Podcast-Folge 134
Tongkat Ali und Fadogia – eine Pflanze geprüft, eine nicht
11. November 2026
Tongkat Ali und Fadogia werden meist im Doppelpack verkauft, doch nur eine der beiden Pflanzen wurde je am Menschen untersucht. Die Folge zeigt, was die Wurzel bei Männern mit niedrigem Testosteron tatsächlich bewegt — und warum ein Bluttest der bessere erste Schritt sein kann als die Kapsel.
Worum es geht
Tongkat Ali ist die Wurzel eines langsam wachsenden Baums aus Südostasien, Fadogia agrestis ein westafrikanischer Strauch aus der Kaffeeverwandtschaft; beide gelten als Testosteron-Pflanzen. Für die Wurzel gibt es randomisierte Studien: Bei Männern mit niedrigem Wert steigt das Testosteron messbar, aber klein, in der größten Studie an gesunden Männern blieb der Blutwert gleich. Spannend ist, dass sich in den Fragebögen trotzdem etwas bewegt, bei Erektionsfähigkeit, Belastbarkeit, Müdigkeit und Anspannung. Eine britische Umfrage zeigt, warum so viele Männer überhaupt zur Wurzel greifen: Beschwerden sind häufig, Diagnosen selten. Für Fadogia gibt es dagegen nur Rattenversuche. Am Ende steht keine Kaufempfehlung, sondern die Frage, ob der eigene Wert schon einmal gemessen wurde.
Die Kernaussagen
- Eine Meta-Analyse von 2022 fasste 5 randomisierte Studien mit 232 Männern zusammen: Insgesamt stieg das Testosteron signifikant, bei Männern mit normalem Ausgangswert allerdings nicht.
- In der saubersten Einzelstudie, doppelblind an 105 Männern zwischen 50 und 70 über 12 Wochen, stieg der Wert von rund 200 auf 225 Nanogramm pro Deziliter; die Studie selbst zieht die Grenze bei 300.
- Die größte Studie an gesunden Männern, 109 Teilnehmer über 12 Wochen, fand beim Testosteron keinen Unterschied zu Placebo, in den Fragebögen aber bessere Erektionsfähigkeit und Belastbarkeit.
- Die Erklärung auf vielen Packungen, Tongkat mache Testosteron frei, wurde an 32 jungen Männern nachgemessen: Transporteiweiß und Steuerhormone aus der Hirnanhangdrüse blieben unverändert.
- Die Werbezahlen stammen aus einer Studie mit 76 Männern ohne Placebogruppe und aus einem Plus von 37 Prozent im Speichel, bei Männern und Frauen gemischt, bezahlt vom Hersteller.
- In einer britischen Umfrage unter 973 Männern, bisher als Vorabdruck, hatte fast die Hälfte Beschwerden, die zu niedrigem Testosteron passen; diagnostiziert waren 4 Prozent.
- Für Fadogia gibt es nur Rattenversuche: Nach 5 Tagen stieg das Testosteron, nach 28 Tagen verschoben sich die Hodenwerte Richtung Schädigung; 5 von 17 Produkten enthielten keine nachweisbaren Pflanzenstoffe.
Wo die Daten aufhören
Fast alle Humandaten zu Tongkat hängen an einem malaysischen Hersteller: 7 der 9 Studien der Meta-Analyse nutzten denselben Extrakt, und auch die Studien mit den Fragebögen sind herstellernah. Die Uneinheitlichkeit zwischen den Studien lag bei 87 Prozent, dazu kamen Hinweise, dass unpassende Ergebnisse seltener veröffentlicht wurden. Ob ein Pulver aus dem Netz dasselbe ist, weiß niemand; 2018 enthielten im Gentest nur 37 Prozent der Proben eindeutig die richtige Pflanze. Länger als ein paar Monate wurde nicht geprüft, und es gibt Fallberichte zu Leber und Herzrhythmus sowie eine belegte Wechselwirkung mit dem Betablocker Propranolol.
Fragebögen messen, wie es jemandem geht, und das ist ein eigener Befund neben dem Laborwert; Erwartung wirkt dort aber stärker als im Blut. Eine Auszählung von Forenberichten gibt es nicht. Für Fadogia fehlt jede Studie am Menschen, für die Kombination ebenso. Beide Pflanzen sind in der EU nicht zugelassen, und ein niedriger Testosteronwert ist eine ärztliche Diagnose.
Anhören
Spotify Apple Podcasts Amazon Music
Veröffentlicht am 11. November 2026.
Das Thema in der Datenbank
- Wurzelextrakt aus Südostasien: Bei Männern mit niedrigem Testosteron zeigen mehrere Studien einen kleinen Anstieg, bei gesunden Männern nichts SignifiTongkat Ali
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-23.