Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Cardarine (GW501516)

PPARdelta-Agonist (Peroxisome Proliferator-Activated Receptor delta), kein SARM, nicht zugelassen · GW501516, GW1516, Endurobol, Cardarin, GSK-516

Cardarine, in der Szene oft Endurobol genannt, gilt als der Prototyp der Ausdauer-in-Pillenform. Der Stoff aktiviert einen Schalter im Fettstoffwechsel und liess Mäuse deutlich weiter laufen. Beim Menschen ist bisher aber nur belegt, dass er das Blutfettprofil verbessert, und der Hersteller hat die Entwicklung wegen Krebs in Langzeit-Tierstudien gestoppt.

Kurz gesagt

Cardarine (GW501516) ist kein SARM, sondern ein PPAR-delta-Agonist, der in Muskelzellen die Fettverbrennung ankurbelt. In Tierversuchen steigerte er die Laufleistung, in mehreren kontrollierten Studien am Menschen verbesserte er die Blutfettwerte, senkte also Triglyceride und hob das HDL. Zu Ausdauer, Fettabbau oder Muskelaufbau beim Menschen gibt es dagegen keine einzige Studie. Der entscheidende Haken ist die Sicherheit: Der Hersteller GlaxoSmithKline stoppte die Entwicklung 2006, nachdem in langfristigen Tierstudien verschiedene Krebsarten aufgetreten waren. Cardarine ist nirgends zugelassen und steht auf der Dopingliste.

Was es ist

Cardarine ist ein synthetisches Molekül mit dem Laborcode GW501516, entwickelt Ende der neunziger Jahre von den Pharmafirmen GlaxoSmithKline und Ligand. Anders als die oft in einem Atemzug genannten SARMs wirkt Cardarine nicht am Androgenrezeptor, sondern an einem Kernrezeptor namens PPAR-delta. Das ist ein Sensor in der Zelle, der Gene für den Fettstoffwechsel an- und abschaltet.

Ziel war zunächst kein Sportmittel, sondern ein Medikament gegen Fettstoffwechselstörungen. Die Hoffnung: mehr gutes HDL-Cholesterin, weniger Triglyceride, ohne die Nebenwirkungen der damaligen Präparate. Erst später wurde der Stoff durch eine Studie über Ausdauer bei Mäusen bekannt und wanderte von dort in die Trainingsszene.

Wie es wirken soll

PPAR-delta sitzt in Muskel-, Fett- und Leberzellen und steuert dort, wie viel Fettsäuren verbrannt werden. Aktiviert man den Rezeptor mit Cardarine, verschiebt sich der Stoffwechsel in Zell- und Tierversuchen hin zu mehr Fettverbrennung, mehr HDL und weniger Triglyceriden. Beim Menschen ist dieser Weg direkt belegt: In einer Studie an übergewichtigen Männern stieg die Fettverbrennung im Muskel messbar, und das dafür zuständige Transportenzym wurde hochgeregelt.

Der berühmte Ausdauereffekt ist komplizierter, als die Werbung nahelegt. In der zugrunde liegenden Arbeit von 2008 steigerte Cardarine bei untrainierten Mäusen die Laufleistung allein gar nicht, sondern erst zusammen mit Training. Eine spätere Studie fand einen Effekt auch ohne Training, führte ihn aber darauf zurück, dass der Stoff Glukose spart und so den Blutzucker beim Laufen länger hochhält. Das ist ein interessantes Prinzip, aber eben aus dem Tiermodell.

Auf der Ebene der Blutfette ist die Wirkkette am Menschen inzwischen recht gut vermessen. Bei dyslipidämischen Männern erhöhte Cardarine den Abbau fetthaltiger Partikel und die Bildung des schützenden Apolipoproteins A, ein plausibler Weg zu mehr HDL und weniger Triglyceriden. Das erklärt, warum die Substanz ursprünglich als Herz-Kreislauf-Medikament gedacht war und nicht als Sportmittel.

Woher der Ruf als Wundermittel kommt

Die Zahl, die in Foren am häufigsten fällt, sind 44 Prozent mehr Ausdauer. Diese Zahl stammt aus der Mäusearbeit von 2008, gehört dort aber zu einem anderen Stoff, dem AMPK-Aktivator AICAR, nicht zu Cardarine. Für Cardarine galten in derselben Studie 68 Prozent längere Laufzeit und 70 Prozent längere Strecke, und das nur in Kombination mit vierwöchigem Lauftraining.

Aus einem Medikamentenkandidaten für den Fettstoffwechsel wurde so ein Symbol für Leistung ohne Anstrengung. Was in der Vermarktung meist fehlt: Der Hersteller hat die Substanz nie zur Zulassung gebracht, sondern die Entwicklung abgebrochen, und der Grund war kein Formfehler, sondern Krebs in den Tierstudien.

Was gut belegt ist

Gut belegt ist die Wirkung auf die Blutfette beim Menschen. In vier kontrollierten Studien mit 6 bis 268 Teilnehmern über 2 bis 12 Wochen stieg das HDL-Cholesterin, während Triglyceride, LDL, das Apolipoprotein B und die freien Fettsäuren fielen. In der größten dieser Studien mit 268 Patienten über 12 Wochen stieg das HDL um bis zu 16,9 Prozent, das LDL sank um 7,3 Prozent und die Triglyceride um 16,9 Prozent. Bei übergewichtigen Männern fielen zusätzlich das Leberfett um 20 Prozent und ein Marker für oxidativen Stress um 30 Prozent. Die Zielstruktur PPAR-delta ist damit am Menschen bestätigt.

In der ersten Gabe am Menschen überhaupt stieg das HDL in beiden Dosisgruppen deutlich an, während es in der Placebogruppe im selben Zeitraum um 11,5 Prozent fiel.

Gut belegt ist auch der Ausdauereffekt im Tier, allerdings mit klaren Einschränkungen. Bei Mäusen steigerte Cardarine zusammen mit Training die Laufleistung deutlich, und ein transgenes Mausmodell mit dauerhaft aktiviertem PPAR-delta lief bis zur doppelten Strecke. Bei Rhesusaffen stieg das HDL dosisabhängig, und zugleich fielen die kleinen dichten LDL-Partikel und das Nüchtern-Insulin.

Was die Studien zeigen

Narkar et al., Cell 2008 - die Ausdauerstudie

Männliche Mäuse erhielten Cardarine mit oder ohne vierwöchiges Laufbandtraining. Ohne Training tat sich bei der Ausdauer nichts, obwohl die oxidativen Gene hochreguliert wurden. Erst zusammen mit Training stiegen die Laufzeit um 68 und die Strecke um 70 Prozent gegenüber trainierten Kontrolltieren, der Anteil ausdauernder Typ-I-Muskelfasern um rund 38 Prozent. Die viel zitierten 44 Prozent im selben Aufsatz gehören zu AICAR, nicht zu Cardarine.

Olson et al., ATVB 2012 - die größte Humanstudie

In der größten kontrollierten Studie am Menschen erhielten 268 Patienten mit niedrigem HDL über 12 Wochen Cardarine oder Placebo. Das HDL-Cholesterin stieg um bis zu 16,9 Prozent, das LDL sank um 7,3 Prozent, die Triglyceride um 16,9 Prozent und das Apolipoprotein B um 14,9 Prozent. Gemessen wurden ausschließlich Blutfettwerte, keine Herz-Kreislauf-Ereignisse und keine Leistungsdaten.

Gupta et al., Nat Med 2004 - das Krebssignal

Mäuse mit erblicher Neigung zu Darmpolypen bekamen den PPAR-delta-Liganden Cardarine. Zahl und Größe der Polypen nahmen deutlich zu, die Zahl der Polypen über 2 Millimeter stieg auf das Fünffache. Die Rolle von PPAR-delta bei Darmkrebs ist in der Forschung nicht einheitlich, aber dieser und weitere Tierbefunde stehen im Umfeld der Krebs-Sicherheitssignale, wegen derer die Entwicklung gestoppt wurde.

Wo die Daten aufhören

Die entscheidende Lücke: Für Ausdauer, Fettabbau oder Körperzusammensetzung beim Menschen gibt es keine einzige Studie. Alle Humandaten betreffen Blutfettwerte, also Surrogatmarker, und keine Studie hat harte Endpunkte wie Herzinfarkte oder Sterblichkeit geprüft. Die Entwicklung wurde vor solchen Studien beendet. Der gesamte Ausdauerruf stützt sich auf Mäuse, und selbst dort wirkte Cardarine allein nur bedingt.

Auch das Krebssignal ist nicht in aller Ausführlichkeit frei nachlesbar. Die Aussage, dass in langfristigen Tierstudien verschiedene Krebsarten auftraten, stammt aus der Mitteilung des Herstellers und der Gesundheitsbehörde, nicht aus einer detaillierten Primärpublikation. Langzeitdaten am Menschen fehlen vollständig, und niemand weiß, wie sich der Stoff über Jahre auswirkt.

Status, Zulassung und Recht

Cardarine ist nirgends als Arzneimittel zugelassen und auch kein Nahrungsergänzungsmittel. Die klinische Entwicklung wurde 2006 gestoppt. Im Sport ist die Lage eindeutig: Die WADA-Verbotsliste 2026 führt PPAR-delta-Agonisten und nennt GW1516 und GW501516 ausdrücklich, verboten jederzeit, in und außerhalb des Wettkampfs. In Deutschland steht Cardarine namentlich in der Anlage zum Anti-Doping-Gesetz, unter den Stoffwechsel-Modulatoren, mit den Synonymen GW1516, Cardarin und Endurobol. Damit sind Erwerb, Besitz und Verbringen in nicht geringer Menge zum Zweck des Dopings sowie Handel und Abgabe strafbar. Dosierangaben machen wir nicht.

Sicherheit

Der wichtigste Sicherheitsbefund ist das Krebssignal aus den Langzeit-Tierstudien, wegen dessen die Entwicklung endete. Dazu kommt ein publizierter Vergiftungsfall: Ein Mann, der Cardarine zusammen mit dem SARM Ostarin genommen hatte, entwickelte einen schweren Leberzellschaden und eine ausgeprägte Rhabdomyolyse mit einer Kreatinkinase bis 86435 Einheiten pro Liter, erholte sich aber nach sechs Wochen. Kombinationen mit anderen leber- oder muskelbelastenden Stoffen sind nicht untersucht. Für Schwangere, bei Krebsrisiko oder Lebererkrankung ist der Stoff ungeeignet. Hinzu kommt die unzuverlässige Produktqualität vom Graumarkt: In einer Analyse von Produkten, die als SARM verkauft wurden, tauchte Cardarine als nicht deklarierte Beimischung auf, und nur bei etwa der Hälfte der Produkte stimmte überhaupt der angegebene Wirkstoff.

BK-Score Dünne Humanevidenz

Human-Evidenz5
Mechanismus6
Sicherheits-Datenlage5
Hype-Abstand2
Anwendungserfahrung3

Evidenz 5, weil es zwar mehrere kontrollierte Humanstudien gibt (Sprecher 2007, n=24; Riserus 2008, 6 pro Gruppe; Ooi 2011, n=13; Olson 2012, n=268, 12 Wochen), diese aber ausschliesslich Surrogat-Blutfettwerte messen und keine einzige die Anwendung betrifft, fuer die Cardarine bekannt ist: Ausdauer und Fettabbau sind am Menschen nie untersucht worden, harte Endpunkte fehlen, die Entwicklung wurde vorher gestoppt. Mechanismus 6, weil die Zielstruktur PPARdelta am Menschen bestaetigt ist und die Wirkkette ueber CPT1b-Induktion und gemessene Fettverbrennung teilweise quantifiziert wurde (Riserus 2008); der Ausdauereffekt selbst ist nur tierexperimentell und im Ausgangsbefund an Training gebunden - GW1516 allein steigerte die Laufleistung sitzender Maeuse nicht (Narkar 2008). Sicherheit 5, weil kontrollierte Humandaten nur ueber Wochen bis 12 Wochen vorliegen, Langzeitdaten fehlen und das entscheidende Krebssignal aus langfristigen Tierstudien stammt (GSK/Health Canada 2013; Apc-min-Modell Gupta 2004); dazu ein Vergiftungsfall mit Rhabdomyolyse in Kombination mit Ostarin (Kintz 2021). Hype 2, weil die Erzaehlung "Ausdauer in Pillenform" zwei Dinge weglaesst: Die tragenden Zahlen stammen von Maeusen und nur mit Training, und dass der Hersteller die Entwicklung wegen Krebs abgebrochen hat, kommt in der Vermarktung nicht vor; die populaeren 44 Prozent gehoeren ausserdem zu AICAR, nicht zu GW1516. Anwendung 3, weil GW501516 am Menschen praktisch nur in Studien und auf dem Graumarkt vorkommt, keinen regulatorischen Rahmen hat und im Sport verboten ist. Richtung gemischt: Mechanismus und die humanen Blutfettdaten tragen, aber fuer die beworbene Wirkung fehlen Humandaten, und das Krebssignal steht dagegen.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Cardarine (GW501516)

Ist Cardarine ein SARM?

Nein. Cardarine wirkt nicht am Androgenrezeptor wie die SARMs, sondern am Kernrezeptor PPAR-delta, der den Fettstoffwechsel steuert. In Foren und im Handel wird es oft zusammen mit SARMs geführt, pharmakologisch gehört es aber in eine eigene Klasse, die der Stoffwechsel-Modulatoren.

Steigert Cardarine wirklich die Ausdauer?

Im Tiermodell ja, beim Menschen ist es nicht untersucht. Bei Mäusen stiegen Laufzeit und Strecke deutlich, allerdings im Ausgangsversuch nur zusammen mit Training. Die oft genannten 44 Prozent gehören zu einem anderen Stoff aus derselben Studie, nicht zu Cardarine. Eine kontrollierte Ausdauerstudie am Menschen gibt es nicht.

Verursacht Cardarine Krebs?

Der Hersteller GlaxoSmithKline stoppte die Entwicklung 2006, nachdem in langfristigen Tierstudien verschiedene Krebsarten aufgetreten waren. In einem Mausmodell beschleunigte der Stoff das Wachstum von Darmpolypen. Ob und in welchem Ausmaß das für den Menschen gilt, ist nicht geklärt, weil es keine Langzeitdaten am Menschen gibt.

Was bringt Cardarine beim Menschen nachweislich?

Belegt ist bisher nur eine Wirkung auf die Blutfette. In kontrollierten Studien stieg das HDL-Cholesterin und fielen Triglyceride, LDL und das Leberfett. Das sind Laborwerte, keine nachgewiesenen gesundheitlichen Vorteile, und für Ausdauer oder Fettabbau fehlt jeder Humannachweis.

Ist Cardarine in Deutschland legal?

Cardarine ist nicht als Arzneimittel zugelassen und kein Nahrungsergänzungsmittel. Es steht namentlich in der Anlage zum Anti-Doping-Gesetz, weshalb Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zum Zweck des Dopings strafbar sind. Im Sport ist es nach der WADA-Liste jederzeit verboten.

Enthalten Cardarine-Produkte, was draufsteht?

Oft nicht. In einer Analyse von Produkten, die als SARM verkauft wurden, war Cardarine eine nicht deklarierte Beimischung, und nur etwa die Hälfte der Produkte enthielt überhaupt den angegebenen Wirkstoff. Beim Kauf über den Graumarkt weißt du also nicht sicher, was du bekommst.

Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-27.