Podcast-Folge 154
Nandrolon – ein Steroid, eine Zahnpasta und sechzig Jahre Daten
1. Dezember 2026
Ein Olympiasieger, 2 positive Tests und eine manipulierte Zahnpasta: Nandrolon hat eine Kriminalgeschichte, vor allem aber über 60 Jahre Daten. Es ist eines der wenigen Mittel, bei denen die Wirkung nicht die offene Frage ist, sondern was davon bleibt.
Worum es geht
Nandrolon ist ein Testosteron, dem 1 Kohlenstoffatom fehlt: mehr Aufbau, weniger Vermännlichung, aber nicht keine. 1950 zuerst hergestellt, seit 1962 als Depotspritze im Einsatz, wurde es vor allem gegen Blutarmut bei kranken Nieren gegeben, bis Ende der 1980er-Jahre das Erythropoetin kam. Die Folge zeigt, was kontrollierte Studien belegen, nämlich mehr Magermasse, und was nicht verlässlich folgt, nämlich Kraft. Viel Raum bekommen die Menschen, die Steroide ohne Rezept nehmen: 100 Männer in Haarlem, die 1 Jahr lang begleitet wurden und offen vom Guten wie vom Schlechten berichteten, dazu die Forenüberzeugung, Nandrolon tue den Gelenken gut. Das sind Berichte, keine Wirkungsbelege, aber sie passen zu dem, was gemessen wurde. Am Ende steht: Die Wirkung ist echt, das meiste davon ist 3 Monate nach dem Absetzen wieder weg.
Die Kernaussagen
- Bei 29 Menschen an der Dialyse brachte Nandrolon in 6 Monaten 4,5 Kilo mehr fettfreie Masse, unter Placebo knapp 2 Kilo; die Griffkraft blieb in beiden Gruppen gleich.
- Eine Zusammenfassung von 20 placebokontrollierten Studien aus dem Jahr 2026 fand im Schnitt gut 1,5 Kilo mehr Magermasse, keine Änderung am Fett und keinen gesicherten Unterschied bei der Griffkraft.
- In Haarlem berichteten alle 100 begleiteten Männer, die Steroide allgemein nahmen, von etwas Positivem, vorneweg mehr Kraft, und jeder von mindestens einer Nebenwirkung; nach dem Absetzen hatten 58 Prozent weniger Lust auf Sex.
- Eine Folgearbeit derselben Gruppe fand 2026 bei 79 Männern während der Kur im Schnitt 4,4 Kilo mehr fettfreie Masse; 3 Monate nach dem Absetzen waren davon noch 1,2 Kilo übrig.
- Zur Forenüberzeugung, Nandrolon helfe den Gelenken, gibt es eine Pilotstudie aus Houston: Von 48 Männern antworteten 18, und 13 davon berichteten von deutlicher Besserung, allerdings ohne Placebo.
- In Haarlem enthielten nur 47 Prozent von 272 mitgebrachten Proben den Stoff, der auf dem Etikett stand; bei einer Prüfstelle in Zürich war von 71 Proben über die Hälfte gefälscht.
- Das Kölner Dopinglabor fand in 94 von 634 Nahrungsergänzungsmitteln aus 13 Ländern nicht deklarierte Steroide, meist Vorstufen von Testosteron und Nandrolon; schon Spuren machten im Versuch einen positiven Test.
Wo die Daten aufhören
Nandrolon baut Magermasse auf, doch die Kraft folgt der Masse nicht verlässlich, und Muskelaufbau bei Gesunden ist kein zugelassenes Anwendungsgebiet. In Deutschland ist Stand September 2026 kein Präparat auf dem Markt; in Österreich, den Niederlanden und der Schweiz ist es zugelassen, etwa bei schwerer Osteoporose nach den Wechseljahren. Die Haarlemer Zahlen gelten für Steroide allgemein und für Freiwillige, und die Gelenkstudie hat keine Vergleichsgruppe.
Die Nebenwirkungen sind seit Jahrzehnten bekannt. Die eigene Hormonachse läuft bei den meisten wieder an, bei manchen erst nach Monaten oder Jahren, mit Folgen für die Fruchtbarkeit. Kraftsportler mit mindestens 2 Jahren Steroiden hatten eine Pumpleistung des Herzens von 52 statt 63 Prozent. Bei Frauen kann eine tiefere Stimme bleiben. Die längeren Telomere bei 10 von 13 Menschen mit einer seltenen Erbkrankheit sagen für Gesunde nichts; eine Placebostudie bei Muskelschwund im Alter läuft in Polen, Ergebnisse stehen Stand September 2026 aus.
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Veröffentlicht am 1. Dezember 2026.
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- Nandrolon-Decanoat ist ein anabol-androgenes Steroid, erstmals 1950 synthetisiert, als Decanoat seit 1962 in der Medizin. Die Wirkung ist seit 60 JahrNandrolon-Decanoat
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-25.