Biohacking Kompakt

Podcast-Folge 89

Lipoprotein(a) – die Studie, die am 4. September scheiterte

27. September 2026

Am 4. September ist die Studie gescheitert, die zeigen sollte, dass sich Herzinfarkte durch das Senken von Lipoprotein(a) verhindern lassen. Der Wert selbst bleibt trotzdem einer der am saubersten belegten Risikofaktoren der Herzmedizin.

Worum es geht

Lipoprotein(a) ist ein LDL-Partikel mit einem Anhängsel: dem langen, verdrehten Apolipoprotein(a), das es klebriger und offenbar entzündungsfördernder macht. Der Wert ist genetisch festgelegt, steht bei der Geburt fest und lässt sich durch Ernährung, Sport oder Statine praktisch nicht bewegen. Etwa jeder Fünfte hat einen erhöhten Wert und weiß nichts davon, weil er im normalen Cholesterin-Check nicht mitgemessen wird. Pelacarsen sollte das ändern und verhindert schon in der Leber, dass das Anhängsel gebaut wird. In der Studie Lipoprotein(a)-HORIZON mit 8.323 Patienten sank der Wert auch deutlich — die Zahl der Herz-Kreislauf-Ereignisse aber nicht. Die Folge geht drei Erklärungen durch und sortiert, was das für die eigene Vorsorge bedeutet.

Die Kernaussagen

  • Der Lipoprotein(a)-Wert ist genetisch festgelegt und ändert sich lebenslang kaum; eine einzige Messung im Leben genügt, im normalen Cholesterin-Check ist sie nicht enthalten.
  • Etwa jeder Fünfte hat einen erhöhten Wert, und die meisten wissen nichts davon, weil die Bestimmung extra angefordert werden muss.
  • Die Mendelsche Randomisierung zeigt sehr klar, dass genetisch hohes Lipoprotein(a) häufiger zu Herzinfarkt führt — so nah an Ursächlichkeit, wie man ohne Medikament kommt.
  • In Lipoprotein(a)-HORIZON bekamen 8.323 Patienten mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung und Werten ab 70 mg/dl Pelacarsen; vorab festgelegt war eine Gruppe ab 90 mg/dl.
  • In Vorstudien sank der Wert um bis zu 80 Prozent, der Hauptendpunkt aus Herz-Kreislauf-Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall und dringenden Eingriffen wurde am 4. September dennoch verfehlt.
  • Schon 2018 rechneten Burgess und Ference vor, dass es gut 101 mg/dl absolute Senkung bräuchte, um der Risikoreduktion einer LDL-Senkung um knapp 39 mg/dl zu entsprechen.
  • Drei weitere Wirkstoffe laufen in großen Studien: Olpasiran mit Ergebnissen um 2028, Lepodisiran um 2029 und Muvalaplin, das als Tablette gegeben wird.

Wo die Daten aufhören

Belegt ist, dass Lipoprotein(a) den Schaden mitverursacht. Nicht belegt ist, dass späteres Senken ihn wieder rückgängig macht — zwei verschiedene Aussagen, die regelmäßig in einen Topf geworfen werden. Derzeit gibt es kein Medikament, von dem bewiesen wäre, dass es über eine Lipoprotein(a)-Senkung Herzinfarkte verhindert. Keines.

Warum HORIZON scheiterte, ist offen. Denkbar ist, dass der Ausgangswert der Eingeschlossenen ab 70 mg/dl zu niedrig lag, um überhaupt genug absolute Senkung zu erreichen: Bei 80 Prozent Senkung landet man dort bei 60 mg/dl. Denkbar ist auch, dass die bereits umfassend behandelten Teilnehmer wenig Spielraum ließen, oder dass jahrzehntelang hohe Werte Gefäßveränderungen hinterlassen, die 5 Jahre Medikament nicht mehr zurückdrehen. Die vollständigen Daten werden erst auf einem Fachkongress vorgestellt. Messen lassen bleibt sinnvoll, besonders bei frühen Herzinfarkten in der Familie.

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Veröffentlicht am 27. September 2026.

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  • Ein LDL-ähnliches Partikel mit zusätzlich angehängtem Apolipoprotein(a), dessen Höhe genetisch festgelegt ist und sich lebenslang kaum ändert. Etwa jeLipoprotein(a)

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-19.