Podcast-Folge 66
RAD140 (Testolone): Das SARM im Faktencheck
5. September 2026
Wirken wie Testosteron, aber nur im Muskel: Das ist die Idee hinter den SARMs, und RAD140 ist ihr bekanntester Vertreter. Die Folge trennt sauber, was davon Pharmakologie ist und was Forenversprechen — mit den Studiendaten, die es wirklich gibt.
Worum es geht
SARM steht für selektiver Androgen-Rezeptor-Modulator: ein Molekül, das denselben Rezeptor ansteuert wie Testosteron, aber möglichst nur im Muskel- und Knochengewebe. RAD140 wurde um 2010 bei Radius Health entwickelt, zuerst gegen Muskelschwund, später als Ansatz gegen bestimmte Brustkrebs-Formen. Die Folge geht von dieser Idee zur Datenlage: Es gibt genau 1 veröffentlichte Humanstudie, und die hatte ein ganz anderes Ziel als Muskelaufbau. Danach sortiert sie die Preisliste — Hormonachse, Leber, Blutfette, fehlende Langzeitdaten — und den Markt, auf dem die Substanz als Research Chemical gehandelt wird. Am Ende steht die Einordnung in die Muskel-Leiter der Serie und ein klarer Blick auf Dopingkontrollen.
Die Kernaussagen
- RAD140 wurde um 2010 bei der Biotech-Firma Radius Health entwickelt — ursprünglich für Patienten mit Muskelschwund und später gegen bestimmte Brustkrebs-Formen, nie als Trainings-Supplement.
- Es existiert genau 1 veröffentlichte Humanstudie, eine Phase-1-Prüfung an postmenopausalen Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs; dosislimitierend waren dort ausgerechnet die Leberwerte.
- Für die Muskelaufbau-Anwendung gibt es bis 2026 keine einzige kontrollierte Humanstudie — alles Weitere sind Tiermodell-Daten und Anwenderberichte aus Foren.
- Die Risikoliste der Folge hat 4 Posten: gedrosselte eigene Hormonachse mit abgesenktem Testosteron, Leberschäden in Fallberichten, fallendes HDL mit schlechterem ApoB-Profil und komplett fehlende Langzeitdaten.
- Eine Analyse im Fachblatt JAMA testete online gekaufte SARM-Produkte: Nur etwa die Hälfte enthielt die deklarierte Substanz in deklarierter Menge, der Rest war fehldosiert, verunreinigt oder etwas ganz anderes.
- Die SARM-Familie zeigt dasselbe Muster: Ostarine schaffte es bis in Phase-3-Studien gegen Muskelschwund und wurde trotzdem nie zugelassen, Ligandrol zeigte Magermasse-Zuwachs samt klarer Testosteron-Suppression.
- Die Bilanz der Folge: Für 99 Prozent der Hörer liefern Krafttraining, Protein, Kreatin und guter Schlaf über 2 bis 3 Jahre mehr bleibende Muskelmasse als ein RAD140-Zyklus — ohne die Hypothek.
Wo die Daten aufhören
Die Datenlage endet früh. Was über die Wirkung auf Muskel und Knochen bekannt ist, stammt aus Tiermodellen; die einzige Humanstudie prüfte eine Krebstherapie, nicht den Muskelaufbau, und danach wurde es still um die klinische Entwicklung. Zu Langzeitfolgen existiert schlicht kein Wissen, und bei einem Rezeptor, der auch in Herz, Gehirn und Prostata sitzt, ist dieses Unwissen selbst ein Risikofaktor.
Dazu kommt der Markt: Kein SARM ist irgendwo als Arzneimittel zugelassen, gehandelt wird als Research Chemical ohne Qualitätskontrolle. Im Sport stehen SARMs auf der WADA-Verbotsliste, RAD140 gehört zu den am häufigsten positiv getesteten Substanzen, und die Nachweisfenster reichen je nach Anwendung über Wochen bis Monate. Wegen der Androgen-Wirkung gilt für Frauen besondere Zurückhaltung, in der Schwangerschaft ohnehin. Diese Seite nennt deshalb weder Mengen noch Schemata.
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Veröffentlicht am 5. September 2026.
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- Der bekannteste SARM: starke Muskel-Wirkung über den Androgen-Rezeptor – aber nur eine (abgebrochene) Humanstudie und ein ernstes Risikoprofil.RAD140 (Testolone)
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-19.