Peptid & Experimentelles
Partielle Reprogrammierung (Yamanaka-Faktoren)
Gentherapeutisches Verfahren mit Transkriptionsfaktoren, experimentell, ohne Zulassung · Yamanaka-Faktoren, OSKM, OSK, zelluläre Reprogrammierung, epigenetische Reprogrammierung, ER-100
Vier Gene verwandeln eine ausgereifte Körperzelle zurück in eine Stammzelle. Schaltet man sie kurz an und rechtzeitig wieder aus, verjüngen sich in Mäusen Gewebe, statt zu Tumoren zu werden. Seit dem 2. März 2026 wird das erstmals am Menschen geprüft — im Auge, an 18 Teilnehmern.
Kurz gesagt
Partielle Reprogrammierung heißt, die vier Yamanaka-Faktoren Oct-4, Sox-2, Klf-4 und c-Myc nur kurz anzuschalten und wieder abzuschalten, bevor eine Zelle ihre Identität verliert. Im Tier funktioniert das: Eine Maus mit vorzeitiger Alterung lebte im Mittel 24 statt 18 Wochen, in Netzhautzellen wuchsen Nervenfasern nach und das Sehvermögen kehrte zurück. Das Risiko ist kein Betriebsunfall, sondern die Mitte der Methode — läuft der Vorgang durch, entstehen Teratome. Am Menschen läuft seit dem 2. März 2026 genau eine Studie mit dem Wirkstoff ER-100, nicht randomisiert, nicht verblindet, und sie misst Sicherheit, nicht Sehkraft und nicht Altern. Zu kaufen gibt es nichts.
Was reprogrammiert wird
2006 zeigte Shinya Yamanaka, dass vier Gene genügen, um eine Hautzelle zurück in eine Stammzelle zu verwandeln: Oct-4, Sox-2, Klf-4 und c-Myc. Die Zelle vergisst, was sie ist. Dafür gab es 2012 den Nobelpreis.
Im selben Papier steht das Problem: Spritzt man solche Zellen in Mäuse, entstehen Tumoren. Das war von Anfang an bekannt.
Warum Vollgas nicht geht
2013 zeigte eine Arbeit in Nature, was passiert, wenn man die vier Faktoren im lebenden Tier kurz anschaltet: Teratome in Magen, Darm und Niere. 2014 folgte in Cell, mit Yamanaka unter den Autoren, der unangenehmere Befund: Auch ein abgebrochener Puls reicht für Tumoren, über Methylierung statt Mutation.
Der Tumor ist nicht der Preis eines Fehlers, sondern die Mitte der Methode. Was man auslöst, endet als Stammzelle, und eine Stammzelle im erwachsenen Gewebe ist ein Teratom. Die Frage ist nicht, wie man die Nebenwirkung vermeidet, sondern wie man rechtzeitig anhält.
Das Zeitfenster
Die Antwort heißt partielle Reprogrammierung: nur ein Stück des Weges. 2016 veröffentlichte die Gruppe um Izpisua Belmonte in Cell ein zyklisches Schema, 2 Tage an und 5 Tage aus. In einer Maus mit vorzeitiger Alterung stieg die mittlere Lebenszeit dabei von 18 auf 24 Wochen.
Dieselbe Arbeit zeigt die Gegenprobe: Bei 8 Wochen Dauerbetrieb entstanden Teratome. Derselbe Eingriff, nur länger, und das Ergebnis kippt vom Nutzen in den Tumor. Das Zeitfenster ist nicht ein Detail, es ist die Methode.
Drei statt vier Faktoren
2020 ließ eine Arbeit in Nature aus der Gruppe um David Sinclair c-Myc weg, das Krebsgen unter den vieren, und brachte nur die übrigen 3 Faktoren in Netzhautzellen der Maus ein. Nach einer Verletzung wuchsen Nervenfasern wieder nach, das Sehvermögen kehrte zurück. Sinclair ist Mitgründer und Anteilseigner der Firma dahinter.
2022 erweiterte eine Arbeit in Nature Aging das auf normal alternde Tiere: längere Behandlung, Effekte in Niere und Haut, epigenetische Uhr rückwärts. Das Autorenverzeichnis sagt fast so viel wie das Ergebnis — Altos Labs und Genentech.
Was die epigenetische Uhr misst
Die bekannteste dieser Uhren stammt von Steve Horvath: 353 Stellen im Erbgut, geeicht an 8000 Proben. Sie sagt das Kalenderalter voraus.
Sie sagt nicht, wie lange jemand noch lebt, und ist kein Ziel, auf das man hinbehandeln kann. In Horvaths Arbeit steht der erklärende Satz: In Stammzellen zeigt die Uhr fast null an. Ein Wert nahe null ist also kein Beweis für Verjüngung — eine vollständig reprogrammierte Zelle im Körper wäre ein Teratom. Die Uhr ist zurückgelaufen und dem Tier geht es besser sind zwei Aussagen; in Pressemitteilungen steht meist nur die erste.
Die erste Humanstudie
Seit dem 2. März 2026 wird das Verfahren erstmals am Menschen geprüft. Life Biosciences gibt den Wirkstoff ER-100, 3 Faktoren, als Injektion ins Auge. Die amerikanische Behörde hatte den Antrag Ende Januar 2026 freigegeben, laut Firma als erste Reprogrammierungstherapie überhaupt. Beteiligt sind 18 Menschen in 4 Zentren.
Gemessen werden Sicherheit und Verträglichkeit. Nicht Sehkraft, nicht Altern. Die Studie ist weder randomisiert noch verblindet, und die Affendaten dahinter wurden auf einem Kongress gezeigt, nicht begutachtet.
Der Abstand zum Geld
Altos Labs startete im Januar 2022 mit 3 Milliarden Dollar für Grundlagenforschung ohne Produkt, Retro Biosciences wird mit 1,8 Milliarden bewertet. Dem steht eine Phase-1-Studie ohne Zwischenergebnis gegenüber. Das macht die Wissenschaft nicht schlechter — die Biologie steht in Nature, Science und Cell. Es macht verdächtig, was darüber verkauft wird.
Was gut belegt ist
Der Kern ist unstrittig: Vier definierte Gene setzen eine ausdifferenzierte Zelle in den Stammzellzustand zurück — seit 2006 belegt, 2012 mit dem Nobelpreis bedacht. Belastbar ist auch das zyklische Prinzip im Tier: 2 Tage an und 5 Tage aus hoben die mittlere Lebenszeit einer Maus mit vorzeitiger Alterung von 18 auf 24 Wochen, und in der Netzhaut reichten 3 Faktoren ohne c-Myc für nachwachsende Nervenfasern und zurückkehrendes Sehvermögen. Gut belegt ist ebenso die Kehrseite: das mehrfach und unabhängig gezeigte Tumorrisiko.
Was die Studien zeigen
Yamanaka 2006, Nature 2013 und Cell 2014 — Faktoren und Tumorproblem
Yamanaka zeigte 2006, dass Oct-4, Sox-2, Klf-4 und c-Myc eine Hautzelle in eine Stammzelle zurückverwandeln; Nobelpreis 2012. Werden diese Faktoren im lebenden Tier kurz angeschaltet, entstehen Teratome in Magen, Darm und Niere. Die Arbeit von 2014, mit Yamanaka unter den Autoren, zeigt: Schon ein abgebrochener Puls reicht für Tumoren, über Methylierung statt Mutation.
Izpisua Belmonte et al., Cell 2016 — das zyklische Schema
Zyklisches Schema, 2 Tage an und 5 Tage aus. In einer Maus mit vorzeitiger Alterung stieg die mittlere Lebenszeit von 18 auf 24 Wochen. Bei 8 Wochen Dauerbetrieb entstanden Teratome — derselbe Eingriff, nur länger.
Sinclair et al., Nature 2020 — die Netzhaut
c-Myc weggelassen, nur 3 Faktoren in Netzhautzellen der Maus. Nach einer Verletzung wuchsen Nervenfasern nach, das Sehvermögen kehrte zurück. Sinclair ist Mitgründer und Anteilseigner der Firma dahinter.
Nature Aging 2022 — normal alternde Tiere
Längere Behandlung in normal alternden Mäusen, Effekte in Niere und Haut, epigenetische Uhr rückwärts. Autoren von Altos Labs und Genentech.
Life Biosciences 2026 — ER-100, erste Humanstudie
Start am 2. März 2026 nach Freigabe durch die amerikanische Behörde Ende Januar 2026. 3 Faktoren als Injektion ins Auge, 18 Teilnehmer in 4 Zentren, nicht randomisiert, nicht verblindet. Endpunkte sind Sicherheit und Verträglichkeit, nicht Sehkraft und nicht Altern. Die zugrunde liegenden Affendaten wurden auf einem Kongress gezeigt und nicht begutachtet veröffentlicht.
Wo die Daten aufhören
Am Menschen ist bisher nichts gezeigt. Es gibt eine laufende Studie mit 18 Teilnehmern, ohne Randomisierung und ohne Verblindung, und sie ist nicht darauf angelegt, Wirksamkeit zu messen. Was darüber berichtet wird, stützt sich auf Tierdaten, die zum Teil nicht begutachtet sind. Wer heute von Verjüngung beim Menschen spricht, spricht über die Maus.
Status, Zulassung und Recht
Weder in Deutschland noch in der EU noch in den USA ist eine Reprogrammierungstherapie zugelassen. Es gibt kein Präparat, keinen legalen Bezugsweg und nichts, was ein Arzt verordnen könnte. Der einzige reguläre Zugang ist die laufende Sicherheitsstudie mit ER-100 in 4 Zentren mit 18 Teilnehmern. Als Gentherapie fiele das Verfahren in Deutschland unter das Arzneimittelrecht und die europäischen Regeln für neuartige Therapien; eine Anwendung außerhalb einer genehmigten Studie ist nicht vorgesehen.
Sicherheit
Hier ist nicht das Fehlen von Daten das Hauptproblem, sondern was die vorhandenen zeigen. Das Tumorrisiko ist mehrfach und unabhängig belegt: Teratome bei kurzer Aktivierung im lebenden Tier, Tumoren nach abgebrochenem Puls, Teratome bei 8 Wochen Dauerbetrieb. Es ist keine seltene Nebenwirkung, sondern der eingebaute Endpunkt derselben Reaktion, die man nutzen will. Deshalb beginnt die erste Humanstudie im Auge, einem abgegrenzten Organ, in dem man früh sieht, ob etwas wächst, das nicht wachsen soll. Verträglichkeitsdaten am Menschen liegen nicht vor, weil die Studie noch läuft.
BK-Score Nicht am Menschen untersucht
| Human-Evidenz | 1 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 5 | |
| Sicherheits-Datenlage | 1 | |
| Hype-Abstand | 3 | |
| Anwendungserfahrung | 1 |
evidenz 1: Am Menschen liegt kein einziges Ergebnis vor — die erste Studie läuft seit dem 2. März 2026 mit 18 Teilnehmern in 4 Zentren, ist nicht randomisiert und nicht verblindet und misst Sicherheit statt Wirkung. mechanismus 5: Der Pfad ist in Zellkultur und Tier sauber beschrieben, von 2 Tagen an und 5 Tagen aus mit 18 auf 24 Wochen Lebenszeit bis zur Netzhautarbeit mit 3 Faktoren, aber am Menschen ist keine Stufe der Kette bestätigt. sicherheit 1: Verträglichkeitsdaten am Menschen gibt es nicht, und die Affendaten hinter ER-100 wurden nur auf einem Kongress gezeigt; im Tier ist dagegen das Tumorrisiko klar belegt, bis hin zu Teratomen nach 8 Wochen Dauerbetrieb. hype 3: Die Biologie ist echt und steht in Nature, Science und Cell, aber in Pressemitteilungen wird die rückwärts laufende epigenetische Uhr zur Verjüngung erklärt, obwohl sie in Stammzellen fast null anzeigt — und 3 Milliarden Dollar für Altos Labs sowie eine Bewertung von 1,8 Milliarden für Retro Biosciences stehen einer Phase-1-Studie ohne Zwischenergebnis gegenüber. anwendung 1: Außerhalb dieser einen Studie hat kein Mensch das Verfahren erhalten, und zu kaufen gibt es nichts.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Partielle Reprogrammierung (Yamanaka-Faktoren)
Was unterscheidet partielle von vollständiger Reprogrammierung?
Bei der vollständigen Reprogrammierung wird eine Zelle bis zum Stammzellzustand zurückgesetzt und verliert ihre Identität. Bei der partiellen werden dieselben Faktoren nur kurz angeschaltet und wieder abgeschaltet, bevor das passiert. Im Tierversuch waren das 2 Tage an und 5 Tage aus. Bei 8 Wochen Dauerbetrieb entstanden stattdessen Teratome.
Kann man das heute bekommen?
Nein. Es gibt weltweit kein zugelassenes Präparat und keinen legalen Bezugsweg. Der einzige reguläre Zugang ist die laufende Studie mit ER-100 in 4 Zentren. Alles, was unter diesem Namen kommerziell angeboten wird, liegt außerhalb jeder Zulassung.
Warum wird die Studie am Auge gemacht?
Weil das Auge ein abgegrenztes Organ ist, das man direkt ansehen kann. Bei einem Verfahren, dessen bekanntestes Risiko unkontrolliertes Wachstum ist, lässt sich dort früh erkennen, ob etwas wächst, das nicht wachsen soll. Die Vorarbeit dazu stammt aus Netzhautzellen der Maus.
Was bedeutet es, wenn die epigenetische Uhr zurückläuft?
Zunächst nur, dass sich ein Muster an 353 Stellen im Erbgut verändert hat. Die Uhr von Steve Horvath ist an 8000 Proben auf das Kalenderalter geeicht, nicht auf verbleibende Lebenszeit. In Stammzellen zeigt sie fast null an, und eine vollständig reprogrammierte Zelle im Körper wäre ein Teratom. Ein niedriger Wert ist deshalb kein Nachweis von Verjüngung.
Wie groß ist das Krebsrisiko?
Beim Menschen ist das nicht beziffert, weil noch niemand außerhalb der laufenden Studie behandelt wurde. Im Tier ist es eindeutig: Teratome entstanden bei kurzer Aktivierung im lebenden Tier, bei Dauerbetrieb über 8 Wochen und sogar nach einem abgebrochenen Puls. Das Risiko gehört zum Wirkprinzip, es ist keine seltene Begleiterscheinung.
Warum fließt so viel Geld in ein Feld ohne Ergebnisse?
Die zugrunde liegende Biologie ist stark und stammt aus Nature, Science und Cell, nicht aus der Werbung. Altos Labs startete im Januar 2022 mit 3 Milliarden Dollar, Retro Biosciences wird mit 1,8 Milliarden bewertet. Dem steht eine einzige Phase-1-Studie mit 18 Teilnehmern und ohne Zwischenergebnis gegenüber. Der Abstand zwischen Datenlage und Kapital ist in diesem Feld besonders groß.
Quellen
- Takahashi & Yamanaka, Cell 2006 — Reprogrammierung mit vier Faktoren
- Abad et al., Nature 2013 — Teratome nach Faktoraktivierung im Tier
- Ohnishi et al., Cell 2014 (mit Yamanaka) — Tumoren nach abgebrochenem Puls
- Ocampo et al. (Izpisua Belmonte), Cell 2016 — partielle Reprogrammierung
- Lu et al. (Sinclair), Nature 2020 — Netzhaut und Sehvermögen
- Browder et al., Nature Aging 2022 — normal alternde Tiere, Altos Labs und Genentech
- Horvath, Genome Biology 2013 — epigenetische Uhr aus 353 Stellen
- Life Biosciences 2026 — ER-100, erste Humanstudie (Registereintrag)
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-19.