Biohacking Kompakt

Podcast-Folge 90

SS-31 (Elamipretid) – die erste Zulassung, die das Gegenteil beweist

28. September 2026

SS-31, auch Elamipretid genannt, hat im September 2025 die erste Zulassung bekommen, die es in diesem Feld je gab. Als Beleg für Anti-Aging taugt sie trotzdem nicht — im Gegenteil. Die Folge rechnet vor, warum.

Worum es geht

SS-31 ist ein sehr kurzes Peptid, das an die innere Mitochondrienmembran wandert und dort an den Fettstoff Cardiolipin bindet. Cardiolipin hält die starke Faltung dieser Membran zusammen, auf deren Fläche Energie gewonnen wird; mit dem Alter und bei bestimmten Krankheiten zerfällt es. Anders als bei den meisten Substanzen dieser Serie gibt es hier eine benannte Zielstruktur und eine Phase-3-Studie am Menschen. Die Folge geht durch MMPOWER-3, durch die nachträgliche Auswertung nach Genotyp und durch die Zulassung für das Barth-Syndrom — eine Erkrankung, mit der in den USA etwa 150 Menschen leben. Und sie sortiert, was davon für jemanden übrig bleibt, der gesund ist und vorbeugen will.

Die Kernaussagen

  • SS-31 bindet an Cardiolipin in der inneren Mitochondrienmembran — eine benannte Zielstruktur, die am Menschen nachweisbar ist, und kein allgemeines Versprechen zur Zellenergie.
  • Die Phase-3-Studie MMPOWER-3 prüfte über 24 Wochen gegen Placebo 2 gleichrangige Hauptendpunkte, die Gehstrecke in 6 Minuten und einen Erschöpfungsfragebogen; beide wurden verfehlt.
  • Erst eine nachträgliche Aufteilung nach Genotyp zeigte bei Defekten im Zellkern-Erbgut 25 Meter mehr Gehstrecke gegenüber praktisch null, in einer engeren Gruppe 37 Meter gegenüber 8 Metern Verschlechterung.
  • Statt diesen Befund als Ergebnis zu verkaufen, hat die Firma mit NuPower eine neue Studie aufgesetzt, die genau diese Gruppe prüft — das ist in diesem Feld selten.
  • Die Zulassung vom September 2025 gilt dem Barth-Syndrom und stützt sich auf eine offene Studie ohne Placebo mit 10 Patienten, von denen 8 sie beendet haben.
  • In den USA leben etwa 150 Menschen mit dieser Erkrankung, die rund 1 von 350.000 betrifft; eine Nachzulassungsstudie mit 48 Teilnehmern läuft weiter.
  • Die Folge vergibt Human-Evidenz 5 bei gemischter Richtung, dazu Sicherheit 6, Anwendung 3 und Hype 2 — eine hohe Evidenzzahl misst Untersuchung, nicht Wirkung.

Wo die Daten aufhören

Eine Studie an gesunden Menschen gibt es nicht, nicht eine. Vorliegend sind eine Phase 3 bei einer Muskelerkrankung, die ihren Hauptendpunkt verfehlt hat, eine nachträgliche Untergruppe, die noch geprüft wird, und eine ultraseltene Erbkrankheit. Die Vermarktung springt von dort zum Alterungsschutz, und dieser Sprung hat keine Grundlage: Etwas zu ersetzen, das fehlt, ist etwas anderes, als etwas aufzustocken, das ausreicht. Zur altersbedingten Makuladegeneration läuft ein Programm, aber ältere Menschen mit einer Erkrankung sind wieder nicht dasselbe wie gesunde Menschen, die vorbeugen wollen.

Auch die Sicherheitsdaten haben eine Grenze. Sie stammen aus Studien mit einem unter Auflagen hergestellten Präparat, gegeben unter ärztlicher Aufsicht, und waren dort überwiegend mild bis mittelschwer. Für ein Fläschchen aus unklarer Quelle gelten sie nicht: Die Sicherheit einer Substanz und die Sicherheit eines Produkts sind zwei verschiedene Dinge.

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Veröffentlicht am 28. September 2026.

Das Thema in der Datenbank

  • Ein mitochondrien-gezieltes Peptid, das an Cardiolipin bindet und die Energie-Kraftwerke stabilisiert – und eines der wenigen mit echter klinischer ErSS-31 (Elamipretide)

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-19.