Podcast-Folge 106
Retatrutid – dreißig Komma drei Prozent, und wem die Zahl gehört
14. Oktober 2026
30,3 Prozent Gewichtsverlust: Die Zahl zu Retatrutid steht überall, und sie ist der größte Gewichtsverlust, der je gemessen wurde. Sie stimmt — nur gilt sie für eine kleine, ausgewählte Gruppe ohne Vergleich, und nachlesen kann sie bisher niemand.
Worum es geht
Retatrutid wird einmal die Woche gespritzt und arbeitet an 3 Andockstellen gleichzeitig: GLP-1, GIP und Glukagon. Die Folge nimmt die große Phase-3-Studie TRIUMPH-1 auseinander und zeigt, dass aus ihr 3 verschiedene Spitzenwerte stammen, je nach Auswertungsregel und Teilgruppe. Dazu kommt der Preis in Nebenwirkungen und Abbrüchen, und die Frage, woher diese Zahlen überhaupt kommen: aus einer Mitteilung des Herstellers und einem Kongressvortrag, nicht aus einer begutachteten Arbeit. Zum Schluss geht es um den Graumarkt, denn zugelassen ist der Stoff nirgends, bestellt wird er trotzdem. Am Ende steht eine Regel, die über dieses Mittel hinaus gilt: bei jeder Zahl zuerst fragen, für wen sie gilt.
Die Kernaussagen
- TRIUMPH-1 hat 2339 Teilnehmende doppelblind auf 3 Dosisstufen und Placebo verteilt; nach 80 Wochen verloren sie 19, 25,9 und 28,3 Prozent, unter Placebo 2,2.
- Zählt man alle, auch wer nicht durchhält, sind es 17,6, 23,7 und 25,0 Prozent gegen 3,9 — dieselben Menschen, eine zweite vorher festgelegte Auswertungsregel.
- Die 30,3 Prozent stammen aus einer Verlängerung auf 104 Wochen mit 532 ausgewählten Teilnehmenden, Körpermasseindex ab 35, ohne Abbruch — und ohne Placebogruppe.
- Übelkeit trat je nach Dosisstufe bei 28,6 bis 42,4 Prozent auf, gegen 14,8 unter Placebo; in der höchsten Stufe brachen 11,3 Prozent ab, 12,5 Prozent berichteten Kribbeln oder Taubheit der Haut.
- Begutachtet und vollständig lesbar ist dagegen die Phase-2-Studie von 2023 an 338 Erwachsenen: minus 24,2 Prozent in der höchsten Dosisstufe gegen minus 2,1 nach 48 Wochen.
- In 29 Millionen amerikanischen Behandlungsakten ließ sich bei 531 Menschen die Herkunft klären; 71,2 Prozent hatten den Stoff aus keiner Studie und verloren 7,2 Prozent, Studienteilnehmer 15,5.
- Die Folge vergibt Human-Evidenz 9, Sicherheit 6, Anwendung 4, Mechanismus 8 und Hype 4 bei positiver Richtung — Verbreitung auf dem Graumarkt zählt nicht als Anwendung.
Wo die Daten aufhören
Jede Zahl zu TRIUMPH-1 stammt aus zweiter Hand, aus der Mitteilung des Herstellers vom 21. Mai und einem Kongressvortrag Anfang Juni. Die einzige begutachtete Arbeit zur Studie beschreibt nur ihre Planung; Vertrauensbereiche, Gewichtskurve und Einzelwerte fehlen. Einen veröffentlichten Wert nach dem Absetzen gibt es in keiner dieser Studien, und für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Sterblichkeit ist keine gebaut. Wo solche Ereignisse bei Herzkranken trotzdem gezählt wurden, stehen 27 gegen 23 und 44 gegen 52 — entgegengesetzte Richtungen, beide Zahlen zu klein. Dass der dritte Hebel, das Glukagon, den Unterschied macht, ist eine Erzählung; einzeln geprüft hat ihn niemand.
Der Stoff ist nirgends zugelassen, der Antrag soll im ersten Quartal des kommenden Jahres kommen. Was außerhalb der Studien gehandelt wird, ist nicht der Stoff aus diesen Zahlen. Die Aktenauswertung und eine Auswertung von 148.000 Reddit-Beiträgen sind Vorabdrucke ohne Begutachtung; dass dort gesteigerter Appetit mit 17,1 Prozent vor der Übelkeit steht, belegt nichts und zeigt nur, wo man hinsehen müsste.
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Veröffentlicht am 14. Oktober 2026.
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- Der bisher stärkste Abnehm-Wirkstoff aus den Studien: ein Dreifach-Ansatz von Eli Lilly, der den Appetit zügelt und den Energieverbrauch anhebt – in PRetatrutide
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-22.