Peptid & Experimentelles
Klotho
Körpereigenes Protein und zirkulierendes Hormon, Longevity-Kandidat ohne Zulassung · Alpha-Klotho, sKlotho, lösliches Klotho, KL
Klotho ist ein körpereigenes Hormon, das im Blut zirkuliert. Fehlt es einer Maus, altert das Tier rasend schnell; ist das Gen hochgedreht, lebt sie länger. Am Menschen gibt es dazu Genvarianten, Blutwerte und einen Affenversuch, aber kein Medikament.
Kurz gesagt
Klotho ist ein Protein aus über 1000 Aminosäuren, das überwiegend in der Niere gebildet wird, im Blut zirkuliert und Insulin- und IGF-1-Signale dämpft. In Mäusen mit überexprimiertem Gen verlängert es die Lebenszeit um 19 bis gut 30 Prozent — allerdings war das Gen von der Befruchtung an hochgedreht, das ist keine Behandlung, sondern ein anderes Tier. Am Menschen widerspricht sich die Datenlage: Eine Genvariante geht in einer Untersuchung mit besserer Kognition einher, in einer dänischen und einer schottischen Kohorte mit schlechteren Verläufen, und niedrige Klothowerte im Blut sind mit höherer Sterblichkeit verknüpft, ohne dass daraus eine Ursache würde. Die erste verblindete, placebokontrollierte Studie am Menschen läuft seit Februar 2026 in Honduras; Ergebnisse stehen aus.
Was Klotho ist
Der Name stammt von der Schicksalsgöttin, die den Lebensfaden spinnt. 1997 beschreibt eine japanische Gruppe um Makoto Kuro-o in Nature ein Gen, das bei Mäusen versehentlich zerstört worden war. Die Tiere alterten rasend schnell: Arterienverkalkung, Osteoporose, Emphysem, kurze Lebenszeit. Ein einzelnes defektes Gen erzeugte ein Alterssyndrom.
Klotho ist ein Protein aus über 1000 Aminosäuren, von dem ein Teil als Hormon im Blut zirkuliert. Gebildet wird es überwiegend in der Niere — dieser Herkunftsort wird später wichtig.
Wie es wirken soll
Klotho dämpft Insulin- und IGF-1-Signale. Dieser Pfad spielt in der Alternsforschung seit Jahrzehnten eine Hauptrolle, weil seine Dämpfung in mehreren Tierarten mit längerer Lebenszeit einhergeht.
2005 kam in Science die Gegenprobe: Klotho überexprimiert, zwei unabhängige Mauslinien, beide lebten länger. Bei den Männchen 20 Prozent in der einen und gut 30 Prozent in der anderen Linie, bei den Weibchen rund 19 Prozent. Genau diese Spanne steht heute auf praktisch jeder Verkaufsseite. Was dort nicht steht: Das Gen war von der Befruchtung an hochgedreht. Erst 2025 hat eine Gruppe aus Barcelona normal alternden, erwachsenen Mäusen Klotho per Gentherapie gegeben: Die Männchen lebten im Schnitt 31,5 statt 26,3 Monate, knapp 20 Prozent länger; die Daten der Weibchen haben die Autoren wegen gehäufter Hauterkrankungen selbst verworfen.
Was am Menschen gemessen wurde
2014 zeigte eine Gruppe um Dena Dubal in Cell Reports an 718 Menschen aus drei Kohorten, dass Träger einer Kopie der Genvariante KL-VS in Kognitionstests besser abschneiden. Der Haken steht in derselben Arbeit: Etwa 3 Prozent tragen zwei Kopien, und bei ihnen ist der Vorteil nicht nur weg — zwei Kopien sind mit kürzerer Lebenszeit verknüpft. Die Autoren haben diese Gruppe ausgeschlossen und schreiben, den Grund kenne man nicht.
Die Nachprüfungen machen es nicht übersichtlicher. In einer schottischen Geburtskohorte hatten Träger eine kürzere Überlebenszeit, in einer dänischen Studie mit 1480 Hochbetagten schnitten sie schlechter ab. Beide Gruppen vermuten einen altersabhängigen Effekt. In der deutschen Heinz-Nixdorf-Recall-Studie mit 1812 Erwachsenen lagen Träger in allen Tests leicht darunter. Vor allem heißt es: Der Kognitionsbefund ist nicht robust.
Gehalten hat ein anderer Befund: Bei Trägern der Risikovariante APOE4 ab 60 Jahren ging eine Kopie KL-VS mit einem um ein Viertel niedrigeren Alzheimer-Risiko einher (JAMA Neurology 2020).
Der Blutwert
Die zweite Spur ist die Konzentration im Blut. In der italienischen InCHIANTI-Kohorte wurden 2011 Daten von 804 Menschen ab 65 Jahren über 6 Jahre ausgewertet. Das unterste Drittel der Klothowerte hatte ein rund 78 Prozent höheres Sterberisiko als das oberste.
Das ist ein starker Zusammenhang und trotzdem keine Ursache. Klotho im Blut stammt überwiegend aus der Niere, und wer krank ist, hat niedrigere Werte. Der Wert kann also die Krankheit anzeigen statt sie zu verursachen.
Mehr ist dabei nicht automatisch besser. Eine US-Auswertung (NHANES 2007–2016) fand einen U-förmigen Zusammenhang: Das unterste Fünftel hatte ein rund 37 Prozent, aber auch das oberste ein rund 21 Prozent höheres Sterberisiko als die Mitte.
Der eigene Wert lässt sich bewegen: Zwei Metaanalysen von 2026 finden deutliche Anstiege nach Ausdauer- und besonders nach Krafttraining. Die Autoren betonen hohe Verzerrungsrisiken und dass der Blutwert eine Reaktion anzeigt, aber kein geprüftes Behandlungsziel ist.
Der Affenversuch
Die meistzitierte Arbeit stammt von 2023 aus Nature Aging, erneut aus der Gruppe um Dubal. Untersucht wurden 18 Rhesusaffen im Alter von 15 bis 28 Jahren, was im Mittel ungefähr einem Menschen von 65 entspricht. Die Tiere bekamen eine einzige Spritze unter die Haut, in drei Dosisstufen. Bei der niedrigsten hielt der Gedächtniseffekt mindestens 2 Wochen an.
Der interessanteste Teil ist der unbequeme: Die beiden höheren Stufen wirkten nicht. Eine Dosiskurve ohne Aufwärtstrend ist ein Argument gegen die eigene Arbeit, und die Autoren nennen sie trotzdem. Wer frisieren will, frisiert nicht so. Finanziert haben staatliche Gesundheitsinstitute und Unity Biotechnology.
Was verkauft wird
Kapseln, die Klotho-Booster heißen, enthalten kein Klotho. Sie könnten es auch nicht: Ein Protein aus über 1000 Aminosäuren wird im Verdauungstrakt zerlegt. Verkauft werden Stoffe, die den Blutwert anheben sollen. Ob davon jemand länger lebt, ist nicht geprüft.
Die zweite Angebotsform ist die Klinik. In Roatán in Honduras sind 2 Pilotstudien mit Klotho als Plasmid-Gentherapie registriert, je 14 Menschen, einarmig, ohne Placebo und ohne Verblindung; eine davon, mit Klotho plus Follistatin, ist seit April 2026 abgeschlossen, Ergebnisse stehen im Register nicht. Seit Februar 2026 läuft dort außerdem die erste verblindete, placebokontrollierte Studie mit 21 Teilnehmenden.
Was gut belegt ist
Belastbar ist die Biologie im Tier. Der Ausfall des Gens erzeugt in der Maus ein Alterssyndrom, die Überexpression verlängert die Lebenszeit — zwei unabhängige Linien, beide Geschlechter, Nature und Science. Der Pfad dahinter, die Dämpfung von Insulin- und IGF-1-Signalen, ist keine Erfindung der Longevity-Branche. Am Menschen sauber erhoben ist der Zusammenhang zwischen niedrigen Klothowerten und höherer Sterblichkeit im Alter.
Was die Studien zeigen
Kuro-o et al., Nature 1997 — der Ausfall
Mäuse, bei denen ein Gen versehentlich zerstört worden war, entwickelten Arterienverkalkung, Osteoporose und ein Emphysem und starben früh. Das Gen bekam den Namen Klotho.
Science 2005 — die Gegenprobe
Klotho in zwei unabhängigen Mauslinien überexprimiert, beide lebten länger als ihre Kontrollen: Männchen 20 und gut 30 Prozent, Weibchen rund 19 Prozent. Entscheidend ist das Design — das Gen war von der Befruchtung an hochgedreht, keine Behandlung erwachsener Tiere.
Roig-Soriano et al., Mol Ther 2025 — Behandlung erwachsener Mäuse
Normal alternde Wildtyp-Mäuse erhielten per Gentherapie sekretiertes Klotho. Die Männchen lebten im Schnitt 31,5 statt 26,3 Monate, ein Plus von 19,7 Prozent. Die Daten der Weibchen haben die Autoren wegen gehäufter Hauterkrankungen selbst verworfen.
Dubal et al., Cell Reports 2014 — die Genvariante
Beobachtungsstudie an 718 Menschen aus drei Kohorten zur Variante KL-VS. Träger einer Kopie schnitten in Kognitionstests besser ab. Träger von zwei Kopien, etwa 3 Prozent, hatten den Vorteil nicht und wurden ausgeschlossen. Eine schottische Geburtskohorte und eine dänische Studie an 1480 Hochbetagten fanden für Träger schlechtere Verläufe.
InCHIANTI, Toskana 2011 — der Blutwert
Beobachtungsstudie an 804 Menschen ab 65 Jahren über 6 Jahre. Das unterste Drittel der Klothowerte hatte ein rund 78 Prozent höheres Sterberisiko als das oberste. Zusammenhang, keine Ursache: Klotho im Blut stammt überwiegend aus der Niere, und Krankheit senkt den Wert.
Dubal et al., Nature Aging 2023 — die Affen
Tierversuch an 18 Rhesusaffen im Alter von 15 bis 28 Jahren, im Mittel etwa ein Mensch von 65. Eine einmalige Injektion unter die Haut in drei Dosisstufen; bei der niedrigsten hielt der Gedächtniseffekt mindestens 2 Wochen an, die beiden höheren zeigten keinen Effekt.
Wo die Daten aufhören
Die Lücke ist einfach zu benennen: Ergebnisse einer regulären Studie mit Klotho als Medikament gibt es bis heute nicht; die erste verblindete, placebokontrollierte Studie läuft seit Februar 2026. Alles, was vorliegt, ist Beobachtung — eine Genvariante, die man nicht wählt, und ein Blutwert, den niemand gezielt verändert hat. Zusätzlich widerspricht sich die Genetik: eine Kopie KL-VS positiv, zwei Kopien negativ, in der schottischen wie der dänischen Nachprüfung Träger insgesamt schlechter. Ein altersabhängiger Effekt wäre eine mögliche Erklärung; belegt ist sie nicht.
Status, Zulassung und Recht
Es gibt kein zugelassenes Klotho-Präparat, weder in Deutschland noch in der EU noch in den USA, und damit keinen legalen Bezugsweg. Die erste verblindete, placebokontrollierte Studie am Menschen läuft seit Februar 2026 in Honduras, mit 21 Teilnehmenden; der primäre Abschluss ist für den 30.11.2026 geplant. Die Nachfolgefirma der Affenarbeit, Jocasta Neuroscience, hat im August 2025 35 Millionen US-Dollar eingeworben und im August 2026 ihre Lizenz der University of California San Francisco erweitert; sie will den Antrag für eine erste Humanstudie im vierten Quartal 2026 einreichen, Start wäre Anfang 2027. Außerhalb jeder Zulassung wird Klotho in Roatán in Honduras als Plasmid-Gentherapie in 2 Pilotstudien mit je 14 Menschen angewendet. Als Nahrungsergänzung verkaufte Klotho-Booster enthalten kein Klotho; sie unterliegen dem Lebensmittelrecht und dürfen keine Heilversprechen tragen.
Sicherheit
Zur Sicherheit am Menschen ist fast nichts bekannt, weil es fast keine Anwendung gab. Es liegen keine kontrollierten Verträglichkeitsdaten vor, keine Langzeitbeobachtung, keine systematische Erfassung von Nebenwirkungen. Aus dem Affenversuch gibt es eine Einmalgabe über 2 Wochen, was über wiederholte Anwendung nichts aussagt. Die Gentherapie-Variante in Honduras bringt zusätzlich alle Fragen einer Plasmidgabe mit sich, ohne veröffentlichte Ergebnisse. Fehlende Daten sind kein Hinweis auf Harmlosigkeit, sondern auf fehlende Untersuchung.
BK-Score Hype weit vor Evidenz
| Human-Evidenz | 2 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 5 | |
| Sicherheits-Datenlage | 1 | |
| Hype-Abstand | 2 | |
| Anwendungserfahrung | 2 |
evidenz 2: Am Menschen liegt keine interventionelle Studie mit Ergebnissen vor — alles ist Beobachtung (718 Menschen zur Genvariante KL-VS 2014, 804 Menschen in InCHIANTI 2011), und die Genetik widerspricht sich zwischen der schottischen, der dänischen und der US-Auswertung. mechanismus 5: Der Pfad über Insulin- und IGF-1-Dämpfung ist in Maus und Affe belegt und beim Menschen durch Genvariante und Blutwert immerhin angedeutet, aber nie am Menschen geprüft. sicherheit 1: Es gab fast keine Anwendung, entsprechend keine systematisch erhobenen Verträglichkeitsdaten; aus dem Affenversuch stammt eine Einmalgabe mit 2 Wochen Beobachtung. hype 2: Die 20 bis 30 Prozent Lebensverlängerung stehen überall, die Bedingung — das Gen war von der Befruchtung an hochgedreht — nirgends, und Kapseln werden als Klotho-Booster verkauft, obwohl ein Protein aus über 1000 Aminosäuren verdaut wird. anwendung 2: Angewendet wird Klotho nur in Studien und im Graumarkt, etwa in 2 Pilotstudien mit je 14 Menschen in Honduras; seit Februar 2026 läuft dort zudem die erste verblindete, placebokontrollierte Studie mit 21 Teilnehmenden, Ergebnisse stehen aus.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Klotho
Verlängert Klotho beim Menschen das Leben?
Das ist nicht untersucht. Die Lebensverlängerung von 19 bis gut 30 Prozent stammt aus Mäusen, bei denen das Gen von der Befruchtung an hochgedreht war. Beim Menschen gibt es nur Beobachtungsdaten zu Genvarianten und Blutwerten, und die widersprechen sich teilweise.
Warum bringen Klotho-Kapseln nichts?
Klotho ist ein Protein aus über 1000 Aminosäuren. Ein Eiweiß dieser Größe wird im Verdauungstrakt zerlegt und gelangt nicht als Ganzes ins Blut. Als Kapsel verkaufte Klotho-Booster enthalten deshalb kein Klotho, sondern Stoffe, die den körpereigenen Wert anheben sollen. Ob das jemandem nützt, ist ungeprüft.
Was bedeutet ein niedriger Klotho-Blutwert?
In der InCHIANTI-Kohorte hatte das unterste Drittel der Werte ein rund 78 Prozent höheres Sterberisiko als das oberste. Das ist ein Zusammenhang und keine Ursache. Klotho im Blut stammt überwiegend aus der Niere, und wer krank ist, hat niedrigere Werte — der Wert kann also die Krankheit anzeigen statt sie zu erzeugen.
Ist die Genvariante KL-VS gut oder schlecht?
Beides wurde berichtet. In der Untersuchung von 2014 an 718 Menschen schnitten Träger einer Kopie in Kognitionstests besser ab, Träger von zwei Kopien nicht. In einer schottischen Geburtskohorte und in einer dänischen Studie an 1480 Hochbetagten hatten Träger schlechtere Verläufe. Die Literatur ist an diesem Punkt nicht einheitlich.
Kann ich Klotho irgendwo bekommen?
Zugelassen ist es nirgends. Angeboten wird es außerhalb jeder Zulassung, etwa in Honduras als Plasmid-Gentherapie in zwei Pilotstudien ohne Placebo und ohne veröffentlichte Ergebnisse. Seit Februar 2026 läuft dort außerdem eine verblindete, placebokontrollierte Studie; die Nachfolgefirma der Affenarbeit will ihre erste Humanstudie Anfang 2027 beginnen.
Warum wirkten die höheren Dosen im Affenversuch nicht?
Das ist offen. Die Arbeit von 2023 fand einen Gedächtniseffekt nur bei der niedrigsten von drei geprüften Dosisstufen, bei den beiden höheren keinen. Eine Dosiskurve ohne Aufwärtstrend schwächt die Aussage, dass hier ein echter Wirkstoffeffekt vorliegt. Dass die Autoren sie trotzdem berichten, spricht allerdings für die Redlichkeit der Arbeit.
Quellen
- Kuro-o et al., Nature 1997
- Kurosu et al., Science 2005 — Klotho-Überexpression
- Semba et al., InCHIANTI-Kohorte, 2011
- Dubal et al., Cell Reports 2014
- Castner et al. (Labor Dubal), Nature Aging 2023
- Roig-Soriano et al., Mol Ther 2025
- Heinz-Nixdorf-Recall-Studie, Sci Rep 2021
- Belloy et al., JAMA Neurology 2020
- Chen et al., J Gerontol A 2025 (NHANES)
- Metaanalyse Training und Klotho, J Physiol Biochem 2026
- Metaanalyse Training und Klotho, Front Sports Act Living 2026
- ClinicalTrials.gov NCT07544420
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-19.