Biohacking Kompakt

Podcast-Folge 116

Aspirin zur Vorbeugung – mehr Todesfälle als unter Placebo

24. Oktober 2026

In der größten Studie zu Aspirin bei gesunden älteren Menschen starben in der Aspiringruppe mehr als unter Placebo. Diese Folge trennt die beiden Gruppen, die dieselbe Tablette nehmen, und erklärt, warum das Ergebnis nur für eine davon gilt.

Worum es geht

Aspirin nach Infarkt oder Schlaganfall, die Sekundärprävention, ist gut belegt, und daran ändert diese Folge nichts. Es geht um Menschen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung, die vorsorglich eine Tablette nehmen. Schon eine Sammelauswertung von 2009 zeigte bei ihnen einen Gewinn in derselben Größenordnung wie den Preis durch Blutungen. Die ASPREE-Studie hat die Frage 2018 an gesunden Menschen ab 70 noch einmal gestellt: kein Nutzen beim Hauptziel, keiner fürs Herz, dafür mehr schwere Blutungen und eine höhere Sterblichkeit, getragen von Krebstoden. Die amerikanische Präventionskommission rät seit 2022, ab 60 nicht neu damit anzufangen. Nicht anfangen ist dabei etwas anderes als aufhören: Wer Aspirin nach Infarkt, Schlaganfall oder auf ärztliche Anweisung nimmt, setzt es nicht ab.

Die Kernaussagen

  • Nach Infarkt oder Schlaganfall senkt Aspirin schwere Gefäßereignisse von 8,2 auf 6,7 Prozent im Jahr, so eine Sammelauswertung von 16 Studien mit 17000 Vorerkrankten.
  • Bei Gesunden fand dieselbe Auswertung über 6 Studien mit 95000 Menschen 0,51 gegen 0,57 Prozent im Jahr, während die Blutungen von 0,07 auf 0,1 Prozent stiegen.
  • In ASPREE mit 19114 Teilnehmenden, mittleres Alter 74, lag das Hauptziel nach im Median 4,7 Jahren bei 21,5 gegen 21,2 Ereignissen je 1000 Personenjahre.
  • Bei 1052 Todesfällen lag die Sterblichkeit unter Aspirin bei 12,7 gegen 11,1 je 1000 Personenjahre, Risikoverhältnis 1,14, Vertrauensbereich 1,01 bis 1,29.
  • An Krebs starben 3,1 gegen 2,3 Prozent, Risikoverhältnis 1,31 — ein Befund aus einer nachträglichen, nicht geplanten Auswertung der Todesursachen.
  • Geplant war dagegen der Blutungsbefund: 8,6 gegen 6,2 schwere Blutungen je 1000 Personenjahre, Risikoverhältnis 1,38; fürs Herz 0,95, ohne klaren Unterschied.
  • In einer amerikanischen Befragung von 2023 unter 2657 Menschen zwischen 50 und 80 nahmen 14,5 Prozent regelmäßig Aspirin ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung, 22,7 Prozent davon ohne ärztliche Empfehlung.

Wo die Daten aufhören

Das Krebssignal ist der schwächste Teil. Es stammt aus einer nicht geplanten Auswertung, und die Autoren nennen es selbst unerwartet und mit Vorsicht zu lesen. Über 10 Jahre nachverfolgt blieb die Krebssterblichkeit mit 1,15 erhöht, obwohl nicht mehr Menschen an Krebs erkrankten (0,98); die Krebse der Aspiringruppe wurden häufiger erst im Stadium 4 entdeckt. Dass Aspirin bei Älteren das Fortschreiten beschleunigen könnte, ist eine Vermutung der Autoren, kein Befund. Nach dem Absetzen war der Unterschied weg (1,02). Auch der bekannte Schutz vor Darmkrebs, gewonnen an Mittelalten, fand sich bei den über 70-Jährigen nicht (1,01).

Die Ergebnisse gelten für Gesunde ab 70, in den USA für Schwarze und Hispanics ab 65. Für 40- bis 59-Jährige mit hohem Risiko sieht die Leitlinie einen Einzelfall mit kleinem Nettonutzen. Einen Satz zum Aufhören enthält sie nicht; wer schon nimmt, klärt das in der Praxis. 29,4 Prozent in der Befragung glaubten, Aspirin senke das Demenzrisiko — Demenz war Teil des Hauptziels von ASPREE, ohne Unterschied.

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Veröffentlicht am 24. Oktober 2026.

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-22.