Podcast-Folge 115
Vitamin B6 – die Grenze wurde halbiert, ohne eine einzige neue Messung
23. Oktober 2026
Die europäische Obergrenze für Vitamin B6 liegt heute bei 12 Milligramm am Tag, vorher waren es 25. Dazwischen liegen 23 Jahre und keine einzige neue Untersuchung an Menschen. Diese Folge zeigt, wie das zusammenpasst und was es für die Dose im Schrank bedeutet.
Worum es geht
Beide Grenzwerte beruhen auf derselben englischen Fall-Kontroll-Studie von 1987 an Frauen aus einer Ambulanz für prämenstruelle Beschwerden. Im Jahr 2000 nahm der Ausschuss den Durchschnitt der Dosen, rund 100 Milligramm, und teilte durch 4; 2023 nahm die Behörde die niedrigste Gruppe, 50 Milligramm, und teilte wieder durch 4. Der kritische Effekt ist eine periphere Neuropathie, also Kribbeln, Taubheit und Brennen in Händen und Füßen; wie sie entsteht, ist unbekannt. Über das Essen erreicht niemand die Grenze, es geht um hochdosierte Präparate. Die Folge zeigt, dass solche Produkte seltene Ausreißer sind, wie du sie an der Prozentangabe auf der Rückseite erkennst, und dass die Halbierung keine Entdeckung war, sondern vorsichtigeres Rechnen.
Die Kernaussagen
- Erwachsene nehmen in europäischen Erhebungen über das Essen im Mittel 1,5 bis 3,1 Milligramm am Tag auf, die oberen 5 Prozent bis zu 5 — deutlich unter der Grenze von 12.
- In der Studie von 1987 an 172 Frauen berichteten in der niedrigsten Gruppe, unter 50 Milligramm über mindestens ein halbes Jahr, 48 Prozent Beschwerden, die zu einer Neuropathie passen.
- Aus den Menschendaten ergeben sich 12,5 Milligramm, aus einem Versuch an Beagles von 1978 über rund 107 Tage 11,7; die abgerundete Mitte ist die neue Grenze von 12.
- Unter 2210 Präparaten aus 24 EU-Ländern liegt die Hälfte zwischen 1 und 2 Milligramm, der Durchschnitt bei 3; über 20 Milligramm kommen 29 Produkte, 1,4 Prozent.
- Der Referenzwert hinter der Prozentangabe auf dem Etikett liegt bei 1,4 Milligramm; 12 Milligramm wären rund 850 Prozent, bei Sportlerprodukten fand die bayerische Lebensmittelüberwachung 3500 Prozent.
- Eine einheitliche europäische Höchstmenge für Präparate gibt es nicht: Die Niederlande haben 21 Milligramm festgelegt, in Deutschland gibt es nur einen Vorschlag von 0,9 Milligramm je Tagesdosis.
- In einem Fallbericht verschwanden die Beschwerden nach 2 Jahren mit 75 Milligramm binnen 3 Monaten nach dem Absetzen und kehrten bei 50 Milligramm nach 4 Monaten zurück.
Wo die Daten aufhören
Der Grenzwert hängt an einer einzigen Studie mit selbst berichteten Beschwerden aus einer Ambulanz. Das Gremium sagt das selbst und nennt die Datenlage begrenzt; der Faktor 4 steht für diese Unsicherheit und dafür, dass niedrigere Dosen langsamer wirken, nicht harmloser. Deshalb zählt die Dauer so viel wie die Höhe, und ein Wert, ab dem es verlässlich losgeht, ließ sich aus Menschendaten nicht bestimmen. Wie häufig bei 20 Milligramm etwas passiert, lässt sich nicht beziffern, weil es niemand vorausschauend erhoben hat.
Auch die Meldungen aus den Niederlanden, 224 bis Ende 2023, sind ausgezählte Selbstauskünfte und nicht repräsentativ: Seit dort im Oktober 2018 die Grenze gilt, wurden sie seltener, kommen aber weiter, bei niedrigeren Dosen, und die Tagesdosis erklärt nur 15 Prozent der Schwankungen der Blutwerte. Nach dem Absetzen bessern sich die Beschwerden oft, aber nicht immer vollständig. Wer Kribbeln in Händen oder Füßen bemerkt, lässt es abklären; wer ein Präparat auf ärztliche Anweisung nimmt, setzt es nicht wegen einer Folge ab.
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Veröffentlicht am 23. Oktober 2026.
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-22.