Podcast-Folge 118
Finasterid – hundertsieben Haare und ein Rote-Hand-Brief
26. Oktober 2026
107 Haare mehr als in der Vergleichsgruppe nach 1 Jahr, gezählt auf 5,1 Quadratzentimetern. Und ein Rote-Hand-Brief vom 15. September 2025 zu Suizidgedanken. Diese Folge zeigt, warum zu derselben Tablette beide Sätze stimmen.
Worum es geht
Finasterid hemmt die 5-Alpha-Reduktase, die Testosteron zu Dihydrotestosteron umbaut, und bremst so bei Veranlagung das Schrumpfen der Haarwurzeln. Der Effekt ist in 2 verblindeten Studien gezählt, nicht geschätzt. Seit einem europaweiten Prüfverfahren stehen Suizidgedanken als Nebenwirkung der Tabletten in der Produktinformation, mit unbekannter Häufigkeit; die Meldungen kamen überwiegend von Männern, die das Mittel gegen Haarausfall nehmen. Die Folge ordnet auch sexuelle Funktionsstörungen ein, die zu Stimmungsänderungen beitragen können, und das sogenannte Post-Finasterid-Syndrom, das als Krankheitsbild nicht etabliert ist. Die Zulassung bleibt, geändert wurde die Information. Am Ende steht: nicht heimlich absetzen, und bei gedrückter Stimmung oder sexuellen Funktionsstörungen nicht abwarten, sondern ärztlichen Rat einholen.
Die Kernaussagen
- In 2 einjährigen Studien von 1998 mit 1553 Männern zwischen 18 und 41, verblindet gegen Scheinmedikament, lag die Haarzahl nach 1 Jahr um 107 über der Vergleichsgruppe, nach 2 Jahren um 138.
- Gezählt wurde in einem Kreis von 1 Zoll am Wirbel bei einem Ausgangswert von 876 Haaren; der Abstand entsteht auch, weil die Vergleichsgruppe weiter verlor.
- Über 5 Jahre war weiterer sichtbarer Haarverlust um 93 Prozent unwahrscheinlicher — relativ gerechnet und gemessen als Weiterverlieren, nicht als Nachwachsen.
- Von 325 Fällen von Suizidgedanken in der europäischen Nebenwirkungsdatenbank betrafen 313 Finasterid; aus der Prostata-Anwendung kamen bei 5-facher Dosis rund 10-mal weniger Meldungen.
- Sexuelle Funktionsstörungen traten laut einer Übersicht über 41 Arbeiten in placebokontrollierten Studien bei 1,9 bis 6,7 Prozent auf, unter Placebo bei 0,9 bis 3,9 Prozent.
- Eine Prostatastudie mit im Mittel 20 Jahren Nachverfolgung über Versicherungsdaten fand bei 22 abgefragten Beschwerdebildern keinen statistisch auffälligen Unterschied.
- Die EU-Kommission entschied im August, das Bundesinstitut setzte es am 9. September um, und 6 Tage später ging der Rote-Hand-Brief heraus.
Wo die Daten aufhören
Die Häufigkeit der Suizidgedanken ist ausdrücklich nicht bekannt, eine eigene Kategorie: nicht abschätzbar auf Grundlage der verfügbaren Daten. 313 Meldungen stehen rund 270 Millionen geschätzten Patientenjahren gegenüber, doch eine Meldezahl ist keine Häufigkeit — gemeldet wird ein Bruchteil, und je bekannter eine Nebenwirkung ist, desto mehr. Für das Spray auf die Kopfhaut wurde nichts geändert, weil die Belege nicht reichten.
Die beruhigende Langzeitauswertung betrifft Männer über 50 mit der höheren Dosis. Für junge Männer, die die niedrige Dosis gegen Haarausfall nehmen, gibt es keine Langzeitstudie; die vorhandene ist beruhigend, aber nicht zuständig. Dass die Funktionsstörungen nach dem Absetzen „meist“ zurückgingen, lässt offen, was bei den übrigen passiert, und genau daran hängt der Streit um das Post-Finasterid-Syndrom. Eine Auswertung von rund 143000 Beiträgen aus sozialen Netzwerken zeigt vor allem Sorge, ist aber ausgezählte Selbstauskunft und nicht repräsentativ. Das Mittel ist verschreibungspflichtig; wer etwas an sich bemerkt, spricht mit der Praxis, die es verordnet hat.
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Veröffentlicht am 26. Oktober 2026.
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- Der Effekt am Haar ist gezählt, nicht behauptet: 107 Haare mehr als unter Placebo nach einem Jahr. Seit September 2025 steht ein Rote-Hand-Brief zu SuFinasterid
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-22.