Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Phenylethylamin (PEA)

Körpereigenes Spurenamin, TAAR1-Agonist mit amphetaminähnlicher Wirkung im Zellversuch; in der EU nicht als Lebensmittelzutat zugelassen, im Wettkampfsport verboten · β-Phenylethylamin, 2-Phenylethylamin, Phenethylamin, PEA-HCl, verwandt: Hordenin (N,N-Dimethyltyramin); nicht zu verwechseln mit Palmitoylethanolamid (ebenfalls PEA)

Phenylethylamin, kurz PEA, ist ein körpereigener Botenstoff, chemisch der Grundbaustein der Amphetamine. In der Szene gilt es als kurzer Stimmungs- und Fokus-Kick, oft kombiniert mit Hordenin aus der Gerste. Der Mechanismus ist spannend und gut erforscht, die Anwendung als Supplement dagegen kaum.

Kurz gesagt

PEA ist ein sogenanntes Spurenamin, das der Körper selbst aus der Aminosäure Phenylalanin bildet. Es aktiviert den Rezeptor TAAR1 und hemmt in Zellversuchen ähnlich stark wie Amphetamin die Transporter für Noradrenalin und Dopamin. Der Haken: Geschlucktes PEA wird durch das Enzym MAO-B so schnell abgebaut, dass es im Urin kaum ankommt, und kontrollierte Studien zu Stimmung, Fokus oder Fettabbau gibt es nicht. Die bekannten Depressionsdaten stammen aus unkontrollierten Studien, in denen PEA immer mit einem verschreibungspflichtigen MAO-B-Hemmer kombiniert wurde. Für Wettkampfsportler ist PEA verboten.

Was es ist

Phenylethylamin ist eines der einfachsten Moleküle der Neurochemie: ein Benzolring mit einer kurzen Aminokette. Aus diesem Grundgerüst leiten sich Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin ab, aber auch Amphetamin und viele Designerdrogen. PEA selbst entsteht im Körper in winzigen Mengen und wird deshalb zu den Spurenaminen gezählt, zusammen mit Tyramin, Tryptamin und Octopamin.

Im Supplement-Handel wird PEA meist als Hydrochlorid verkauft, als Einzelprodukt oder als Zutat in Pre-Workout-, Fatburner- und Stimmungsmischungen. Häufig wird es mit Hordenin kombiniert. Ein Hinweis zur Verwechslung: Die Abkürzung PEA steht im Handel auch für Palmitoylethanolamid, einen ganz anderen Stoff aus dem Bereich Schmerz und Entzündung. Dieser Eintrag betrifft nur Phenylethylamin.

Oft zu lesen ist, Schokolade sei eine PEA-Quelle und erkläre das Glücksgefühl beim Naschen. Eine Analyse von Kakaoprodukten fand PEA allerdings nur in wenigen Proben und in deutlich geringeren Mengen als andere biogene Amine. In Wein kommt es ebenfalls in Spuren vor.

Wie es wirken soll

Lange galt PEA als Nebenprodukt ohne eigene Aufgabe. Das änderte sich 2001 mit der Entdeckung einer eigenen Rezeptorfamilie für Spurenamine, der TAAR. Der wichtigste davon, TAAR1, kommt vor allem in limbischen Hirnregionen und in Arealen der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin vor, die mit Stimmung, Aufmerksamkeit und Sucht zu tun haben. PEA ist an TAAR1 ein voller Agonist und dient in der Forschung als Referenzsubstanz. Welche Rolle TAAR1 im Alltag genau spielt, ist allerdings noch umstritten.

Dazu kommt ein amphetaminähnlicher Effekt. In einer Zellstudie hemmte PEA den Noradrenalin-Transporter mit einer IC50 von 0,05 µM und den Dopamin-Transporter mit 1,8 µM. D-Amphetamin lag im selben Versuch bei 0,09 und 1,3 µM, also in derselben Größenordnung. Am Serotonin-Transporter wirkte PEA nicht. Das wäre die Grundlage für den beschriebenen Antrieb: mehr Noradrenalin und Dopamin zwischen den Nervenzellen.

Der entscheidende Unterschied zu Amphetamin ist der Abbau. PEA wird von der Monoaminoxidase B abgebaut, und zwar so rasch, dass die Depressionsstudien der 1990er-Jahre eigens einen MAO-B-Hemmer dazugaben. Dopinglabore fanden nach einmaliger Einnahme kaum oder gar keinen Anstieg von PEA im Urin, nur seine Abbauprodukte stiegen. Das spricht dafür, dass ein Großteil schon beim Schlucken verstoffwechselt wird.

Hordenin: der Begleiter im Stack

Hordenin ist ein Alkaloid aus keimender Gerste und steckt deshalb auch in Bier. Chemisch ist es ein N,N-Dimethyl-Abkömmling des Tyramins und damit ein Verwandter von PEA. In der Szene wird es mit PEA kombiniert, weil es ebenfalls von MAO-B abgebaut wird und so den PEA-Abbau bremsen soll. Belegt ist, dass Hordenin in Rattenleber ein hochselektives MAO-B-Substrat ist. Ob das beim Menschen PEA länger wirken lässt, hat niemand untersucht.

Eigenständig interessant ist ein Befund von 2017: Hordenin aktiviert im Zellversuch den Dopamin-D2-Rezeptor, mit einer Bindungsstärke von 13 µM. Am Menschen gibt es nur Pharmakokinetik. Nach Biergenuss lag die Halbwertszeit bei 4 Freiwilligen zwischen 52,7 und 66,4 Minuten, nach einem Supplement im Mittel bei 54 Minuten. Die Autoren der Bierstudie halten die erreichten Spiegel für zu niedrig für eine direkte Rezeptorwirkung. Studien zu Stimmung, Fokus oder Fettabbau mit Hordenin gibt es nicht.

Was gut belegt ist

Gut belegt ist die Biologie. PEA ist ein echter körpereigener Botenstoff mit eigenem Rezeptor, und seine amphetaminähnliche Wirkung an den Transportern für Noradrenalin und Dopamin ist in Zellstudien quantifiziert. Im Tierversuch löst es Antrieb und Belohnungsverhalten aus, vermittelt über Dopaminrezeptoren.

Spannend ist auch der Zusammenhang mit Bewegung. In einer Pilotstudie mit 20 Männern stieg die Ausscheidung von Phenylessigsäure, dem Hauptabbauprodukt von PEA, nach 30 Minuten Laufen um 77 Prozent. Die Autoren sehen darin einen möglichen Baustein dafür, warum Sport die Stimmung hebt. Das ist ein plausibler Gedanke, der die Faszination für PEA gut erklärt, auch wenn er nichts über geschlucktes PEA aussagt.

Was die Studien zeigen

Die PEA-Hypothese der Depression

Die Arbeitsgruppe um Sabelli verfolgte ab den 1970er-Jahren die Idee, dass ein PEA-Mangel eine Form der Depression erklärt. 1986 fand sie bei 23 unbehandelten Depressiven im Plasma weniger Phenylessigsäure als bei 12 Gesunden, im Urin 78,2 gegenüber 141,1 mg pro Tag. Die Idee ist nie in großen Studien geprüft worden, bleibt aber ein origineller Ansatz.

PEA plus Selegilin bei Depression

In einer Nachbeobachtung von 1996 hatten 14 Menschen mit Major Depression auf PEA angesprochen, immer kombiniert mit dem MAO-B-Hemmer Selegilin, der den Abbau verhindern sollte. Nach 20 bis 50 Wochen hielt die Besserung bei 12 von ihnen an, Nebenwirkungen fielen nicht auf. Es gab weder Kontrollgruppe noch Verblindung, und die Wirkung lässt sich nicht von der des Selegilins trennen.

Die einzige Placebostudie

Die einzige randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie mit geschlucktem PEA stammt aus der Lebensmittelforschung von 1983. 27 Gesunde bekamen PEA, Histamin oder Tyramin in Apfelsaft. Nur PEA löste bei einigen Kopfschmerz, Schwindel und Unwohlsein aus. Gemessen wurden Beschwerden, nicht Stimmung oder Leistung.

Was im Urin ankommt

Seit PEA 2015 auf die Dopingliste kam, haben Labore untersucht, wie sich eine Einnahme nachweisen lässt. In einer Studie stieg PEA im Urin nach einer einmaligen Gabe nur mäßig, in einer zweiten gar nicht, während Abbauprodukte deutlich zunahmen. Das bestätigt den raschen Abbau.

Wo die Daten aufhören

Für die Versprechen, mit denen PEA verkauft wird, fehlt die Grundlage. Es gibt keine kontrollierte Studie, die mehr Fokus, bessere Stimmung, mehr Trainingsleistung oder Fettabbau nach PEA-Einnahme zeigt. Die Depressionsdaten sind unkontrolliert, stammen im Wesentlichen aus einer Arbeitsgruppe und nutzen einen Arzneistoff als Partner. Wie viel geschlucktes PEA überhaupt ins Gehirn gelangt, ist nicht gemessen.

Ungeprüft ist auch die Stack-Logik mit Hordenin: Dass es PEA vor dem Abbau schützt, ist eine Ableitung aus Rattenversuchen, keine Messung am Menschen.

Status, Zulassung und Recht

PEA ist in Deutschland weder als Arzneimittel noch als Lebensmittelzutat zugelassen. Im Novel-Food-Katalog der EU gibt es keinen Eintrag zu PEA oder Hordenin, in der Unionsliste zugelassener neuartiger Lebensmittel ebenfalls nicht. Behörden in Tschechien, Polen und Slowenien haben PEA in Nahrungsergänzungsmitteln im EU-Schnellwarnsystem gemeldet, Slowenien 2025 als nicht zugelassene neuartige Zutat, Polen meldete 2023 und 2026 Hordenin. PEA ist nicht verschreibungspflichtig und kein Betäubungsmittel, und aus dem Gesetz über neue psychoaktive Stoffe ist PEA selbst ausdrücklich ausgenommen. Im Sport steht es als Phenethylamin samt Abkömmlingen auf der WADA-Liste und ist im Wettkampf verboten. Hordenin wird dort nicht namentlich genannt, die US-Anti-Doping-Agentur führt es als nicht verboten, der US-Hochschulsportverband NCAA verbietet es.

Sicherheit

Systematische Sicherheitsdaten gibt es nicht. In der einzigen Placebostudie traten Kopfschmerz, Schwindel und Unwohlsein auf. Kritisch ist die Kombination mit MAO-Hemmern: Sie erhöhen Spurenamine wie PEA deutlich, und diese können den Blutdruck steigern. Ein Fallbericht beschreibt Panikattacken und Stimmungsschwankungen unter online bestelltem Selegilin plus PEA, ein anderer eine Hirnblutung nach einem mit PEA verunreinigten Kratom-Produkt. Im Tierversuch wirkt PEA belohnend, Ratten verabreichten es sich selbst. Nicht geeignet ist PEA bei Einnahme von MAO-Hemmern, Antidepressiva oder Stimulanzien, bei Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Angst- oder Panikstörungen sowie in Schwangerschaft und Stillzeit. Die Produktqualität ist ein eigenes Risiko: Die niederländische Lebensmittelbehörde fand in 264 von 416 geprüften Supplements pharmakologisch wirksame Stoffe, darunter PEA und Hordenin.

BK-Score Hype weit vor Evidenz

Human-Evidenz2
Mechanismus4
Sicherheits-Datenlage2
Hype-Abstand3
Anwendungserfahrung4

Evidenz 2, weil es zu PEA als Supplement keine randomisierte Wirksamkeitsstudie gibt: Die Depressionsdaten sind unkontrollierte Serien einer Arbeitsgruppe mit dem MAO-B-Hemmer Selegilin als Partner (Sabelli 1996: 12 von 14 mit anhaltender Besserung über 20 bis 50 Wochen), die Sportstudie misst nur ein Abbauprodukt im Urin (Szabo 2001: +77 % bei 20 Männern), und die einzige Placebostudie (Lüthy 1983, 27 Gesunde) erfasste nur Beschwerden. Mechanismus 4, weil TAAR1-Aktivierung und amphetaminähnliche Transporterhemmung in Zellstudien gut quantifiziert sind (Rickli 2019: IC50 0,05 und 1,8 µM), aber orales PEA laut Dopinganalytik weitgehend abgebaut wird, bevor es im Urin erscheint (Sigmund 2015; Krombholz 2022), und eine Zielwirkung am Menschen nach Einnahme nie gemessen wurde. Sicherheit 2, weil keine systematischen Daten existieren, nur eine kleine Placebostudie mit Beschwerden, Fallberichte (Hirnblutung nach PEA-verunreinigtem Kratom, Panikattacken mit Selegilin) und die bekannte Gefahr mit MAO-Hemmern. Hype 3, weil ein spannender Mechanismus und alte offene Depressionsbefunde als verlässlicher Stimmungs-, Fokus- und Fatburner-Effekt verkauft werden. Anwendung 4, weil PEA verbreitet in Pre-Workout- und Stimmungsprodukten steckt, ohne regulatorischen Rahmen und mit Beanstandungen in mehreren EU-Staaten. Richtung offen, weil Humandaten für die beworbenen Wirkungen schlicht fehlen, nicht weil sie dagegen sprechen.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Phenylethylamin (PEA)

Was ist PEA als Supplement?

Gemeint ist meist Phenylethylamin, ein körpereigenes Spurenamin mit amphetaminähnlicher Wirkung im Zellversuch. Es wird als Stimmungs- und Fokusmittel verkauft. Nicht zu verwechseln ist es mit Palmitoylethanolamid, das im Handel ebenfalls als PEA bezeichnet wird.

Wirkt PEA wirklich?

Die Wirkung am Rezeptor und an den Transportern ist gut belegt. Kontrollierte Studien zu Stimmung, Fokus oder Leistung nach der Einnahme fehlen jedoch. Weil PEA sehr schnell abgebaut wird, ist unklar, wie viel davon im Gehirn ankommt.

Warum wird PEA mit Hordenin kombiniert?

Hordenin wird ebenfalls vom Enzym MAO-B abgebaut und soll so PEA vor dem Abbau schützen. Das ist aus Rattenversuchen abgeleitet. Am Menschen wurde diese Kombination nie untersucht.

Enthält Schokolade viel PEA?

Nein, das ist eher ein Mythos. Eine Analyse von Kakaoprodukten fand PEA nur in wenigen Proben und in geringen Mengen. Die Wirkung von Schokolade auf die Stimmung lässt sich damit nicht erklären.

Ist PEA im Sport erlaubt?

Nein. Phenethylamin und seine Abkömmlinge stehen auf der WADA-Liste und sind im Wettkampf verboten. Dopinglabore suchen nach Abbauprodukten im Urin, um eine Einnahme zu erkennen.

Ist PEA gefährlich?

Systematische Sicherheitsdaten fehlen. Riskant ist vor allem die Kombination mit MAO-Hemmern, Antidepressiva oder anderen Stimulanzien sowie Bluthochdruck. Bei Fragen zu Wechselwirkungen ist die Ärztin oder der Apotheker die richtige Anlaufstelle.

Quellen

In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich

Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-29.