Podcast-Folge 150
Semax – das russische Nasenspray, das in Amerika eine Abstimmung gewann
27. November 2026
Ein Sprühstoß in die Nase, und nach wenigen Minuten fühlen sich viele wacher und klarer. Semax ist in Russland seit 1994 ein Medikament, und im Juli 2026 stimmte ein Beratergremium der US-Arzneimittelbehörde mit 8 zu 5 dafür, gegen die eigenen Gutachter.
Worum es geht
Semax ist ein kurzes Stück des Stresshormons ACTH, das Moskauer Forscher nach einem Auftrag des sowjetischen Verteidigungsministeriums von 1979 mit 3 zusätzlichen Bausteinen haltbar machten. Es wird durch die Nase gegeben und soll im Gehirn den Wachstumsfaktor BDNF anheben, was bei Tieren mehrfach ordentlich gezeigt ist. Anwender berichten erstaunlich einheitlich von einem schnellen, milden Effekt binnen Minuten; das ist ein Bericht, kein Wirkungsbeleg, aber einer, dessen Zeitfenster zu einer kleinen Placebostudie passt. Die Schlaganfallstudien, auf denen die russische Zulassung ruht, haben kein Scheinpräparat. Und im Handel steckt oft eine umgebaute Fassung, zu der es am Menschen keine Studie gibt. Am Ende steht eine Frage fürs Regal: Ist im Fläschchen das Molekül, das untersucht wurde?
Die Kernaussagen
- Bei Ratten mit markiertem Semax lag die höchste Menge im Gehirn schon beim ersten Messpunkt vor, nach 2 Minuten.
- In einer Studie mit 24 gesunden Freiwilligen, 14 mit Semax und 10 mit Placebo, war im Kernspin nach 5 und 20 Minuten ein Teil des Ruhezustandsnetzwerks größer; gemessen wurde ein Hirnbild, nicht die Konzentration.
- Die Anwenderberichte beschreiben übereinstimmend einen milden Effekt nach wenigen Minuten, passend zu den 2 Minuten bei Ratten; ein direkt weitergegebener Bericht nennt kein Absacken, etwas mehr Klarheit und ausdrücklich nicht mehr.
- Die Schlaganfallstudien haben kein Scheinpräparat: 1997 bekamen 30 Menschen nach Schlaganfall Semax zur üblichen Behandlung, 80 nur die übliche Behandlung; 2018 besserten sich bei 110 Patienten die Alltagsfähigkeiten schneller.
- Das Beratergremium stimmte mit 8 zu 5 bei 1 Enthaltung dafür, dass Apotheken in den USA Semax anmischen dürfen; das ist eine Empfehlung, keine Zulassung.
- Die russische Registrierung von 1994 gilt für Semax; zur umgebauten Fassung NA-Semax Amidat gibt es am Menschen keine Studie, und in einer Zellarbeit aus Catania schützte nur Semax Nervenzellen vor Kupferschäden.
- In der amerikanischen Meldedatenbank fand die Behörde genau 1 Bericht, Schmerzen und Brennen am Auge; systematisch erfasst wurden Nebenwirkungen auch in den russischen Arbeiten nicht.
Wo die Daten aufhören
Stand September 2026 hat die US-Arzneimittelbehörde über die Empfehlung ihres Gremiums nicht entschieden, die Abstimmung ist nicht bindend. Das eigene Gutachten der Behörde fand zur Hirndurchblutung Artikel auf Russisch und zur Migräne eine Studie mit einer einzigen Gabe ohne Kontrollgruppe und hielt die Belege für nicht ausreichend. Die russischen Schlaganfallstudien messen die Erholung mit, die nach einem Schlaganfall oft über Monate auch von allein kommt; das Problem ist nicht die Sprache, sondern das fehlende Placebo.
Bei den Anwenderberichten fehlt das Placebo-Spray daneben. Sie kommen aus einem eng vernetzten Kreis, und bei einem Spray, das man in der Nase spürt, ist Erwartung stark. Welche Fassung gesprüht wurde, geht aus den Berichten nicht hervor. Dabei wäre die entscheidende Studie billig: 2 Fläschchen und ein Aufmerksamkeitstest. Bei unklaren Verunreinigungen aus dem Graumarkt hält die Behörde eine Immunreaktion für nicht ausgeschlossen. Wer einen Schlaganfall hatte oder Medikamente nimmt, bespricht so etwas mit der Ärztin, nicht mit dem Shop.
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Veröffentlicht am 27. November 2026.
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- Ein in Russland entwickeltes Nootropikum-Peptid, das BDNF/NGF anhebt und neuroprotektiv untersucht wird – intranasal angewendet, aber ohne systematiscSemax
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-25.