Podcast-Folge 112
PRP-Eigenblut – einunddreißig Fragen, neunundzwanzig ohne Unterschied
20. Oktober 2026
Die größte verblindete Studie, die je Eigenblut gegen Kochsalzlösung am Knie geprüft hat, stellte 2 Hauptfragen und 31 Nebenfragen. Bei beiden Hauptfragen und bei 29 der Nebenfragen fand sie keinen Unterschied. Diese Folge ordnet ein, was das für PRP bedeutet und was nicht.
Worum es geht
Bei PRP wird Blut abgenommen, geschleudert und das Konzentrat der Blutplättchen zurückgespritzt, ins Knie, an die Sehne oder in die Kopfhaut. Der Gedanke dahinter ist echt: Blutplättchen tragen Wachstumsfaktoren, die Reparaturzellen anlocken. Die Folge prüft, was davon am Knie messbar ankommt, und stützt sich auf eine australische Studie, in der weder die Teilnehmenden noch der spritzende Arzt noch die Messenden wussten, was in der Spritze war. Danach geht es um Tennisellenbogen und Haarausfall, wo die Lage anders aussieht, und um Verträglichkeit, Hygiene und Kosten. Am Ende korrigiert die Folge den eigenen Datenbankeintrag, der PRP als „etabliert" bei Arthrose und Tennisellenbogen geführt hatte.
Die Kernaussagen
- Geprüft wurden 288 Menschen ab 50 mit leichter bis mittlerer Arthrose an der Knieinnenseite: 3 Spritzen im Wochenabstand gegen 3 mit Kochsalzlösung, 12 Monate Nachbeobachtung.
- Beim Schmerz auf einer Skala von 0 bis 10 lag der Abstand zwischen den Gruppen bei 0,4 Punkten, spürbar wären erst 1,8; p gleich 0,17.
- Beim Knorpelvolumen verloren beide Gruppen gleich schnell, 1,4 gegen 1,2 Prozent; von 31 vorab festgelegten Nebenfragen zeigten 29 keinen Unterschied.
- An der Durchführung scheitert das Ergebnis nicht: 269 von 288 Teilnehmenden blieben bis zum Ende dabei, 97 Prozent bekamen alle 3 Spritzen.
- Beim Tennisellenbogen zeigen 6 randomisierte Studien mit 355 Patienten gegen Kochsalzlösung keinen Unterschied; gegen Kortison liegt Eigenblut in 26 Studien nach einem halben Jahr vorn.
- Beim Haarausfall fand eine Zusammenfassung von 43 randomisierten Studien mit 1877 Teilnehmern mehr Haardichte und weniger Haarverlust, aber keine dickeren Haare.
- In 32 randomisierten Studien mit 1268 behandelten Knien traten bei 18,7 Prozent Nebenwirkungen auf, fast nur leichter Schmerz und Schwellung; schwere Ereignisse gab es keine.
Wo die Daten aufhören
Die Kniestudie gilt für ein Produkt, ein Protokoll und eine Indikation: leukozytenarmes Plasma bei leichter bis mittlerer Arthrose. Wer meint, eine andere Aufbereitung würde besser wirken, müsste das erst gegen Kochsalzlösung prüfen lassen. Für Sehne und Kopfhaut ist die Frage offen, nicht erledigt — am Ellenbogen gewinnt PRP nur gegen einen schwachen Vergleich, und für die Haare nennen die Autoren die Evidenz mäßig, bei sehr verschieden gebauten Studien und nirgends gleicher Herstellung.
Das eigentliche Sicherheitsproblem ist die Hygiene. In New Mexico wurden zwischen 2018 und 2023 bei 5 Menschen HIV-Infektionen diagnostiziert, nach kosmetischen Behandlungen mit Mikronadeln und Eigenplasma ohne Sterilisator und ohne Zulassung; 198 frühere Kundinnen wurden nachuntersucht. Die gesetzliche Kasse zahlt nicht, deutsche Praxen nennen öffentlich gut 100 bis über 600 Euro je Sitzung, üblich sind 3 Sitzungen. Die deutsche orthopädische Fachgesellschaft empfiehlt die Spritze derzeit nicht, die internationale Arthrose-Gesellschaft und die amerikanischen Rheumatologen raten ab.
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Veröffentlicht am 20. Oktober 2026.
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- Plättchenreiches Plasma aus dem eigenen Blut, aufkonzentriert und zurückgespritzt – setzt Wachstumsfaktoren frei für Gelenke, Haut und Haar.PRP (Eigenbluttherapie)
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-22.