Biohacking Kompakt

Supplement

Tremella

Pilz · Tremella fuciformis, Silberohr, Schneepilz, Snow Mushroom, Snow Fungus, White Jelly Mushroom, Tremella-Polysaccharide

Tremella, auch Silberohr oder Schneepilz genannt, ist ein gallertartiger Speisepilz, der in Asien seit Jahrhunderten gegessen wird. Im Westen wird er vor allem als Schönheitspilz vermarktet, als pflanzliche Alternative zu Hyaluronsäure. Für die Haut gibt es bei Einnahme bisher keine Humanstudie, dafür erste kleine Studien zu Gedächtnis und Blutzucker.

Kurz gesagt

Tremella fuciformis ist ein essbarer Pilz, dessen Polysaccharide viel Wasser binden. Äußerlich aufgetragen spendet Tremella-Extrakt nachweislich Feuchtigkeit. Ob Kapseln oder Pulver die Haut von innen verbessern, ist am Menschen nicht untersucht, belegt ist das nur in Tierversuchen. Interessanter ist ein anderer Befund: In einer kleinen Studie mit 75 Personen verbesserten 600 oder 1.200 mg Tremella pro Tag über acht Wochen Gedächtnisbeschwerden und Testleistungen stärker als Placebo. Der Haken ist die dünne Datenlage: wenige, kleine und kurze Studien, keine Langzeitdaten.

Was es ist

Tremella fuciformis ist ein weißer, krauser Gallertpilz, der auf Holz wächst. In Asien wird er seit Jahrhunderten als Speise- und Heilpilz genutzt, meist getrocknet und vor dem Kochen eingeweicht. Für die Zucht braucht er einen Begleitpilz, der das Holz für ihn aufschließt. In den deutschen Leitsätzen für Speisepilze steht er als Silberohr auf der Liste der üblichen Arten.

Als Nahrungsergänzung wird meist Pulver oder Extrakt aus dem Fruchtkörper verkauft, oft unter Namen wie Snow Mushroom oder als Beauty-Pilz. In Kosmetik steckt Tremella-Extrakt in Cremes und Seren. Beides sind unterschiedliche Anwendungen mit unterschiedlicher Datenlage.

Neu sind Produkte mit isolierten Bestandteilen, etwa gereinigtem Chondroitinsulfat aus dem Fruchtkörper, das für Nahrungsergänzungen mit bis zu 500 mg pro Tag geplant ist. Solche Isolate sind rechtlich etwas anderes als das Pilzpulver und brauchen in der EU eine eigene Zulassung.

Wie es wirken soll

Der wichtigste Inhaltsstoff sind Tremella-Polysaccharide. Anders als die Beta-Glucane aus Shiitake oder Hafer handelt es sich um ein saures Heteropolysaccharid, aufgebaut vor allem aus Mannose, Xylose und Glucuronsäure. Diese Zuckerketten binden viel Wasser und bilden Gele. Daraus stammt die Idee der pflanzlichen Hyaluronsäure.

Auf der Haut ist das plausibel, denn dort wirkt ein Feuchtigkeitsfilm direkt. Beim Schlucken ist der Weg ein anderer. Die großen Zuckerketten werden nicht unverändert zur Haut transportiert, sondern landen im Dickdarm und werden dort von Bakterien vergoren. Eine Übersicht von 2026 beschreibt den plausiblen Weg deshalb über die Darmflora: Fermentation, kurzkettige Fettsäuren, weniger Entzündung im Körper und darüber vielleicht eine bessere Hautbarriere. In Mäusen mit einem Neurodermitis-Modell wirkten Tremella-Polysaccharide geschluckt sogar besser als aufgetragen, begleitet von mehr regulatorischen T-Zellen und einer veränderten Darmflora. In Zell- und Tierstudien zeigen die Polysaccharide außerdem antioxidative, blutzucker- und blutfettsenkende Effekte. Anders als Shiitake oder Austernpilze liefert Tremella dagegen kaum Ergothionein, nur Spuren im Bereich von Mikrogramm pro Gramm.

Was Anwender suchen

Die meisten greifen zu Tremella für prallere, besser durchfeuchtete Haut, oft zusammen mit Kollagen oder Hyaluronsäure. Manche nutzen ihn wegen des Gedächtnisses oder einfach als traditionelles Lebensmittel. Viele berichten nach einigen Wochen von weicherer, weniger trockener Haut. Das sind Erfahrungsberichte, die ernst zu nehmen sind, aber bislang keine kontrollierte Studie bestätigt.

Was gut belegt ist

Am besten belegt ist überraschenderweise nicht die Haut, sondern das Gedächtnis. In einer doppelblinden Studie nahmen 75 Erwachsene mit subjektiven Gedächtnisproblemen acht Wochen lang 600 mg oder 1.200 mg Tremella pro Tag oder Placebo. Die Tremella-Gruppen berichteten deutlich weniger Gedächtnisbeschwerden, das Hauptziel der Studie, und schnitten auch in Tests zum Kurzzeitgedächtnis und zur Planung besser ab. Nebenwirkungen traten nicht häufiger auf als unter Placebo.

Auch beim Stoffwechsel gibt es ein erstes Signal. 56 übergewichtige Menschen mit Prädiabetes tranken zwölf Wochen lang täglich ein Tremella-Getränk oder Placebo. In der Tremella-Gruppe sank der Langzeitzucker HbA1c leicht von 6,03 auf 5,96 Prozent, der Taillenumfang von 95,2 auf 93,46 cm. Äußerlich ist die Feuchtigkeitswirkung gezeigt: Ein Handgel mit 10 Prozent Tremella-Extrakt hielt die Haut von 20 Freiwilligen bis zum Ende der Messung nach 180 Minuten feuchter als ein Gel ohne Extrakt.

Was die Studien zeigen

Die Gedächtnisstudie

75 Erwachsene mit subjektiven Gedächtnisbeschwerden bekamen acht Wochen lang 600 mg oder 1.200 mg Tremella pro Tag oder Placebo, je 30 in den Tremella-Gruppen und 15 in der Placebogruppe. Beschwerden, Kurzzeitgedächtnis und exekutive Funktionen verbesserten sich stärker als unter Placebo. Eine Hirnbildgebung zeigte Volumenunterschiede in einzelnen Regionen, das war allerdings eine explorative Zusatzauswertung.

Die Prädiabetes-Studie

56 übergewichtige Erwachsene mit Prädiabetes tranken zwölf Wochen lang ein Tremella-Getränk oder Placebo, je 28 pro Gruppe. In der Tremella-Gruppe sanken HbA1c und Taillenumfang leicht. Die Autoren verglichen aber nur Vorher und Nachher innerhalb der Gruppen, einen direkten Vergleich mit Placebo berichten sie nicht. Die Studie wurde von einem Lebensmittelunternehmen finanziert.

Die Neurodermitis-Maus

Mäuse mit einer künstlich ausgelösten neurodermitisartigen Entzündung bekamen Tremella-Polysaccharide aufgetragen oder ins Futter. Beide Wege verringerten Wasserverlust, Hautverdickung und Schwellung, geschluckt wirkten sie besser. Das ist ein Tiermodell und zeigt einen möglichen Weg, keine Wirkung am Menschen.

Wo die Daten aufhören

Für das Hauptversprechen, die Haut von innen, gibt es keine einzige Humanstudie. Eine Übersicht von 2026 hält fest, dass orale Hyaluronsäure an der menschlichen Haut getestet ist, Tremella-Polysaccharide dagegen nicht. Die Belege stammen aus Tierversuchen, aus Zellkultur und aus Kosmetik zum Auftragen. Die verbreitete Werbeaussage, Tremella binde ein Vielfaches seines Gewichts an Wasser, habe ich in keiner Primärstudie gefunden. Und selbst eine hohe Wasserbindung im Glas sagt nichts darüber, was nach dem Schlucken in der Haut ankommt. Manche Hersteller sprechen von pilzbasierter Hyaluronsäure, untersucht ist das bisher nur im Labormodell.

Auch die übrigen Befunde sind schmal. Die Gedächtnisstudie ist klein, ihr Hauptendpunkt ein Fragebogen, und sie wurde nicht wiederholt. Eine zweite Studie testete ein Kombigetränk aus Fischrogen, Tremella und Hefe, deren Effekt sich nicht dem Pilz zuordnen lässt. Die Blutzuckerdaten sind explorativ. Langzeitdaten und Studien zu Longevity-Endpunkten gibt es nicht.

Status, Zulassung und Recht

Der Fruchtkörper von Tremella fuciformis gilt laut EU-Novel-Food-Katalog als nicht neuartig, er ist ein gewöhnliches Lebensmittel und darf als Pulver oder Extrakt in Nahrungsergänzungen verkauft werden. In Deutschland, Belgien und Spanien steht er auf nationalen Positivlisten für Speisepilze. Anders ist es beim Myzel, also dem Pilzgeflecht: Es gilt als neuartiges Lebensmittel ohne Zulassung. Das gilt auch für isoliertes Chondroitinsulfat aus Tremella, das 2025 als neuartig eingestuft wurde. Eine zugelassene EU-Gesundheitsangabe für Tremella gibt es nicht, Werbung mit Haut- oder Gedächtniswirkung ist für Lebensmittel deshalb nicht erlaubt. Auf der WADA-Verbotsliste 2026 steht Tremella nicht.

Sicherheit

In den Studien über acht bis zwölf Wochen traten Nebenwirkungen nicht häufiger auf als unter Placebo. Systematische Sicherheitsdaten und Langzeitstudien fehlen aber, und Fallberichte zu Schäden durch Tremella-Präparate habe ich nicht gefunden. Ein echtes Risiko betrifft die Küche: Frischer oder zu lange eingeweichter Pilz kann von dem Bakterium Burkholderia gladioli besiedelt werden. Dessen giftbildende Variante erzeugt Bongkreksäure, für die es kein Gegenmittel gibt. In Shanghai trugen 16,6 Prozent der frischen Tremella-Proben das Bakterium, die giftbildende Variante fand sich dort aber nur in getrocknetem Mu-Err. Ein Bericht der chinesischen Seuchenschutzbehörde rät, Pilze nicht 24 Stunden oder länger eingeweicht zu essen. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind am Menschen nicht untersucht. Weil Tierdaten auf eine Blutzuckersenkung hinweisen, sollte, wer Diabetesmedikamente nimmt, das ärztlich abklären. Für Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine Daten, amtliche Höchstmengen ebenfalls nicht.

BK-Score Dünne Humanevidenz

Human-Evidenz4
Mechanismus3
Sicherheits-Datenlage4
Hype-Abstand2
Anwendungserfahrung6

Evidenz 4, weil es nur zwei kleine RCTs mit Tremella allein gibt: 75 Personen über 8 Wochen mit erreichtem, aber subjektivem Hauptendpunkt zu Gedächtnisbeschwerden (Ban 2018) und 56 Personen mit Prädiabetes, bei denen HbA1c und Taillenumfang nur innerhalb der Tremella-Gruppe sanken (Gitsomboon 2024); für die beworbene Hautwirkung bei Einnahme gibt es keine Humanstudie (Wang 2026). Mechanismus 3, weil Wasserbindung, Wirkung über die Darmflora und antioxidative Effekte nur in Zell- und Tierstudien gezeigt sind (Xie 2022; Li 2025). Sicherheit 4, weil nur Kurzzeitdaten aus Studien über 8 bis 12 Wochen ohne Häufung von Nebenwirkungen vorliegen und ich keine Fallberichte zu Schäden durch Präparate fand; das bekannte Risiko betrifft Bakteriengift in verdorbenem oder zu lange eingeweichtem Pilz (Xiao 2025). Hype 2, weil das Hauptversprechen pflanzliche Hyaluronsäure für die Haut ohne Humandaten zur Einnahme auskommt und die Wasserbindungs-Werbung in keiner Primärstudie zu finden ist. Anwendung 6, weil Tremella in Asien seit Jahrhunderten gegessen wird und als Fruchtkörper in der EU ein gewöhnliches Lebensmittel ist, für Nahrungsergänzungen aber kein eigener Regelungsrahmen mit Höchstmengen besteht. Richtung offen: Die wenigen Humandaten weisen in eine günstige Richtung, sind aber zu dünn für ein Urteil.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Tremella

Ist Tremella besser als Hyaluronsäure für die Haut?

Das lässt sich nicht sagen, weil es für Tremella-Kapseln keine Hautstudie am Menschen gibt. Orale Hyaluronsäure ist an der menschlichen Haut untersucht, Tremella bisher nur im Tierversuch und als Creme. Äußerlich aufgetragen spendet Tremella-Extrakt Feuchtigkeit.

Wirkt Tremella-Pulver von innen auf die Haut?

Belegt ist das nicht. In Mäusen verbesserten geschluckte Tremella-Polysaccharide die Hautbarriere, vermutlich über die Darmflora. Eine Studie am Menschen mit Hautfeuchtigkeit als Endpunkt fehlt.

Hilft Tremella dem Gedächtnis?

In einer kleinen Studie mit 75 Personen verbesserten 600 oder 1.200 mg pro Tag über acht Wochen Gedächtnisbeschwerden und Testergebnisse stärker als Placebo. Das ist ein interessantes Signal, aber eine einzelne kleine Studie, die noch nicht wiederholt wurde.

Ist Tremella in Deutschland erlaubt?

Ja. Der Fruchtkörper gilt in der EU als gewöhnliches Lebensmittel und steht in den deutschen Leitsätzen für Speisepilze als Silberohr. Das Pilzgeflecht und isoliertes Chondroitinsulfat aus Tremella gelten dagegen als neuartige Lebensmittel ohne Zulassung.

Hat Tremella Nebenwirkungen?

In Studien über acht bis zwölf Wochen nicht häufiger als Placebo, Langzeitdaten fehlen. Beim Kochen gilt: Den Pilz nicht 24 Stunden oder länger einweichen und verdorbene Ware wegwerfen, weil sich dort ein gefährliches Bakteriengift bilden kann.

Was ist der Unterschied zwischen Tremella und Shiitake?

Shiitake enthält vor allem Beta-Glucane wie Lentinan, die auf Immunzellen zielen. Tremella enthält ein anders gebautes, saures Polysaccharid aus Mannose, Xylose und Glucuronsäure, das viel Wasser bindet. Entsprechend werden die Pilze für unterschiedliche Zwecke vermarktet.

Ähnliche Themen

Quellen

Diese Studien mit Studientyp und Jahr in der Studien-Datenbank ansehen

In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich

Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-01.