Peptid & Experimentelles
DHEA (Dehydroepiandrosteron)
Steroid-Hormonvorstufe der Nebenniere, Prohormon für Androgene und Östrogene · Prasteron, Dehydroepiandrosteron, DHEA-S (Sulfatform im Blut), Intrarosa (vaginales Arzneimittel)
DHEA ist ein Hormon der Nebennieren, dessen Spiegel mit dem Alter deutlich sinkt. Deshalb gilt es seit Langem als Anti-Aging-Hormon. Die Daten zeigen ein differenzierteres Bild: klare Hormoneffekte, eine echte Zulassung als Vaginalzäpfchen, kleine Vorteile für Knochen und Stimmung und keinen Jungbrunnen.
Kurz gesagt
DHEA, ausgeschrieben Dehydroepiandrosteron, ist eine Hormonvorstufe, aus der der Körper Testosteron und Östrogene macht. Als Tablette erhöht es bei Frauen nach den Wechseljahren nachweislich Testosteron und Estradiol, als Vaginalzäpfchen ist es in der EU und den USA gegen Beschwerden der Scheidentrockenheit zugelassen. Bei älteren Frauen stieg in gepoolten Studien die Knochendichte leicht, bei der Sexualfunktion und der Stimmung zeigen Meta-Analysen kleine Effekte bei schwacher Datenlage. Die große Anti-Aging-Hoffnung hat eine zweijährige Studie im New England Journal of Medicine nicht bestätigt. In Deutschland ist DHEA verschreibungspflichtig und im Sport jederzeit verboten.
Was es ist
DHEA wird vor allem in den Nebennieren gebildet. Im Blut misst man meist seine Speicherform DHEA-Sulfat, kurz DHEAS. Seine Bedeutung liegt darin, dass Gewebe wie Haut, Knochen, Fett und Gehirn daraus bei Bedarf ihre eigenen Sexualhormone herstellen. Die Spiegel sinken mit dem Alter deutlich, und genau dieser Rückgang hat die Idee geboren, DHEA einfach wieder aufzufüllen.
Als Arzneistoff heißt DHEA Prasteron. In den USA ist es als Nahrungsergänzung erlaubt, in Deutschland ist es verschreibungspflichtig. Zugelassen ist in der EU ein Vaginalzäpfchen mit 6,5 mg Prasteron.
Wie es wirken soll
Die Wirkung läuft fast vollständig über die Umwandlung in andere Hormone. Nach der Menopause entstehen fast alle Androgene und die gesamten Östrogene einer Frau in den peripheren Geweben aus DHEA. Das Prinzip heißt Intrakrinologie: Jede Zelle baut sich aus der Vorstufe das Hormon, das sie gerade braucht, und das Blut sieht davon nur einen Teil.
Dieser Mechanismus ist beim Menschen gut gemessen. Eine Meta-Analyse über 21 Studien bei postmenopausalen Frauen fand unter DHEA einen Anstieg des Testosterons um 24,31 ng/dl und des Estradiols um 7,86 pg/ml, stärker ab 50 mg pro Tag. Bei älteren Männern stiegen in gepoolten Studien DHEAS und Estradiol, ein Testosteronanstieg wurde dort nicht berichtet. Die Wirkkette ist also bestätigt. Offen ist, wie viel davon am Ende bei Knochen, Muskel, Libido oder Stimmung ankommt.
Was Anwender suchen
Wer zu DHEA greift, sucht meist Energie, Libido oder einen Ausgleich für den altersbedingten Rückgang. Genau diese Idee haben mehrere Studien geprüft: Sie nahmen gezielt Ältere mit niedrigem DHEAS auf und hoben den Spiegel wieder auf das Niveau junger Erwachsener an. Was dabei herauskam, steht weiter unten.
Was gut belegt ist
Am klarsten ist DHEA als Vaginalzäpfchen. In einer Phase-III-Studie erhielten 325 Frauen 12 Wochen lang täglich 6,5 mg Prasteron vaginal, 157 ein Placebo. Die Schmerzen beim Sex gingen um 0,36 Punkte stärker zurück als unter Placebo, der Anteil unreifer Zellen der Scheidenschleimhaut sank um 27,7 Prozent, der pH-Wert um 0,66. Die Hormonspiegel im Blut blieben im Normbereich nach der Menopause. Die EU hat das Präparat Intrarosa am 08.01.2018 zugelassen, die USA am 17.11.2016. Bei den Knochen gibt es einen konsistenten Befund für Frauen. Eine gepoolte Auswertung von 4 randomisierten Studien mit 295 Frauen und 290 Männern ab 55 Jahren fand nach 12 Monaten bei den Frauen eine um 1,0 Prozent höhere Knochendichte an der Lendenwirbelsäule und 0,5 Prozent am Trochanter, bei den Männern keinen Knochennutzen. Eine Meta-Analyse kam ebenfalls auf eine höhere Knochendichte an der Hüfte bei Frauen, nicht bei Männern. Bei Frauen mit Nebenniereninsuffizienz, deren Nebennieren zu wenig Hormone bilden, verbesserte sich die Lebensqualität in 10 Studien leicht, mit einer Effektstärke von 0,21. Für die Stimmung fand eine Meta-Analyse über 15 Studien mit 853 Personen einen kleinen Vorteil gegenüber Placebo.
Was die Studien zeigen
Die Zweijahresstudie im NEJM
87 ältere Männer mit niedrigem DHEAS und niedrigem Testosteron und 57 ältere Frauen mit niedrigem DHEAS wurden 2 Jahre lang mit DHEA, Testosteron oder Placebo behandelt. Das DHEAS stieg median um 3,4 µg/ml bei Männern und 3,8 µg/ml bei Frauen. Körperzusammensetzung, Muskelkraft, maximale Sauerstoffaufnahme, Insulinwirkung und Lebensqualität änderten sich nicht. Die Knochendichte stieg bei Männern am Schenkelhals und bei Frauen am Unterarm. Größere Nebenwirkungen traten nicht auf.
Der Cochrane-Review zu den Wechseljahren
28 Studien mit 1273 Frauen. Die Lebensqualität verbesserte sich nicht signifikant. Die Sexualfunktion verbesserte sich leicht, mit einer standardisierten Differenz von 0,31 in 5 Studien mit 261 Frauen. Androgene Nebenwirkungen, vor allem Akne, waren häufiger, mit einer Odds Ratio von 3,77. Ob Hitzewallungen und andere Beschwerden besser werden, blieb unklar.
Die gepoolten Knochenstudien
4 ähnlich aufgebaute, doppelblinde Studien mit zusammen 295 Frauen und 290 Männern ab 55 Jahren über 12 Monate. Bei den Frauen stiegen Testosteron und Estradiol, die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule um 1,0 Prozent, die Hüfte blieb stabil. Bei den Männern gab es keinen Knochennutzen, aber 0,4 kg weniger Fettmasse. Die Autoren sehen DHEA als mögliche Option für den Knochenerhalt bei Frauen und fordern längere Studien.
Wo die Daten aufhören
Der Jungbrunnen ist nicht belegt. Die sorgfältigste Langzeitstudie über 2 Jahre fand keinen Effekt auf Muskel, Fett, Kraft, Ausdauer, Insulinwirkung oder Lebensqualität. Auch 50 mg pro Tag über 12 Monate änderten bei 58 Frauen und 61 Männern zwischen 60 und 88 Jahren weder das Bauchfett noch den Zuckerstoffwechsel. Bei der Libido widersprechen sich die Übersichten: Eine Meta-Analyse über 23 Studien mit 1188 Frauen fand einen Effekt von 0,35, der knapp nicht signifikant war, der Cochrane-Review einen kleinen signifikanten Effekt. Oral eingenommen war der Effekt im Cochrane-Vergleich nicht signifikant, deutlich wurde er vor allem vaginal. Der Stimmungsvorteil beruht auf Evidenz sehr niedriger Qualität. Zur Kognition fand eine Übersicht über 4 Studien bei Frauen nach der Menopause keinen Nutzen. Bei künstlicher Befruchtung mit schlechter Eierstockreserve stieg die Lebendgeburtenrate in den randomisierten Studien nicht. Die Knocheneffekte liegen im Bereich von 1 Prozent, Daten zu Knochenbrüchen gibt es nicht. Langzeitdaten über 2 Jahre hinaus fehlen für die Tablette, ebenso Daten zum Krebsrisiko. Die Endocrine Society empfiehlt in ihrer Leitlinie von 2014 deshalb, DHEA bei Frauen nicht routinemäßig einzusetzen, auch nicht bei Nebenniereninsuffizienz.
Status, Zulassung und Recht
In Deutschland ist DHEA unter dem Namen Prasteron in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung aufgeführt und damit verschreibungspflichtig. Zugelassen ist in der EU das Vaginalzäpfchen Intrarosa mit 6,5 mg gegen mittelschwere bis schwere Beschwerden der vulvovaginalen Atrophie nach der Menopause. In den USA ist DHEA vom Betäubungsmittelrecht ausgenommen und als Nahrungsergänzung erlaubt. Im Sport steht DHEA auf der Liste der Welt-Anti-Doping-Agentur für 2026 unter S1.1 bei den anabolen Steroiden und ist jederzeit verboten, ebenso 7-Keto-DHEA. In Deutschland ist es zusätzlich namentlich in der Anlage zum Anti-Doping-Gesetz aufgeführt. Die Studien zur Tablette verwendeten meist 50 mg pro Tag; das ist eine Angabe über Studien, keine Empfehlung.
Sicherheit
In den kontrollierten Studien über bis zu 2 Jahre traten keine größeren Nebenwirkungen auf. Typisch sind androgene Effekte, vor allem Akne, die im Cochrane-Review deutlich häufiger war als unter Placebo. Die amerikanische Anti-Doping-Agentur nennt außerdem Gesichtsbehaarung, Haarausfall, eine tiefere Stimme und steigenden Blutdruck. Unter 50 mg pro Tag sank das schützende HDL-Cholesterin. Weil DHEA in Östrogene und Testosteron umgewandelt wird, gilt es bei hormonabhängigen Krebsarten wie Brust-, Eierstock- oder Prostatakrebs als riskant. Bei jungen Patientinnen mit Magersucht und offenen Wachstumsfugen fand eine Studie einen möglichen Nachteil für die Knochendichte. Wer hormonelle Erkrankungen hat oder Hormone nimmt, lässt DHEA ärztlich einordnen, zumal es in Deutschland ohnehin ein Rezept braucht.
BK-Score Belegt, mit Einschränkungen
| Human-Evidenz | 7 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 7 | |
| Sicherheits-Datenlage | 6 | |
| Hype-Abstand | 4 | |
| Anwendungserfahrung | 6 |
Evidenz 7, weil es viele randomisierte Studien und mehrere Meta-Analysen gibt, die Effekte aber klein und uneinheitlich sind: Sexualfunktion SMD 0,31 im Cochrane-Review (Scheffers et al. 2015, 28 Studien, 1273 Frauen) gegenüber knapp nicht signifikanten 0,35 in 23 RCTs (Elraiyah et al. 2014), Knochendichte der Lendenwirbelsäule bei Frauen +1,0 % nach 12 Monaten (Jankowski et al. 2019, 4 RCTs), und die zweijährige NEJM-Studie fand bei 87 Männern und 57 Frauen keinen Effekt auf Körperzusammensetzung, Kraft, Insulinwirkung oder Lebensqualität (Nair et al. 2006); die Zulassung als Vaginalzäpfchen (Labrie et al. 2016, Phase III) betrifft eine andere Anwendung als das orale Anti-Aging-Versprechen. Mechanismus 7, weil die Umwandlung in Sexualhormone am Menschen quantifiziert ist (Testosteron +24,31 ng/dl, Estradiol +7,86 pg/ml, He et al. 2025), der Weg zu harten Endpunkten aber nicht. Sicherheit 6, weil kontrollierte Daten über 12 Monate bis 2 Jahre vorliegen, dazu Zulassungsdaten für die vaginale Form, aber keine Langzeitdaten zur Tablette und keine Daten zum Krebsrisiko. Hype 4, weil DHEA als Jungbrunnen vermarktet wird, obwohl genau dieser Anspruch in der besten Langzeitstudie nicht hielt. Anwendung 6, weil DHEA in den USA frei als Nahrungsergänzung erhältlich ist, als Vaginalzäpfchen in EU und USA zugelassen und in Deutschland verschreibungspflichtig reguliert ist.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu DHEA (Dehydroepiandrosteron)
Wirkt DHEA gegen das Altern?
Die beste Langzeitstudie über 2 Jahre fand bei älteren Männern und Frauen keinen Effekt auf Muskeln, Fett, Kraft, Insulinwirkung oder Lebensqualität. Belegt sind Hormonanstiege und kleine Knocheneffekte bei Frauen. Einen messbaren Anti-Aging-Nutzen gibt es bisher nicht.
Steigert DHEA die Libido?
Die Übersichten widersprechen sich. Der Cochrane-Review fand bei Frauen in den Wechseljahren eine leichte Verbesserung der Sexualfunktion, eine andere Meta-Analyse knapp keinen signifikanten Effekt. Am deutlichsten wirkt DHEA als Vaginalzäpfchen gegen Schmerzen beim Sex.
Ist DHEA in Deutschland rezeptfrei?
Nein. Prasteron steht in der Arzneimittelverschreibungsverordnung und ist verschreibungspflichtig. Zugelassen ist in der EU ein Vaginalzäpfchen mit 6,5 mg.
Hilft DHEA den Knochen?
Bei älteren Frauen stieg die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule in gepoolten Studien nach 12 Monaten um 1,0 Prozent, bei Männern gab es keinen Nutzen. Ob das Knochenbrüche verhindert, ist nicht untersucht.
Welche Nebenwirkungen hat DHEA?
Am häufigsten sind Akne und andere androgene Effekte wie vermehrte Gesichtsbehaarung. Das HDL-Cholesterin kann sinken. Bei hormonabhängigen Krebsarten gilt DHEA als riskant.
Ist DHEA Doping?
Ja. DHEA steht auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur bei den anabolen Steroiden und ist jederzeit verboten, in und außerhalb von Wettkämpfen. In Deutschland ist es zusätzlich im Anti-Doping-Gesetz aufgeführt.
Quellen
- Nair et al., N Engl J Med 2006 – DHEA und Testosteron bei Älteren, 2 Jahre
- Scheffers et al., Cochrane Database Syst Rev 2015 – DHEA in den Wechseljahren
- Elraiyah et al., J Clin Endocrinol Metab 2014 – Meta-Analyse bei postmenopausalen Frauen
- Alkatib et al., J Clin Endocrinol Metab 2009 – DHEA bei Nebenniereninsuffizienz
- Jankowski et al., Clin Endocrinol 2019 – Knochendichte, gepoolte Analyse von 4 RCTs
- Labrie et al., Menopause 2016 – vaginales Prasteron, Phase III
- He et al., Diabetol Metab Syndr 2025 – Testosteron und Estradiol unter DHEA
- Peixoto et al., J Neurosci Res 2020 – DHEA und depressive Symptome
- Wierman et al., J Clin Endocrinol Metab 2014 – Leitlinie Androgentherapie bei Frauen
- EMA – Intrarosa (Prasteron), Zulassung
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-27.