Biohacking Kompakt

Podcast-Folge 92

PE-22-28 – das Antidepressivum, das nie einen Menschen erreicht hat

30. September 2026

PE-22-28 soll gegen Depression wirken, über einen Angriffspunkt, den kein zugelassenes Antidepressivum nutzt. Die Forschung dahinter ist ernsthaft und rund 20 Jahre alt. Studien am Menschen gibt es bis heute keine einzige.

Worum es geht

Alles beginnt 2006 mit Mäusen, denen ein bestimmter Kaliumkanal im Gehirn fehlt — TREK-1. Sie verhalten sich in den üblichen Tests so, als hätten sie ein Antidepressivum bekommen. 2010 beschrieb eine französische Gruppe Spadin, ein körpereigenes Bruchstück, das diesen Kanal blockiert; 2017 folgte mit PE-22-28 eine gekürzte, stärkere und länger wirksame Fassung. Die Folge erklärt, warum ein neuer Angriffspunkt bei Depression tatsächlich gebraucht würde, und warum die viel zitierte Geschwindigkeit des Wirkeintritts aus Tierversuchen stammt. Denn die entscheidende Zahl ist eine Null: keine abgeschlossene, keine laufende und keine abgebrochene Studie am Menschen. Verkauft wird die Substanz trotzdem.

Die Kernaussagen

  • Die Idee geht auf eine Beobachtung von 2006 zurück: Mäusen, denen der Kaliumkanal TREK-1 fehlt, geht es in den üblichen Verhaltenstests besser, ganz ohne Medikament.
  • 2010 beschrieb eine französische Gruppe in PLoS Biology Spadin, ein Bruchstück, das beim Zurechtschneiden des Rezeptors Sortilin übrig bleibt und genau diesen Kanal blockiert.
  • Die 2017 vorgestellte Kurzfassung aus 7 Aminosäuren blockiert den Kanal mit 0,12 Nanomolar deutlich stärker als Spadin mit 40 bis 60 und hält im Körper 23 statt 7 Stunden durch.
  • Im Tierversuch zeigte sich die Wirkung nach 4 Tagen, während übliche Antidepressiva beim Menschen 3 bis 4 Wochen brauchen — zwei Messgrößen, die nicht vergleichbar sind.
  • Rund ein Drittel der Patienten spricht auf die vorhandenen Antidepressiva nicht gut an; deshalb wäre ein wirklich neuer Angriffspunkt hier ein Gewinn und kein Warnsignal.
  • In Fachliteratur und Studienregistern findet sich zu PE-22-28 keine einzige Studie am Menschen; ein künftiger Eintrag bekäme auf der Evidenz-Achse eine 0 und keine 1.
  • Der fehlende Schritt wäre eine vergleichsweise kleine Phase-1-Studie mit 20 bis 30 gesunden Freiwilligen zu Verträglichkeit und Blutspiegeln.

Wo die Daten aufhören

Alles, was über PE-22-28 bekannt ist, stammt aus Zell- und Tierversuchen. Es gibt kein Sicherheitsprofil am Menschen, keine bekannten Wechselwirkungen und keine geprüfte Anwendung. Dass die Blockade dieses Kanals bei Mäusen unauffällig aussah, ist keine Sicherheitsaussage für einen Menschen. Auch der viel zitierte schnelle Wirkeintritt ist ein Befund aus Verhaltenstests an Tieren: Gemessen wird dort, wie lange ein Tier in einer unangenehmen Lage weiterstrampelt, nicht Hoffnungslosigkeit, Selbstvorwürfe oder Freudlosigkeit. Solche Tests reagieren zuverlässig auf Mittel, die beim Menschen wirken, und sind deshalb ein guter Filter — aber ein schlechter Beweis.

Dazu kommt eine Grenze, die in keiner Nebenwirkungsliste steht. Eine Depression ist gut behandelbar, mit Psychotherapie, mit an Menschen geprüften Medikamenten, meist mit beidem. Wochen oder Monate mit einem ungetesteten Peptid sind Wochen oder Monate ohne die Behandlung, die hilft. Wenn dich das Thema betrifft, ist der nächste Schritt ein Termin.

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Veröffentlicht am 30. September 2026.

Das Thema in der Datenbank

  • PE-22-28 ist die verkürzte, deutlich stärkere Fassung des körpereigenen Peptids Spadin und blockiert im Gehirn den Kaliumkanal TREK-1. Als AntidepressPE-22-28

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-19.