Biohacking Kompakt

Podcast-Folge 142

Plasmaaustausch gegen das Altern – Verdünnen statt junges Blut?

19. November 2026

Erst verkaufte eine Firma in Kalifornien junges Spenderplasma für 8000 Dollar pro Liter, dann kam aus dem Labor eine elegantere Idee: Vielleicht muss man altes Blut nicht verjüngen, sondern nur verdünnen. Am Menschen kam ein Effekt, und er ging wieder.

Worum es geht

Beim Plasmaaustausch läuft Blut durch eine Zentrifuge, die Zellen gehen zurück, das Plasma wird durch Albumin ersetzt; bei bestimmten Nerven- und Autoimmunerkrankungen ist das seit Jahrzehnten erprobt. Aufs Altern kam man über Mäuse mit gemeinsamem Kreislauf und über den Befund, dass altes Blut mehr bremst, als junges hilft. 2020 genügte bei alten Mäusen ein einziger Austausch gegen Kochsalz mit Albumin, damit Muskel, Leber und Gedächtniszentrum sich erholten. Die Folge geht die 3 Studien am Menschen durch und hört den Anwendern zu: einem Unternehmer, der nach 6 Austauschen keinen Nutzen fand, und Menschen mit Long COVID oder chronischem Erschöpfungssyndrom, die Besserung und Rückfall beschreiben. Am Ende steht eine Frage für die Praxis: Was genau wird gemessen, und wie sieht es nach der sechsten Sitzung aus?

Die Kernaussagen

  • In der Studie AMBAR, gesponsert vom Albuminhersteller Grifols, verschlechterte sich bei 347 Menschen mit leichtem bis mittlerem Alzheimer der Alltag über 14 Monate um 52 Prozent weniger als unter Scheinbehandlung.
  • Am Buck Institute bekamen 42 Gesunde über 50 in 4 Gruppen Austausch oder Scheinbehandlung; nach 3 Sitzungen waren epigenetische Uhren mit Immunglobulinen 2,6 Jahre jünger, mit Austausch allein 1,3 Jahre.
  • Nach 6 Sitzungen war in keiner Gruppe mehr ein Unterschied zur Scheinbehandlung messbar; die Autoren vermuten eine Gegenregulation. Funktion, Denken und Beschwerden wurden gar nicht erhoben.
  • Als Bericht: Bryan Johnson ließ 6 Austausche mit jungem Plasma machen, einen davon mit dem Plasma seines Sohnes, und meldete im Juli 2023 nach Blutwerten, Geräten und Bildgebung: kein Nutzen.
  • Als Bericht: Eine Niederländerin mit Long COVID zahlte im Ausland über 15.000 Euro in 2 Monaten und spürte keine Besserung; 6 andere fühlten sich nach einigen Runden besser, geheilt war niemand.
  • Scheinkontrolliert fanden Studien aus Spanien mit 50 und Mainz mit 40 Menschen keinen Unterschied; in einem Vorabdruck aus Suriname mit 18 Menschen halbierte sich der Erschöpfungswert auch in der Scheingruppe ungefähr.
  • Im Register der Welt-Apherese-Gesellschaft mit über 50.000 Behandlungen gab es bei gut 8 Prozent der ersten Sitzungen Nebenwirkungen, meist Kribbeln oder Blutdruckabfall, schwere in 0,4 Prozent.

Wo die Daten aufhören

Am gesunden Menschen gibt es eine kontrollierte Studie mit rund 10 Personen pro Gruppe, zugeteilt nach Anmeldedatum und behandelt in der Firma eines Mitautors; die Autoren nennen sie selbst hypothesengenerierend. Ob eine jüngere Uhr ein längeres Leben bedeutet, weiß niemand. Bei AMBAR lässt sich nicht trennen, was wirkt: der Austausch, das Albumin oder die Immunglobuline. Stand September 2026 ist in China eine Studie registriert, die Gebrechlichkeit misst, also Funktion, noch ohne Scheingruppe.

Wer Besserung berichtet, erlebt sie wirklich; die Scheinbehandlungen zeigen nur, dass viel davon auch ohne Austausch kommt. An der Charité sprachen 14 von 20 Betroffenen auf eine verwandte Filtermethode an, 7 rutschten wieder ab, in Rostock waren die Antikörper nach 3 bis 6 Monaten zurück. Ein Gesunder merkt vor allem die Rechnung: in einer deutschen Privatpraxis 1800 Euro pro Sitzung. Wer das Verfahren wegen einer Nerven- oder Autoimmunerkrankung bekommt, bleibt dabei.

Anhören

Spotify Apple Podcasts Amazon Music

Veröffentlicht am 19. November 2026.

Das Thema in der Datenbank

  • Das eigene Blutplasma wird ausgetauscht – die Idee dahinter: Alterungs- und Entzündungsfaktoren aus dem Blut entfernen („Plasma-Verdünnung"). MediziniTherapeutischer Plasmaaustausch (TPE)

Alle Folgen in der App

Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-25.