Podcast-Folge 153
HMG – das Hormon aus dem Kloster, zwischen Kinderwunsch und Steroidkur
30. November 2026
Für die ersten Studien sammelten rund 300 Frauen in Altenheimen von Nonnen Urin, so erzählt es der Forscher selbst. Heute ist HMG ein gut untersuchtes Kinderwunschmittel — und in einer ganz anderen Welt ein Hoffnungsträger für die Zeit nach der Steroidkur.
Worum es geht
HMG liefert die 2 Botenstoffe, mit denen die Hirnanhangsdrüse die Keimdrüsen steuert, FSH und LH, gewonnen aus dem Urin von Frauen nach den Wechseljahren. Seit 1961 wird es in der Kinderwunschbehandlung eingesetzt, täglich und immer mit Ultraschall und Blutwerten, weil die Eierstöcke überschießen können. Bei Männern mit echtem Hormonmangel bringt es zusammen mit HCG die Spermienbildung meist zurück, nach Monaten, nicht Wochen. Die Folge hört auch zu, was Anwenderinnen und Anwender berichten: Frauen, die beim Anmischen Fehler fürchten, und Männer in Steroidforen, die nach dem Absetzen um ihre Fruchtbarkeit bangen und einander beraten. Das sind Selbstauskünfte, keine Wirkungsbelege. Am Ende steht: Meist kommt die Hormonachse nach einer Kur von allein zurück, und für HMG in dieser Lage fehlt eine kontrollierte Studie.
Die Kernaussagen
- Im Juni 2026 war HMG im fertigen Pen bei gut 400 Frauen dem Pulver zum Anmischen nicht unterlegen, frühe Überstimulation trat in beiden Gruppen bei 3,5 Prozent auf; bezahlt hat der Hersteller.
- Eine Metaanalyse von 2025 mit 41 Studien und 1673 Männern mit Hormonmangel fand bei 78 Prozent wieder Spermien, im Median nach 18 Monaten, mit FSH besser als mit HCG allein.
- In einer Auswertung von 5059 Beiträgen aus australischen Steroidforen zur Frage, wie man sicher wieder herunterkommt, kommt HMG kein einziges Mal vor; dort geht es um HCG, Clomifen und Tamoxifen.
- In einer britischen Umfrage unter 470 Männern berichteten fast alle, die aufgehört hatten, von Beschwerden; wer nachbehandelte, schätzte die Linderung selbst auf rund 60 Prozent, eine Selbstauskunft ohne Vergleichsgruppe.
- Eine Studie aus Sydney fand 31 frühere Anwender bis auf etwas kleinere Hoden unauffällig; die Spermienbildung brauchte im Mittel gut 14 Monate, um sich zu erholen.
- Bei 79 Männern nach kurzer Kur hatten nach 1 Jahr ohne Behandlung 59 Prozent normale Spermienwerte, mit Clomifen 69 und mit Clomifen und HCG 88 Prozent, nachträglich aus Akten ausgewertet, nicht gelost.
- Ein Einzelfall aus Kuala Lumpur 2003: Ein Bodybuilder hatte 1 Jahr nach dem Absetzen von 7 Steroiden keine Spermien, nach 3 Monaten HCG und HMG unter ärztlicher Kontrolle normale Werte.
Wo die Daten aufhören
Für die Zeit nach einer Steroidkur gibt es Praxis, Einzelfälle und Aktenstudien, aber keine kontrollierte Studie zu HMG. Der Fall aus Kuala Lumpur ist eine gute Geschichte, kein Nachweis, und die Umfragezahlen stammen von Menschen, die wollen, dass es geholfen hat. Die Beschwerden nach dem Absetzen sind trotzdem echt. Die meisten Männer in der Umfrage wünschten sich selbst eine ärztlich begleitete Nachbehandlung; für genau diese Frage gibt es die Andrologie.
HMG ist verschreibungspflichtig und wird nach dem dosiert, was Ultraschall und Laborwerte zeigen, meist nicht länger als 3 Wochen. Ware aus dem Netz ist eine andere Sache: Ein polnisches Prüflabor fand in gut einem Drittel beschlagnahmter Mittel zur Nachbehandlung nicht den angegebenen Wirkstoff, und HMG ist ein Eiweißgemisch, dessen Wirkung man biologisch messen muss. Bei Männern steht LH auf der Dopingliste.
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Veröffentlicht am 30. November 2026.
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- Aus dem Urin von Frauen nach den Wechseljahren gewonnenes Hormonpräparat, das FSH- und LH-Wirkung zugleich liefert und seit 1961 in der KinderwunschmeHMG (humanes Menopausen-Gonadotropin)
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-25.