Biohacking Kompakt

Podcast-Folge 96

LL-37 – das körpereigene Antibiotikum

4. Oktober 2026

LL-37 ist kein erfundenes Molekül, sondern das einzige Cathelicidin, das der menschliche Körper herstellt. Die Studien, mit denen dafür geworben wird, betreffen offene Wunden — angeboten wird die Spritze. Dazwischen liegt mehr als ein Schritt.

Worum es geht

Das Peptid aus 37 Aminosäuren steckt in den neutrophilen Granulozyten und tut dort drei gut belegte Dinge: Es reißt Löcher in Keimmembranen, lockt weitere Immunzellen an und unterstützt die Wundheilung. Die Grundlagenforschung dazu ist stark, und es gibt sogar eine echte Verbindung zum Vitamin-D-Rezeptor, der das zugehörige Gen anschaltet. Die Folge liest die Studien am Menschen genau nach — es sind Studien an offenen Wunden, mit dem Wirkstoff als Auflage — und geht dann zu dem Punkt, der auf keiner Verkaufsseite steht: Dasselbe Molekül ist bei einer verbreiteten Hauterkrankung ein anerkanntes Autoantigen, gegen das sich das Immunsystem richtet.

Die Kernaussagen

  • LL-37 besteht aus 37 Aminosäuren und ist das einzige Cathelicidin, das der menschliche Körper bildet; andere Tiere haben ganze Familien davon.
  • Die größere Wundstudie randomisierte 149 Patienten an 15 Zentren über 13 Wochen, verblindet, placebokontrolliert und mit 2 Konzentrationen.
  • Der Hauptendpunkt liegt praktisch übereinander: 26,5 und 24,7 Prozent in den Wirkstoffgruppen gegen 25,3 Prozent unter Placebo.
  • In der Untergruppe mit Wunden ab 10 Quadratzentimetern schlossen sich 28,1 Prozent vollständig gegen 8,1 Prozent unter Placebo.
  • Die höhere der 2 geprüften Konzentrationen kam in genau dieser Untergruppe nur auf 19,6 Prozent — das Muster, das eine echte Wirkung erwarten ließe, fehlt.
  • Zu injiziertem LL-37 am Menschen gibt es 0 Langzeitdaten, keine Zulassung und keine Sicherheitsbeobachtung über längere Zeit.
  • Der Score steht bei Human-Evidenz 1, Sicherheit 1, Anwendung 1 und Hype 1 — die niedrigste Zeile der Reihe, ausgerechnet bei der besten Grundlagenforschung.

Wo die Daten aufhören

Zwischen den Studien und dem Angebot liegt ein doppelter Sprung: von der Wundauflage zur Injektion und von einer Wunde am Bein zum ganzen Körper. Für die injizierte Anwendung gibt es am Menschen keine Daten und keine Zulassung. Was dagegen gut beschrieben ist, ist ein Mechanismus in die andere Richtung: Bei der Schuppenflechte ist LL-37 ein anerkanntes Autoantigen. Es verbindet sich mit körpereigener DNA, und dieser Komplex weckt über einen Rezeptor für Erregererbgut eine Interferon-Antwort, die am Anfang der Erkrankung steht. Bei Rosacea zerschneidet ein überaktives Enzym das Molekül in Bruchstücke, die entzündungsfördernder sind als das intakte Peptid.

Dazu zwei offene Punkte: Die Wirkung auf Tumoren ist gewebeabhängig beschrieben, mal fördernd, mal hemmend, und das Peptid fördert Gefäßneubildung. Und in höherer Konzentration greift es auch menschliche Zellen an — im Körper ist die Freisetzung nach Ort, Menge und Dauer streng geregelt.

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Veröffentlicht am 4. Oktober 2026.

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  • Der körpereigene Abwehr-Klassiker: das einzige menschliche Cathelicidin mit breiter antimikrobieller Wirkung und einer Rolle in Immunmodulation und WuLL-37

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-19.