Podcast-Folge 87
Peptide in der Krebstherapie – Zielsuchraketen, Impfstoffe und ein Helfer fürs Immunsystem
25. September 2026
Peptide schreiben in der Krebsmedizin gerade Geschichte: als Hormonblocker, als Zielsuchraketen mit radioaktiver Fracht, als Impfstoffe in Studien — und mit Thymosin alpha-1 als möglichem Helfer, der das Immunsystem nach Chemo und Bestrahlung wieder aufbauen soll.
Worum es geht
Die Folge beginnt in Bad Berka in Thüringen, wohin über Jahre Krebspatienten aus aller Welt gereist sind, um eine Radioligandentherapie zu bekommen, lange bevor sie zugelassen war. Von dort geht es durch die Rollen, die Peptide in der Onkologie spielen: GnRH-Analoga wie Leuprorelin entziehen hormonabhängigen Tumoren ihr Wachstumssignal, Somatostatin-Analoga wie Lanreotid bremsen neuroendokrine Tumoren — erzählt am Beispiel des britischen Patienten Ronny Allan, der seit 2010 alle 28 Tage eine Spritze bekommt. Die Radioligandentherapie hängt einem Peptid eine winzige Menge Lutetium an und bringt die Strahlung direkt an die Tumorzelle; Lutathera und das in Heidelberg entwickelte Pluvicto sind zugelassen. Dazu kommen Peptid-Impfstoffe in Studien und Thymosin alpha-1, das keinen Krebs heilen soll, sondern die Abwehr nach Chemo und Bestrahlung unterstützen.
Die Kernaussagen
- GnRH-Analoga wie Leuprorelin und Somatostatin-Analoga wie Octreotid und Lanreotid sind Peptide und seit Jahrzehnten leitliniengestützte Standardtherapie bei bestimmten Tumoren.
- Ronny Allan lebt seit 2010 mit einem metastasierten neuroendokrinen Tumor und hat über 200 Lanreotid-Spritzen bekommen; er berichtet von Juckreiz und Knötchen an der Einstichstelle, aber auch von deutlich weniger Flush-Attacken.
- In der Zulassungsstudie NETTER-1 mit 229 Patienten sank unter Lutathera das Risiko für Fortschreiten oder Tod um 79 Prozent; in NETTER-2 blieb die Erkrankung als erste Behandlung knapp 23 statt 8,5 Monate stabil.
- Der Wirkstoff von Pluvicto wurde am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg entwickelt; 2013 wurde in Bad Berka der weltweit erste Patient mit Lutetium-PSMA behandelt, in der VISION-Studie lebten die Männer im Mittel 15,3 statt 11,3 Monate.
- Eine Fallserie beschreibt drei Männer über 90, bei denen der PSA-Wert unter Pluvicto um 84 bis 98 Prozent fiel, mit milden Nebenwirkungen.
- Ein Peptid-Impfstoff zusätzlich zur Immuntherapie verlängerte beim Melanom die Zeit ohne Fortschreiten auf 19,4 statt 11 Monate, verfehlte das statistische Ziel aber knapp.
- Unter Thymosin alpha-1 trat bei Lungenkrebs während der Strahlenchemotherapie ein schwerer Abfall der Abwehrzellen bei 19 statt 62 Prozent auf; in einer italienischen Melanomstudie mit 488 Patienten gab es mehr Tumoransprechen ohne zusätzliche Nebenwirkungen.
Wo die Daten aufhören
Die Fallberichte sind Einzelfälle und keine Studien, sie zeigen, was möglich ist, nicht was zu erwarten ist. Die Daten zu Thymosin alpha-1 stammen überwiegend aus China und oft aus rückblickenden Auswertungen; in der Lungenkrebsstudie wurde die Vergleichsgruppe nachträglich zusammengestellt, der Überlebensvorteil in der Melanomstudie war knapp nicht signifikant. In Deutschland ist Thymosin alpha-1 nicht zugelassen, in über dreißig anderen Ländern schon. Peptid-Impfstoffe sind überwiegend noch Studienmedizin.
Wer sich für eine dieser Therapien interessiert, bespricht das mit dem Behandlungsteam — gerade weil sie mit Chemo, Bestrahlung und Immuntherapie zusammenspielen. Diese Seite ersetzt kein solches Gespräch und stellt keine Diagnose. Unabhängig und kostenlos beantwortet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums Fragen per Telefon oder Mail.
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Veröffentlicht am 25. September 2026.
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-26.