Podcast-Folge 117
Der Stehschreibtisch – dreiundachtzigtausend Menschen, und fürs Stehen kam nichts heraus
25. Oktober 2026
83013 Menschen trugen 7 Tage lang ein Messgerät am Handgelenk, und fürs Stehen kam beim Herzen nichts heraus. Trotzdem ist der Stehschreibtisch nicht umsonst gekauft — diese Folge zeigt, was er bringt und was nicht.
Worum es geht
Die bisher größte Arbeit, die Sitzen und Stehen getrennt gemessen hat, stammt aus der UK-Biobank. Langes Sitzen war dort mit mehr schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen verbunden, Stehen dagegen weder in die eine noch in die andere Richtung — dafür steigt oberhalb von 2 Stunden Stehen am Tag das Risiko für Leiden, bei denen das Blut nach unten sackt, etwa Krampfadern oder Schwindel beim Aufstehen. Die Folge prüft auch die Versprechen, mit denen der Tisch verkauft wird: Rücken und Kalorien. Belegt ist etwas anderes, nämlich dass der Tisch die Sitzzeit deutlich senkt und dem Befinden guttut. Am Ende steht: Der Tisch senkt die Sitzzeit, er ersetzt das Gehen nicht, und langes Stehen am Stück ist keine Tugend.
Die Kernaussagen
- In der UK-Biobank mit 83013 Erwachsenen, nachbeobachtet 6,9 Jahre, stieg das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um 15 Prozent je Stunde Sitzen oberhalb von 10 Stunden am Tag.
- Für Krampfadern, Venenschwäche und Schwindel beim Aufstehen steigt das Risiko um 11 Prozent je weiterer halber Stunde Stehen oberhalb von 2 Stunden — der Durchschnitt der Kohorte lag bei 2,1 Stunden.
- Das Gerät erkennt Sitzen zu 88 und Stehen zu 80 Prozent richtig, in einer zusätzlichen unabhängigen Prüfung insgesamt zu 84 Prozent.
- In britischen Kommunalverwaltungen mit 756 Beschäftigten saßen die Leute über 12 Monate mit Tisch knapp 64 Minuten weniger am Tag, mit demselben Programm ohne Tisch gut 22.
- Stehen verbraucht nach 46 Studien mit 1184 Menschen 0,15 Kilokalorien pro Minute mehr als Sitzen, bei 6 Stunden und 65 Kilo etwa 54 Kilokalorien am Tag.
- Lässt man Gesunde 2 Stunden am Stück stehen, bekommen je nach Versuch 40 bis 58 Prozent neue Rückenschmerzen; 5 Minuten Gehen alle 25 Minuten senkte den Anteil von 58 auf 26 Prozent.
Wo die Daten aufhören
Die große Studie ist Beobachtung. Wer viel steht, arbeitet anders, ist anders krank, verdient anders. Mit nur Alter und Geschlecht im Modell sah Stehen schützend aus; mit Rauchen, Alkohol, Körpergewicht und Bildung löste sich der Schutz auf. Eine Kontrollrechnung mit Unfällen als Endpunkt zeigte kein ähnliches Muster, was die Befunde schwerer wegzuerklären macht, aber nicht zur Ursache. Der direkte Vergleich fehlt: Niemand hat Menschen zugelost, zu gehen statt zu stehen, und dann Herzinfarkte gezählt.
Zum Rücken fand eine Übersichtsarbeit mit 3 Studien keinen Unterschied, aber bei so starken Widersprüchen, dass es ein Hinweis bleibt. Der Gehversuch hatte nur 19 Teilnehmende. Aus den 54 Kilokalorien macht eine Umrechnung 2,5 Kilo Fett im Jahr, unter der Annahme, dass sich sonst nichts ändert; in einer kleinen Tischstudie saßen die Leute bei der Arbeit 33 Minuten weniger und in der Freizeit 23 Minuten mehr, der zweite Teil ist nicht gesichert. Wer Krampfadern hat oder beim Aufstehen schwindelig wird, bespricht langes Stehen mit einer Ärztin.
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Veröffentlicht am 25. Oktober 2026.
Das Thema in der Datenbank
- In der größten Messung an 83.013 Erwachsenen hatte Stehen keinen Zusammenhang mit schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen. Der Schaden des langen Sitzens Stehschreibtisch – gegen das Sitzen, nicht fürs Stehen
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-22.