Podcast-Folge 131
Liposomales Kreatin – fünfzehn Prozent bessere Aufnahme und was die Studie zeigt
8. November 2026
Liposomales Kreatin wirbt mit 15 Prozent besserer Aufnahme und 21 Prozent mehr Kreatin. Die beiden Zahlen gibt es wirklich — nur stammen sie aus einer Studie ohne Liposom, und die Folge schaut genau hin, was sie zeigen und was nicht.
Worum es geht
Ein Liposom ist ein winziges Fettbläschen, das einen Wirkstoff schützen und durch die Darmwand bringen soll. Bei manchen Stoffen funktioniert das, 1995 wurde in den USA das erste Arzneimittel dieser Art zugelassen. Die Technik setzt aber voraus, dass unterwegs etwas verloren geht, und vom Kreatin-Monohydrat kommen 99 Prozent an. Die Folge verfolgt die Packungszahlen bis zu ihrer Quelle, einer kleinen Blutmessung an einem Rohstoff in Wasser, und fragt, warum Menschen solche Produkte trotzdem kaufen: oft wegen des Bauchs. In einer großen Befragung von Kreatin-Nutzern waren Blähbauch und Wassereinlagerung die häufigsten Klagen, vor allem bei Frauen. Am Ende steht eine kostenlose Antwort darauf und eine Frage für den Einkauf: Was genau soll der Beutel besser machen, und ist genau das gemessen worden?
Die Kernaussagen
- Laut einer großen Übersicht von 2022 zerfällt weniger als 1 Prozent des Monohydrats bei der Verdauung, 99 Prozent landen im Gewebe oder im Urin.
- Die Packungszahlen stammen aus einer Studie mit 37 trainierten Männern, rund 11 pro Gruppe, die eine einzige Portion eines Rohstoffs in Wasser tranken und 6 Stunden lang Blut abgaben.
- Gegenüber gewöhnlichem Monohydrat lagen Blutkurve und Spitzenwert rund 15 und 21 Prozent höher, statistisch nicht signifikant; im Muskel wurde nichts gemessen, bezahlt hat der Rohstoffhersteller.
- Eine Titelsuche in der medizinischen Datenbank nach Liposom und Kreatin ergab 3 Treffer, alle über ein Enzym, und keine Veröffentlichung zu liposomalem Kreatin am Menschen.
- Frühere Sonderformen hielten nicht mit: Gepuffertes Kreatin brachte bei 36 Kraftsportlern über 28 Tage mit Muskelbiopsien keinen Vorteil, und von 343 randomisierten Kreatin-Studien verglichen nur 5 überhaupt verschiedene Formen.
- In einer Befragung von 2178 App-Nutzern wollten 98 Prozent weitermachen, doch nur 55 Prozent bemerkten einen Nutzen; bei Frauen zwischen 30 und 39 klagten 18 Prozent über einen Blähbauch.
- Bei 59 Fußballprofis führten 10 Gramm auf einmal bei 55 Prozent zu Durchfall, 2-mal 5 Gramm bei 28 Prozent und Placebo bei 35 Prozent.
Wo die Daten aufhören
Zu liposomalem Kreatin selbst gibt es am Menschen keine Daten, weder dafür noch dagegen. Ob sich bei trockenen Pulvern mit Sonnenblumen-Lecithin im Glas überhaupt Bläschen bilden, die das Kreatin einschließen, hat niemand veröffentlicht. Die Autoren der Rohstoffstudie schreiben selbst, bei praktisch vollständiger Aufnahme sei unklar, ob kleine Unterschiede im Blut im Körper etwas verändern; der Muskel holt sich Kreatin über einen eigenen Transporter.
Bequemlichkeit ist ein echter Grund: Wer einen Beutel lieber nimmt als knirschendes Pulver, bleibt vielleicht eher dran, und Kreatin wirkt nur bei regelmäßiger Einnahme. Man zahlt dann für den Beutel, gut 50 Cent pro Gramm gegen rund 4 Cent beim Monohydrat, nicht für bessere Aufnahme. Die Befragung beruht auf Selbstauskünften, und kontrollierte Studien finden unter Kreatin nicht mehr Nebenwirkungen als unter Placebo. Das Blähgefühl ist trotzdem real. Ob ein Liposom dagegen hilft, hat niemand geprüft; kleinere Portionen über den Tag verteilt kosten nichts. Wer eine Nierenerkrankung hat, spricht vorher ärztlich.
Anhören
Spotify Apple Podcasts Amazon Music
Veröffentlicht am 8. November 2026.
Das Thema in der Datenbank
- Kreatin-Monohydrat in einer Fetthülle oder mit Lecithin vermischt. Der Wirkstoff ist derselbe wie bei gewöhnlichem Monohydrat, das bereits zu 99 ProzeLiposomales Kreatin
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-23.