Biohacking Kompakt

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Astragalus & Cycloastragenol (TA-65)

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Astragalus, auf Chinesisch Huang Qi, ist eine Wurzel aus der traditionellen chinesischen Medizin, die in Europa seit Jahrzehnten als Nahrungsergänzung verkauft wird. In der Longevity-Szene ist sie vor allem wegen Cycloastragenol bekannt, eines Inhaltsstoffs, der das Telomer-Enzym Telomerase anschaltet und als TA-65 vermarktet wird. Die Telomer-Befunde sind echt und spannend, ob daraus ein längeres oder gesünderes Leben wird, ist offen.

Kurz gesagt

Astragalus-Wurzel gilt in der EU als nicht neuartig in Nahrungsergänzungsmitteln und ist damit legal im Handel. Ihr Inhaltsstoff Cycloastragenol aktiviert in Zellen und bei Mäusen die Telomerase, das Enzym, das die Schutzkappen der Chromosomen verlängert. In einer placebokontrollierten Studie mit 117 Menschen wurden die Telomere unter der niedrigen TA-65-Dosis über 12 Monate um 530 Basenpaare länger, unter Placebo um 290 kürzer. Eine Meta-Analyse von 2025 bestätigt längere Telomere, findet aber keine Verbesserung bei Gebrechlichkeit oder Entzündung, und die meisten Studien bezahlte der Hersteller. Reines Cycloastragenol ist in der EU ein noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel.

Was es ist

Gemeint ist die getrocknete Wurzel von Astragalus membranaceus, einem Schmetterlingsblütler, der heute botanisch auch als Astragalus mongholicus geführt wird. Laut Cochrane gehört sie zu den meistverwendeten Kräutern der traditionellen chinesischen Medizin. Die Weltgesundheitsorganisation nennt in ihrer Monografie von 1999 als Hauptinhaltsstoffe Triterpensaponine, die Astragaloside, und Polysaccharide. Traditionell wird die Wurzel zur Stärkung des Immunsystems und der Ausdauer eingesetzt, das US-Gesundheitsinstitut NCCIH zählt sie zu den Adaptogenen.

Cycloastragenol ist ein Triterpen-Aglykon aus der Wurzel, also der zuckerfreie Grundkörper ihrer Saponine; die Astragaloside werden im Körper offenbar teilweise zu Cycloastragenol verstoffwechselt. TA-65 ist nach Angaben einer Studiengruppe eine aus der Wurzel gereinigte, verkapselte Form von Cycloastragenol mit besserer Bioverfügbarkeit, vertrieben von der Firma T.A. Sciences aus New York. Zwischen einem Wurzelpulver und einem hochreinen Einzelstoff liegen also Welten, auch rechtlich.

Wie es wirken soll

Telomere sind die Schutzkappen an den Chromosomenenden. Sie werden bei jeder Zellteilung etwas kürzer, und sehr kurze Telomere bringen Zellen in den Ruhestand der Seneszenz. Die Telomerase kann sie wieder verlängern, ist in normalem Körpergewebe aber weitgehend abgeschaltet. Die Idee hinter TA-65 ist einfach: das Enzym sanft anschalten und so die kritisch kurzen Telomere retten.

Im Labor funktioniert das. 2008 steigerte Cycloastragenol in Abwehrzellen HIV-infizierter Spender die Teilungsfähigkeit und die antivirale Kraft, und ein Telomerase-Hemmer hob den Effekt wieder auf. 2011 zeigte eine spanische Telomer-Arbeitsgruppe, dass TA-65 bei Mäusen kurze Telomere telomeraseabhängig verlängert. Weibliche Mäuse hatten danach bessere Zuckerwerte, festere Knochen und gesündere Haut, ohne mehr Krebs. Für die Wurzel selbst werden zusätzlich immunmodulierende Polysaccharide diskutiert.

Warum die Longevity-Szene hinschaut

TA-65 ist eines der bekanntesten Produkte, die ausdrücklich mit Telomerase-Aktivierung beworben werden, und es gehört zu den wenigen, zu denen es placebokontrollierte Studien am Menschen gibt. In Anwenderkreisen wird es deshalb als der seriöseste Versuch gesehen, an der Telomer-Uhr zu drehen. Die Wurzel selbst hat den Ruf eines sanften Immun-Adaptogens mit jahrhundertelanger Tradition.

Was gut belegt ist

Am besten belegt ist der Effekt auf die Telomerlänge in Blutzellen. In einer doppelblinden Studie erhielten 117 relativ gesunde Menschen zwischen 53 und 87 Jahren, alle mit einer Zytomegalievirus-Infektion, 12 Monate lang TA-65 in zwei Dosisstufen oder Placebo. Unter der niedrigen Dosis wuchsen die Telomere um 530 Basenpaare, unter Placebo schrumpften sie um 290. Eine Meta-Analyse von 8 Studien mit 750 Teilnehmenden kommt 2025 auf einen mittleren Effekt, SMD 0,47, bei über 60-Jährigen stärker. Auch eine Studie ohne externe Finanzierung fand einen positiven Befund: In der 2024 veröffentlichten Arbeit mit 40 gesunden Menschen um die 56 Jahre verlängerte ein Kombinationspräparat mit Astragalus-Extrakten, Olivenextrakt, Traubenkernextrakt und Zink die Telomere über 6 Monate. Für die Wurzel selbst fasst eine Meta-Analyse 19 Studien mit 1094 Teilnehmenden zusammen, mit weniger entzündungsfördernden Botenstoffen, mehr CD3-Abwehrzellen und einem höheren CD4/CD8-Verhältnis, bei allerdings sehr uneinheitlichen Studien.

Was die Studien zeigen

TA-65 nach Herzinfarkt

90 Herzinfarkt-Patienten über 65 Jahre nahmen 12 Monate TA-65 oder Placebo. Der primäre Endpunkt, der Anteil gealterter CD8-Abwehrzellen, änderte sich nicht. Dafür stieg die Zahl der Lymphozyten um 285 Zellen pro Mikroliter, das Entzündungseiweiß hsCRP lag um 62 Prozent niedriger, und in der TA-65-Gruppe gab es weniger unerwünschte Ereignisse, 130 gegenüber 185. Die Studie wurde von Forschenden geleitet, aber vom Hersteller finanziert.

Makuladegeneration

38 Menschen mit früher altersbedingter Makuladegeneration erhielten ein Jahr lang TA-65 oder Placebo. Die Lichtempfindlichkeit der Netzhautmitte verbesserte sich um 0,97 dB gegenüber Placebo. Das ist eine Pilotstudie, finanziert vom Hersteller.

Metabolisches Syndrom

40 Menschen mit metabolischem Syndrom nahmen im Crossover-Design je 12 Wochen TA-65 und Placebo. Unter TA-65 lagen HDL-Cholesterin höher und Taillenumfang, LDL/HDL-Quotient und der Entzündungsbotenstoff TNF-alpha niedriger.

Wurzel bei Nierenerkrankung

Ein Cochrane-Review fasste 22 Studien mit 1323 Teilnehmenden zusammen. Astragalus zusätzlich zur Standardtherapie senkte die Eiweißausscheidung um 0,53 g pro Tag und hob Hämoglobin und Albumin. Die Studienqualität war niedrig, und Dialysepflicht oder Sterblichkeit wurden nirgends berichtet.

Wo die Daten aufhören

Längere Telomere sind ein Messwert, kein Gesundheitsgewinn an sich. In der Meta-Analyse von 2025 besserten sich weder Gebrechlichkeit noch Entzündungswerte, und nach Herzinfarkt wurde der primäre Endpunkt verfehlt. In der wichtigsten Telomer-Studie wirkte nur die niedrige Dosis signifikant, die hohe zeigte lediglich einen Trend. Bei Mäusen verlängerten 4 Monate TA-65 die Lebensdauer nicht, für Menschen gibt es keine Daten zur Lebenserwartung. Fast alle TA-65-Studien wurden vom Hersteller bezahlt, und die Meta-Analyse fand in diesen Studien größere Effekte. Die frühen Programmdaten aus 2011 und 2013 hatten keine Kontrollgruppe. Eine unabhängige Studie mit 120 älteren Menschen, die TA-65 mit Resveratrol kombinierte, musste diesen Arm nach 5 Monaten wegen steigender LDL-Werte stoppen, wahrscheinlich durch das Resveratrol, sodass sie zu TA-65 nichts beitragen konnte. Die Studien zur Wurzel selbst sind überwiegend klein, und die WHO führte 1999 keine klinisch belegte Anwendung.

Status, Zulassung und Recht

Astragalus-Wurzel und ihre alkoholischen Extrakte gelten in der EU als nicht neuartig in Nahrungsergänzungsmitteln, weil sie vor 1997 bereits verwendet wurden. Das bestätigen der Novel-Food-Katalog der EU-Kommission, eine Konsultation von 2024 zu einem 2:1-Wurzelextrakt und die Stoffliste von Bund und Ländern. Amtliche Höchstmengen gibt es nicht. Anders Cycloastragenol mit mindestens 98 Prozent Reinheit, also der Wirkstoff von TA-65: Die EU-Kommission stufte es nach einer Anfrage an die tschechische Behörde als neuartiges Lebensmittel ein, das noch nicht zugelassen ist. Einen Zulassungsantrag hatte der Hersteller schon 2014 gestellt. Als Lebensmittel darf reines Cycloastragenol in der EU damit derzeit nicht verkauft werden.

Sicherheit

Die Wurzel gilt als gut verträglich. Nach dem NCCIH scheinen bis zu 60 g pro Tag über bis zu 4 Monate keine Nebenwirkungen zu verursachen. Menschen mit Autoimmunerkrankungen sollen Astragalus laut NCCIH meiden, weil es die Beschwerden verstärken könnte, und mit Immunsuppressiva sind Wechselwirkungen möglich. In Schwangerschaft und Stillzeit rät die WHO ab, Tierdaten deuten auf Schäden am Ungeborenen. Für TA-65 fand die Meta-Analyse über 12 Monate keine schweren Ereignisse, aber leichte Magen-Darm-Beschwerden bei 12,4 Prozent. In einer Rattenstudie über 91 Tage zeigte Cycloastragenol keine schädlichen Effekte. Offen bleibt die grundsätzliche Frage, ob eine dauerhafte Telomerase-Aktivierung das Krebsrisiko beeinflusst. Die Studien schlossen Menschen mit Krebs in der Vorgeschichte aus, Langzeitdaten fehlen.

BK-Score Dünne Humanevidenz

Human-Evidenz4
Mechanismus5
Sicherheits-Datenlage5
Hype-Abstand3
Anwendungserfahrung7

Evidenz 4, weil es zu TA-65 nur kleine RCTs mit Surrogatmarkern gibt: Telomere +530 bp gegenüber -290 bp unter Placebo bei 117 Teilnehmenden über 12 Monate (Salvador 2016), in einer Meta-Analyse von 8 RCTs mit 750 Teilnehmenden SMD 0,47 (Su 2025), überwiegend herstellerfinanziert; die Studien zur Wurzel sind laut Cochrane (22 Studien, 1323 Teilnehmende) von niedriger Qualität und ohne harte Endpunkte. Mechanismus 5, weil die Telomerase-Aktivierung durch Cycloastragenol in menschlichen Zellen und bei Mäusen telomeraseabhängig gezeigt ist (Fauce 2008, Bernardes de Jesus 2011) und die Telomerlänge beim Menschen reagiert, der Weg von dort zu Funktion und Gesundheit aber nicht belegt ist. Sicherheit 5, weil kontrollierte Daten über 12 Monate ohne schwere Ereignisse, eine 91-Tage-Rattenstudie und für die Wurzel lange traditionelle Nutzung vorliegen, das theoretische Krebsrisiko einer dauerhaften Telomerase-Aktivierung aber nie langfristig untersucht wurde. Hype 3, weil aus längeren Telomeren ein Verjüngungsversprechen gemacht wird, obwohl sich Gebrechlichkeit und Entzündung in der Meta-Analyse nicht besserten und TA-65 die Lebensdauer von Mäusen nicht verlängerte. Anwendung 7, weil die Wurzel seit Jahrhunderten in der chinesischen Medizin und in der EU schon vor 1997 in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet wird; reines Cycloastragenol ist dagegen in der EU nicht zugelassen. Richtung gemischt: positive Befunde bei Telomerlänge und einzelnen Immunwerten, kein Nutzen bei funktionellen Endpunkten und ein verfehlter primärer Endpunkt nach Herzinfarkt.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Astragalus & Cycloastragenol (TA-65)

Verlängert TA-65 die Telomere wirklich?

In einer placebokontrollierten Studie mit 117 Menschen wurden die Telomere unter der niedrigen Dosis länger, unter Placebo kürzer. Eine Meta-Analyse von 2025 bestätigt einen mittleren Effekt. Die meisten Studien bezahlte allerdings der Hersteller.

Macht TA-65 jünger oder verlängert es das Leben?

Das ist nicht belegt. Gebrechlichkeit und Entzündungswerte besserten sich in der Meta-Analyse nicht, und bei Mäusen verlängerte TA-65 die Lebensdauer nicht. Daten zur Lebenserwartung von Menschen gibt es nicht.

Ist Cycloastragenol in Deutschland legal?

Reines Cycloastragenol ist in der EU als neuartiges Lebensmittel eingestuft und noch nicht zugelassen. Es darf daher derzeit nicht als Lebensmittel verkauft werden. Die Astragalus-Wurzel und ihre alkoholischen Extrakte sind dagegen als Nahrungsergänzung erlaubt.

Was ist der Unterschied zwischen Astragalus-Wurzel und TA-65?

Die Wurzel enthält viele Stoffe, darunter Astragaloside und Polysaccharide, und wird seit Jahrhunderten verwendet. TA-65 ist eine gereinigte Form des Einzelstoffs Cycloastragenol. Die Telomer-Studien beziehen sich auf TA-65 oder auf Präparate mit zugesetztem Cycloastragenol.

Kann Telomerase-Aktivierung Krebs fördern?

Das ist eine berechtigte theoretische Sorge, denn in den meisten Tumoren ist die Telomerase wieder aktiv, in normalem Körpergewebe dagegen kaum. Bei Mäusen stieg die Krebsrate unter TA-65 nicht, und in Studien über 12 Monate gab es keine schweren Ereignisse. Langzeitdaten fehlen, bei Krebs in der Vorgeschichte gibt es keine Daten.

Für wen ist Astragalus nicht geeignet?

Menschen mit Autoimmunerkrankungen sollten es meiden, und wer Immunsuppressiva nimmt, sollte ärztlich Rücksprache halten. In Schwangerschaft und Stillzeit wird davon abgeraten. Bei einer Krebserkrankung ist ärztlicher Rat wichtig.

Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-29.