Peptid & Experimentelles
PE-22-28
Synthetisches Peptid aus 7 Aminosäuren, Blocker des Kaliumkanals TREK-1 (Spadin-Analogon) · PE22-28, Spadin-Analogon, verkürztes Spadin
PE-22-28 ist ein Peptid aus 7 Aminosäuren, das im Gehirn den Kaliumkanal TREK-1 blockiert. Es stammt aus einer Forschungslinie, die einen neuen Angriffspunkt gegen Depression sucht, und die Arbeit dahinter ist sauber gemacht. Eine Studie am Menschen gibt es bis heute nicht.
Kurz gesagt
PE-22-28 ist die verkürzte und deutlich stärkere Fassung eines körpereigenen Bruchstücks namens Spadin. Es blockiert den Kaliumkanal TREK-1 und greift damit an einer Stelle an, die mit Serotonin und Noradrenalin nichts zu tun hat — bei Depression wäre das ein neuer Angriffspunkt, und einer wird gebraucht: Ein Drittel der Patienten spricht auf die vorhandenen Mittel nicht gut an. In Mäusen zeigt die Substanz weniger depressionsartiges Verhalten und greift in den Verhaltenstests nach 4 Tagen. Genau dort hört die Datenlage auf: Es existiert keine einzige Studie am Menschen, weder abgeschlossen noch laufend noch abgebrochen. Was in Shops als Wirkung beschrieben wird, stammt aus Mäusearbeiten.
Was es ist
PE-22-28 ist ein synthetisches Peptid aus 7 Aminosäuren, beschrieben 2017. Niemand hat es zufällig gefunden, es ist das Ergebnis einer gezielten Verkürzung: Man hat ein körpereigenes Bruchstück so lange beschnitten, bis der Rest besser tat, was das Original tun sollte.
Das Original heißt Spadin. Es fällt im Körper an, wenn ein Rezeptor namens Sortilin zurechtgeschnitten wird — ein Abfallstück, das einen bestimmten Kaliumkanal blockiert. Eine französische Arbeitsgruppe beschrieb das 2010 in PLoS Biology, unter einem Titel, der die Ambition mitliefert: ein neues Konzept im Entwurf von Antidepressiva.
Woher die Idee kommt
Der Ausgangspunkt liegt im Jahr 2006, bei Mäusen, denen der Kaliumkanal TREK-1 fehlt. Diesen Tieren geht es in den üblichen Verhaltenstests besser als ihren Artgenossen: Sie verhalten sich, als hätten sie ein Antidepressivum bekommen, ohne eines bekommen zu haben. Kanal weg, Stimmung besser.
Daraus folgt eine naheliegende Frage: Wenn das Fehlen des Kanals wirkt, wirkt dann auch seine Blockade? Der Reiz liegt im Angriffspunkt. Alle gängigen Antidepressiva arbeiten am Serotonin- oder Noradrenalinsystem, ein Kaliumkanal ist etwas grundlegend anderes — und ein Drittel der Patienten spricht auf das Vorhandene nicht gut an.
Wie es wirken soll
PE-22-28 blockiert TREK-1 erheblich stärker als sein Vorbild: 0,12 Nanomolar gegenüber 40 bis 60 bei Spadin, also mehrere Größenordnungen. Dazu kommt die Haltbarkeit im Körper: 23 Stunden statt 7.
Beides zusammen hat die verkürzte Fassung an die Stelle des Originals gebracht. In Mäusen zeigte PE-22-28 weniger depressionsartiges Verhalten und förderte die Bildung neuer Nervenzellen.
Der schnelle Wirkeintritt
Der Punkt, der überall zitiert wird, ist die Geschwindigkeit, und er steht so in der Originalarbeit: Die Substanz wirkte in den Verhaltenstests nach 4 Tagen. Die Autoren stellen dem eine zweite Zahl gegenüber, nämlich die 3 bis 4 Wochen, die übliche Antidepressiva beim Menschen brauchen, bis sie greifen.
Die Wartezeit ist eines der schwersten Probleme der Depressionsbehandlung: Wer am Boden ist, soll wochenlang etwas nehmen, das zuerst Nebenwirkungen macht und dann vielleicht hilft. Viele brechen in dieser Zeit ab.
Die beiden Zahlen gehören allerdings nicht in dieselbe Tabelle. Die 4 Tage stammen aus Verhaltenstests an Mäusen, die 3 bis 4 Wochen sind ein klinischer Erfahrungswert vom Menschen — keine vergleichbaren Messgrößen. In der Vermarktung wird die Gegenüberstellung trotzdem weitergereicht, als wären sie es.
Warum der Schritt zum Menschen fehlt
Die Grundidee ist von 2006, die Substanz von 2010, die verbesserte Fassung von 2017. Die Forschungslinie existiert damit seit knapp 20 Jahren und ist in dieser Zeit nicht in den Menschen gekommen. Das ist kein Urteil über die Wirkung. Es heißt, dass die Hürde nicht genommen wurde, an der die allermeisten Kandidaten scheitern.
Bei Depression ist diese Hürde besonders hoch, und der Grund liegt darin, was im Tierversuch gemessen wird: wie lange ein Tier in einer unangenehmen Lage weiterstrampelt. Das nennt man depressionsartiges Verhalten, und die Tests reagieren zuverlässig auf Antidepressiva. Eine Maus hat aber keine Hoffnungslosigkeit, keine Selbstvorwürfe, keinen Verlust an Freude. Erfasst wird ein Schatten der Krankheit, nicht die Krankheit. Der Weg vom Mausmodell zur Depression beim Menschen gilt als der berüchtigtste Friedhof der Pharmakologie.
Was fehlt, ist ein kleiner Schritt: eine Phase-1-Studie mit 20 oder 30 gesunden Freiwilligen, aufsteigende Dosen, Verträglichkeit und Blutspiegel. Dass er in 20 Jahren nicht gegangen wurde, kann viele Gründe haben — Geld, Patente, fehlendes Interesse an einem Peptid, das gespritzt werden muss. Solange er fehlt, ist alles Weitere Spekulation.
Was beim Weiterreichen verloren geht
Wer nach Studien am Menschen sucht, landet fast ausschließlich auf Verkaufsseiten und auf Ratgebern im Fachseitenlook. Keine Universität, kein Fachjournal. Dort steht von Wirkung, von Dosierung, von schnellem Wirkeintritt.
Das Tückische daran ist, dass die Zahlen meist nicht erfunden sind. Die 4 Tage stehen so in der Arbeit. Was fehlt, ist das Wort, das alles verändert — dass es Mäuse waren. Aus einem Satz über ein Tiermodell wird ein Satz über dich, indem drei Wörter wegfallen.
Was gut belegt ist
Gut belegt ist die Vorarbeit, nicht die Anwendung. Dass TREK-1 existiert, dass sein Fehlen bei Mäusen mit besseren Werten in den Verhaltenstests einhergeht, dass Spadin diesen Kanal blockiert und PE-22-28 ihn um mehrere Größenordnungen stärker — das sind saubere Befunde aus veröffentlichten Arbeiten. Auch die 23 Stunden Verweildauer und der Wirkeintritt nach 4 Tagen im Tierversuch stehen dort. Ordentliche Forschung mit klarem Ziel und messbarem Effekt, keine Scharlatanerie.
Was die Studien zeigen
TREK-1-Knockout im Mausmodell, 2006
Tierversuch ohne Behandlung: Mäuse, denen der Kaliumkanal TREK-1 genetisch fehlt, schnitten in den üblichen Verhaltenstests ab, als hätten sie ein Antidepressivum erhalten. Der Befund lieferte den Angriffspunkt, aber keine Aussage über eine Substanz.
Spadin, PLoS Biology 2010
Eine französische Arbeitsgruppe zeigte, dass beim Zurechtschneiden des Rezeptors Sortilin ein Peptid anfällt, das TREK-1 blockiert, und nannte es Spadin. Untersucht wurde in Zellsystemen und an Tieren.
PE-22-28 als verkürztes Analogon, 2017
Aus Spadin wurde ein Peptid aus 7 Aminosäuren. Gemessen wurden Blockadestärke am Kanal, 0,12 Nanomolar gegenüber 40 bis 60, und Verweildauer im Körper, 23 statt 7 Stunden. In Verhaltenstests an Mäusen zeigte sich nach 4 Tagen weniger depressionsartiges Verhalten und mehr neu gebildete Nervenzellen.
Suche nach Studien am Menschen
Eine Durchsicht der Fachliteratur und der zugänglichen Studienregister ergab keine abgeschlossene, keine laufende und keine abgebrochene Studie am Menschen. Kein Nebenbefund, sondern der zentrale Befund.
Wo die Daten aufhören
Nicht belegt ist alles, was PE-22-28 beim Menschen betrifft: keine Wirksamkeitsdaten, keine Verträglichkeitsdaten, keine geprüfte Dosis, keine bekannten Wechselwirkungen. Die Übertragung der Tierversuche auf einen Menschen beruht auf Annahmen, die niemand nachgerechnet hat. Dass in 20 Jahren nicht einmal eine kleine Verträglichkeitsstudie zustande kam, ist selbst eine Information.
Status, Zulassung und Recht
PE-22-28 ist nirgends als Arzneimittel zugelassen, denn es gibt keine Studien am Menschen, auf die sich eine Zulassung stützen könnte. Gehandelt wird es trotzdem breit, über Peptid-Shops, die es als Forschungssubstanz ausweisen — ein Etikett, das den Verkauf ermöglicht und die Verantwortung verschiebt. Wer bestellt, kauft ein Präparat, dessen Inhalt und Reinheit niemand prüft. Im Sport spielt die Substanz keine Rolle, sie zielt auf Stimmung und nicht auf Leistung.
Sicherheit
Zur Sicherheit am Menschen gibt es schlicht nichts. In Tierarbeiten sah die Blockade des Kanals unauffällig aus, aber unauffällig bei Mäusen ist keine Sicherheitsaussage für einen Menschen. Dazu kommt ein Risiko, das in keiner Nebenwirkungsliste steht: der Zeitverlust. Eine Depression ist gut behandelbar — mit Psychotherapie, mit Medikamenten, die an Menschen geprüft wurden, meist mit beidem. Wochen mit einem Graumarktpeptid sind Wochen ohne die Behandlung, die hilft. Wenn dich das Thema betrifft, weil es dir schlecht geht, ist der nächste Schritt ein Termin und kein Fläschchen.
BK-Score Nicht am Menschen untersucht
| Human-Evidenz | 0 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 4 | |
| Sicherheits-Datenlage | 1 | |
| Hype-Abstand | 2 | |
| Anwendungserfahrung | 2 |
Evidenz 0, weil es zu PE-22-28 keine einzige Studie am Menschen gibt, weder abgeschlossen noch laufend noch abgebrochen. Mechanismus 4, weil die Zielstruktur TREK-1 und ihre Blockade in Zellsystemen und Tieren sauber gemessen sind (0,12 Nanomolar, 23 Stunden Verweildauer), am Menschen aber nichts davon bestätigt wurde. Sicherheit 1, weil kein Sicherheitsprofil am Menschen existiert und allein Tierarbeiten die Kanalblockade unauffällig aussehen ließen. Hype 2, weil die echten Mäusezahlen — Wirkeintritt nach 4 Tagen gegenüber 3 bis 4 Wochen beim Menschen — auf Verkaufsseiten ohne das Wort Maus als Aussage über Menschen weitergereicht werden; Anwendung 2, weil die Substanz nur in Graumarktkreisen verwendet wird und in knapp 20 Jahren nicht einmal in eine Phase-1-Studie gekommen ist.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu PE-22-28
Was ist PE-22-28?
Ein synthetisches Peptid aus 7 Aminosäuren, das den Kaliumkanal TREK-1 im Gehirn blockiert. Es ist die verkürzte Fassung eines körpereigenen Bruchstücks namens Spadin und wurde 2017 beschrieben. Der Gedanke dahinter ist ein Antidepressivum mit einem Angriffspunkt jenseits von Serotonin und Noradrenalin.
Gibt es Studien am Menschen?
Nein. Weder abgeschlossene noch laufende noch abgebrochene. Die Forschungslinie existiert seit knapp 20 Jahren, der Schritt in den Menschen wurde in dieser Zeit nicht gegangen. Alles, was über eine Wirkung gesagt wird, stammt aus Arbeiten an Mäusen und Zellen.
Stimmt es, dass es nach vier Tagen wirkt?
In den Verhaltenstests an Mäusen ja, dieser Befund steht so in der Originalarbeit. Die gern danebengestellten 3 bis 4 Wochen sind dagegen ein klinischer Erfahrungswert vom Menschen. Zwei verschiedene Messgrößen aus zwei verschiedenen Arten stehen hier nebeneinander, und in der Vermarktung verschwindet der Unterschied.
Was ist der Unterschied zu Spadin?
PE-22-28 ist kürzer, stärker und länger haltbar. Der Wirkwert am Kanal liegt bei 0,12 Nanomolar gegenüber 40 bis 60 bei Spadin, die Verweildauer im Körper bei 23 statt 7 Stunden. An der Datenlage beim Menschen ändert das nichts, denn auch Spadin ist dort nie angekommen.
Warum kann man es trotzdem überall kaufen?
Weil es als Forschungssubstanz verkauft wird und damit an der Arzneimittelzulassung vorbeiläuft. Bei der Suche nach Studien am Menschen sind praktisch alle vorderen Treffer Verkaufsseiten und Ratgeber im Fachseitenlook. Die Zahlen dort sind oft korrekt abgeschrieben, es fehlt nur der Hinweis, dass sie aus Mäusen stammen.
Mir geht es schlecht und ich überlege, es auszuprobieren. Was spricht dagegen?
Dass du eine wirksame Behandlung gegen eine Hoffnung tauschst. Depression ist gut behandelbar, mit Psychotherapie und mit Medikamenten, die an Menschen geprüft wurden. Die eigentliche Gefahr ist nicht einmal die Substanz, sondern die Zeit, die dabei vergeht. Der nächste Schritt gehört zu einer Ärztin oder einem Arzt.
Quellen
- Heurteaux et al., Nature Neuroscience 2006 — TREK-1-Knockout und depressionsartiges Verhalten im Mausmodell
- Mazella et al., PLoS Biology 2010 — Spadin als körpereigener TREK-1-Blocker
- Djillani et al., Frontiers in Pharmacology 2017 — PE-22-28: verkürztes Spadin-Analogon mit höherer Bindungsstärke und längerer Halbwertszeit
- Moha Ou Maati et al., Neuropharmacology 2012 — Tierdaten zur Verträglichkeit der TREK-1-Blockade
- Recherche in Fachliteratur und zugänglichen Studienregistern: keine Humanstudie zu PE-22-28
In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-19.