Peptid & Experimentelles
Teriparatid
Rekombinantes Parathormon-Fragment PTH(1-34), knochenaufbauendes Osteoporose-Medikament (zugelassen, verschreibungspflichtig) · Teriparatide, Forsteo (EU), Forteo (USA), rhPTH(1-34), Parathormon-Fragment, Biosimilars z. B. Movymia, Terrosa, Livogiva
Teriparatid baut Knochen aktiv auf, statt nur den Abbau zu bremsen. Es ist ein Stück des körpereigenen Parathormons, in der EU seit 2003 gegen schwere Osteoporose zugelassen und in großen Studien mit Bruchendpunkten geprüft. Als Heilungsbeschleuniger nach Brüchen oder Sehnenverletzungen hat es sich dagegen bisher nicht bewährt.
Kurz gesagt
Teriparatid besteht aus den ersten 34 Aminosäuren des Parathormons und wird einmal täglich unter die Haut gespritzt. In der Zulassungsstudie mit 1637 Frauen nach den Wechseljahren traten neue Wirbelbrüche bei 5 Prozent unter der Zulassungsdosis auf, unter Placebo bei 14 Prozent; im direkten Vergleich mit dem Bisphosphonat Risedronat lagen neue Wirbelbrüche bei 5,4 gegenüber 12,0 Prozent. In der EU ist es seit 2003 als Forsteo zugelassen, inzwischen auch als Biosimilar, verschreibungspflichtig und auf 24 Monate im Leben begrenzt. Der Haken: Ein Schutz vor Hüftbrüchen ist nicht nachgewiesen, und für die schnellere Heilung von Brüchen oder Sehnen fanden randomisierte Studien keinen überzeugenden Vorteil.
Was es ist
Das körpereigene Parathormon besteht aus 84 Aminosäuren und ist der Hauptregler des Kalzium- und Phosphathaushalts. Teriparatid entspricht genau dessen ersten 34 Aminosäuren, dem aktiven Abschnitt, daher auch die Bezeichnung rhPTH(1-34). Hergestellt wird es gentechnisch in Bakterien.
Der Hersteller Eli Lilly brachte es als Forsteo, in den USA als Forteo, auf den Markt. Die europäische Zulassung stammt vom 10. Juni 2003. Inzwischen gibt es mehrere Biosimilars, also nachgebaute biologische Präparate, zum Beispiel Movymia seit 11. Januar 2017, Terrosa oder Livogiva.
In der Biohacking-Welt steht Teriparatid neben seinem jüngeren Verwandten Abaloparatid. Beide sind keine Forschungspeptide, sondern geprüfte Arzneimittel mit Fachinformation und Pharmakovigilanz. Das Interesse jenseits der Osteoporose richtet sich vor allem auf die Heilung von Knochen und Sehnen.
Wie es wirkt
Knochen wird ständig ab- und aufgebaut. Parathormon kann beides anstoßen; laut Fachinformation hängt die Wirkung davon ab, wie der Knochen dem Hormon ausgesetzt ist. Die einmal tägliche Gabe regt die knochenbildenden Zellen stärker an als die knochenabbauenden und lässt neue Knochensubstanz an den Bälkchen im Inneren und an der Außenschicht wachsen.
Der Rhythmus ergibt sich aus der Pharmakologie. Die Halbwertszeit nach der Spritze liegt bei etwa 1 Stunde. Der Kalziumspiegel im Blut steigt leicht an, erreicht nach 4 bis 6 Stunden sein Maximum und ist nach 16 bis 24 Stunden wieder beim Ausgangswert.
Am Menschen ist die Wirkkette gemessen, von den Aufbaumarkern im Blut über die Knochendichte bis zur Bruchrate. In der Zulassungsstudie stieg die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule unter der Zulassungsdosis um 9 Prozentpunkte mehr als unter Placebo.
Was gut belegt ist
Sehr gut belegt ist der Schutz vor Wirbelbrüchen bei Frauen nach den Wechseljahren mit schwerer Osteoporose. Die Zulassungsstudie senkte das relative Risiko neuer Wirbelbrüche auf 0,35 und das Risiko von Brüchen außerhalb der Wirbelsäule ebenfalls deutlich; laut Fachinformation müssen 11 Frauen behandelt werden, um einen Wirbelbruch zu verhindern. Der Vorteil hielt nach dem Absetzen an: In einer Nachbeobachtung mit 1262 Frauen hatten über median 18 Monate 41 Prozent weniger aus der früheren Teriparatid-Gruppe einen neuen Wirbelbruch.
Nach Angabe der Autoren war die VERO-Studie die erste, die zwei Osteoporose-Medikamente mit Brüchen als primärem Endpunkt direkt verglich: Teriparatid schlug Risedronat bei neuen Wirbelbrüchen und bei klinischen Brüchen. Auch bei Osteoporose durch Kortisontherapie war Teriparatid dem Bisphosphonat Alendronat bei Knochendichte und Wirbelbrüchen überlegen. Bei Männern stieg die Knochendichte deutlich.
Was die Studien zeigen
Neer et al., NEJM 2001
Die Zulassungsstudie mit 1637 Frauen nach den Wechseljahren, die bereits Wirbelbrüche hatten. Sie spritzten täglich eine von zwei Dosen Teriparatid oder Placebo, median beobachtet über 21 Monate. Neue Wirbelbrüche traten bei 14 Prozent unter Placebo auf, bei 5 und 4 Prozent in den beiden Teriparatid-Gruppen, relatives Risiko 0,35 und 0,31. Brüche außerhalb der Wirbelsäule durch geringe Belastung sanken von 6 auf 3 Prozent. Die höhere Dosis brachte mehr Knochendichte, aber keinen zusätzlichen Bruchschutz und mehr Nebenwirkungen. Die Studie wurde vorzeitig beendet, weil bei Ratten Knochentumoren aufgetreten waren.
VERO, Lancet 2018
Doppelblinder Vergleich mit Scheinpräparaten auf beiden Seiten, 1360 Frauen mit schwerer Osteoporose, je 680 pro Gruppe, 24 Monate Teriparatid gegen Risedronat. Primärer Endpunkt neue Wirbelbrüche, erreicht: 5,4 gegenüber 12,0 Prozent, relatives Risiko 0,44. Klinische Brüche 4,8 gegenüber 9,8 Prozent. Brüche außerhalb der Wirbelsäule 4,0 gegenüber 6,1 Prozent, statistisch nicht gesichert. Finanziert von Eli Lilly.
Saag et al., NEJM 2007
428 Frauen und Männer, die seit mindestens 3 Monaten Kortison nahmen, 18 Monate doppelblind Teriparatid gegen Alendronat. Die Knochendichte der Lendenwirbelsäule stieg um 7,2 gegenüber 3,4 Prozent. Neue Wirbelbrüche 0,6 gegenüber 6,1 Prozent, Brüche außerhalb der Wirbelsäule 5,6 gegenüber 3,7 Prozent ohne signifikanten Unterschied. Erhöhte Kalziumwerte waren unter Teriparatid häufiger.
Aspenberg et al., J Bone Miner Res 2010
Die wichtigste Studie zur Heilungsfrage: 102 Frauen mit Speichenbruch am Handgelenk, 8 Wochen Placebo oder eine von zwei Teriparatid-Dosen. Der primäre Vergleich, höhere Dosis gegen Placebo, verfehlte das Ziel (p = 0,523). Nur in einer nachträglichen Auswertung heilte der Bruch unter der niedrigeren Dosis im Median nach 7,4 statt 9,1 Wochen.
Wo die Daten aufhören
Ein Schutz vor Hüftbrüchen ist nicht nachgewiesen; die Fachinformation sagt das ausdrücklich. Bei Männern ist die Knochendichte gut belegt, eine signifikante Wirkung auf die Bruchhäufigkeit aber nicht. Auch im Vergleich mit Risedronat blieb der Vorteil bei Brüchen außerhalb der Wirbelsäule statistisch unsicher.
Die Hoffnung auf schnellere Heilung hat sich in Studien bislang nicht erfüllt. Eine Meta-Analyse von 5 randomisierten Studien mit 380 Patienten fand bessere Funktion, aber keine schnellere oder häufigere Heilung im Röntgenbild und keine geringeren Schmerzen. Bei Schenkelhalsbrüchen (159 Patienten) wurden unter Teriparatid 17 Prozent erneut operiert, unter Placebo 14 Prozent. Bei Beckenbrüchen (35 Patienten) waren nach 3 Monaten 50 gegenüber 53 Prozent verheilt, die körperliche Leistung besserte sich allerdings nur unter Teriparatid. Nach Rekonstruktion der Rotatorenmanschette an der Schulter (50 Patienten) fand eine dreifach verblindete Studie nach 1 Jahr keinen Unterschied, erneute Risse bei 8,7 gegenüber 10 Prozent. Für Gesunde ohne Osteoporose gibt es keine Daten.
Status, Zulassung und Recht
In der EU seit 10. Juni 2003 als Forsteo zugelassen, dazu mehrere Biosimilars. Anwendungsgebiete: Osteoporose bei Frauen nach den Wechseljahren und bei Männern mit hohem Bruchrisiko sowie Osteoporose durch langfristige Kortisontherapie. Verschreibungspflichtig. Laut Fachinformation 20 Mikrogramm einmal täglich unter die Haut, insgesamt höchstens 24 Monate, und diese Behandlung soll im Leben nicht wiederholt werden; das ist eine Fachinfo-Angabe, keine Anwendungsempfehlung. In den USA ist Forteo zugelassen; dort wurde 2020 der Warnhinweis im schwarzen Kasten zu Knochentumoren gestrichen, und eine Anwendung über 2 Jahre hinaus kommt in Betracht, wenn das Bruchrisiko hoch bleibt. Eine Anwendung zur Heilung von Brüchen oder Sehnen ist Off-Label. In der deutschen Übersetzung der WADA-Verbotsliste 2026 ist Teriparatid nicht namentlich aufgeführt; wer Wettkampfsport treibt, klärt das vorab mit der NADA.
Sicherheit
In den Studien berichteten 82,8 Prozent unter Teriparatid und 84,5 Prozent unter Placebo mindestens ein unerwünschtes Ereignis. Am häufigsten sind Übelkeit, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und Schwindel. In den ersten Anwendungen kann innerhalb von 4 Stunden der Blutdruck beim Aufstehen kurz absacken. Die Harnsäure lag bei 2,8 Prozent über dem Normbereich, unter Placebo bei 0,7 Prozent. Im Vergleich mit Abaloparatid war Hyperkalzämie unter Teriparatid häufiger, 6,4 gegenüber 3,4 Prozent. Nicht angewendet wird es in Schwangerschaft und Stillzeit, bei vorbestehend erhöhtem Kalzium, schwerer Nierenschwäche, anderen Knochenstoffwechselkrankheiten wie Morbus Paget, ungeklärt erhöhter alkalischer Phosphatase, früherer Bestrahlung des Skeletts, Knochenkrebs oder Knochenmetastasen sowie bei offenen Wachstumsfugen. Vorsicht mit Digitalis. Ratten, die fast lebenslang behandelt wurden, entwickelten dosisabhängig Osteosarkome. Beim Menschen zeigte eine 15-jährige US-Überwachung kein erhöhtes Risiko: 3 beobachtete Fälle nach Teriparatid bei 4,17 erwarteten.
BK-Score Gut belegt
| Human-Evidenz | 9 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 9 | |
| Sicherheits-Datenlage | 9 | |
| Hype-Abstand | 7 | |
| Anwendungserfahrung | 8 |
Evidenz 9: Zwei große doppelblinde Studien mit Bruchendpunkten tragen die Zulassung, die Zulassungsstudie mit 1637 Frauen (neue Wirbelbrüche 5 gegenüber 14 Prozent) und VERO mit 1360 Frauen, in der Teriparatid Risedronat schlug (5,4 gegenüber 12,0 Prozent); dazu der Vorteil gegenüber Alendronat bei Kortison-Osteoporose. Die volle 10 gibt es nicht, weil ein Schutz vor Hüftbrüchen nicht nachgewiesen ist, bei Männern nur die Knochendichte belegt ist und die erhoffte Heilungsbeschleunigung in randomisierten Studien nicht bestätigt wurde (Speichenbruch, Schenkelhals, Rotatorenmanschette; Meta-Analyse von 5 RCTs mit 380 Patienten). Mechanismus 9: Zielrezeptor, Kalziumverlauf, Knochendichte und Bruchrate sind am Menschen gemessen. Sicherheit 9: kontrollierte Daten aus der Zulassung, Marktbeobachtung seit 2003 und eine 15-jährige US-Überwachung ohne erhöhtes Osteosarkom-Risiko (3 beobachtete gegenüber 4,17 erwarteten Fällen); offen bleiben Daten jenseits von 2 Jahren. Hype 7, weil das Mittel bei Osteoporose auf Höhe der Daten kommuniziert wird, die Erwartung an schnellere Heilung von Knochen und Sehnen aber über die Daten hinausgeht. Anwendung 8: seit 2003 in der EU unter ärztlicher Aufsicht, inzwischen mit mehreren Biosimilars.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Teriparatid
Was ist Teriparatid?
Teriparatid ist der aktive Abschnitt des körpereigenen Parathormons, gentechnisch hergestellt. Täglich unter die Haut gespritzt, baut es Knochen auf. Es ist gegen Osteoporose mit hohem Bruchrisiko zugelassen, in der EU als Forsteo und als Biosimilar.
Wie gut wirkt Teriparatid gegen Knochenbrüche?
In der Zulassungsstudie traten neue Wirbelbrüche bei 5 Prozent der behandelten Frauen auf, unter Placebo bei 14 Prozent. Im direkten Vergleich mit Risedronat waren es 5,4 gegenüber 12,0 Prozent. Einen Schutz vor Hüftbrüchen konnten die Studien nicht nachweisen.
Was ist der Unterschied zwischen Teriparatid und Abaloparatid?
Beide wirken über denselben Rezeptor und bauen Knochen auf. Teriparatid ist ein Stück des Parathormons, Abaloparatid ein Abkömmling des verwandten Peptids PTHrP. Hyperkalzämie war unter Abaloparatid seltener, 3,4 gegenüber 6,4 Prozent; Teriparatid ist dafür deutlich länger auf dem Markt.
Beschleunigt Teriparatid die Heilung von Brüchen oder Sehnen?
Die Tierdaten sahen vielversprechend aus, randomisierte Studien am Menschen überzeugen bisher nicht. Beim Handgelenksbruch verfehlte die Hauptauswertung ihr Ziel, bei Schenkelhals- und Beckenbrüchen heilte der Knochen nicht besser, und nach einer Schulteroperation an der Rotatorenmanschette gab es keinen Unterschied zu Placebo.
Wie lange darf man Teriparatid nehmen?
In der EU ist die Behandlung auf insgesamt 24 Monate begrenzt und soll im Leben nicht wiederholt werden. Grund sind Knochentumoren bei Ratten, die fast lebenslang behandelt wurden. Beim Menschen fand eine 15-jährige Überwachung in den USA kein erhöhtes Risiko.
Welche Nebenwirkungen hat Teriparatid?
Häufig sind Übelkeit, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und Schwindel. Zu Beginn kann der Blutdruck nach der Spritze beim Aufstehen kurz abfallen. Der Kalziumspiegel steigt nach jeder Spritze vorübergehend an, gelegentlich über den Normbereich.
Quellen
- Neer et al., NEJM 2001 – Zulassungsstudie, 1637 Frauen
- Kendler et al., Lancet 2018 – VERO, Teriparatid gegen Risedronat
- Saag et al., NEJM 2007 – Kortison-bedingte Osteoporose, Teriparatid gegen Alendronat
- Orwoll et al., J Bone Miner Res 2003 – Knochendichte bei 437 Männern
- Aspenberg et al., J Bone Miner Res 2010 – Speichenbruch, 102 Frauen
- Shi et al., PLoS One 2016 – Meta-Analyse zur Frakturheilung
- Guity et al., JB JS Open Access 2025 – Rotatorenmanschette, dreifach verblindet
- Gilsenan et al., J Bone Miner Res 2021 – 15 Jahre Osteosarkom-Überwachung
- EMA – Forsteo, Fachinformation (deutsch)
- Krege et al., JBMR Plus 2022 – Streichung des Warnhinweises in den USA
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-27.