiwilligen stieg die regionale zerebrale Sauerstoffsättigung um mehr als 6 % (p = 0,0001), während Flussgeschwindigkeit und Herzindex um mehr als 3 % abfielen. Mehr Sauerstoff im Atemgas heißt also nicht mehr Durchblutung. Und bei chronischer CO2-Retention ist hochdosierter Sauerstoff kein harmloses Zusatzangebot — COPD gilt wegen der sauerstoffinduzierten Hypoventilation als relative Gegenanzeige, ebenso Asthma. Beim oxidativen Stress gibt es eine Entwarnung: In einer randomisierten Studie mit 60 Frauen mit BMI über 30 verschlechterten sich die Marker unter Sauerstoff nicht. Wer unter Belastung Luftnot, Schwindel oder Brustschmerz hat, braucht eine ärztliche Abklärung und keine Sauerstoffmaske.

BK-Score Nicht am Menschen untersucht

Human-Evidenz1
Mechanismus3
Sicherheits-Datenlage5
Hype-Abstand2
Anwendungserfahrung4

Zu Training unter Sauerstoffzufuhr bei Gesunden gibt es praktisch keine Humandaten. Der behauptete Mechanismus setzt eine Sauerstoffunterversorgung voraus, die beim gesunden Menschen auf Meereshöhe nicht vorliegt.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Wirkung. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu EWOT – Exercise With Oxygen Therapy

Bringt Training mit Sauerstoffmaske mehr VO2max?

In der einzigen passenden randomisierten Studie nicht. 23 trainierte Radfahrer trainierten sechs Wochen lang dreimal pro Woche HIIT unter 30 oder 21 Prozent Sauerstoff; die VO2max veränderte sich um +1,1 ± 3,8 % gegenüber 0,0 ± 3,7 % (p = 0,55; Effektstärke 0,08). Auch Hämoglobinmasse, Blutvolumen und mitochondriale Kapazität unterschieden sich nicht.

Ist mein Blut beim Sport wirklich schon gesättigt?

Beim moderaten Cardio auf Meereshöhe im Wesentlichen ja, die Sättigung liegt nahe am Maximum. Eine echte Entsättigung tritt bei Gesunden vor allem bei hochtrainierten Ausdauersportlern nahe der Maximalbelastung auf: In einer Untersuchung mit 20 gut trainierten Personen fiel die SpO2 am Ende eines steilen Zeitfahrens auf 89 ± 4 % beziehungsweise 90 ± 3 %. Das ist eine andere Situation als 15 Minuten lockeres Radfahren.

Aber bei Lungenkranken hilft Sauerstoff beim Training doch?

Das ist die interessanteste Gegenprobe, und sie fiel negativ aus. In einer multizentrischen randomisierten Studie mit 111 COPD-Patienten, die unter Belastung nachweislich entsättigten, trainierten beide Gruppen acht Wochen mit Gas aus baugleichen Konzentratoren. Beide verbesserten sich signifikant, zwischen den Gruppen war bei beiden primären Endpunkten kein Unterschied.

Wann nützt zusätzlicher Sauerstoff denn überhaupt etwas?

Nach der Belastung. Eine Meta-Analyse über 19 Berichte fand für normobare hyperoxische Erholung einen kleinen bis mittleren Effekt auf die nachfolgende Leistung (SMD 0,42; 95 % KI 0,22–0,63; I² = 0 %), während Laktat und Herzfrequenz keinen klaren Effekt zeigten. Das ist ein anderes Anwendungsszenario als EWOT, aber das einzige mit einem gepoolten positiven Befund.

Ist das gefährlich?

Für gesunde Menschen bei kurzen Einheiten gibt es keine Hinweise auf akute Schäden, und in einer randomisierten Studie mit 60 Frauen mit Adipositas verschlechterten sich die Marker für oxidativen Stress unter Sauerstoff während des Trainings nicht. Zu bedenken ist, dass Hyperoxie Gefäße verengt: Bei gesunden Freiwilligen sanken Flussgeschwindigkeit und Herzindex um mehr als 3 %. Bei COPD und Asthma gilt hochdosierter Sauerstoff als relative Gegenanzeige.

Warum finde ich zu EWOT keine Studien?

Weil es keine gibt. Eine Suche in Europe PMC liefert Arbeiten zu Heimsauerstoff, Lungenrehabilitation und Intensivmedizin, aber keine einzige Untersuchung des beworbenen Protokolls. Die verfügbare Evidenz stammt aus angrenzenden Fragen: Training unter Hyperoxie bei Trainierten, Sauerstoff beim Training von COPD-Patienten und hyperoxische Erholung nach der Belastung.

Passt dazu

Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungsempfehlung. Bei Vorerkrankungen und vor größeren Umstellungen ärztlich abklären. Stand: 2026-09-13.